Ärztemangel
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In Deutschland werden Ärzte immer knapper, insbesondere in den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen. In den nächsten zehn Jahren werden dort beispielsweise 35 bis 40 Prozent der Allgemeinmediziner aus Altersgründen ausscheiden. In Sachsen-Anhalt fehlen bereits jetzt 120 Hausärzte.
Das Durchschnittsalter der in eigener Praxis niedergelassenen Ärzte betrug im Jahr 2003 50,5 Jahre, 1993 nur 46,56 Jahre. Nachwuchs fehlt immer mehr: Die Zahl der Absolventen eines medizinischen Studiengangs nahm von 1993 bis 2003 um 20 Prozent ab. Viele Studenten brechen ihr Medizinstudium ab oder wechseln die Fachrichtung.
Immer mehr Mediziner nehmen nach der Ausbildung eine Stellung in der Verwaltung oder in der Industrie an, da sie die Arbeitsbedingungen dort als besser empfinden. Das wird beim Begriff der "Arztdichte" natürlich nicht berücksichtigt.
"Der Arztberuf im Wandel der Gesellschaft" - Vortrag Prof. Kolkmann, Ärztekammerpräsident in Baden-Württemberg Karlsruhe 2003
"Arztberuf in der Krise" Veränderung beginnt im Kopf Ruebsam-Simon, Ekkehard
Inhaltsverzeichnis |
Bedarfsplanung
RVO
SGB V
- § 99 Bedarfsplan
- (1) Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben im Einvernehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen sowie im Benehmen mit den zuständigen Landesbehörden nach Maßgabe der vom Gemeinsamen Bundesausschuss erlassenen Richtlinien auf Landesebene einen Bedarfsplan zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung aufzustellen und jeweils der Entwicklung anzupassen. Die Ziele und Erfordernisse der Raumordnung und Landesplanung sowie der Krankenhausplanung sind zu beachten. Der Bedarfsplan ist in geeigneter Weise zu veröffentlichen.
- (2) Kommt das Einvernehmen zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen, den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen nicht zustande, kann jeder der Beteiligten den Landesausschuß der Ärzte und Krankenkassen anrufen.
- (3) Die Landesausschüsse beraten die Bedarfspläne nach Absatz 1 und entscheiden im Falle des Absatzes 2.
Zitate
KBV
- Klartext-Ausgabe vom 01.01.2007 - Ernst, aber nicht humorlos
- Geiz macht krank. Zuerst die Patienten, die nicht mehr bedarfsgerecht versorgt werden, dann die Ärzte, deren Leistungen immer stärkeren Restriktionen unterliegen. Deshalb startete die KBV im November eine Kampagne, die vor allem eines wollte: mit überraschenden Mitteln über die Reformfolgen informieren. Näheres von Alexandra Bodemer.
- Es ist das wohl größte Protestplakat auf deutschem Boden – und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens bedeckte es 70.000 Quadratmeter, eine Fläche so groß wie zehn Fußballplätze. Aus dem Flieger waren die 40 Meter hohen Buchstaben gut zu erkennen: „Geiz macht krank“ lautete die kurze Botschaft, ein Hinweis auf die gleichnamige Internetseite (www.geizmachtkrank.com). 136.000 Passagiere starten und landen täglich auf dem Rhein-Main-Flughafen. Die Chancen standen also nicht schlecht, dass einige Neugierige auf die Seite klicken, um herauszufinden, wer dahintersteckt. Die Installation des Megatransparents bildete den Auftakt einer PR-Kampagne, die die KBV zusammen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Mitte November gestartet hat, um auf ihre Kritik an der Gesundheitsreform und deren Folgen aufmerksam zu machen. Das Zeitfenster war klein, denn ursprünglich wollte der Gesetzgeber das Verfahren bis Ende des Jahres abgeschlossen haben. Die Strategie der KBV war es, in kurzen Abständen mit überraschenden Aktionen in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit zu sorgen.
