1945
Aus ArztWiki
Inhaltsverzeichnis |
Zeitchronik 1945
- 24. Januar 1945 - In Aachen erscheint mit den Aachener Nachrichten die erste deutsche Nachkriegszeitung.
- 27. Januar 1945 - Die Rote Armee befreit das Konzentrationslager Auschwitz, in dem mehr als eine Million Juden von den Nazis umgebracht worden waren. Bis heute ist umstritten, was jene Deutschen vom Holocaust wussten, die nicht zu den Tätern zählten. Kürzlich sagte der US-Politikwissenschaftler Daniel Goldhagen im SPIEGEL-Gespräch, die Kenntnis des Massenmords sei "sehr weit verbreitet" gewesen, und verwies auch auf die etwa zehn Millionen Soldaten an der Ostfront. Die Leserin Annette Schücking-Homeyer schrieb daraufhin an den SPIEGEL, sie könne als "eine Art Zeitzeugin" Goldhagens Behauptung bestätigen.
- 04. - 11. Februar 1945 - Die Konferenz von Jalta auf der damals sowjetischen heute ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim bestimmt die Teilung Europas nach dem bevorstehenden Ende des Krieges. Die Vertreter der Großmächte USA, Großbritannien und Gastgeber UdSSR trafen sich zu dieser Konferenz der verschiedene Konferenzen andernorts vorausgegangen waren und weitere folgen sollten nahe der bereits befriedeten Badeortschaft Jalta.
- 13. Februar 1945 - Abends steigen 244 Lancaster-Maschinen und neun Mosquito-Kampfflugzeuge der 5. Bomberflotte der Royal Air Force von ihrem Stützpunkt in Südengland auf. Codename der Mission: "Chevin".
- 21.39 Uhr: In Dresden wird Fliegeralarm ausgelöst.
- 21.45 Uhr: Der Rundfunksprecher aus Dresden meldet den Anflug starker Kampfverbände
- 22.00 Uhr: Die erste Markierungsbombe fällt über dem Stadion im Ostragehege. Die Mosquito-Maschinen markieren im Tiefflug das Zielgebiet
- 22.11 Uhr: Der Masterbomber gibt das Signal zum Angriff
- 22.13 Uhr: Der Bombenabwurf auf Dresden beginnt. Er dauert 24 Minuten und setzt die gesamte Innenstadt in Flammen
- 14. Februar - 1.23 Uhr bis 1:54 Uhr: zweite Angriffswelle und 529 Bomber - Dresden brennt auf einer Fläche von 15 Quadratkilometern. Insgesamt werden bei den beiden Angriffen 650.000 Stabbrandbomben, 529 Luftminen und 1.800 Sprengbomben über Dresden abgeworfen.
- 12.17 Uhr: 311 Liberator-Bomber der amerikanischen Luftwaffe fliegen einen zehnminütigen Angriff auf die Zerstörte Stadt. Ihre Ziele sind vor allem wichtige Verkehrseinrichtungen, sie werfen 1.800 Sprengbomben und 136.800 Stabbrandbomben ab.
- Zum Schutz vor alliiertem Bombenhagel verlegte Hitlers Luftwaffe ihre Flugzeugproduktion in versteckte Waldlager. Auch der modernste Düsenjäger der Welt - die Me 262 - wurde im Gehölz montiert. Kurz vor Kriegsende hoben US-Soldaten die Geheimfabriken aus - und machten faszinierende Bilder deutscher Hochtechnologie.
- 15. Februar 1945 - Verordnung über Standgerichte erscheint
- 16. März 1945 - Luftangriff auf Würzburg, historische Altstadt wurde fast vollständig zerstört.
- 24./25. März 1945 - Massaker von Rechnitz, Akte Vg 12 Vr 2832/45, Landesarchiv Wien, ergibt folgendes Bild: Die Nacht vom 24. auf den 25. ist eine mondhelle Nacht.
- 16. April 1945 - Seit einigen Tagen patrouillieren amerikanische Soldaten in der Stadt. Sie unterstehen dem Befehl des US-Generals George Patton. Seine Soldaten haben Thüringen von den Nazis befreit, der Krieg ist vorbei - jedenfalls am 16. April in Weimar. Vielleicht herrscht deshalb bei den Weimarern so eine gelöste Stimmung. Sie sind auf direkten Befehl der amerikanischen Militärbehörden zum Bahnhof bestellt worden.
