1919
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Jahreschronik
- 15.01.1919 - Rosa Luxemburg wird von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen- Division zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Schuss in den Kopf getötet. Anschließend wirft man ihre Leiche in den Landwehrkanal.
- 19.01.1919 - Deutschland wählt ein neues Parlament. Das Spannende daran vermeldet eine Zeitung so: "Unter den Wählenden sind mehr als die Hälfte als weiblichen Geschlechts zu bezeichnen." Erstmals können Frauen ihre Stimmen abgeben. Sie tun es mit großer Mehrheit – und wählen anders als die Männer.
- Es entsteht die Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP. Friedrich Ebert wird Reichspräsident.
- 07. Mai 1919 - Georges Clemenceau überreicht den Delegierten des Deutschen Reiches "Das Buch des Friedens" - den Versailler Friedensvertrag und sagt "Es wird keine mündliche Verhandlung geben und die Bemerkungen werden schriftlich vorgebracht werden müssen. Die deutschen Bevollmächtigten haben eine 14-tägige Frist, um in französischer und englischer Sprache ihre schriftlichen Bemerkungen über die Gesamtheit des Vertrages zu überreichen".
- 28. Juni 1919 - Versailler Vertrag wird im Spiegelsaal des Schlosses unterzeichnet
- 09. Juli 1919 - Reichspräsident Friedrich Ebert und Reichskanzler Bauer unterzeichnen die Ratifikationsurkunde des Versailler Friedensvertrages.
- 11. August 1919 - in den Tiefen des Thüringer Waldes legt Friedrich Ebert den Grundstein für die erste Demokratie auf deutschem Boden - ohne Pauken und Trompeten, ohne Zeremonie. "Das Ereignis selbst war ein kleines", sagt Stefan Gerber, Historiker an der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität, "die Bedeutung dahinter immens." Dass ein Politiker mal eben schnell im Urlaub eine Verfassung unterzeichnet, ist in der Geschichte vermutlich einzigartig. Das bundesdeutsche Grundgesetz etwa wurde 30 Jahre später im Rahmen eines opulenten Festakts unterschrieben, begleitet von einem Riesenaufgebot in- und ausländischer Journalisten. Von Eberts Tat existiert noch nicht mal ein Foto. "Ebert wollte dem Pomp des Kaiserreiches abschwören und verzichtete daher auf einen Festakt. Alles andere war mit seinem Amtstil nicht in Einklang zu bringen."
- Noch nicht einmal der genaue Ort, an dem der Präsident zum Füllhalter griff, ist bekannt. Entweder war es im Hotel "Weißer Hirsch", wo Ebert zu speisen pflegte, oder in dessen Gästehaus "Schwarzaburg", in dem das Staatsoberhaupt residierte. Fest steht nur: Nach der Unterzeichnung gab es ein kleines Festessen, abgerundet von Erdbeereis mit Schlagsahne.
Zitate
- Das Lied vom Kompromiß (1919) - Text: Kurt Tucholsky; Musik: Hanns Eisler
- Manche tanzen manchmal wohl ein Tänzchen
- immer um den heißen Brei herum,
- kleine Schweine mit dem Ringelschwänzchen,
- Bullen mit erschrecklichem Gebrumm.
- Freundlich schaun die Schwarzen und die Roten,
- die sich früher feindlich oft bedrohten.
- Jeder wartet, wer zuerst es wagt,
- bis der eine zu dem andern sagt:
- „Schließen wir nen kleine Kompromiß!
- Davon hat man keine Kümmernis.
- Einerseits – und andrerseits –
- so ein Ding hat manchen Reiz …
- Sein Erfolg in Deutschland ist gewiß:
- Schließen wir nen kleinen Kompromiß!“
- "Dies Volk in dieser Zeit, bewusst und unbewusst, hat ihn so gewollt" - Nach der Katastrophe (Weltkrieg I), die er (Kaiser Wilhelm II.) weder gewollt noch mutwillig provoziert, aber auch nicht entschlossen genug verhindert hatte, mochten nicht mehr viele vormalige Lobredner Wilhelms II. an die von ihnen einst bekundete Sympathie mit ihrem Monarchen erinnert werden. Auch hier war Walther Rathenau erneut einer der wenigen, die - selbstkritisch und resignativ zugleich - auf ihre eigene Vergangenheit zurückblickten.
