Ärztenetz
Aus ArztWiki
Ärztenetze oder auch Praxisnetze sind ein Verbund von haus- und fachärztlichen Leistungserbringern die mit weiteren Anbietern aus dem Gesundheitswesen (z.B. Kliniken, Apotheken, Pflegeheimen) eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, durch eine verbesserte Kooperation und Kommunikation zwischen Ärzten und weiteren Leistungserbringern die Versorgungsqualität, die Effizienz der Versorgung sowie die Patientenzufriedenheit in der Region des Netzverbundes nachhaltig zu erhöhen. Neben möglichen Einsparungen insbesondere bei veranlassten Leistungen wie Arzneimitteln oder Krankenhauseinweisungen soll auch die Qualität der Leistungserbringung verbessert werden. Als Instrumente werden u. a. Qualitätszirkel, Netzkonferenzen und [[Leitlinien] eingesetzt.
In der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden Ärztenetze erstmals im Rahmen von Modellvorhaben und Strukturverträgen nach den Neuordnungsgesetzen gegründet. Im Rahmen der Gesundheitsreform 2000 wurde die Bedeutung von Ärztenetzen durch die Einführung der Integrationsversorgung nochmals gestärkt. Aktuell wird die Zahl deutscher Ärztenetze auf 400-500 Stück gesetzt. Immer noch befinden sich eine Reihe von Ärztenetzen im Aufbau, ohne dass damit eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden kann. Ärztenetze sind in der Regel regional aufgestellt und decken die Versorgung bestimmter Stadtteile oder einzelner Landkreise ab.
Inhaltsverzeichnis |
Allgemeine Ziele
- Die ersten Praxis- bzw. Ärztenetze wurden bereits vor 12-15 Jahren (beginnend um 1995) gegründet. Ihre Zielsetzungen sind in Abhängigkeit der regionalen Versorgungssituation und der Veränderungsbedürfnisse der Mitglieder in der Regel ähnlich, auch wenn sie in ihrer Ausprägung eine unterschiedliche Gewichtung erhalten. Innerhalb von Praxisnetzen soll durch eine intensive Kommunikation und Kooperation eine verbindliche und strukturierte Zusammenarbeit ermöglicht werden, mit dem zentralen Ziel die Patientenversorgung qualitativ besser sowie kosteneffizienter zu gestalten.
- Dazu ist es nötig, dass alle beteiligten Ärzte ihre Behandlungsprozesse und Informationssysteme aufeinander abstimmen und ihre operativen Tätigkeiten überbetrieblich koordinieren.
- Ein weiteres Ziel ist die Etablierung einer eigenständigen Gesundheits- bzw. Versorgungsmarke. Unterstützt durch zielgruppenorientierte Dienstleistungs-, Qualitäts- und Marketingmaßnahmen kann sich das Netzwerk mit seinen spezifischen Angeboten und Dienstleistungen gegenüber dem Wettbewerb (ambulanter wie stationärer Art) wahrnehmbar abgrenzen.
- Idealerweise generieren Praxisnetze über die Kooperation mit Krankenkassen und weiteren Partnern monetären Zusatznutzen für die einzelnen Mitgliedspraxen und die Netzorganisation. Nur so wird es dem Netz gelingen, zukunftsorientiert in die Strukturen zu investieren – letztendlich die Voraussetzung zur Erreichung nachhaltiger Prozess- und Ergebnisverbesserungen. Einige Praxisnetze übernehmen zudem die Rolle als Innovationstreiber und fungieren als „Spielwiese“ für die Entwicklung bzw. die prototypische Umsetzung neuer Versorgungsformen. Dies geschieht in der Regel in Modellen der Integrierten Versorgung.
