1933

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Inhaltsverzeichnis

Chronik 1933

Fackelzug 30.1.1933 - BERLIN
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Fackelzug 30.1.1933 - BERLIN
  • 12. Januar 1933 - Georg Grosz emigriert nach New York. Gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten werden seine Wohnung und sein Atelier gestürmt.
  • 30. Januar 1933 - Machtergreifung Mit der Machtergreifung begann die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.
Hitler wird Reichskanzler, Verbot der SPD. Sozialdemokraten werden verhaftet, misshandelt, ermordet. Im Exil und in Deutschland leisten Sozialdemokraten Widerstand.
Hans Joachim Sewering hat Geburtstag, er wird 17 Jahre alt. Und bald begeistert sich der Gymnasialschüler für die "nationale Bewegung" - so wie später "die jungen Leute für Rockkonzerte", sagt er heute: "Wir sind einfach der Propaganda zum Opfer gefallen."
  • 21. März 1933 - Das Konzentrationslager Dachau wird errichtet.
Die Einberufung des neuen Reichstags wird am 21. März mit dem Tag von Potsdam öffentlichkeitswirksam zelebriert.
Rede Hitler in Garnisonkirche Potsdam 21.3.1933
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Rede Hitler in Garnisonkirche Potsdam 21.3.1933
  • 22. März 1933 - Der Leiter des Hartmannbundes, Alfons Stauder, sendet folgendes Telegramm an Hitler (Zitat aus Norbert Frei`s Buch "Hitlers Eliten nach 1945"): "Die ärztlichen Spitzenverbände begrüßen freudigst den entschlossenen Willen der Reichsregierung der nationalen Erhebung, eine wahre Volksgemeinschaft aller Stände, Berufe und Klassen aufzubauen." Er gelobte "treueste Pflichterfüllung als Diener der Volksgesundheit". Ministerin Ulla Schmidt in einer Gedenkveranstaltung für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Ärzte Berlins am 05.11.2006
Stauder-Telegramm 22.3.1933
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Stauder-Telegramm 22.3.1933
  • 23./24. März 1933 - Kollegialiter mit NS-Ärzten: Das Nürnberger Treffen Stauder hatte da schon mindestens ein Treffen mit dem Vorsitzenden des NS-Ärztebundes, Dr. med. Gerhard Wagner, hinter sich. Wagner und sein NS-Ärztebund hatten die Macht handstreichartig übernommen. Als „Reichskommissar der deutschen Ärzteschaft“ konnte er gemäß dem Führerprinzip anordnen, „und er machte auch lebhaften Gebrauch davon“ (Sperling). Dennoch blieben Stauder und seine Kollegen in den Vorständen des Ärztevereinsbundes und des Hartmannbundes vorerst im Amt. Darauf hatte man sich mit Wagner „kollegialiter“ verständigt. Gleichschaltung, belehrt Dr. Sperling, bedeutete nämlich, „dass an die maßgebenden Stellen ältere und jüngere Parteigenossen gesetzt wurden, unter Beibehaltung oder (was nur selten vorkam) Entlassung bisheriger Inhaber“.
Plakat zur Werbung für die Deutsche Arbeitsfront
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Plakat zur Werbung für die Deutsche Arbeitsfront
BERLIN Opernplatz 10. Mai
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BERLIN Opernplatz 10. Mai
  • 22. April 1933 - Über eine Verordnung zur Zulassung von Kassenärzten wird das Ausschlussverfahren von den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen und dem Vorstand des Hartmannbundes abgewickelt. Bestimmungen des Berufsbeamtengesetzes wurden auf Kassenärzte angewandt: Tätigkeit von Kassenärzten „nichtarischer Abstammung und von solchen, die sich im kommunistischen Sinne betätigt haben“, wird beendet.
  • 02. Mai 1933 - Die Gewerkschaften werden aufgelöst, obwohl sie ihre Mitglieder dazu aufgefordert hatten, an Hitlers Feiern zum 1. Mai teilzunehmen. Gewerkschaftsführer wurden verhaftet und in Konzentrationslager verbracht, SS und SA besetzten Gewerkschaftsgebäude.
Bücherverbrennung
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Bücherverbrennung
