1918
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Chronik 1918
- 08.08.1918 - Hindenburg und Ludendorff hatten Vabanque gespielt und verloren. Die Disziplin der Truppe kippte, innerhalb von Tagen gingen die Soldaten über zu einem "verdeckten Militärstreik", so der Historiker Wilhelm Deist. Schon beim Vormarsch hatten sie sich Zeit gelassen und erst einmal den Schnaps in den eroberten Depots des Gegners genossen; nun unterliefen sie Befehle, schützten Krankheiten vor und beschimpften nachrückende Reserveeinheiten als "Streikbrecher" und "Kriegsverlängerer". Und sie ergaben sich zum ersten Mal massenhaft den Alliierten, teils in geschlossenen Einheiten. Am 8. August, dem "schwarzen Tag der deutschen Armee" (Ludendorff) gingen bei Amiens über 30.000 Deutsche in Gefangenschaft; für die OHL weitaus alarmierender als die 20.000 Gefallenen der Schlacht. Am 14. August empfahl Ludendorff eine "strategische Defensive, um so den Feind allmählich zum Frieden zu bringen".
- August 1918: Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse für Adolf Hitler
- 15. Oktober 1918 - Bei einem Gasangriff erleidet Adolf Hitler eine schwere Vergiftung, die zu zeitweiser Erblindung führt. Dieses prägende und für Hitlers weitere Entwicklung zentrale Erlebnis läßt in ihm den Entschluß reifen, "Politiker" zu werden.
- 08.11.1918 - Die Atmosphäre war eisig. Was die Herren wollten, herrschte Marschall Ferdinand Foch die vier Deutschen an, die am Freitag, dem 8. November 1918, morgens um 9 Uhr in einem Salonwagen mitten im Wald beim nordfranzösischen Compiègne erschienen waren. Das Begehr der Delegation - ein Zivilist, drei Militärs - kannte der alliierte Oberbefehlshaber nur zu gut. Doch die Worte wollte Foch aus dem Mund der "Boches" selbst hören: die Bitte um einen Waffenstillstand.
- Dann trug der Generalissimus seine Bedingungen vor: sofortiger Abzug der deutschen Truppen aus Frankreich, Belgien und Luxemburg; Preisgabe Elsass-Lothringens, des linken Rheinufers sowie der Städte Mainz, Koblenz und Köln; Verzicht auf den Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit Russland, Internierung der Flotte, Herausgabe von 5000 Kanonen, 25.000 Maschinengewehren, 3000 Minenwerfern und 1700 Flugzeugen, dazu die Ablieferung von 5000 Lokomotiven und 150.000 Eisenbahnwagen. Foch gab den Deutschen 72 Stunden Zeit, um zu unterschreiben und verschwand.
- 09.11.1918 - "Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die mit der Abdankung des Kaisers, dem Thronverzicht des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen und der Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt sind." Das Ende der Monarchie in Deutschland.
- 11.11.1918 - Um 5 Uhr morgens am 11. November setzte Staatssekretär Matthias Erzberger seine Unterschrift unter das Dokument, das die deutsche Niederlage besiegelte. Strahlend hatten französische Soldaten Erzberger am Morgen des 10. November eine Zeitung entgegen gehalten. "Der Kaiser hat abgedankt", lautete die Schlagzeile. In Berlin war die Republik ausgerufen worden; die Regierung, die Erzberger entsandt hatte, existierte nicht mehr. Dann erhielt er aus dem Hauptquartier der Obersten Heeresleitung im belgischen Spa die dringende Nachricht von Paul von Hindenburg: ein Waffenstillstand sei unabdingbar, auch um jeden Preis.
- Ende November 1918 - Nach einem Lazarettaufenthalt in Pasewalk, wo Adolf Hitler das Kriegsende erlebt, kehrt er zum Infanterieregiment 2 nach München zurück und ist für die Reichswehr als "Verbindungsmann" und "Aufklärungsredner" tätig.
Ergänzungen
- Der Waggon wurde 1914 als Speisewagen Nr. 2419 D der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) in Saint-Denis gebaut und war als solcher bis August 1918 im Einsatz. Bis zum 29. Oktober 1918 wurde der Wagen in ein Büro für Marschall Foch umgebaut und war in dieser neuen Funktion bis zum September 1919 im Einsatz.