- Politische Ziele zusammen mit anderen: Finanzmittel für die ambulante ärztliche Versorgung - Nordrhein-Westfalen trägt die Rote Laterne
Erfolgsfaktoren von Arztnetzen
- Als Kernelemente einer erfolgreichen Vernetzung gelten:
- - das Zusammenführen einer ausreichenden Zahl niedergelassener Ärzte bei enger Vernetzung mit anderen Leistungsanbietern aus der Region, auch aus dem pflegerischen und sozialen Bereich
- - die Etablierung einer ärztlich dominierten Managementgesellschaft
- - ein sektorübergreifendes Versorgungsmanagement, das sich ausdrückt in einer qualitätsgesicherten Optimierung von Behandlungsprozessen
- - die Förderung von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
- - eine morbiditätsorientierte Evaluation zur weiteren Optimierung
- - die Übernahme der Budgetverantwortung für eingeschriebene Patienten
- - die definierte Aufteilung des Erfolgs zwischen regionalem Versorgungsnetz und Krankenkassen
- - eine erfolgs- bzw. qualitätsorientierte Vergütung
Instrumente der Netzsteuerung
- aus dem "Netzalltag" der Netzmanager und den Diskussionen in Netzen heraus gesehen:
- (hier speziell Mitarbeit beim WIKI-Eintrag durch einen Netzmanager des Praxisnetz Nürnberg Nord e.V., http://www.praxisnetznuernberg.de)
Patientensouveränität
- Instrumente und Maßnahmen zur Steigerung der Patientensouveränität, u.a.:
- - die Durchführung von Patientenbefragungen
- - der Einsatz eines QuE-Patientenvertreters
- - die Entwicklung und Verteilung netzeigener (unabhängiger) Patientenleitlinien und Patientendossiers
- - die Durchführung von Patiententagen und Informationsveranstaltungen
- - die enge Kooperation mit Selbshilfegruppen
- - Veröffentlichung von Patientenmagazinen
Struktur-, Prozess- u. Ergebnisqualität
- Instrumente und Maßnahmen zur Steigerung der Struktur-, Prozess- u. Ergebnisqualität, u.a.:
- - professionelle Qualitäts- und Effizienzzirkelarbeit mit verpflichtender Teilnahme der Praxen
- - regelmäßige interne und externe Praxisteamschulungen
- - die Implementierung eines sog. Risikomanagementsystems
- - Qualitätssicherung durch Adaption und Umsetzung von evidenzbasierten Leitlinien
- - verpflichtende Einführung von Qm-Strukturen sowie die verbindliche Umsetzung von praxisübergreifenden Arbeits- und Verfahrensanweisungen
- - Zertifizierung der Netzmanagementstrukturen nach DIN EN ISO 9001:2008
- - Aufbau eines Sets an Qualitätsindikatoren sowie – darauf aufbauend – die Einführung eines netzziel- bzw. erfolgsorientierten internen Vergütungssystems
- - Durchführung von Mitgliederbefragungen
- - Veröffentlichung der Netzergebnisse in Form von Jahresberichten
- Aspekte von netzinternen Leitlinien:
- gemeinsam im Netz erarbeitete Behandlungs- und Arzneistrategien (prä-/post-stationär)
- optimierte Datensteuerung durch Telematik (elektronische Patientenakte)
- Verbesserung der netz-internen Kommunikation
- Entwicklung und Fortschreibung von Qualitätsstandards bei
- klinischen Behandlungspfaden
- evidenzbasierter Medizin
- Qualitätssicherung
- Kapazitätsauslastung bei den Netz-Beteiligten
Versorgungseffizienz
- Instrumente und Maßnahmen zur Steigerung der Versorgungseffizienz, u.a.:
- - Übernahme einer Budgetverantwortung für eingeschriebene Versicherte
- - Einführung aktivitäts- und erfolgsorientierter Vergütungsansätze (pay for performance)
- - differenziertes Monitoring und Controlling medizinischer und ökonomischer Indikatoren
- - Schulungsmaßnahmen zum Thema Polypharmakotherapie
Zielsetzung nach Satzung
Praxisnetz Paderborn
- § 1 Zielsetzung
- Zweck und Aufgabe des Praxisnetzes Paderborn ist die Verbesserung von Effizienz und Qualität in der vertragsärztlichen Versorgung sowie die Sicherstellung einer leistungsgerechten und kalkulierbaren Honorierung für die erbrachten Leistungen der beteiligten Netzmitglieder sowie die Ausübung aller diesen Zwecken dienenden Tätigkeiten.
- Hierzu will das Praxisnetz Paderborn insbesondere
- a. die Kommunikation zwischen den ambulant tätigen Netzmitgliedern verbessern,
- b. die Kommunikation zwischen niedergelassenen und im Krankenhaus arbeitenden Ärzten/psychologischen Psychotherapeuten ausbauen,
- c. die Kooperation bei der Betreuung und Behandlung gemeinsamer Patienten fördern,
- d. unnötige Doppeluntersuchungen und Zeitverluste vermeiden helfen,
- e. Krankenhauseinweisungen durch Optimierung der ambulanten Behandlung einsparen,
- f. betriebswirtschaftliche Vorteile durch Sammeleinkäufe und gemeinsame Nutzung medizinischer Geräte etc. schaffen,
- g. Struktur- und Honorarverträge mit den kassenärztlichen Vereinigungen bzw. Krankenkassen für die beteiligten Gesellschafter abschließen.