  • 10. Mai 1933 - Die Nationalsozialisten verbrennen auf dem Opernplatz in Berlin 20.000 Bücher missliebiger Autoren (Bücherverbrennung) und gründen an diesem Tag die Deutsche Arbeitsfront als Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit dem Vermögen der zerschlagenen Gewerkschaften. Das Streikrecht ist zugleich abgeschafft.
"Übergebt alles Undeutsche dem Feuer. Gegen Klassenkampf und Materialismus. Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebensauffassung: Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Karl Marx und Kautsky." So Joseph Goebbels in seiner sogenannten Feuerrede in Berlin am 10. Mai 1933. Wie in der Reichshauptstadt, so loderten an diesem Tag an vielen Orten in Deutschland die Scheiterhaufen. In erster Linie ereignete sich das in den Universitätsstädten. Rücksichtslos wurde die deutsche Literatur von allem "gesäubert", - wie es damals hieß - was den neuen Herren nicht genehm war.
Werbetafel mit Spendenaufruf, 1936, Nürnberg
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Werbetafel mit Spendenaufruf, 1936, Nürnberg
Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wird heute unter der Schirmherrschaft von Adolf Hitler gegründet und durch den bisherigen Reichsorganisationsleiter der NSDAP Robert Ley weiter geführt. Sie stellt bald eine gigantische bürokratische Konstruktion dar und wurde damit innerhalb des Regimes zu einem beträchtlichen Machtfaktor. Die Definition der sozial- und tarifpolitischen Kompetenzen der Massenorganisation blieb jedoch lange ebenso ungeklärt wie die Ausbildung arbeits- und sozialpolitischer Konzepte. Als Ziel seiner Massenorganisation verkündete Ley sehr vage die „Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft, die dem Klassenkampfgedanken abgeschworen hat“. Ein „absolutes Chaos von Gedanken“, so gestand Ley später, sei ihm bei der Gründung der DAF begegnet. Er umschrieb damit einerseits die Verworrenheit der ständischen Gesellschaftsmodelle, die in den Jahren 1933/34 von Parteiaktivisten aus dem Arsenal der Propagandaformeln hervorgeholt wurden, andererseits aber auch die heftigen Auseinandersetzungen zwischen NSDAP, Reichsministerium und wirtschaftlichen Interessenvertretern über die Aufgaben der Arbeitsfront. Zunächst schien es, als könnten sich die versprengten Reste der NS-Linken, die sich in der nationalsozialistischen Gewerkschaftsbewegung, der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO), zusammengefunden hatten, mit ihrem Traum einer nationalsozialistisch geführten Einheitsgewerkschaft durchsetzen.
Die DAF wurde mit ihren zwei „Säulen“, Arbeitern und Angestellten, als ständische Einrichtung aufgebaut. Später sollten als dritte und vierte Säule noch industrielle Unternehmer sowie der gewerbliche und handwerkliche Mittelstand hinzukommen. Die NSBO-Männer, die nach dem 2. Mai 1933 die provisorische Leitung der ehemaligen Gewerkschaftseinrichtungen übernommen hatten, versuchten über ihre formale Zuständigkeit hinaus Informationen über Löhne, Arbeitsplatzkapazitäten und Beschäftigtenzahlen zu bekommen, um arbeits- und tarifpolitische Ansprüche zu formulieren.
Ganz Deutschland hört ... hört ...
  • 07. Juni 1933 - Ärzteorganisationen fügten sich und Wagner hatte eine Bestätigung durch Wahlen – welch „altmodische“ Vorstellung – nicht nötig. Der Hartmannbund überließ „Beauftragten“ von Kommissar Wagner das Feld. Die Ärztekammern wurden aufgelöst. Schon im Mai 1933 verkündete Dr. med. Karl Haedenkamp, der Einbau des ärztlichen Standes in den neuen Staat schreite planmäßig voran. Mitte des Jahres dann war die Ärzteschaft endgültig gleichgeschaltet. Als Vollzugsdatum mag der 7. Juni 1933 gelten, als Dr. Stauder offiziell seinen Rücktritt erklärte und als Nachfolger Wagner (ab 1934: „Reichsärzteführer) vorschlug. Für den Staat meldete Reichsinnenminister Frick am 11. Juli, die Gleichschaltung sei vollzogen, die „Revolution“ abgeschlossen.