- 30. April 1945 - "Er erschien mir ruhig und gefasst", berichtet Junge über den Moment vor dem Selbstmord am 30. April. "Auch Eva Braun schien sich selbst gut im Griff zu haben, obwohl ich wusste, wie sehr sie die Wirkung des Gifts fürchtete, das sie seit Tagen mit sich herumtrug." Vielleicht war es kaschierte Angst oder ein Ausdruck ihrer Weltfremdheit, dass Braun sich von der treuen Sekretärin mit den Worten verabschiedete: "Grüßen Sie mir München, und nehmen Sie meinen Silberfuchsmantel zur Erinnerung. Ich habe immer so gerne gut angezogene Damen um mich gehabt."
- 01. Mai 1945 - um 21:25 Uhr gibt der Reichssender Hamburg erstmals den Tod Hitlers bekannt.
- 02. Mai 1945 - Dönitz über Sender Flensburg: Regierung Dönitz hat die Nachfolge Hitlers angetreten. In Berlin befiehlt General Weidling die Einstellung aller Kampfhandlungen in der Reichshauptstadt. Dönitz bereitet eine Teilkapitulation gegenüber den Westalliierten vor, um möglichst viele Deutsche dem sowjetischen Einfluss zu entziehen.
- Regierung Dönitz existierte vom 2. Mai bis zum 23. Mai 1945. In ihre Zeit fiel die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Wesentliche Leistungen der Regierung gab es wenige, sie verfügte die Auflösung der NSDAP und enthob den Reichsführer-SS sämtlicher Ämter. Ihre Mitglieder wurden durch alliierte Soldaten am 23. Mai 1945 verhaftet. Die vier Hauptsiegermächte übernahmen zwei Wochen später in der Berliner Erklärung auch formal die oberste Regierungsgewalt in Deutschland.
- 04. Mai 1945 - Der Gerstein-Bericht - Augenzeugenbericht über Massenvergasungen - Tübingen (Württemberg), Gartenstraße 24, den 4. Mai 1945 z.Z. Rottweil
- 06. Mai 1945 - zu einem Zeitpunkt, als die Bildung politischer Parteien von der britischen Besatzungsmacht noch verboten war, wurde Kurt Schumacher von etwa 130 sozialdemokratischen Funktionären in Hannover zum lokalen Vorsitzenden gewählt. Wiedergründung der SPD in Hannover. Ihr erster Vorsitzender wird Kurt Schumacher. In der Ostzone werden die Sozialdemokraten 1946 in ein Parteibündnis mit den Kommunisten zur SED gezwungen.
- 08. Mai 1945 - Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa
- 23. Mai 1945 - Verhaftung der Regierung Dönitz auf der Patria in Mürvik/Flensburg. Dönitz (in „Zehn Jahre und zwanzig Tage“, Frankfurt 1967) schildert die Verhaftung wie folgt:
- „Kein englischer Oberstleutnant, der mich unten empfing, kein präsentierender Posten. Dagegen waren eine Fülle von Pressephotographen erschienen. Oben auf der Patria nahmen Jodl, Friedeburg und ich an der einen Seite eines Tisches Platz; auf der anderen saßen Chefs der Kontrollkommission, in der Mitte der amerikanische Generalmajor Rooks, neben ihm der englische General Foord und der russische General Truskow. Im Gefühl der Unausweichlichkeit unseres Schicksals waren meine beiden Kameraden und ich völlig ruhig. General Rooks gab uns eine Erklärung bekannt, wonach er auf Befehl Eisenhowers mich, die deutsche Regierung und das Oberkommando der Wehrmacht zu verhaften habe. Wir hätten uns von jetzt ab als Kriegsgefangene zu betrachten. Er fragte mich, etwas unsicher, ob ich irgend etwas erwidern wollte. Ich entgegnete: ‚Es erübrigt sich jedes Wort.“
- 25. Mai 1945 - Schon wenige Tage nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, war Ludwig Sievers durch die britische Militärregierung beauftragt worden, Anordnungen zu treffen, "die geeignet sind, die gesetzlichen Aufgaben der Ärztekammer, insbesondere auch die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung der durch die Krankenkassen Versicherten zu garantieren". Er richtete in der Landesstelle in Hannover ein "Referat für die kassenärztliche Tätigkeit" ein und wies die damals acht Bezirksstellen am 31. Mai 1945 an, "Abteilungen für die Abrechnung kassenärztlicher Leistungen, privatärztlicher Leistungen und für die ärztliche Buchführung und Steuerberatung" einzurichten. Die bisherigen Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigung sollten also zunächst bis zur offiziellen Wahl von KV-Bezirksstellenvorständen und eines KV-Vorstandes durch die Ärztekammer wahrgenommen werden.