Gesundheitsnetz Qualität und Effizienz eG Nürnberg
- Beispiel aus der Satzung des Gesundheitsnetzes Qualität und Effizienz eG Nürnberg - QuE
- Zweck der Genossenschaft Qualität und Effizienz eG Nürnberg ist die wirtschaftliche Förderung ihrer Mitglieder, insbesondere in folgenden Bereichen:
- a. die Sicherung des Überlebens freiberuflicher ärztlicher Tätigkeit, insbesondere im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung durch Schaffung flexibler Reaktionsmöglichkeiten auf neue gesetzliche Vorgaben und politische Veränderungen
- b. die Sicherstellung, Verbesserung und Förderung der kurativen und präventiven medizinischen Versorgung im Sinne einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung der Patienten unter Berücksichtigung der ökonomischen Effektivität
- c. die Sicherung der Marktposition gegenüber Kostenträgern sowie medizinischen Leistungsanbietern durch qualitative und wirtschaftliche Kooperation und durch Verhandlungskooperation
- d. die Durchführung von Vertragsverhandlungen mit Kostenträgern, der Abschluss entsprechender Vereinbarungen mit verbindlicher Wirkung gegenüber allen Genossen sowie die Auszahlung der Vergütung
- e. die Unterstützung der privatärztlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder
- f. die Nutzung von Rationalisierungseffekten, z.B. durch die Bildung von Einkaufsgemeinschaften, Gerätegemeinschaften, Laborgemeinschaften und die Unterstützung der sonstigen wirtschaftlichen Zwecke der Mitglieder
- g. die berufspolitische Interessenvertretung und das Marketing für ihre Mitglieder
- Im Mittelpunkt des QuE steht ein ärztlich gesteuertes Case Management. Durch fallbezogene Patientenbetreuung sollen Versorgungsbrüche zwischen Krankenhaus, niedergelassenen Ärzten, Pflege und anderen Leistungserbringern vermieden werden. Betroffene und ihre Angehörigen werden entlastet, indem die drei Case Managerinnen vom Beratungs- und Betreuungsservice „HomeCare Nürnberg“ sämtliche Abstimmungen mit Ämtern, Behörden und Institutionen übernehmen. Eine weitere Besonderheit des QuE besteht darin, dass alle beteiligten Ärzte Budget-Verantwortung für die eingeschriebenen Patienten übernehmen.
- Der QuE-Vorstand erneuerte den Wunsch der Netzwerker, im Konsens mit den Kassenärztlichen Vereinigungen einen Teilsicherstellungsauftrag übertragen zu bekommen. Dieser Weg, so zeigte sich Wambach überzeugt, könne zu mehr Verträgen zwischen Netzen und Kassen führen. Im Ergebnis profitierten sowohl Patienten, Krankenkassen und Ärzte von einer qualitativ besseren und finanziell effizienteren Versorgung. (Jahresbericht NAV-Virchow-Bund für 2011)
Gesundheitsnetz Allgäu GNA
- Beispiel GNA
- Das Konzept des GNA - Das Gesundheitsnetz Allgäu - GNA - ist ein Verbund von niedergelassenen Ärzten aller Fachrichtungen aus Isny, Leutkirch, Wangen, Kisslegg, Bad Wurzach und Umgebung.
- UNSERE LEISTUNGEN: Das GNA ermöglicht, dass
- sie leichter als bisher immer ärztlichen Rat erhalten
- Haus- und Fachärzte kooperativ und kompetent zusammenarbeiten wodurch unnötige bzw. Mehrfachuntersuchungen vermieden werden
- der Arzt Ihres Vertrauens als Koordinator Sie auf Ihrem Weg durch das Gesundheitssystem - zu Fachärzten, Krankenhäusern, Pflegekräften oder Rehabilitationseinrichtungen - begleitet
- viele Untersuchungen und Behandlungen für die bisher ein Krankenhausaufenthalt nötig war, ambulant durchgeführt werden, und durch unsere verbesserte Zusammenarbeit notwendige Krankenhausaufenthalte verkürzt werden können.
