1900

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  • 25. Juli.1900: Der Leipziger Arzt Hermann Hartmann sendete einen offenen Brief an die Ärzteschaft mit der Aufforderung, sich zu organisieren.
  • 27. Juli 1900 - "Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, (...) so möge der Name Deutscher in China auf tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!"
Zitat aus der "Hunnenrede" in Bremerhaven zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China von Kaiser Wilhelm II.
  • 13. September 1900: Der "Schutzverband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer Standesinteressen" wird gegründet. Bis 1924 wurde allgemein die Kurzform "Leipziger Verband" verwendet.

Aufruf Hartmann 1900

Hartmann und sein Aufruf
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Hartmann und sein Aufruf
  • Der Originaltext von Dr. Hartmanns Aufruf vom 8. September 1900:
Sehr geehrte Collegen! Lasst uns eine feste, zielbewusste Organisation schaffen zum Zwecke einer energischen Vertretung unserer auf's aeusserste gefährdeten Interessen! Schliessen wir uns fest zusammen, der Einzelne ist Nichts, alle zusammen sind wir eine Macht. Dann soll man nicht mehr mit dem einzelnen Arzt, sondern mit der Gesammtheit rechnen. Ueberall sehen wir die Angehörigen der einzelnen Berufsstände sich zusammenschliessen, um ihre Ziele durch die Wucht gemeinsamen Vorgehens zu erreichen: handeln wir ebenso, der Erfolg kann nicht ausbleiben! Einer für Alle, Alle für Einen!
Aerzte aller Deutschen Staaten, organisiert Euch!
Mit collegialer Hochachtung
Dr. Hartmann

Anmerkungen

  • Die Sozialversicherung war ursprünglich eine reine Arbeiterversicherung, die um 1900 erst etwa 18% der Gesamtbevölkerung erfasste. Im Laufe der weiteren Jahrzehnte entwickelt sie sich zu einer Volksversicherung, die im wiedervereinigten Deutschland ca. 90% der Bevölkerung umfasst.


Zitate

Zeitgenössisches Plakat - Hopfenmuseum Tettnang
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Zeitgenössisches Plakat - Hopfenmuseum Tettnang
  • Die Organisation der GKV oblag zunächst den Krankenkassen. Sie schlossen mit freipraktizierenden Ärzten Verträge ab und richteten auch kasseneigene Ambulatorien ein. Die Doktoren waren Angestellte der Kassen, gleichgültig, ob sie in Ambulatorien zu festem Gehalt oder in eigener Praxis zu fixen Gebühren arbeiteten. Die Krankenkassen diktierten Vertragsbedingungen und Honorarhöhen. Wer ihrer Ansicht nach nichts taugte, zu wenige Sprechstunden hielt oder zu viel Geld verlangte, wurde gefeuert: Die Kassen waren die Mächtigen.
Die Ärzte nahmen es hin, solange die Kassenklientel -- rund 15 Prozent der Bevölkerung waren um die Jahrhundertwende krankenversichert -- der ärztlichen Praxis nur ein Zubrot brachte.
Das änderte sich, als der Gesetzgeber die Zwangsversicherung weiter ausbaute. Nun wurde die Kassenzulassung für einen Großteil der Ärzte interessant. Sie folgten dem Aufruf des Leipziger Arztes Hermann Hartmann ("Ärzte aller deutschen Staaten, organisiert Euch"), Vereinten sich zur ersten Ärzte-Gewerkschaft, dem Leipziger Verband (später Hartmannbund), richteten Streikkassen ein und formierten sich zum Kampf. Die in den Kassenambulatorien angestellten Ärzte kündigten. Die freipraktizierenden Mediziner gaben ihre Zulassung zurück. Die Spital-Ärzte erklärten sich solidarisch.
  • Ein paar Zitate aus historischen Verträgen mit der Ärzteschaft, Zeit um 1900:
"Herr Dr.X. verpflichtet sich, auf Simulanten ein wachsames Auge zu haben und solche mit aller Energie zurückzuweisen".
"der Arzt verpflichtet sich ausdrücklich, bei der Ordinierung von Arzneien und ähnlichen Heilmitteln die Rücksicht der Sparsamkeit, soweit sie immer mit derjenigen auf den Heilerfolg vereinbar ist, walten zu lassen, insbesondere die Verordnung von Champagner und anderen teuren Weinen auf das zulässig geringste Maß zu beschränken".
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