Ärztegenossenschaft

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Der genossenschaftliche Gedanke ist nicht neu, Volks- und Raiffeisenbanken bekannte Beispiele aus dem Alltag. Die Suche nach anderen Organisationsformen bei den niedergelassenen Vertragsärzten als Gegengewicht, Ergänzung oder Ablösung des Prinzips der Kassenärztlichen Vereinigung nach SGB V führte zu deren Gründung auch im ärztlichen Bereich überall in Deutschland. Lokal begrenzte Ärztenetze gaben sich diese Rechtsform.

  • Die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein wurde am 24. Mai 2000 als erste landesweit agierende Ärztegenossenschaft Deutschlands gegründet. Mittlerweile haben ihr über 2.200 Ärzte und Psychotherapeuten durch ihre Mitgliedschaft das Vertrauen ausgesprochen. Dies entspricht knapp 50% der in Schleswig-Holstein niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.


Inhaltsverzeichnis

Genossenschaft für Ärzte

So heisst es z.B. beim GNSued in der Präambel:

Die Ärztegenossenschaft Süd eG ist ein freiwilliger Zusammenschluß von niedergelassenen Vertragsärzten, Psychotherapeuten und - soweit es der Genossenschaft nützt - sonstigen Leistungserbringern im Gesundheitswesen. Sie beruht auf dem Gedanken der solidarischen Berufsausübung und organisierten Selbsthilfe im Gesundheitswesen.
Das wesentliche Ziel der Genossenschaft besteht in der Wahrnehmung der Interessen Ihrer Mitglieder sowie in der Förderung und Verbesserung der medizinischen Versorgung im Bereich der KV Süd-Württemberg. Dies soll insbesondere durch die Sicherung und Stärkung der Ertragskraft der Praxen der Beteiligten sowie die Schaffung flexibler Reaktionsmöglichkeiten auf politische Veränderungen und damit die Sicherung der mittelständisch geprägten vertragsärztlichen Versorgungsstrukturen geschehen.
Die Genossenschaft unterstützt ihre Mitglieder im Zusammenhang mit deren beruflicher Tätigkeit, insbesondere durch die Erbringung von Leistungen, die flexibel auf neue gesetzliche Vorgaben und politische Veränderungen reagieren, damit insbesondere die vertragsärztlichen/psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen gefestigt oder erhalten werden. Unterstützt und gefördert wird die vertragsärztliche sowie privatärztliche medizinische Versorgung in Süd-Württemberg.und die Stärkung der Marktposition der einzelnen Mitglieder gegenüber den oligopolartig organisierten Sozialversicherungsträgern. Die Kassenärztliche Vereinigung Süd-Württemberg wird hierbei eingebunden.
Die gesamte Satzung als pdf-Datei findet sich hier: Satzung GNSued
Ärztegenossenschaften unterliegen wie die Banken der genossenschaftlichen Aufsicht.

Wichtige Rechte der Mitglieder sind nach Satzung z.B. folgende:

  • an der Generalversammlung, an ihren Beratungen, Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen und dort Auskünfte über Angelegenheiten der Genossenschaft zu verlangen;
  • Anträge für die Tagesordnung der Generalversammlung einzureichen; hierzu bedarf es der Unterschrift von mindestens 1/50 der Mitglieder;
  • bei Anträgen auf Berufung außerordentlicher Generalversammlungen mitzuwirken; zu solchen Anträgen bedarf es der Unterschrift mindestens von 1/10 der Mitglieder;

Die Genossenschaftsorganisation ist ein tragfähiges und wichtiges Modell für die Ärzte, um ihre gesellschaftliche und politische Rolle zu stärken, bescheinigte der renommierte Gesundheitssystemforscher und Politikberater Professor Dr. Fritz Beske der ägnw als Gastreferent auf der Generalversammlung.

Ärztegenossenschaften fallen zuweilen in der politischen Debatte mit "offenen Briefen" auf.

Der "Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V." (DGRV) ist in der offiziellen Lobbyisten-Liste beim Bundestag eingetragen, unter anderem mit folgenden Angaben:


I n t e r e s s e n b e r e i c h

Förderung und Vertretung der einheitlichen Interessen der Mitglieder und der diesen angeschlossenen genossenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere die Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen, rechtspolitischen und steuerlichen Belange.