- 05. Juni 1945 - Berlin, den 5. Juni 1945, 18.OO Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Siegermächte veröffentlichen eine "Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands". Sie übernehmen damit die "Oberste Regierungsgewalt in Deutschland". Lediglich auf lokaler und kommunaler Ebene bleiben deutsche Verwaltungen weiterhin bestehen.
- 21. Juni 1945 - Verordnung des Magistrats in BERLIN, die den Versicherungsträgern am 21. Juni 1945 mit dem Titel „Ingangsetzung der sozialen Krankenversicherung“ bekanntgegeben wurde. In einer Sitzung vom 18. Juni 1945 beschloss der Magistrat die Errichtung einer Einheitskasse mit dem Namen „Krankenkasse Berlin“, der zum 1. Juli alle Berliner Beschäftigten beizutreten hatten und die der Abteilung für Sozialwesen des Magistrats unterstellt war. Gleichzeitig wurden alle Orts-, Innungs- und Betriebskrankenkassen sowie die Ersatzkassen stillgelegt. Noch am gleichen Tag wurden die Vertreter der Versicherungsträger der gesetzlichen Krankenversicherung in Berlin von Seiten des Magistrats über Details wie Dienstverträge der Mitarbeiter oder Versicherungsbeiträge sowie die Hintergründe der Entscheidung informiert.
- Die Stilllegung sei zunächst aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Sozialversicherungsträger notwendig geworden und auf dem Gebiet der Krankenversicherung als Zwischenlösung geplant. Von zentraler Bedeutung war, dass die Stilllegung keine Auflösung der bisherigen Kassen wie der SBK bedeutete. Allerdings konnte die neue Versicherungsanstalt Berlin, später umbenannt in Krankenversicherungsanstalt Berlin, nun Büroräume und Hilfsmittel leihweise nutzen und mit dem Vermögen der stillgelegten Kassen arbeiten. Das Versicherungsamt hatte zur Wahrung der Interessen der stillgelegten Kassen Treuhänder eingesetzt, um Rechenschaft über den Umgang mit dem bisherigen Vermögen der Kassen zu erhalten.
- 26. Juni 1945 - Charta der Vereinten Nationen in San Francisco von 50 Staaten unterzeichnet. 1945 auf der Konferenz von Jalta fertiggestellt. Polen unterzeichnete die Charta erst später zählt aber zu den 51 Gründungsmitgliedern. Die Charta trat am 24. Oktober des gleichen Jahres in Kraft nachdem China Frankreich die Sowjetunion das Vereinigte Königreich die Vereinigten Staaten von Amerika und die Mehrheit der Gründungsstaaten die Charta ratifiziert hatten.
- 17. Juli 1945 - Potsdamer Konferenz bis zum 2. August 1945 dort tagend Schloß Cecilienhof und Babelsberg.
- 02. August 1945 - Die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz in Potsdam, die man heute beschloss:
- - die Demokratisierung Deutschlands
- - die Dezentralisierung seiner Wirtschaft
- - die Einrichtung eines gemeinsamen Kontrollrates
- - die Demilitarisierung und Entnazifizierung des Landes
- - die Einrichtung eines Internationalen Militärtribunals (siehe Nürnberger Prozesse)
- - die faktische Abtrennung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, indem sie unter einstweilige polnische Verwaltung gestellt wurden
- Am 30. Juli 1945 tritt bei der Potsdamer Konferenz unter anderem der Alliierte Kontrollrat zu einer konstituierenden Sitzung zusammen
- 06. August 1945 - Japan: Abwurf der ersten amerikanischen Atombombe auf Hiroshima.