- die freie Arztwahl nicht eingeschränkt wird und der Datenschutz gewährleistet ist.
- Außerhalb der Kassenleistungen werden Sie auch zu allen anderen medizinischen Themen kompetent und qualitätsorientiert beraten und betreut. Hierzu gehören Fragen zu Freizeit, Sport und Reisen, zur Gesundheitsvorsorge sowie Schul-, Berufs- und Versicherungsfragen.
- UNSERE ZIELE
- Qualitativ verbesserte ambulante Versorgung: Sicherstellung wohnortnaher ambulanter ärztlicher Versorgung, verbesserter Informationsfluß, fachübergreifende Arbeitsgruppen zur Umsetzung neuester medizinischer Erkenntnisse für die Praxis.
- Gesundheitspolitisches Gewicht: Die Mitglieder des GNA werden ihre Fachkompetenz dafür einsetzen, um die berechtigten Interessen und die flächendeckende Versorgung des ländlichen Raums zu gewährleisten.
Main-Arzt-GmbH
- Zielsetzung - Unsere Ziele Main-Arzt-GmbH
- Die Qualität, Humanität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung durch eine problemorientierte, sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Gesundheitseinrichtungen zu verbessern.
- Die Sicherstellung einer umfassenden einheitlichen Betreuung der Patienten unter Ausnutzung aller Synergie- und Kooperationseffekte, zur Stabilisierung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.
- Transparenz und Kollegialität durch unsere aktive und freundliche Ärztegemeinschaft.
- Die Durchführung ärztlicher Qualitätszirkel unter Einbeziehung aller Fachrichtungen.
- Die Entwicklung eines gesellschaftlich-sozialen Faktors im Ochsenfurter Gesundheitswesen.
- Die Zusammenarbeit aller Leistungsanbieter im Gesundheitswesen im Raum Ochsenfurt zu fördern.
- Stellungnahme zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen und Entwicklung sowie aktive Mitgestaltung der Gesundheitspolitik auf regionaler Ebene.
Qualitätsberichte
- In Qualitäts- und Jahresberichten stellen einige Ärztenetze regelmäßig die Ergebnisse ihrer Netzarbeit dar.
- Ein Beispiel für einen Qualitätsbericht gibt das Gesundheitsnetz QuE Nürnberg
Agentur deutscher Ärztenetze
- 14 professionell geführte Ärztenetze und Gesundheitsverbünde haben sich mit dem Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund, zusammengeschlossen, um ihre Interessen und Kompetenzen in einer gemeinsamen Netzagentur zu bündeln und sich auf Bundesebene besser zu positionieren. Am 08.07.2011 wurde in Berlin den Verein Agentur deutscher Ärztenetze gegründet. Der Verband ist politischer Interessenvertreter für die rund 400 Arztnetze in Deutschland, will seine Mitglieder bei der Professionalisierung unterstützen und Dienstleister bei Vertrags- und Versorgungskonzepten sein. Den Vorsitz der Netzagentur hat QuE-Vorstand Dr. med. Veit Wambach übernommen. Als Stellvertreter wurde Herr Dr. Carsten Jäger (Ärztenetz Südbrandenburg) gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder sind Dr. Thomas Bahr (UGOM Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte GmbH & Co. KG), Dr. Hans-Jürgen Beckmann (Ärztenetz „Medizin und Mehr“ MuM Bünde) und Dr. Olaf Boettcher (NAV-Virchow-Bund). Aktuell umfasst die Agentur deutscher Ärztenetze 17 Organisationen aus ganz Deutschland.
- Die Agentur deutscher Ärztenetze verfolgt folgende Ziele:
- - Etablierung als zentraler Ansprechpartner für die deutschen Ärztenetze
- - Lobbyarbeit für Netzverbünde und -organisationen gegenüber Politik, Krankenkassen, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und weiteren Verbänden
- - Bündelung von Know-how, Informationsvermittlung und Wissenstransfer
- - Entwicklung von neuen Dienstleistungs- und Serviceangeboten für Mitgliedsnetze
- Gründungsmitglieder der Agentur deutscher Ärztenetze sind:
- Ärztenetz „Medizin und Mehr“ (MuM Bünde)
- Ärztenetz Südbrandenburg, ANSB Consult GmbH
- Bundesverband der Netzmanager Deutschlands e.V.