Mitgliederzahl: 16.300.000

  • Die Ärztegenossenschaft SH bündelt die politische und wirtschaftliche Kraft der freien Ärzteschaft aus gemeinsamer Verantwortung für eine menschenwürdige Medizin. - Unter diesem Motto steht die Arbeit der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein. Daraus ergeben sich folgende Aufgaben, die für die Mitglieder wahrgenommen werden:
• Gemeinsame Interessenvertretung gegenüber Kassen und Politik
• Förderung und Unterstützung der Berufsausübung in der freien Arztpraxis
• Die Sicherung der Marktposition insbesondere der niedergelassenen Vertragsärzte/Psychotherapeuten
• Einsatz für freie Arztwahl und Therapiefreiheit für die Patienten
• Nutzung neuer Vertragsmöglichkeiten im Gesundheitswesen
• Besetzung und Gestaltung des Marktes für Gesundheitsgüter
  • Ziele (nach GNSued im neu gestalteten Internetauftritt Dezember 2010)
Zu früh gegründet?
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Zu früh gegründet?
Das Gesundheitsnetz Süd e.G. stellt eine überregionale Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte/-innen und Psychoterapeuten/-innen dar, die gemeinsam und zielgerichtet das Gesundheitswesen in Deutschland aktiv mitgestalten wollen.
Das wesentliche Ziel des Gesundheitsnetzes Süd e.G. besteht in der Wahrnehmung der Interessen ihrer Mitglieder sowie in der Förderung und Verbesserung der medizinischen Versorgung in Baden-Württemberg. Im Einzelnen beinhaltet dies:
Sicherung und Stärkung der Ertragskraft der beteiligten Arztpraxen durch :
  1. Rahmenabkommen mit relevanten Lieferanten und Leistungserbringern
  2. Qualitätssicherungsprojekte
  3. Marketing für alle Mitglieder
  4. Personalmanagement und Personalentwicklung
  5. Erbringung sonstiger Dienstleistungen zur Sicherung der wirtschaftlichen Vorteile
  6. Nutzung von Synergieeffekten aus den regionalen Netzen
Schaffung flexibler Reaktionsmöglichkeiten auf politische Veränderungen und damit die Sicherung der mittelständisch geprägten vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen
Förderung von berufspolitischen Aktivitäten der Ärzte und Psychotherapeuten
Realisierung einer leistungsgerechten Vergütung der niedergelassenen Ärzte
Erhalt und Weiterentwicklung der ambulanten niedergelassenen Medizin

Kritik

  • GENERIKA-GESCHÄFTE - "Das ist eindeutig illegal" - Der SPD-Politiker Klaus Kirschner und das Bundesgesundheitsministerium fordern die zuständige Ärztekammer auf, gegen die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein einzuschreiten. Nach Ansicht des Ministeriums verstoßen die Mediziner gegen die Berufsordnung, indem sie von ihren eigenen Verschreibungen profitieren. Die Ärztegenossenschaft wurde 2000 nur wenige Monate vor der Q-Pharm gegründet. Q-Pharm vertreibt verschiedene Generika und expandiert derzeit in andere Bundesländer. Die Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, Ina Klaus, sagte: "Hier werden Berufsethos und wirtschaftliches Interesse klar vermischt. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein muss einschreiten." Es sei zwar ehrenwert, wenn Ärzte Geld sparen wollten: "Aber so geht das nicht."
(nach SPIEGEL im Oktober 2004)


Bilanz - 2013

  • Die Ärztegenossenschaft Nord erzielte [2012] einen Überschuss von mehr als 128.000 Euro. Der Umsatz erreichte 1,3 Millionen Euro. Die wichtigste Ertragssäule ist die Abwicklung von Selektivverträgen zwischen Kassen und Arztgruppen.