- 09. August 1945 - Japan: Abwurf der zweiten amerikanischen Atombombe auf Nagasaki.
- 15. August 1945 - Japan: Kaiser Hirohito verkündet im japanischen Rundfunk die Kapitulation Japans.
- 02. September 1945 - Japan: Unterzeichnung der Kapitulation Japans. Ende des Zweiten Weltkrieges im Pazifik.
- 03. September 1945 - Unter dem Decknamen "Haudegen" wurde 1944 eine Gruppe deutscher Wetterbeobachter nach Spitzbergen geschickt. Die Mission war so geheim, dass ihre Teilnehmer beinahe im Eis vergessen wurden. Erst am 3. September 1945 kapitulierte der Trupp: als letzte Wehrmachtseinheit - knapp vier Monate nach Kriegsende.
- 1945 - Die Reichsärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands (KVD) werden durch den Kontrollratsbeschluß aufgelöst.
- Kriegsende 1945: Alle NS-Organisationen, auch die "Verwaltungsstelle Groß-Berlin der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands", sind aufgelöst. Es ist die Stunde Null. Die Kassenärzte fangen an, ihre Selbstverwaltung wieder aufzubauen. Der vorläufige Name ihrer Verwaltungsstelle ist: "Vereinigung der Sozialversicherungsärzte von Groß-Berlin" (VSB).
- Der Alliierte Kontrollrat wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Besatzungsmächten als höchste Regierungsgewalt in Deutschland eingesetzt. Die Alliierte Kommandantur, das entsprechende Gremium für die Viersektorenstadt Berlin, war dem Alliierten Kontrollrat unterstellt.
- 11. November 1945 - Sowjetisches Ehrenmal am Tiergarten wird eingeweiht
- 20. November 1945 - Eröffnung der Nürnberger Prozesse. Die Anklage lautete auf Verschwörung und Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
- 27. Dezember 1945 - Der Internationale Währungsfonds (IWF International Monetary Fund IMF) ist eine internationale Organisation. Er ist eine Schwesterorganisation der Weltbank-Gruppe und hat seinen Sitz in Washington D.C. USA. Der IWF wurde heute am 27.12.1945 durch eine internationale Übereinkunft gegründet. Sie erfolgte aufgrund der Beschlüsse der Konferenz in Bretton Woods einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Hampshire . Diese für den Wiederaufbau des Weltwirtschaftssystems entscheidenden Verhandlungen dauerten vom 1. Juli 1944 bis zum 22. Juli 1944. Der IWF wird daher zusammen mit der Weltbank-Gruppe als Bretton Woods-Institution bezeichnet. Zu seinen Aufgaben gehören: Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Ausweitung des Welthandels, Stabilisierung von Wechselkursen, Kreditvergabe, Überwachung der Geldpolitik, Technische Hilfe.
- Albert Speer verfasste ein 59-seitiges Profil Hitlers während seiner Haft 1945 in der Nähe von Frankfurt.
- "Eines steht ohne Zweifel fest, alle seine Mitarbeiter, die lang und eng mit ihm zusammenarbeiteten, waren in einem seltenen Umfang von ihm abhängig und ihm "hörig". So gewaltig sie in ihrem Machtbereich wirken konnten, in seiner Nähe waren sie klein und schüchtern".
- (in "Das Ringen mit der Wahrheit - Albert Speer und das Deutsche Trauma" von Gitta Sereny, Kindler 1995)
Zitate
- Ärztekammern wehren sich gegenüber Bestrebungen der Alliierten, was ihre Stellung als Körperschaft des öffentlichen Rechts oder die geplante Reform der Sozialversicherung betraf. „Die Auseinandersetzung mit der von den Alliierten geplanten Reform der Sozialversicherung entwickelte sich zum beherrschenden Thema ärztlicher Standespolitik in den Jahren 1946/47“, so Gerst.