  • 23. Juni 1933 - Die Verbrennung „undeutscher Bücher“ auf dem Berliner Opernplatz in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1933 durch den Kampfausschuss „Wieder den undeutschen Geist“ der Deutschen Studentenschaft bildete den Auftakt für ähnliche Aktionen in ganz Deutschland. Am 23. Juni 1933, am Vorabend des Gutenbergfestes, veranstaltete auch die Mainzer NS-Studentenschaft eine „öffentliche Verbrennung von Schmutz und Schundliteratur, undeutscher Bücher sowie marxistischen und kommunistischen Propagandamaterials“ auf dem Adolf-Hitler-Platz. Auch einige aus Mainz stammende Autoren standen auf der schwarzen Liste der Nationalsozialisten und mussten emigrieren.
"Volksempfänger" - Rückwand
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"Volksempfänger" - Rückwand
  • Sommer 1933 - Joseph Goebbels startet mit den organisatorischen Vorbereitungen für die Sammelaktion einer nationalsozialistischen Winterhilfe.
Damit wurden die regionalen KVen vom Hitlerregime in eine einheitliche Deutsche Kassenärztliche Vereinigung umgewandelt. Durch dieses Gleichschaltungsgesetz wurde das Instrument der Selbstbestimmung umgewandelt in eine parastaatliche Erfüllungsbehörde.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen: Funktionen, Dysfunktionen – und Zukunftsszenarien aus hausärztlicher Sicht - Berlin 08.11.2010
  • 13. September 1933 - Adolf Hitler eröffnet die „Erste Winterhilfsaktion gegen Hunger und Kälte“. In seiner Rede stellte er der stets bekämpften „internationalen marxistischen Solidarität“ eine andere, nämlich eine „lebendige nationale Solidarität des deutschen Volkes“ gegenüber, die „blutmäßig ewig begründet“ sei. Der Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann nannte das Winterhilfswerk wenige Tage später „eine große staatspolitische Aufgabe“ mit dem Ziel, die Arbeitnehmer „innerlich zu gewinnen“.
  • 17. November 1933 - Als die Universitätsklinik Lindenburg am 17. November 1933 ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, forderte der Kölner Gesundheitsdezernent Carl Coerper die „Erfüllung der Aufgabe der Krankenhäuser mit nationalsozialistischem Geist“.
Was folgte, war die Entlassung aller jüdischen und auch politisch missliebiger Ärztinnen und Ärzte. Auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden zwischen 1934 und 1943 in der Chirurgischen Klinik Lindenburg und in der Universitäts-Frauenklinik insgesamt über 1.000 Menschen zwangssterilisiert. Angesichts des Bettenmangels in der Stadt, der durch die Einrichtung von Militärabteilungen in vielen Krankenhäusern entstand, wurden „nichtarische“ Patienten seit 1937 sukzessive von der Behandlung in den städtischen Krankenanstalten ausgeschlossen.
Ferdinand Sauerbruch 1932 by Max Liebermann 1847 - 1935
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Ferdinand Sauerbruch 1932 by Max Liebermann 1847 - 1935
  • 20. November 1933 - So entzog die Verordnung vom 20. November 1933 allen „nichtarischen“ Ärzten und Frontkämpfern sowie allen „arischen“ Ärzten und Ärztinnen, die mit einem „nichtarischen Ehegatten“ verheiratet waren und in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern lebten, „vorbehaltlich einer endgültigen Regelung“ die Kassenzulassung. Karl Haedenkamp, der all diese Verordnungen kraft seines Amtes als Mitarbeiter im Reichsarbeitsministerium aktiv mitgestaltete, äußerte unverblümt den Grund für ein solches Vorgehen: „Die neue Vorschrift hat den Zweck, den Ausgleich des starken Mißverhältnisses zu ermöglichen, der namentlich in den Großstädten zwischen der Zahl der nichtarischen und der arischen Ärzte besteht. Dieses Mißverhältnis ist besonders in Berlin auch jetzt noch unerträglich groß, über die Hälfte der zugelassenen Ärzte sind dort nichtarischer Abstammung.“
  • Im November 1933 beteiligte sich Sauerbruch mit einem eigenen Brief „An die Ärzteschaft der Welt“ am weltweit verbreiteten Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und zum Nationalsozialismus, bei dessen Präsentation auf einer Großveranstaltung er einer der Hauptredner gewesen war. Er war Mitautor eines Sammelbands Deutschland fordert Gleichberechtigung im Verlag des nazi-freundlichen Armanen-Ordens von 1933.