Zitate

Aktivitäten im Bundestagswahlkampf 2009
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Aktivitäten im Bundestagswahlkampf 2009
Aktivitäten im Bundestagswahlkampf 2009
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Aktivitäten im Bundestagswahlkampf 2009
  • 350 Ärzte gründen Genossenschaft - Wirtschaftliche Sicherung der Praxen ein Hauptanliegen - Ärzte in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) haben die Ärztegenossenschaft "Gesundheitsnetz Südwürttemberg" (GNSW) gegründet. Auch der Vizepräsident der Landesärztekammer und Vorsitzende des NAV Virchowbundes, Dr. Maximilian Zollner, unterstrich die Bedeutung einer genossenschaftlichen Struktur für alle Ärzte und Psychotherapeuten in Südwürttemberg vor dem Hintergrund der Pläne der rot-grünen Koalition. Dem Ansinnen, Ärzte als Angestellte in Gesundheitszentren einzukaufen oder mit Einzelverträgen aus dem Kollektiv herauszubrechen, könne nur mit einer geschlossenen Phalanx niedergelassener Ärzte entgegen getreten werden, sagte Zollner. April 2003
  • Es ist empirisch abgesichert, dass die Orientierung an der nachhaltigen Wertsteigerung zentrale unternehmerische Erfolgsbedingung und Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit ist. Sowohl die Shareholder Value-Orientierung als auch die Orientierung am genossenschaftlichen Förderauftrag sind als strategische Ausrichtungen mit dem Konzept der wertorientierten Unternehmensführung vereinbar. Beide Konzepte sind theoretisch fundiert und haben jeweils Vor- und Nachteile in der konkreten Umsetzung. Beiden ist gemeinsam, dass sie in der Diskussion häufig ideologisch überfrachtet werden und dass nicht zwischen Ideal- und Realsystemen unterschieden wird. "Shareholder Value" und "genossenschaftlicher Förderauftrag" - Zwei unvereinbare strategische Ausrichtungen? von Prof. Dr. Theresia Theurl, Geschäftsführende Direktorin, Institut für Genossenschaftswesen (IfG), Münster / Bundesrepublik Deutschland
Titelblatt GNS-Magazin Dezember 2011
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Titelblatt GNS-Magazin Dezember 2011
  • Das Gesundheitsnetz SüdeG, GNS stellt eine überregionale Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte dar, die gemeinsam und zielgerichtet das Gesundheitswesen in Deutschland aktiv mitgestalten will. Das wesentliche Ziel des Gesundheitsnetz Süd eG, GNS besteht in der Wahrnehmung der Interessen ihrer Mitglieder sowie in der Förderung und Verbesserung der medizinischen Versorgung in Baden-Württemberg. Im Einzelnen beinhaltet dies:
Sicherung und Stärkung der Ertragskraft der beteiligten Arztpraxen durch:
Rahmenabkommen mit relevanten Lieferanten und Leistungserbringern
Qualitätssicherungsprojekte
Marketing für die Mitglieder
Personalmanagement und Personalentwicklung
Erbringung sonstiger Dienstleistungen zur Sicherung wirtschaftlicher Vorteile
Nutzung von Synergieeffekten aus den regionalen Netzen
Schaffung flexibler Reaktionsmöglichkeiten auf politische Veränderungen und damit die Sicherung der mittelständisch geprägten vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen, Förderung von berufspolitischen Aktivitäten der Ärzte und Psychotherapeuten, Realisierung einer leistungsgerechten Vergütung der niedergelassenen Ärzte
Schaffung einer Parallelstruktur zur KV als ein Instrument, das ohne Rücksicht auf sozialpolitische Vorgaben auf politischen Druck reagieren kann
Erhalt und Weiterentwicklung der ambulanten, niedergelassenen Medizin
Die regionalen Ärztenetze sollen dabei nicht ersetzt werden. Vielmehr sollen die Impulse und Ideen gebündelt werden,um dadurch gegenüber den Krankenkassen und der Politik die Verhandlungsposition zu stärken. Es ist uns wichtig, die dezentrale Basisstruktur der Ärztenetze beizubehalten. (nach GNS im dialog VII/12.2005 Dr. K. Lenz)
  • Mit Blick auf die gesundheitspolitischen Veränderungen der letzten zehn Jahre stellte Klaus Bittmann fest: „Die Landschaft hat sich sehr stark gewandelt. Die Ärztegenossenschaft hat den Wandel nicht verhindert, nicht wirksam beeinflussen können, keine paradiesischen Inseln in der umkämpften Welt der ambulanten Versorgung geschaffen – aber wir haben den Wandel rechtzeitig erkannt und unsere Wege und Ziele von Anfang an darauf ausgerichtet.“ Der Stellenwert der Kassenärztlichen Vereinigung für die niedergelassenen Ärzte hat sich aber offenbar auch in der Zeit des Wandels nicht so sehr verändert. „Die meisten Niedergelassenen arrangieren sich, wenn auch murrend, mit den bestehenden Rahmenbedingungen. Die behütende Werkstatt Kassenärztliche Vereinigung wird von uns kritisiert, aber im Sinne aller Zwangsmitglieder und der verbliebenen Bedeutung nicht angegriffen.“ (24. Mai 2000 - 2010 10 Jahre besteht die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein)

Verhältnis Genossenschaft - KV

  • Bei einer Klausurtagung von Aufsichtsrat und Vorstand von GNS in Langenau am 03.10.2009, wurde folgende Position beschlossen:
1. GNS wird sich an den KV Wahl 2010 beteiligen
2. GNS wird künftig keine Verträge wie z.B. nach § 73 b und c SGB V abschließen, die zu Lasten anderer Arztgruppen gehen
3. Die KV Struktur wird noch viele Jahre erhalten bleiben - wir wollen sie für unsere Zwecke nutzen
Ad 3: Wir wollen die Möglichkeiten einer geeinten Ärzteschaft nutzen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, eine weitere Aufspaltung unseres Berufstandes und der Durchsetzung von Partikularinteressen zu verhindern.
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