- Das Land lag in Trümmern. Die Menschen vagabundierten durch zerbombte Innenstädte, suchten Lebensmittel oder Kohlen, doch für Herbert W. Baker begann die Arbeit. Der Amerikaner war ins Nachkriegsdeutschland gekommen und sollte als Sozialexperte bei der amerikanischen Militärregierung wirken. Er hatte klare Vorgaben: "Die Leistungen des Sozialversicherungssystem sollten so schnell wie möglich wieder hergestellt werden", schrieb er später. Vor Kriegsende hatten sich die Amerikaner überlegt, wie sie die Sozialpolitik in Deutschland organisieren wollten. Emigranten, die vor den Nazis geflohen waren, schwärmten von dem Sozialsystem der Weimarer Republik, und so legte die US-Regierung im Dezember 1944 ihren Kurs fest. Krankenkassen, Unfallversicherer, Arbeitslosenunterstützung und Rentenkassen sollten wieder entstehen. Die von den Nazis eingeführten rassistischen Benachteiligungen sollten wegfallen, die Braunhemden aus dem Ämtern verschwinden. Ansonsten werde "die Sozialversicherung nach den bestehenden Gesetzen und Verordnungen weitergeführt", hieß es in einer amerikanische Richtlinie. Deutschlands Sozialpolitik fing in der Stunde Null nicht neu an, die Uhr wurde nur zurückgestellt. (Süddeutsche Zeitung 02. Juni 2005 "Das Herz des Sozialstaats ist aus dem Takt geraten - Renten- und Krankenversicherungen waren einmal ein Erfolgsmodell der Bundesrepublik, jetzt sind sie zum Problem geworden" - Von Andreas Hoffmann)
- 65. Jahrestag der Bombardierung Dresden - keinen Fußbreit den Faschisten - Ich hatte mich immer gefragt, warum die Dresdner es zulassen, dass seit mehr als zehn Jahren am 13. Februar Rechtsradikale durch ihre Stadt ziehen. Selbst in einer Kleinstadt wie Altenburg war (unter Mithilfe des Jenaer Aktionsbündnisses, das mit dem OB von Jena angereist war) es möglich gewesen, durch Sitzblockaden diese Umzüge zu verhindern.
- Die "Versicherungsanstalt Berlin" (VAB), mit der die Berliner Kassenärzte 1952 in so harten Streit geraten sind, wurde 1945 in dem damals noch ungeteilten Berlin geschaffen, zu einer Zeit, in der die Sowjets über die alliierte Kommandantur noch in ganz Berlin mitreden konnten.
- Die VAB ist der alleinige Versicherungsträger für Kranken-, Invaliden-, Angestellten- und Unfallversicherungen in Berlin. Eine Einkommensgrenze für die Krankenversicherungspflicht existiert in Berlin nicht. So sind bis auf verschwindend kleine Gruppen fast alle Berliner bei der VAB versicherungspflichtig Alle Mitglieder unterliegen der gleichen Behandlung, gleichgültig, wie hoch ihre Beiträge - ihrem Einkommen entsprechend - zu dieser Zwangsversicherungsanstalt sind.
- Bis zum 30. Juni 1952 bestand ein Vertrag zwischen der VAB und den 2443 Berliner Sozialversicherungsärzten
- 2010 im Sommer... bei vielen Anleihen ein Problem: Russische Soldaten hätten diese nach Kriegsende 1945 aus Nazi-Tresoren gestohlen, behauptet die Bundesregierung. Die betreffenden Anleihen seien zwar längst quittiert - also ausbezahlt - worden, sie würden aber immer noch unrechtmäßig weltweit gehandelt. Alle diese Anleihen seien deshalb wertlos, sagt die Regierung. Gerichtsdokumenten zufolge hat Deutschland schon häufiger Zahlungen verweigert und sich dabei auf eine "Liste gestohlener Anleihen" berufen. Laut den Klägeranwälten hält die Bundesrepublik diese Liste jedoch unter Verschluss. Außerdem verlange das deutsche Beglaubigungsverfahren den schwer zu erbringenden Beweis, dass sich eine Anleihe am 1. Januar 1945 nicht auf deutschem Boden befunden habe.