- Geiz macht krank - die längste Garderobe der Welt vor dem Reichstag
- Statement von Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender des Vorstands der KBV, anlässlich der Pressekonferenz in Berlin
- Sehr geehrte Damen und Herren, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Schauen Sie sich das Bild an, das tausende von Arztkitteln an der längsten lebenden Garderobe der Welt vor dem Reichstag heute bieten. Dieses Bild ist das Symbol, das die Auswirkungen dieser Reform darstellt: massenweise Pleiten von Arztpraxen, tausende von deutschen Ärzten, die ins Ausland auswandern oder lukrativere Arbeit in anderen Bereichen als der Patientenversorgung zu suchen. Leidtragende sind Ärzte und ihre Mitarbeiter. Vor allem aber die Patienten, die sich auf Wartelisten, längere Wege und Rationierung einstellen müssen.
- Das muss man sich vorstellen: diese Bundesregierung führt eine zentrale Planwirtschaft mit einem einheitlichen Beitrag für alle Krankenkassen ein und nennt das dann Wettbewerbsstärkungsgesetz! Mit diesem Gesetz wird unser – trotz unzähliger Kostendämpfungsgesetze - heute immer noch gutes ambulantes Versorgungssystem endgültig zerschlagen. Anstatt des heutigen pluralistischen Angebots mit vorwiegend freiberuflich tätigen niedergelassenen Haus- und Fachärzten, die flächendeckend eine qualitativ hochwertige Versorgung bieten, wird es einen staatlich dominierten Sektor der Kollektivverträge geben, der ganz gezielt ausgetrocknet wird, weil die Mittel fehlen.
- Der Ärztemangel in Deutschland wird zunehmend zu einem Versorgungsproblem. In den nächsten zehn Jahren wird die Zahl der Hausärzte voraussichtlich um 7.000 sinken. Auch die Lücken in der stationären ärztlichen Versorgung werden immer größer. Allein im vergangenen Jahr 2009 wanderten 2.486 deutsche Ärztinnen und Ärzte aus. Insgesamt sind gegenwärtig rund 17 000 deutsche Mediziner im inner- und außereuropäischen Ausland tätig. „Sie fehlen uns hier. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen für Ärzte in Deutschland attraktiver werden“, erklärte Andreas Köhler.
- Aber Geld ist oft nicht der Grund, warum die Dorfpraxen eingehen. "Die Frage des Honorars ist wichtig, stellt aber nicht die ausschlaggebende Größe dar", sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Der Landarzt hat eben nicht generell einen geringeren Praxisumsatz als sein Kollege in der Stadt." Viel wichtiger sind andere Gründe: "Landarzt ist ein Knochenjob", so Stahl. "Niedergelassene Mediziner auf dem Land versorgen große Gebiete, sind auch an vielen Abenden und Wochenenden im Dienst." Dazu kommen Fragen wie: Gibt es auch Jobs für den Partner? Gute Schulen für die Kinder?
Gesundheitspolitiker
- „Mittlerweile gibt es Bezirke mit 100.000 Einwohnern, in denen es nicht einen einzigen Augenarzt mehr gibt“, sagte Karl Lauterbach. Und auch bei Kinderärzten gebe es in vielen Vororten der großen Städte eine dramatische Situation. „Das Problem schreitet rasant voran und führt zu einer prekären Unterversorgung für Einkommensschwache“, sagte der SPD-Politiker. Ursache für die Entwicklung ist nach Lauterbachs Darstellung die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigungen, die Planungsbezirke massiv auszudehnen, von einzelnen Stadtbezirken auf das ganze Stadtgebiet. Ein Hautarzt oder ein anderer Facharzt könne daher ohne Probleme mit seiner Praxis in Berlin vom armen Neukölln ins reiche Charlottenburg ziehen oder in Frankfurt/Main von Bonames nach Bornheim. „Dort gibt es dann keine Einkommensschwachen und Migranten, sondern wohlhabende Privatversicherte“, erläuterte Lauterbach. Er forderte gesetzliche Änderungen, um die Planungsbezirke wieder zu verkleinern. Freitag, 30. April 2010
- Interview mit Dr. med. Helge Braun, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung „Mehr Medizinstudienplätze sind keine Lösung“ - In den letzten zehn Jahren sind 17 000 Ärzte aus Deutschland ins Ausland gegangen. In Europa sind Holland und Norwegen die beiden Länder, die im Verhältnis zu ihren Studienplätzen den höchsten Nettoimport von Ärzten haben. Darüber muss man diskutieren – auch wegen der hohen Kosten für Medizinstudienplätze. Und es ist die Frage, was mit dem beruflichen Umfeld von Ärzten nicht in Ordnung ist, wenn die Zahl derer, die ins Ausland gehen, so hoch ist.