- Gesundheitsnetz Dreiländereck Südbaden e.V.
- Gesundheitsnetz Köln-Süd e.V.
- GMZ GmbH, Greifenberg
- HNOnet NRW eG.
- MEDI-Verbund Berlin
- Praxisnetz Herzogtum Lauenburg e.V.
- Praxisnetz Nürnberg Süd e.V.
- Gesundheitsnetz QuE Nürnberg - Qualität und Effizienz eG,
- Praxisnetz Nürnberg Nord e.V.
- Regensburger Ärztenetz
- UGOM Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte GmbH & Co. KG
- NAV-Virchow-Bund
- Mitgliedschaftsbedingungen: Die Mitgliedschaft kommt erst zustande, wenn der Vorstand des Vereins die Mitgliedschaft bestätigt hat (§ 3 Absatz 3) und der festgelegte Beitrag laut Beitragsordnung einbezahlt ist. (gesetzliche Vertretung durch Eintragung im Handels-, Vereins, oder Genossenschaftsregister, beispielsweise Vorstand oder Geschäftsführer - Nachweis bitte beifügen!)
- Informationen zur Arbeit und Organisation der Netzagentur, zu ihren Mitgliedern sowie zu praxisrelevanten Fragen rund um das Thema Gesundheitskooperationen.
Praxisnetzstudien
Im Jahre 2006
- Um die Kooperationen in Praxisnetzen systematisch zu analysieren und daraus den Reifegrad der Zusammenarbeit innerhalb der Praxisnetze abzuleiten, führte der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Jahr 2006 zum ersten Mal eine Praxisnetz-Studie durch. Darin wurde untersucht, wie leistungsfähig Praxisnetze in Bezug auf die Dimensionen „Management-System“, „Prozesse und Strukturen“ und „Informations- und Kommunikationssysteme (IuK)“ aufgestellt sind. Die hohe Teilnahmequote erlaubte es bereits 2006, repräsentative Aussagen für Deutschland zu treffen.
- Demnach waren nur wenige deutsche Netze so professionell organisiert, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind, die der Strukturwandel im Gesundheitswesen mit sich bringt. Nur fünf (sog. „Netz-Profis“) der insgesamt 90 Netze, die an der Befragung beteiligt waren, sind nach den definierten Kriterien gut oder sehr gut auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereitet. 28 Netzwerke wurden als sog „ambitionierte Verfolger“ eingestuft, weitere 47 – und damit die Mehrheit der Netzwerke gar nur als sog. „Nachzügler.
Im Jahre 2008
- Im Herbst 2008 wurde nun eine zweite Erhebung durchgeführt. Die Befragungssystematik wurde hierbei weitestgehend beibehalten, sodass es möglich war, neben dem aktuellen Stand der Netze auch die Entwicklung der Organisationen in den untersuchten Parametern bzw. Kategorien darzustellen. Um diesen Reifegrad zu ermitteln, flossen 2008 die Antworten der 124 teilnehmenden Netzwerke aus Deutschland, Schweiz und Schweden in einen Index ein, der sich aus den nachfolgend beschriebenen Dimensionen zusammensetzt:
- - Netzmanagementsystem: Diese Dimension umfasst strategische Aspekte wie die Professionalität des Netzmanagements, das Vorhandensein eines netzweiten Controllings, grundlegender vertraglicher Beziehungen und einer gemeinsamen Werte- und Vertrauensbasis im Netzwerk.
- - Prozesse und Strukturen: Hierzu zählen Elemente, die eine erfolgreiche Umsetzung der Kooperationsstrategie auf operativer Ebene ermöglichen, z.B. medizinische Leitlinien, Arbeits- und Verfahrensanweisungen oder das Vorhandensein eines Qualitätsmanagementsystems.
- IuK: Um eine intensive Kommunikation und Kooperation innerhalb eines Praxisnetzes zu ermöglichen, müssen z.B. die verwendeten EDV-Systeme Daten untereinander austauschen können, sodass im gesamten Netzwerk auf gerade benötigte Patientendaten zugegriffen werden kann. Auch Prozesse innerhalb von Behandlungspfaden sollen möglichst EDV-gestützt ablaufen und das Netz sollte sich frühzeitig Gedanken zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte machen.