- Die KBV begründete die Auswahl von vier Standorten sowie ihre Präferenz für die Spreestadt ausführlich. Insgesamt rechnet sie mit einem Kaufpreis von etwa 50 Millionen DM. Finanziert werden soll der neue Standort durch das Vermögen der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschland, des Rechtsvorgängers der KBV, und aus dem Verkauf der Häuser in Köln. Der Fremdfinanzierungsbedarf läge dann bei zehn bis maximal 14 Millionen DM. (Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 19, 12. Mai 2000)
- 22. 09. 2004 - Ein wenig Wehmut beim Abschied von Köln nach mehr als 40 Jahren sei schon zu spüren gewesen, gab BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe zu, als er heute die Gäste zur Hauseinweihung der Bundesärztekammer in Berlin begrüßte. Nahe dem S-Bahnhof Tiergarten, in direkter Nachbarschaft zur Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur, haben BÄK, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam einen Neubaukomplex bezogen. Etwas werde aber täglich an Köln erinnern, betonte Hoppe: der Name des Platzes vor den Häusern, der nach Herbert Lewin benannt ist. In Köln hatten BÄK und KBV ihren Sitz in der Herbert-Lewin-Straße. „So wird ein verdienter jüdischer Kollege geehrt, der in Köln gewirkt hat und auch hier in Berlin als gynäkologischer Chefarzt am Jüdischen Krankenhaus“, erinnerte Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der KBV.
- Verbände zwischen Umbruch und Aufbruch - Ärzte- und Klinik-Organisationen haben durch Berlin-Umzug viele Fachleute verloren - Mit dem Umzug ihrer Zentralen Anfang Juli 2004 vom Rhein an die Spree stehen Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundesärztekammer und Deutsche Krankenhausgesellschaft vor einem Neuanfang. Seit ihren Umzugsbeschlüssen haben sie einen Großteil ihrer Belegschaft verloren.
- Was von Kurt Gerstein blieb, war die Erinnerung an einen seltsamen Einzelgänger und an seinen Mut, der ihn über die Masse der anpassungstüchtigen Deutschen erhob. Wie immer man die Ungereimtheiten dieses Lebens einordnen mag -- er war stets bereit gewesen, jene Gefahr, jenes Risiko auf sich zu nehmen, das in einer totalitären Diktatur allein die Mitläufer von den Aufbegehrern unterscheidet. In einer Welt des Konformismus und der Passivität blieb er ein einsamer Aktivist.
Ergebnisse später Aufarbeitung
- Die französische Besatzung förderte nach 1945 die NS-Ärzte
- Der im Saargebiet tätige Mediziner Max Obé stieg nach der Volksabstimmung über den Anschluss des Saarlands ans Deutsche Reich vom Januar 1935 zur rechten Hand des Gauleiters Josef Bürckel in Sachen Gesundheitspolitik im gesamten 'Gau Westmark und Lothringen' auf. Unter seiner Ägide wurden Euthanasiemaßnahmen und Zwangssterilisationen durchgeführt. Nach dem Krieg, ob seiner NS-Karriere von den Alliierten unter Beschuss, tauchte Obé kurzzeitig ab (der NS-Arzt Friedrich Doenecke beschied ihm zeitweilige Dienstunfähigkeit). Anschließend hat Obé es bis zum Vorsitzenden der Ärztekammer Saar gebracht.
- GISELA TASCHER: Staat, Macht und ärztliche Berufsausübung 1920-1956. Gesundheitswesen und Politik: Das Beispiel Saarland. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010. 436 Seiten
- Die unglaublichste Karriere gelang Erwin Albrecht, Syndikus der Ärztekammer Saar. Der 1900 geborene Jurist, NSDAP-Mitglied und SA-Angehöriger, erließ als Landgerichtsrat in Prag 31 Todesurteile gegen Juden, die sich der Deportation in ein KZ widersetzten. 1952 verlangte die Tschechoslowakei seine Auslieferung - vergeblich. Eine neue Dynamik bekam die Angelegenheit, als der Homburger Medizinhistoriker Lothar Sennewald von einem Prager KZ-Überlebenden erfuhr, was der Blutrichter Albrecht verbrochen hatte. Er machte die Untaten publik. Das Ergebnis war nicht etwa Albrechts Ächtung - ein Berufsgerichtsverfahren fand statt, in dem der 'Ankläger' Sennewald seine Professur verlor, er wanderte nach Kanada aus. Sein Nachfolger an der Universität wurde Joseph Gottlieb, der zur NS-Zeit Ärzte für die Konzentrationslager ausgebildet hatte. Was Erwin Albrecht angeht: Der stieg dann zum CDU-Fraktionsvorsitzenden im Saarland auf. Nur eine politische Fehde mit dem Koalitionspartner verhinderte, dass er auch noch mit dem Amt des Landtagspräsident betraut worden wäre.