- Wir fordern die ärztliche Selbstverwaltung, die für die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit ambulanten ärztlichen Leistungen verantwortlich ist, nachdrücklich auf, diese ihr zur Verfügung stehenden Instrumente zur Sicherstellung einer flächendeckenden ärztlichen Versorgung - insbesondere bei lokalen Versorgungsengpässen – zielorientiert und konsequent einzusetzen und Ärztinnen und Ärzte verstärkt zu beraten. (Aktionsprogramm „Landärzte“ der Landesregierung - Sicherung der flächendeckenden ambulanten ärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg 2011)
- Ideen zum geplanten Versorgungsgesetz 2011: Die Menschen wissen es zu schätzen, dass es eine wohnortnahe Versorgung gibt“, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). „Ohne mehr Flexibilität in der Bedarfsplanung und ohne die notwendigen Anreize für Mediziner in unterversorgten Gebieten droht ein zunehmender Mangel an Hausärzten, aber auch an Fachärzten.“ Das würde sich am Ende nicht nur negativ auf die Versorgung auswirken, sondern auch mehr kosten. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass die abgerechneten Leistungen von Niedergelassenen in unterversorgten Regionen nicht mehr abgestaffelt werden, wenn diese ihr Regelleistungsvolumen überschritten haben. Darüber hinaus sollen Bedarfsplanung und Honorierung in den Regionen flexibler geregelt werden.
Deutsche Krankenhausgesellschaft
- Auch was den Ärztemangel angehe, konzentriere sich die Politik mit dem Versorgungsstrukturgesetz zu stark auf den niedergelassenen Bereich, ergänzte Rudolf Kösters: „Dazu, wie man den Ärztemangel in den Kliniken bekämpfen kann, findet sich keine Zeile.“ Der DKG-Präsident hat auch eine Theorie, warum das so ist: Wenn ein Landarzt seine Praxis schließe, seien fünf Kamerateams vor Ort, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Ein einzelnes Krankenhaus habe demgegenüber aber kein Interesse daran, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass es Versorgungsengpässe geben könne, weil Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzt sind.
Bundesärztekammer
- Die (bundes) Deutsche Ärztekammer in Köln. Bewahrer und Mehrer des Geschäftes mit der Krankheit, sieht die Lage freilich anders. Sie wähnt die mitteldeutschen Ärzte und ihre Patienten in einer bösen Zwickmühle, dem "Räderwerk des Kollektivzwangs". Mit dem Bewußtsein hapert es - SPIEGELReport über das Gesundheitswesen in der DDR DER SPIEGEL 49/1974
Einzelbilanzen - Kollegenbeispiele
Deutschland und sein "bewährtes System"
- Maßnahmen gegen Ärztemangel --- WARUM ?
- Vor der Behandlung, vor Massnahmen brauchts ne Diagnose, oder !
- Warum fragt den niemand aus der oberen Etage die erfolgreichen Absolventen eines Medizinstudiums, warum sie nicht der Patientenversorgung in Futschland zur Verfügung stehen wollen ?
- Warum braucht es für Allgemeinmediziner Stützgelder, Fangprämien, kostenlose Praxisräume von der Gemeinde, Studienplatzquoten, Zwangsverpflichtung u.s.w. ...