- Die Ergebnisse wurden dann in einem „Reifegradportfolio“ zusammengestellt. Dabei stellt sich heraus, dass nur sechs der 124 teilnehmenden Ärztenetze einen hohen Gesamtreifegrad aufweisen. Der Großteil der Netze befindet sich im niedrigen und mittleren Reifebereich. Die Studie zeigt zudem, dass sich die Praxisnetze in den letzten drei Jahren nur langsam weiterentwickelt haben. Eine Entwicklung, z.B. der „Nachzügler 2006“ hin zu „ambitionierten Verfolgern 2008“, hat nur in wenigen Fällen stattgefunden. Die Mehrheit der teilnehmenden Netzwerke weist immer noch einen sehr geringen Gesamtreifegrad auf. Aber auch bei den führenden Netzwerken gibt es ungelöste Herausforderungen: Vor allem im Bereich der kennzahlengestützten und zielorientierten Netzsteuerung – eine wichtige Voraussetzung um z.B. eine erfolgsorientierte Netzvergütung umsetzen und verhandeln zu können.
- Ausführliche Informationen: Purucker, J., Schicker, G., Böhm, M., Bodendorf, F.: Praxisnetz-Studie 2009. Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, 2009.
Interviews
- DÄ: Viele Netze sind durchaus kritisch gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV eingestellt. Wie sehen Sie das?
- Wambach: Unser Ärztenetz hat ein positives Verhältnis zum KV-System. Wir beziehen ja einen Teil der Managementleistungen von der KV Bayerns. Ich glaube, dass das Know-How der KVen von vielen Netzen unterschätzt wird. Denken Sie nur einmal daran, wie wichtig bestimmte Datenflüsse sind, sei es im Bereich der Abrechung oder in Bereichen wie der Pharmakotherapie. Sicher hat es für mache Netze anfangs Probleme gegeben mit der KV, aber sie sind eigentlich der geborene Partner für Ärztenetze. Denn es muss immer jemanden geben, der die einzelnen Netze im Auge hat und darauf achtet, dass die Versorgung in der Gesamtheit stimmt. Außerdem macht es keinen Sinn, Parallelstrukturen aufzubauen und damit zusätzliche Bürokratie zu schaffen.
Netze, Hausarztvertrag und BHÄV
- Liebe Kolleginnen und Kollegen!
- Das erste Halbjahr 2011 war fordernd und stand ganz im Zeichen der Hausarztverträge. Wie Sie alle wissen, hatten noch vor dem Jahreswechsel mehrere Krankenkassen, allen voran die AOK Bayern, die vom Gesetzgeber eigentlich zwingend vorgeschriebenen Hausarztverträge fristlos gekündigt, um uns Hausärztinnen und Hausärzte zu zwingen, nicht über einen Systemumstieg abzustimmen und im alten System zu verbleiben.
- Für die Patienten, für die Mitarbeiter in den Praxen und für eine nachhaltige und flächendeckende hausarztzentrierte Versorgung kämpft der Bayerische Hausärzteverband seitdem dafür, dass die Hausarztverträge möglichst schnell nach altem Recht fortgesetzt werden. Erste Etappenerfolge konnten wir erreichen, aber wir sind noch nicht am Ziel.
- Und dieses Ziel werden wir auch nur dann erreichen, wenn wir weiterhin unsere Geschlossenheit demonstrieren! Der Vorstand benötigt bei seinen Verhandlungen weiterhin Ihre uneingeschränkte Unterstützung.
- Seien Sie sicher, Lockangebote an einzelne Netze sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Nachhaltig und zukunftssicher sind nur Hausarztverträge, die wir gemeinsam für alle Hausärztinnen und Hausärzte durchsetzen. Dafür kämpfen wir!