- Was am meisten schmerzt: Nach dem Krieg begegneten die Opfer den verbrecherischen Medizinern wieder: Sie hatten beim Aufbau des Saarlandes ihre Füße in der Tür und traten nun als Gutachter bei den Verfahren wegen Zwangssterilisationen und Euthanasiemaßnahmen auf. Eine ernsthafte, angemessene Wiedergutmachung war damit ausgeschlossen. (Buchbesprechung Süddeutsche Zeitung - siehe oben - von SPD-Kulturpolitiker Burkhard Jellonek, seit 1995 Leiter der saarländischen Landeszentrale für Politische Bildung 15.11.2010)
- In Ensheim ist die Ehrenbürgerschaft von Prof. Dr. Orth ist nicht mehr Gegenstand des gegenwärtigen Streites; sie ist mit seinem Tode im Jahr 1958 erloschen. Strittig ist die Frage, ob die nach ihm benannte Oskar-Orth-Straße [die frühere Spitalstraße] wieder umbenannt werden soll. Die Stadt Saarbrücken hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Prof. Dr. Orth im Oktober 2000 den für eine Umbenennung zuständigen Bezirksrat Halberg aufgefordert. Das Ergebnis ließ lange auf sich warten: Erst am 7. März 2001 hat der Bezirksrat Halberg mit den Stimmen der CDU, der FDP und eines fraktionslosen Mitgliedes entschieden, die Oskar-Orth-Straße in Ensheim nicht umzubenennen. Für eine Umbenennung votierten die Vertreter von SPD und Bündnis 90/Grüne.
- Zusätzlich zu den 630 Zwangssterilisationen an Frauen, die 1992 nachweisbar waren, haben sich zwischenzeitlich Belege dafür gefunden, dass im Landeskrankenhaus Homburg, das von Oskar Orth geleitet wurde, außerdem auch mindestens 800 Männer sterilisiert wurden. Zweitens: Ich habe Frau Hübinger darauf aufmerksam gemacht, dass die Frage, ob Prof. Orth auch eigenhändig Sterilisationen durchgeführt hat, die 1992 noch nicht mit letzter Sicherheit beantwortet werden konnte, mittlerweile geklärt ist: Am 3. März 1994 hat der Wissenschaftsausschuss des saarländischen Landtages auf der Grundlage von vorher nicht zugänglichem Aktenmaterial festgestellt, dass Orth persönlich Sterilisationen ausgeführt hat.
- Dass es eine Kooperation zwischen US-Regierungsstellen und ehemaligen Nazis gab, ist im Grundsatz nicht neu. Bekannt ist der Fall des Raketenforschers Wernher von Braun, der später bei der Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa Karriere machte. Er hatte es mit der "Operation Paperclip" ("Operation Büroklammer") in die USA geschafft - ebenso wie der SS-Funktionär Arthur Rudolph. Er hatte die unterirdische Rüstungsfabrik des KZ Mittelbau-Dora in Thüringen geleitet, wo Häftlinge mit deutschen Ingenieuren an geheimen Waffen wie der V2 bauten. Rudolph kam im Dezember 1945 nach Amerika und wurde 1954 Staatsbürger. Von 1961 bis zu seiner Pensionierung 1969 arbeitete er für die Nasa, wo er maßgeblich an der Konstruktion der "Saturn 5"-Trägerrakete beteiligt war, die 1969 erstmals Menschen auf den Mond brachte. Rudolph wurde dafür von der Nasa sogar ausgezeichnet.