- In dem Wagon wurde der Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918, der den Ersten Weltkrieg beendete, unterzeichnet. Nach dem September 1919 schenkte die CIWL das Fahrzeug dem Armeemuseum in Paris, das im Hôtel des Invalides untergebracht ist. Dort war der Wagen von 1921 bis 1927 im Ehrenhof ausgestellt. Anschließend war er bis 1940 in der Clairière de l'Armistice („Waffenstillstands-Lichtung“) im Wald von Compiègne ausgestellt.
- 11.11.2009 - Gedenken an Weltkrieg "Vive la France, vive l'Allemagne" - 91 Jahre nach Beendigung des ersten Weltkriegs nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel als erster deutscher Regierungschef an den Feierlichkeiten unter dem Triumphbogen in Paris teil. Präsident Nicolas Sarkozy hatte schon im vergangenen Jahr den Wunsch geäußert, den traditionellen Weltkriegsgedenktag zum "Tag der deutsch-französischen Aussöhnung" umzuwidmen.
- Bis 2007 nahmen auch die Veteranen, die den Krieg überlebten, an den Feierlichkeiten teil. Lazare Ponticelli, der letzte Franzose, der am ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, starb aber am 12. Februar 2008.
Varia
- Diagnose: Hyperaktivität im Fieberwahn - Ein kleiner historischer Exkurs zur politischen Bedeutung einer Grippe-Pandemie in bzw. für Deutschland
- Sebastian Haffner referiert die Geschichte der Revolution von 1918/1919 als eine Art Kammerspiel von wenigen Akteuren. General Ludendorff, der seit 1917 faktisch zum Militärdikator aufgestiegen sei, machte sich nach seinen teilweise brillanten Bemühungen darum, die Niederlage des Deutschen Reiches militärisch abzuwenden, nunmehr konsequent daran, die unvermeidlich gewordene Niederlage zu organisieren. Sein Ziel war es, den staatstragenden Kräften des Kaiserreiches ein politisches Überleben und eine Chance alsbaldiger Restauration zu eröffnen. Mit der handstreichartigen Übertragung der politischen Führung auf die Kräfte der von der SPD geführten Opposition und der ultimativen Forderung nach sofortigem Waffenstillstand solle diese gezwungen werden, die politische Verantwortung für die Kapitulation zu übernehmen. Die führenden Funktionäre der SPD, neben Ebert auch Scheidemann und Wels gehen hierauf ein, angezogen von der Perspektive der Übernahme der repräsentativen Regierungsämter und der Möglichkeit, im Anschluss an die Überwindung der Krise tiefgreifende soziale Reformen aus dieser Machtposition einleiten zu können.
Zitate
- Er diente als Krankenwagenfahrer im Ersten Weltkrieg und wurde im Zweiten von den Japanern gefangen genommem: Frank Buckles ist im Februar 2011 mit 110 Jahren gestorben. Bei seinem Eintritt in die Armee soll er 1917 mit seinem Alter geschummelt haben. Das berichtet der Fernsehsender CNN unter Berufung auf einen Sprecher der Familie. Buckles starb demnach am Sonntagmorgen in seinem Haus in der Nähe von Charles Town im US-Bundesstaat West Virginia.
- Im ersten Weltkrieg vernachlässigte die Reichsleitung das Wohl der Soldatenfamilien in skandalöser Weise. Millionen Arbeiterfrauen und ihre Kinder, die bis dahin ärmlich, doch hinreichend und aus eigener Kraft hatten leben können, stürzten, kaum war der Ernährer als Soldat eingezogen, in materielle Not. Die Beamten des wilhelminischen Deutschland degradierten sie zu Almosenempfängern. Obwohl die Männer an der Front für das Vaterland bluteten, mangelte es ihnen in der Heimat am Nötigsten. Der Staat gab ihnen zum Leben zu wenig, zum Sterben nur knapp zuviel. Das dafür vorhandene Gesetz "betr. die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften" stammte aus dem Jahre 1888 und bieb trotz zahlreicher Korrekturen hinter den Notwendigkeiten des "modernen Volkskrieges" zurück.
- (in Götz Aly: Hitlers Volksstaat, S.Fischer 2005)
- Im Geschäftsbericht des Jahres 1918 heißt es: „Die Betriebskrankenkasse der vereinigten Siemens-Werke hat ihr elftes Geschäftsjahr mit einem Gesamt-Verlust vom M 1 395 410,82 abgeschlossen.“ Die hohen Verluste waren in erster Linie auf eine Influenzaepidemie zurückzuführen, die als „Spanische Grippe“ in die Geschichte eingehen sollte.