- Bitte unterstützen Sie uns dabei. Demonstrieren Sie Ihre Geschlossenheit mit dem Bayerischen Hausärzteverband und nehmen Sie teil am 19. Bayerischen Hausärztetag. Ich freue mich auf Sie und Ihr Praxisteam am 8. und 9. Juli 2011 in Bad Gögging. (Dr.Geis)
Zitate
- Schweiz: Für ein neues Anreizsystem - Gesundheitsrat fordert Ärztenetzwerke und höhere Prämien - Um die Kosten in den Griff zu kriegen, brauche es keine staatliche Kostenüberwachung und auch nicht mehr staatliche Planung, sondern einen kontrollierten, sozial abgesicherten Wettbewerb mit neuen finanziellen Anreizen. Die öffentliche Hand soll den Spitälern nur noch Notfalldienste und Forschungs- und Lehrtätigkeit bezahlen; damit werde zwischen ambulanter und stationärer Medizin Kostenwahrheit hergestellt. Weiter sollen die Franchisen und Selbstbehalte so angehoben und geregelt werden, dass das «Ärztehüpfen» und der Konsum unnötiger medizinischer Leistungen die Selbstkosten erhöhen. Als am vielversprechendsten erachtet der Gesundheitsrat die gezielte Förderung von Ärztenetzwerken, welche für die ihnen angeschlossenen Versicherten die Budgetverantwortung übernehmen. (nach "Neue Zürcher Zeitung" im Feb. 2003)
- "Marktmacht und Ärztenetze" von Bertram Steiner - Auf 4 Seiten kritische Reflexionen zu diesen Begriffen mit historischen Bezügen
- Bereits das Zweite GKV-Neuordnungsgesetz 1997 (2. NOG) hatte das Ziel, neue Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich durch eine stärkere Vernetzung von niedergelassenen Ärzten – sogenannte Praxisnetze oder Arztnetze – zu fördern. Der Gesetzgeber erhofft sich von der engeren Kooperation zwischen den Vertragsärzten Qualitätsverbesserungen und mehr Wirtschaftlichkeit in der Versorgung.
- Die Ärzte haben ihren Verein MEZIS getauft. Es ist die Abkürzung für "Mein Essen zahl ich selbst". MEZIS-Chef Schreiber-Weber sieht bei Kooperationsverträgen wie denen von Miks die Gefahr, sich im Dickicht der Pharma-Lobbyisten zu verlieren. "Wie werden die Netze reagieren, wenn morgen ein Bestechungsskandal ihres Partners publik wird?" Rund 400 Ärzte-Netze haben sich in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland gegründet. Der lose Verbund entsteht meist dadurch, dass sich 50 bis 100 niedergelassene Ärzte in einer Stadt oder einer Region zusammenschließen, um die Versorgung vor Ort zu verbessern.
- Auf die Bedeutung von Praxisnetzen und die sektorenübergreifende Versorgung hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. „Die Vernetzung sollte zum Normalfall werden, und zwar in und zwischen den Sektoren“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler auf der zweiten KBV-Messe in Berlin 2011.
- Bundesverband Managed Care, Kongress, 31. Januar bis 01. Februar 2011 in Berlin. Thema eines Vortrages waren "IT-Strategien für sektorübergreifende Versorgungskonzepte". IT für vernetze Strukturen ist nach wie vor problematisch, dies liegt sowohl an den Ärzten weil sie
- a) nicht wissen, wozu dies notwendig ist und
- b) weil sehr wenig bereit sind, eingeübte Verhaltensweisen zu ändern.
- Oft liegt es aber auch an den Herstellern, die Standards allenfalls halbherzig unterstützen und Schnittstellen eher korrumpieren als offen zu legen aus firmenpolitischen Interessen. In der Podiumsdiskussion wurde durchaus ernsthaft die Frage laut, ob hier nicht KBV und Gesetzgeber stärker gefordert sind, um diesen Missstand zu regulieren.
- Darüber hinaus soll 2020 die Vernetzung von Praxen, Kliniken und Versicherer effizientere Behandlungswege ermöglichen, Doppeluntersuchungen vermeiden und den Wettbewerb fördern. Wichtige Grundlagen dafür seien Computerisierung und Vernetzung.
- Praxisnetze in NRW (Mai 2011) fordern Ministerium zum Eingreifen auf: Aktionsbündnis fürchtet, dass Ärzte in NRW bei der Honorarkonvergenz zweiter Sieger bleiben könnten. "Erst wenn in ganz Deutschland gleiche Patientenpauschalen vorliegen, kann über eine Regionalisierung der Honorarverteilung zur Verbesserung lokaler Versorgungsbesonderheiten nachgedacht werden", heißt es in dem Schreiben.
- MEDI Deutschland fordert Aufnahme von Ärztenetzen und Verbünden ins Sozialgesetzbuch V
Juristisches
- Auf den ersten Blick mag zweifelhaft erscheinen, ob die an Ärztenetzen beteiligten Akteure Unternehmen sind, handeln sie doch insbesondere zu einem sozialen Zweck, nämlich der Gewährleistung der Gesundheitsversorgung.