- SPIEGEL ONLINE: Lässt sich, vereinfachend, sagen, dass das Nachkriegsbild vom dämonischen Hitler, der die Deutschen, die nichts vom Holocaust gewusst haben, verführt habe, heute durch ein düstereres Bild ersetzt werden muss? Das von einer Volksgemeinschaft, die den Holocaust zumindest hinnahm und vom Judenmord profitierte?
- Heim: Das Bild hat sich sehr differenziert. Die Entlastungsformel von der bösen Führungsclique und den unwissenden Deutschen hat sich schon lange als unhaltbare Mystifikation erwiesen. Danach gab es neue Debatten: Über den Raub jüdischen Vermögens, über die Volksgemeinschaft und aktuell über die Rolle verschiedener Ministerien bei der Judenverfolgung. Welche Rolle spielten die gewöhnlichen Deutschen? Wer hat alles vom Holocaust profitiert? Das sind neue Kristallisationspunkte der Diskussion.
- Welt Online: An Ihrem Buch fasziniert, dass Sie sich nicht mit der Unterdrückung durch Terrorisierung als Erklärung zufrieden geben.
- Kershaw: In meinen Schriften über die Nazi-Ära habe ich immer versucht, simplifizierende Erklärungen zu vermeiden. Die Wirkung des Terrors gilt vor allem für die unteren Schichten der Gesellschaft, den einfachen Bürger, den einfachen Soldaten: Da war keine Organisation zum Widerstand möglich. Eine Revolution von unten wie am Ende des Ersten Weltkrieges, ist einfach undenkbar. Das Schlüsselproblem, dem ich begegnete, war tatsächlich nicht auf der unteren Ebene angesiedelt, sondern unter der Elite, unter Gruppen also, die Zugang hatten zu bestimmten Formen der Macht. (Der britische Hitler-Biograf Sir Ian Kershaw analysiert in seinem neuen Buch die Schuld der Eliten und den deutschen Charakter.)
Museales
- Einblicke in den wohl berühmtesten Gerichtssaal der Welt: Das öffentliche Interesse am historischen Schauplatz der Nürnberger Prozesse ist seit Jahren groß - nun eröffnet die Stadt im Justizpalast ein Museum. Zur Eröffnung des "Memorium Nürnberger Prozesse" erwartet die Stadt mehrere Staatsgäste, darunter auch Außenminister Guido Westerwelle und seinen russischen Amtskollegen Sergej Wiktorowitsch Lawrow. 17.11.2010
- "Antwort auf die Perversion": Ein neues Museum erinnert an die Nürnberger Prozesse - und an die Verbrechen, für die Nazi-Kriegsverbrecher sich dort im Jahr 1945 verantworten mussten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nennt den Nürnberger Prozess den "bedeutendsten Prozess in der Geschichte der Zivilisation".
Zwangsarbeit
- Norbert Wollheim, 26. August 1945: „Wir sind gerettet, aber wir sind nicht befreit.“
- Das Norbert Wollheim Memorial ist benannt nach Norbert Wollheim (1913–1998), Überlebender des Konzentrationslagers Buna/Monowitz. Er musste für die I.G. Farben Zwangsarbeit auf der Baustelle in Auschwitz leisten. 1951 verklagte er den Konzern in einem Musterprozess auf Entschädigung. Das Wollheim Memorial verbindet das Gedenken an die Opfer von Buna/Monowitz mit Informationen über die Geschichte ihrer Verfolgung und Entschädigung.
- Geschichte und Ethik der Medizin. Zwangsarbeit und Medizin im „Dritten Reich“
Links
- INFO Historikerkommission_Dresden1945_Abschlussbericht
- Eichhorn, 26 Jahre alt, war geschockt, doch die Greifswalder Psychologiestudentin machte weiter, gebannt von ihrem Thema. Die Aufgabe: Missbrauchsopfer des Zweiten Weltkriegs zu finden. Betroffene Frauen, die inzwischen weit über 70 Jahre alt sein mussten und vielleicht noch nie zuvor über das Erlebte gesprochen hatten. (Forschungsthema Weltkriegs-Trauma: "Innerlich alles kaputt")