- Gibt es solche Massnahmen auch für Industriekaufleute, Bankangestellte, Werkzeugmacher, Sozielversicherungsangestellte, Kranke Kassenvorstände ... ?
- Hätte ich heute mein Medizinstudium in D frisch absolviert -- nichts würde mich wieder in die menschen-und familienverachtende, demütigende Krankenhausmühle bringen, die am Ende keine Aussicht auf ein würdiges Familienleben mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance (nach meinem Geschmack) bietet.
- Die 8,5 Jahre in eigener Praxis (vorgestern war mein letzter Praxistag in D) buche ich unter der Rubrik "Erfahrung" und "Persönlichkeitsstabilisierung" ab. Nun bin ich nicht mehr gewillt, zu den hier herrschenden Rahmenbedingungen, mein Restleben als Kassenarzt in D zu verplempern.
- Es gibt Länder, in denen meine Arbeit und mein Einsatz noch gewürdigt und geschätzt wird --- auch finanziell. Es gibt Länder, in denen man als Arzt nicht ständig von Halb-Staatsinstitutionen, bzw. deren Marionetten, medial mit Dreck beworfen wird.
- Nur ein kleines (aktuelles) Beispiel für die Attraktivität einer Niederlassung in D:
- Am letzten Arbeitstag wollte ich einen "teuren" (Medis für 3300 Euro / Quartal), sehr netten, arbeitsamen Patienten, der praktisch keine Arbeit macht, zu einem jüngeren Kollegen vermitteln (5 der Hausärzte (Mehrzahl !!!) in unserer Kleinstadt erhalten bereits Altersrente neben den Praxiseinnahmen). Dieser Kollege brauchte 3 Stunden Bedenkzeit und Beratung mit seinem Praxispartner, weil er sich überlegen musste, ob er sich diesen Patienten überhaupt leisten kann --- "so ein Patient kann einen in die Regresszone bringen" .
- Behandlung von schwer kranken und aufwendigen Patienten in D: -->> Hohnorierung weit unter Kosten (Verbandwechsel, Hausbesuche ... ), Regressangst, Anrufe / Drohbriefe der Kranken Kassen wg. Heilmittel / Verordnung häuslicher Pflege ect.. Nur wer es schafft schwer kranke Menschen abzuweisen, wer es schafft "gesunde" Versichertenkarten im 2-Minuten-Takt durchzuziehen, "verdient" Geld. Frage: Macht hier die Arbeit Spass ? Lohnt sich die Arbeit ? Warum gibts in D zu wenig Nachwuchs in der Versorgung ? Warum ziehe ich trotz 8,5 Jahre in eigener Praxis im Geburts-und Heimatort die Reissleine ?
- Behandlung von schwer kranken und aufwendigen Patienten in der CH: -->> Kein Problem --- eher lukrativ ! Jeder Patientenkontakt, jeder Hausbesuch, jede Massnahme, jedes Telefonat punktet. Warum ziehe ich in die Schweiz --- und dort auch noch aufs Land ?
- Bevor die Marionetten der KdöRs und der Regierung sinnfreie "Massnahmen gegen Ärztemangel" präsentieren, sollten sie sich erstmal die Frage stellen: "WARUM" will den Job niemand mehr machen.
- Die Frage nach dem WARUM soll aber in der Öffentlichkeit gar nicht erst ankommen, die Antwort darauf erst recht nicht ... die wäre nämlich eine Blamage für Deutschland !
- Nein, der Praxisalltag ist keine Motivationshilfe für eine allgemeinmedizinische Laufbahn. Ich habe eigentlich immer Studenten in der Praxis und ich demotiviere sie nicht, sondern versuche ihnen einen Zugang zu den Patienten zu verschaffen. Man kann nicht sagen, dass es bei uns langweilig wäre und dass den Studenten nichts geboten würde. Aber auch diese Studenten können ich nicht zu einer Weiterbildung in der Allgemeinmedizin entschliessen.