- "Niemals zuvor", bekannte er 1919 unumwunden, "hat so vollkommen ein sinnbildlicher Mensch sich in der Epoche, eine Epoche sich im Menschen gespiegelt ... Dies Volk in dieser Zeit, bewusst und unbewusst, hat ihn so gewollt, nicht anders gewollt, hat sich selbst in ihm so gewollt ... Nicht einen Tag lang hätte in Deutschland regiert werden können, wie regiert worden ist, ohne die Zustimmung des Volkes ... Die wilhelminische Epoche hat am Monarchen mehr verschuldet als der Monarch an ihr."
Zum Friedensvertrag von Versailles
- Sebastian Haffner als Zeitzeuge meinte dazu später:
- "Der Vertrag von Versailles gehört der Geschichte an. Die Umstände, die ihn hervorbrachten, werden nie wiederkehren. Die zornigen Polemiken, die leidenschaftlichen Anklagen und Gegenklagen, die ihm folgten, klingen dünn und weither, ein fernes Gezeter ....Dass irgendwo in dem Vertrag ein Fehler steckte, darf man heute wohl als unbestritten voraussetzen. Was immer man sonst über ihn sagen mag, er war jedenfalls kein Erfolg. Er leistete nicht, was ein Friedensvertrag leisten soll: Er brachte keine Beruhigung, legte keinen festen Grund, schuf keinen haltbaren Rahmen für die internationale Politik" ( in "Versailles 1919 - Aus der Sicht von Zeitzeugen 2002, F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München - Originalaussage "Der Vertrag von Versailles" erschien 1978)
- Theodor Heuss als weiterer Zeitzeuge
- Die Frage, die sich im Frühjahr 1919 dem Parlament und seinen Fraktionen aufzwang: Sollen die Bedingungen, die aus Versailles vorgelegt werden, angenommen werden?
- Der Riß ging mitten durch die politischen Gruppen. Die junge Reichsregierung trat zurück. Irgend etwas wie Kündigung des Waffenstillstandes kam nach dem Urteil der militärischen Autoritäten gar nicht in Frage. Es konnte sich nur darum handeln, auch die zivile Verwaltung und die Versorgung des Volkes solange in die Hand des Siegers zu geben, bis er die Undurchführbarkeit seiner Forderungen selber begriffe.
- ... Als ich 12 Jahre später, 1931, unter dem Titel "Hitlers Weg" eine Studie über das Werden des Nationalsozialismus schrieb, begann das Schlußkapitel mit dem Satz: "Die Geburtsstadt der Bewegung ist nicht München, sondern Versailles". Das war, etwas zugespitzt formuliert, eine Banalität. Erst nach 1945 erfuhr ich dann gelegentlich, daß auch solche Aussage "Nationalsozialismus" sei. (Aus Theodor Heuss, Erinnerungen 1905 - 1933, Tübingen 1964)
- W.I.Lenin
- Wir sehen die Rückkehr zu einer kolonialen und militärischen Unterjochung, die noch schlimmer ist als früher. Der Versailler Vertrag hat für Deutschland und eine Reihe anderer besiegter Länder Verhältnisse geschaffen, unter denen eine wirtschaftliche Existenz materiell unmöglich ist, Verhältnisse völliger Rechtlosigkeit und Erniedrigung.
- ( aus Lenin-Ausgabe, Ostberlin, Band 31, S.205 ff)
- Der Vertrag von Versailles vom 28. Juni 1919
Ausgewählte Details im Vertrag von Versailles 1919
- in XIII.Teil: Arbeit
- Kapitel I Organisation
- Artikel 392
- Das internationale Arbeitsamt wird am Sitze des Völkerbundes errichtet und bildet einen Bestandteil des Bundes.
- Artikel 395
- Das Personal des internationalen Arbeitsamtes wird durch den Direktor angestellt. Soweit es mit dem Ziele möglichst großer Leistungsfähigkeit vereinbar ist, bestimmt er hierzu Personen verschiedener Nationalitäten. Eine gewisse Anzahl dieser Personen müssen Frauen sein-
Links
- Mediziner wollen Leiche Rosa Luxemburgs entdeckt haben - Eine Untersuchung der Leiche im Computertomografen soll ergeben haben, dass die Frau zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 50 Jahre alt war, an Arthrose litt und unterschiedlich lange Beine hatte. Luxemburg war 47, als sie am 15. Januar 1919 gemeinsam mit Kommunistenführer Karl Liebknecht von rechten Freikorpssoldaten ermordet wurde. Ihre Leiche wurde in den Landwehrkanal geworfen. Luxemburg hatte ein Hüftleiden und unterschiedlich lange Beine.