Zitate

Tor in Gedenkstätte KZ Dachau - 1933 eröffnet
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Tor in Gedenkstätte KZ Dachau - 1933 eröffnet
  • Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2002: Der Band des Bochumer Historikers Norbert Frei und fünf überwiegend junger Wissenschaftler deckt Kontinuitäten in den Karrieren nationalsozialistischer Juristen, Mediziner, Unternehmer, Offiziere und Journalisten auf. Es zeige sich ein differenziertes Bild, das weder die These von der "Stunde Null", noch die Unterstellung einer schier ungebrochenen Fortsetzung der Machenschaften der NS-Eliten unterstützt, sondern die Brüchigkeit der wackligen Entwicklung der Bundesrepublik offenbare.
Gerhard Wagner * 18. August 1888 in Neu-Heiduk, Oberschlesien; † 25. März 1939 in München
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Gerhard Wagner * 18. August 1888 in Neu-Heiduk, Oberschlesien; † 25. März 1939 in München
  • Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1933 fügen sich die Vorstände von Hartmannbund und Deutschem Ärztevereinsbund rasch in ihre Gleichschaltung. Bei einem Treffen mit der Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes am 23./24. März in Nürnberg werden ihnen die Alternativen deutlich vor Augen geführt: „der revolutionäre Weg der Niederreißung der alten ärztlichen Organisationen und der Weg, sich kollegialiter zu einigen“ – so die unverblümte Formulierung von Gerhard Wagner, der nun die Führung der ärztlichen Spitzenverbände übernimmt
  • So ist in der Zeitschrift des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes „Ziel und Weg“ im März 1933 zu lesen[1],dass Juden in der Leitung des Ärztestandes „genau so wenig Platz“ hätten „wie die veralteten und verkalkten Vertreter einer parlamentarisch-demokratischen Vergangenheit“. Im März 1933 fand in München eine Versammlung von mehreren Hundert Ärzten statt, auf der der sofortige Rücktritt aller Juden und Marxisten aus den Vorständen und Ausschüssen der ärztlichen Organisation gefordert wurde. Daraufhin gab der Vorsitzende beider Spitzenverbände, Alfons Stauder, im Einverständnis mit Reichsärzteführer Gerhard Wagner folgende Anordnung bekannt: „In Durchführung ihres Beschlusses, Geist und Form der ärztlichen Verbände der politischen Neuordnung anzugleichen, ersuchen die Vorstände des Ärztevereinsbundes und des Hartmannbundes ihre Untergliederungen, im Sinne der Forderung der deutschen Ärzteschaft beschleunigt dafür Sorge zu tragen, daß aus Vorständen und Ausschüssen die jüdischen Mitglieder ausscheiden und Kollegen, die sich innerlich der Neuordnung nicht anschließen können, ersetzt werden.“ Die Gleichschaltung der deutschen Ärzteschaft war rasch vollzogen. Die Demokratie war „endgültig zu Grabe getragen“ – so schrieb bereits 1933 Karl Haedenkamp, langjähriger Standesfunktionär in führender Stellung nicht nur während der NS-Zeit, herablassend in den Ärztlichen Mitteilungen.
  • Nach Differenzen mit der neuen NS-Ärzteführung trat Alfons Stauder am 7. Juni 1933 von seinen Ämtern zurück. Er hielt die „Situation für den Vorstand, der nicht einfach nachträglich Beschlüssen zustimmen könne, an deren Zustandekommen er nicht mitgewirkt habe, für unerträglich“. So steht es im Protokoll der Vorstandssitzung des Ärztevereinsbundes aus dem Jahr 1933. Unter den herrschenden Umständen sah Stauder aber keine andere Möglichkeit, als die Machtübertragung auf Wagner reibungslos abzuwickeln.
August de Bary, ein alter Weggefährte Stauders, berichtete 1949, dass Stauder in der Folgezeit Kränkungen und Ehrverletzungen zu erleiden hatte. Frühzeitig habe er den psychopathischen Fanatismus Hitlers erkannt und am Bestand seiner Regierung gezweifelt. Bitter enttäuscht worden sei er dadurch, dass er so gut wie keine Kollegen gefunden habe, die seine Befürchtungen geteilt und sich dem Begeisterungsrummel widersetzt oder ferngehalten hätten. Alfons Stauder starb am 18. Dezember 1937. Einen Nachruf in der Standes- und Fachpresse habe die NS-Ärzteführung verboten, schreibt de Bary.
Thälmann-Monument BERLIN
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Thälmann-Monument BERLIN
  • Ernst Thälmann (genannt Teddy; * 16. April 1886 in Altona; † 18. August 1944 im KZ Buchenwald) war in der Weimarer Republik von 1925 bis 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1933 wurde er von der Gestapo verhaftet und nach elf Jahren Isolationshaft, 1944, auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen.
  • Im Juni 1933 reichte Wagner einen Entwurf der Reichsärzteordnung beim RMdI ein; in seiner Erläuterung unterschied er zwischen alter und neuer Selbstverwaltung. Bei der Alten hätten die Betroffenen durch Mehrheitsbeschluss ihre Geschicke selbst bestimmen wollen. Wagner dagegen: „Die heutige Selbstverwaltung geht von anderen Grundsätzen aus. Selbstverwaltung soll bleiben, weil eine Verstaatlichung in dem Sinne, dass alles durch Behörden des Staates erledigt wird, dem berufsständischen Gedanken nicht entsprechen würde. Aber es soll der Staatswille eindringen in die berufsständischen Lebensbereiche und diese in den Staat einbeziehen.“
Zum Vorreiter der neuen Selbstverwaltung wird Preußen. Am 30. Dezember 1933 tritt hier ein Gesetz in Kraft, mit dem die Zuständigkeit der Mitgliederversammlungen auf die Kammervorstände übergeht, diese wiederum werden vom preußischen Innenminister ernannt, das Amt der alten Vorstände „erlischt“. Dr. Wagner habe „dem Gesetz zugestimmt“, versichert der Innenminister und belegt so, dass die Grenzen zwischen Staat, Partei und Ärzteführung bereits verwischt sind.
  • Der Sozialbericht von Siemens zum Jahr 1933 vermerkte kurz, dass man die bislang für das Unternehmen tätigen jüdischen Vertrauensärzte von ihren Ämtern entbunden habe. Im April stellten sämtliche Krankenkassen aufgrund einer Verordnung des Reichsarbeitsministers die Zusammenarbeit mit jüdischen Ärzten ein. Allein in Berlin verloren damit 2 000 von insgesamt 3 600 Kassenärzten ihre zentrale Einnahmequelle.