- Immer wieder die gleiche Reaktion: Entsetzen, ja fast schon Ekel, beim Erkennen und Erleben der Regulationsinstrumente, denen wir jeden Tag in der Praxis ausgesetzt sind. Ungläubiges Staunen über die Bürokratieflut. Unverständnis angesichts der Anspruchshaltung vieler Patienten. Erstaunen darüber, dass man für 15 Euro einen Hausbesuch macht. Erschrecken über die vielfältigen Regressgefahren. Unverständnis gegenüber den zahlreichen Leistungen, die in einer Pauschale versenkt werden.
- So wollen die angehenden Kollegen schlicht und einfach nicht arbeiten, und diese Entscheidung ist richtig. Die akademische Allgemeinmedizin ist eine sympathische Scheinwelt, sie hat jedoch mit dem Praktiker im echten Leben nichts zu tun. Der gute, alte Hausarzt ist längst schon unter die erbarmungslosen Nagelstiefel der Gesundheitsökonomen und Besserwisser geraten. Wer kann es sich noch erlauben, Kranke als Neupatienten anzunehmen? Wer hat noch die Zeit für ein persönliches Gespräch?
- Die Medizin ist entzaubert. Sie ist zu einer beliebigen Massenware zu Dumpingkonditionen verkommen, Vorgehen nach Kochbuch, mit der Stoppuhr in der Hand. Für diese Medizin werden wir keine Studenten mehr gewinnen können. Ist vielleicht auch besser so.
Holland-Alternative
- Letzte Woche hat mir ein MKG-Chirurg, der nach 20 Jahren teurer Ausbildung in D mit Mitte 40 die Berufung an eine holländische Klinik bekommen hat, aber noch in D wohnt, seine Sicht der Dinge erklärt. An dortiger Klinik inzwischen 8 deutsche Anaesthesisten, die glatt das 3-fache des deutschen Salärs verdienen. Der erste MKG-Oberarzt ist jetzt aus Deutschland nachgekommen. In den anderen Fachbereichen zeichnet sich ähnliches ab. In D werden die Besten abgeworben mit traumhaften Arbeitsbedingungen, flacher Hierachie, angemessenem Salär. Für die Niederländer einfach attraktiv: die teure Ausbildung vom deutschen System bezahlt, die erworbene Kompetenz dann für das niederländische System genutzt.
- Hiesige Augenklinik inseriert inzwischen für Assistentenstellen. Früher gab es Berge an Bewerbungen. Einer der Oberärzte hat gekündigt und operiert jetzt ebenfalls in den Niederlanden. Wenn das so weiter geht, dann folge ich demnächst nicht nur, weil es dort finanziell besser aussieht, sondern weil ich im bevorstehenden Alter gut medizinisch versorgt sein will. Das scheint in den nächsten 20 Jahren bis zu meinem Ruhestand hier in Deutschland kaum mehr möglich!
Dänemark-Alternative
- Hausärztin in Dänemark: "Als Ärztin möchte ich nicht nach Deutschland zurück" 8. Februar 2011: Nach 15 Jahren mit eigener Praxis hatte Stefanie Nolting genug vom deutschen Hausarztsystem. Seit 2009 arbeitet sie in Dänemark - und ist damit hochzufrieden. Irgendwann hatte Stefanie Nolting genug. Vom andauernden Schreiben der Überweisungen statt fachlich anspruchsvolle Behandlungen durchzuführen. Von Krankschreibungen im Minutentakt, vom schnellstmöglichen Durchschleusen der Patienten. Von einer durchschnittlich zweiminütigen Behandlungszeit. Möglichst viele Praxisbesucher, die möglichst wenig kosten - das sei in vielen deutschen Hausarztpraxen nicht nur Alltag, sondern Voraussetzung für Wirtschaftlichkeit und Überleben. "Das deutsche System mag auf dem Papier gut aussehen. In der Praxis ist es verwirtschaftlicht und unmenschlich".
- "Nun kann ich nach meinen menschlichen Ansprüchen behandeln, ohne Angst zu haben, Pleite zu gehen. Hier ist das möglich - in Deutschland nicht mehr."
