1920
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Chronologie 1920
- 24. Februar 1920 - Die NSDAP wird im Hofbräuhaus München gegründet.
- Welche Teile des 25-Punkte-Programms Hitler selbst formuliert hat, ist unklar, sagt der Bochumer Historiker Armin Nolzen, wozu es gedient hat, liege allerdings auf der Hand: "Es ist ein Catch-all-Programm", für fast jeden ist etwas dabei: "Die Brechung der Zinsknechtschaft", zielt auf das Arbeitermilieu, die Forderung nach Zurücknahme des Versailler Friedensvertrages auf Konservative. Von "zersetzender" Kunst und Literatur ist die Rede, um den Hassern des Bürgertums zu gefallen.
- 12/13. März 1920 - Putsch des Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp, der mit seiner „Brigade Ehrhardt“, einem ehemaligen Freikorps und einigen Truppenteilen der Reichswehr Berlin besetzt und die Regierung zur Flucht zwingt.
- Arbeiter!! Genossen! Wir haben die Revolution nicht gemacht, um uns heute wieder einmal einem blutigen Landsknechtregime zu unterwerfen. Wir paktieren nicht mit den Baltikum Verbrechern ...Es geht um alles! Darum sind die schärfsten Abwehrmittel geboten ...
- Legt die Arbeit nieder! Streikt!
- Schneidet dieser reaktionären Clique die Luft ab!
- Kämpft mit jedem Mittel um die Erhaltung der Republik!
- Lasst allen Zwist beiseite!
- Es gibt nur noch ein Mittel gegen die Diktatur Wilhelms II.:
- Lahmlegung jedes Wirtschaftslebens!
- Keine Hand darf sich mehr rühren!
- Kein Proletarier darf der Militärdiktatur helfen!
- Generalstreik auf der ganzen Linie!
- Proletarier vereinigt euch!
- Nieder mit der Gegenrevolution!
- (Aufruf zum Generalstreik: In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1920 kam es zu einem gemeinsamen Aufruf im Namen des Reichspräsidenten Ebert, der sozialdemokratischen Regierungsmitglieder und des Vorstandes der Partei für einen Generalstreik gegen Kapp und Lüttwitz - auch als "Kapp-Putsch" bekannt.)
- Der Generalstreik, der am Sonntag 14.3.1920 in Berlin bereits mit voller Wucht einsetzte und am Montag das ganze Reich erfasste und alsbald die Putschregierung vollkommen lahmlegte, war der gewaltigste, den Deutschland je erlebt hat.
- Das gesamte Land kam zum Stillstand. Es gab keinen Eisenbahnverkehr, keinen Straßenbahnverkehr in den Städten, keine Postzustellung, keine Zeitungen. Alle Fabriken waren geschlossen. Der Behördenbetrieb erlahmte: Die unteren Beamten streikten, die höheren fanden in ihren Ämtern keine Möglichkeit, wirksame Arbeit zu tun.
- In Berlin gab es nicht einmal mehr Wasser, Gas und elektrisches Licht. Die Menschen standen in langen Schlangen vor altertümlichen Brunnen und Pumpen nach Trinkwasser an.
- Der Generalstreik nahm der Putschregierung in Berlin vom zweiten Tag ihrer Existenz an jede Möglichkeit zu regieren.
- Leonardo Conti (Mediziner) nimmt am KAPP-Putsch teil.