Zeitzeugen im Jahre 2010

Georg Elser, Sonderbriefmarke 2003
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Georg Elser, Sonderbriefmarke 2003
  • sueddeutsche.de: Der Schreiner Georg Elser, der Hitler 1939 mit einer Bombe töten wollte, wurde explizit erwähnt.
Cling: Aber warum hat niemand all die anderen erwähnt? Von 1933 bis 1939 sperrten die Nazis deutsche Sozialdemokraten, Kommunisten und andere politische Gegner ein. Es waren Deutsche, die schon vor Hitlers Machtergreifung gegen die NSDAP gekämpft haben. Ich habe den Eindruck, die Deutschen ehren hauptsächlich Stauffenberg und wenige andere wie Elser und die Geschwister Scholl. Aber es waren viele Tausende mehr! Die Deutschen täten gut daran, ihre Landsleute zu ehren, die Courage gezeigt haben und für ihre Überzeugung litten und starben. Am morgigen 4. Mai 2010 wird Maurice Cling 81 Jahre alt. (KZ-Überlebender Maurice Cling Eine Versöhnung ist schwer vorstellbar - 03.05.2010 Süddeutsche Zeitung)

Links

  • Gerhard Wagner (* 18. August 1888 in Neu-Heiduk, Oberschlesien; † 25. März 1939 in München) war im nationalsozialistischen Deutschen Reich der erste Reichsärzteführer.
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