- Der Unternehmensbegriff wird jedoch funktional weit ausgelegt. Erfasst wird jede natürliche oder juristische Person in ihrer selbstständigen und auf den Austausch von Waren oder Dienstleistungen gerichteten erwerbswirtschaftlichen Tätigkeit. Die an Ärztenetzen in erster Linie beteiligten Ärzte erbringen medizinische Leistungen zumindest auch zu einem erwerbswirtschaftlichen Zweck. Daher sind diese sowie ihre Kooperationsformen und Verbände als Unternehmen bzw. als Unternehmensvereinigungen im Sinne des Kartellverbots zu betrachten.
- in Ärzteblatt Baden-Württemberg 10/2011: "Ärztenetze – Sozial- und kartellrechtliche Überlegungen" von Rechtsanwalt Dr. Jochen Baier, Kanzlei White & Case LLP
Literaturhinweise
- Fricke, A.,: Liebe Worte, aber keine Taten für Ärztentze, in: Ärztezeitung, 12.04.2011
- Gieseke, S.,: Praxisnetze sind für KBV Innovationsmotor, in: Ärztezeitung, 04.05.2011.
- Lindenthal, J., Sohn, S., Schöffski, O.: Praxisnetze der nächsten Generation: Ziele, Mittelverteilung und Steuerungsmechanismen, Schriften zur Gesundheitsökonomie 3, HERZ, Burgdorf, 2004.
- Lindenthal, J.: Netzwerkinterne Vergütungsstrukturen, in: Hellmann, W., Eible, S. (Hrsg.), Gesundheitsnetzwerke managen - Kooperationen erfolgreich steuern, MWV, Berlin, 2009.
- Lindenthal, J., Wambach, V.: Kundenorientierung als Erfolgsfaktor für das Überleben im Wettbewerb, in: Hellmann, W., Wambach, V. (Hrsg.), Das Strategiebuch für den niedergelassenen Arzt, Optionen und praktische Tipps für die Zukunftssicherung, MWV, Berlin, 2009.
- Purucker, J., Schicker, G., Böhm, M., Bodendorf, F.: Praxisnetz-Studie 2009. Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, 2009.
- Schicker, G.: Koordination und Controlling in Praxisnetzen mithilfe einer prozessbasierten E-Service-Logistik. Wiesbaden, 2008.
- Stoschek, J.: Vernetzung ist gelebte Praxis, in: Ärztezeitung, 14.07.2011.
- Wambach, V., Lindenthal, J.: Pfadarbeit in medizinischen Praxisnetzen am Beispiel des Gesundheitsnetzes QuE Nürnberg, in: Hellmann, W., Eble, S. (Hrsg.), Ambulante und Sektoren übergreifende Behandlungspfade. Qualität und Wirtschaftlichkeit durch strukturierte Behandlungsabläufe, MWV, Berlin, 2010.
- Wambach, V., Lindenthal, J.: Finanzierung und Vergütung aus Sicht der Ärztegenossenschaft Qualität und Effizienz – QuE Nürnberg, in: Braun, G. E., Güssow, J., Schumann, A., Heßbrügge, G. (Hrsg.), Innovative Versorgungsformen im Gesundheitswesen – Konzepte und Praxisbeispiele erfolgreicher Finanzierung und Vergütung, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2009.
- Wambach, V., Lindenthal, J.: Innovative Managementkonzepte für Unternehmen der Integrierten Versorgung am Beispiel des Versorgungsnetzwerks Qualität und Effizienz – QuE Nürnberg, in: Hellmann, W., Handbuch Integrierte Versorgung, 17. Aktualisierung 11/08, Economica, Heidelberg, 2008.
Links
- Ärztenetz "Gesundheitsnetz Allgäu" Gründungsversammlung am 13.Mai 1998 im Hotel Jägerhof in Isny bei Anwesenheit von 54 stimmberechtigten Mitgliedern - Man sprach damals darüber, dass man von der KV-Südwürttemberg ein netzeigenes Honorarbudget eingerichtet bekäme ... in diesem dürfe der durchschnittliche Punktwert KV-seitig natürlich nicht unterschritten werden ...
- Ministerin Steffens beim LPNRW-Kongress in Mülheim/Ruhr