- 02. April 1920 - Einheiten der Reichswehr marschieren im Ruhrgebiet ein, um den kommunistischen Ruhraufstand niederzuschlagen, der als Reaktion auf den Kapp-Putsch ausgebrochen war
- 06. April 1920 - Hitler bereits in einer Rede:
- „Wir wollen keine Gefühlsantisemiten sein, die Pogromstimmung erzeugen wollen, sondern es beseelt uns die unerbittliche Entschlossenheit, das Übel an der Wurzel zu packen und mit Stumpf und Stil auszurotten. Um unser Ziel zu erreichen, muss uns jedes Mittel recht sein, selbst wenn wir uns mit dem Teufel verbinden müßten.“
- zitiert nach Eberhard Jäckel, Axel Kuhn (Hrsg.): Hitler. Sämtliche Aufzeichnungen 1905-1924. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1986, ISBN 3421019975 (Dokument Nr. 91)
- 11. Mai 1920 - Erste Werbeplakate der NSDAP in München. Aufruf zur öffentlichen Parteiversammlung am 11. Mai 1920. Sprecher: Adolf Hitler
- 26. August 1920 - Frauen erhalten in den USA das Wahlrecht
Zitate
- Der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche (* 1. August 1865 in Wildenhain; † 16. Mai 1943 in Baden-Baden) geben die Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form.“ heraus. Darin sprechen sie sich dafür aus, „Ballastexistenzen“ und „Fremdkörper im Gefüge der menschlichen Gesellschaft“ zu „beseitigen“:
- „Wir haben es, von fremden Gesichtspunkten aus verlernt, [...] den staatlichen Organismus im selben Sinne wie ein Ganzes mit eigenen Gesetzen und Rechten zu betrachten, wie ihn etwa ein in sich geschlossener menschlicher Organismus darstellt, der, wie wir Ärzte wissen, im Interesse der Wohlfahrt des Ganzen auch einzelne wertlos gewordene oder schädliche Teile oder Teilchen preisgibt oder abstößt.“
- Hoche, der seit 1902 die Psychiatrische Klinik leitet und dies noch bis 1933 tun wird, sieht sich als Universalgelehrter, als Stilist und Ästhet. Er hätte auch Schriftsteller werden können. Tatsächlich werden die 1934 erscheinenden "Jahresringe" ein kleiner Bestseller. Doch seine Karriere beginnt alles andere als geradlinig. Fast wäre er Gynäkologe geworden oder Kinderarzt. Hoche sucht und findet Mentoren, die ihn fördern. Gleichwohl gerät sein Fortkommen ins Stocken. Als schließlich der Ruf aus Freiburg kommt, rechnet er schon nicht mehr mit einer solchen Position. Jetzt hat Hoche es geschafft. Er ist Geheimer Hofrat. Und arbeitet mit dem berühmten Rechtsgelehrten an einer politischen Schrift. Er würde den 78-Jährigen gern besser bewirten als mit Zichorienkaffee. Es sind schlechte Zeiten. Der Krieg ist verloren, die alliierte "Hungerblockade" gerade erst ein halbes Jahr lang aufgehoben. Selbst in einem Professorenhaushalt ist man bereits über einen Fetzen Rindfleisch in der Graupensuppe glücklich. Dazu noch die politische Unsicherheit.
- 1920 - Drei Flugblätter gegen den Wucher durch Käthe Kollwitz (eines im Bild) - Am 13. Juni 1891 heiratete Käthe Kollwitz den Mediziner Dr. Karl Kollwitz (1863–1940), der sich als Kassenarzt im Norden Berlins in der Weißenburger Straße 25 (heute: Käthe-Kollwitz-Straße) niederließ. Durch ihn und seine Arbeit gewann sie Einblicke in das Leben und die Nöte der Arbeiter. Ihr soziales Engagement schlug sich in der Sozialkritik als dem Hauptthema ihres graphischen Werkes nieder. 1920 engagierte sie sich für die „Internationale Arbeiter-Hilfe“ (IAH) und schuf das Plakat „Wien stirbt! Rettet seine Kinder“ und drei Flugblätter gegen den Wucher.
- Ihr Mann ist Armenarzt. So erhält sie tiefe Einblicke in die sozialen Missstände des Berlins vor der Jahrhundertwende. Die Klassenunterschiede, das Wegsehen von Ministerien und Hof, der erbärmliche gesundheitliche Zustand des Großstadtproletariats – ihr einziges Mittel: zeichnen. Käthe Kollwitz sagte dazu „Ungelöste Probleme wie Prostitution und Arbeitslosigkeit quälten und beunruhigten mich und wirkten mit als Ursache dieser meiner Gebundenheit an die Darstellung des niederen Volkes, und erst diese immer wiederholte Darstellung öffnete mir ein Ventil, eröffnete mir eine Möglichkeit, das Leben zu ertragen.“
"Feminisierung" der Medizin
Ahnennachweis 20 Jahre später beim Studium 1940
- Vorbemerkung: Das wird seit den vehementen Ärzteprotesten in Deutschland - siehe Chronik 2006 - als Argument zunehmend mit statistischen Angaben untermauert. Hier soll nun ein persönliches Schicksal einer 1920 geborenen und späteren Ärztin mit Staatsexamen in den letzten Monaten des zweiten Weltkriegs in Würzburg, die Jahre in persönlichen Dokumenten illustrieren.