- Seit Bitterling in Dänemark angekommen ist, kennt er so gut wie keine Überstunden mehr. Seine Wochenarbeitszeit beträgt 37 Stunden, inklusive Mittagspause. Der normale Dienst wird in der Regel zwischen 7.45 Uhr und 15.09 Uhr erbracht. Kollegen, die Überstunden machen, sind besonders schlecht angesehen. Dienste, die außerhalb der Kernarbeitszeit geleistet werden, gehen in die Wochenarbeitszeit ein, Wochenenddienste werden mit Zuschlägen von mehreren hundert Euro vergütet. Dienstpläne sind vier Wochen im voraus bekannt. Bitterlings Gehalt liegt dabei zwischen 8000 und 9000 Euro im Monat.
- Vor seiner Reise nach Berlin (Hauptversammlung des Marburger Bundes 2011) wollte Bitterling von einer deutschen Kollegin wissen, warum sie lieber in Dänemark arbeitet: "In Deutschland gibt es keine Kultur des Lobens", antwortete diese spontan. Nur negative Seiten und Misserfolge würden betont.
Schweiz-Alternative
- Inzwischen in der CH lebend, sind mir Begriffe wie "Fallwert" oder "Quartal" fremd geworden. Ich würde auch keinen 3-stelligen Fallwert mehr haben wollen. Bei einem Kurzkontakt (Erkältung mit AU) nehme ich gerne ein geringeres Honorar in Kauf, wenn ich dafür bei den Vielkontaktern und Langkontaktern oder gar beim Hausbesuch den Zeitaufwand honoriert bekomme.
- Der Tarmed (Abrechnungstarif in der CH) ist quasi ein Zeittarif im 5-Minutentakt.
- Eine Konsultation (Konsultationswert, das wäre übrigens eine Abrechnungseinheit, die dem Aufwand näher kommt, als ein RLV oder Fallwert ... ;-)) ... ) zwischen 15 u. 20 Minuten gibt 62 Tarmed-Punkte und somit in meinem Kanton Schwyz, in dem der schlechteste Tarmed-Punktwert der Schweiz von 0,8 Franken gilt, einen Abrechnungsbetrag von 49,73 Franken. Wohlbemerkt --- bei jeder Konsultation !
- Dazu kommen Einzelleistungen wie EKG, LuFu, Rö, Wundversorgung, Labor, Infusion, Notfallzuschläge ect. .
- (Wenn ich daran denke, dass ich einst in Notfalldienst für 25 Euro Notfallpauschale (brutto) nachts gearbeitet habe oder für ~ 20 Euro Vertreterpauschale in mehreren Sitzungen schwierige Fälle der Kollegen in deren Urlaub beackert habe, und wenn ich daran denke, dass dies in D immer noch so wäre, wenn ich geblieben wäre, dann kommt mir das kalte Grausen.)
- Wenn mich hier in der Schweiz kurz nach 19 Uhr ein Patient notfallmässig beansprucht (was ich inzwischen gerne in Kauf nehme), kommt zusätzlich zur Konsultation noch eine Notfallpauschale von 88 Franken. Wohl gemerkt - dazu !
- Wenn ich abends meine Tagesliste durchsehe, komme ich tatsächlich auf einen durchschnittlichen Konsultationswert ( = die anzustrebende Abrechnungseinheit) von 50 Franken, was meinem letzten RLV (!!!) in D entsprach !
- Also: Der Aufwand muss bezahlt werden, nicht der Fall, den man willkürlich definieren kann, sei es über Quartale oder Diagnosen oder sonstwie.
Quelle
- KBV - Homepage
- KBV - Ambulante Versorgung in Zahlen
- Arztzahlstudie 2003: Daten, Fakten, Trends
- KBV-Studie zu Arztzahlen: Überaltert und zu wenig Nachwuchs
- Ergebnisse der 4. aktualisierten und überarbeiteten Auflage der "Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlentwicklung" der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer (September 2007)
- Studie zur Altersstruktur-und Arztzahlentwicklung: Daten, Fakten, Trends
