1947
Aus ArztWiki
- 01. Januar 1947 - Britisch-amerikanischen Bizone startet heute. Selbst die Westmächte sind zu keiner Einheit mehr fähig, das zeigt die Tatsache, dass Frankreich seine Zone erst am 8. April 1949, also erst kurz vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland, anschloss.
- 04. Januar 1947 - Die erste Ausgabe des Magazins Der Spiegel erscheint.
- 07. Januar 1947 - George C. Marshall wird neuer Außenminister der USA als Nachfolger von James F. Byrnes.
- 03. Februar 1947 - Die CDU in Nordrhein-Westfalen verabschiedet ihr am christlichen Sozialismus orientiertes Ahlener Programm. Es wird in dieser Fassung nie in die Praxis umgesetzt, die Soziale Marktwirtschaft gewinnt zwei Jahre später die Oberhand.
- 25. Februar 1947 - Der Staat Preußen wird mit Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 aufgelöst.
- 05. Juni 1947 - US-Außenminister George C. Marshall gibt vor der Harvard-Universität die Grundlagen des Marshall-Planes zur Unterstützung Europas bekannt.
- 14./15. Juni 1947 - Als Geburtsstunde der heutigen Bundesärztekammer ist die Arbeitstagung der westdeutschen Kammerpräsidenten im hessischen Bad Nauheim anzusehen, bei der Vertreter aller Ärztekammern in den westlichen Besatzungszonen beschlossen, eine Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern zu gründen.
- 20. August 1947 - Im Nürnberger Ärzteprozess gegen 20 führende NS-Mediziner werden die Urteile gesprochen. Vier Angeklagte erhalten die Todesstrafe, sieben werden freigesprochen, die übrigen werden zu zum Teil langjährigen Haftstrafen verurteilt.
- Mediziner spritzten Eiter in die Beine von KZ-Häftlingen, sie kastrierten Frauen und Männer mit Röntgenstrahlen. Zum Tode Verurteilte erfroren in eiskaltem Wasser oder starben in der Unterdruckkammer - alles im Namen der Wissenschaft. Fast 50 Jahre später gedenkt der 99. Deutsche Ärztetag im Juni 1996 der Opfer der nationalso
- 15. September 1947 - Defendant Otto Ohlendorf pleads "not guilty" during his arraignment at the Einsatzgruppen Trial. Locale: Nuremberg, [Bavaria] Germany
- 19. Oktober 1947 - Wortprotokoll der Arbeitstagung der Westdeutschen Ärztekammern am 19. Oktober 1947 in Bad Nauheim: Ludwig Sievers: „. . . Meine Herren Kollegen, wir dürfen einen solchen Zusammenschluss und die Arbeitsgemeinschaft nicht verwechseln mit einer autoritär gelenkten Zentrale, die die Reichsärztekammer darstellte, denn da standen an der Spitze ernannte Führer und deren Wille wurde im Wege der Verordnung durchgeführt. Wenn die westdeutschen Ärztekammern, Körperschaften öffentlichen Rechts, sich freiwillig zusammenfinden und zusammentun und so eine ärztliche, an sich nicht mächtige Verbindung schaffen in Form dieser Arbeitsgemeinschaft, dann sind ja – wie dies in der heute beschlossenen Geschäftsordnung festgelegt ist – unsere Delegierten aus den einzelnen Ärztekammern und die Hauptversammlung maßgebende Organisationen, und ich glaube nicht, dass da Majorisierungen mit geringen Majoritäten vorkommen werden . . .“
Zitate
- Karl Haedenkamp war es auch, der mit allem Nachdruck bereits für Oktober 1948 die Einberufung des ersten Nachkriegs-Ärztetages gegen den bayerischen Widerstand durchzusetzen vermochte. Dieser Widerstand wird verständlich, betrachtet man die eingangs zitierte Entschließung des Ärztetages, die auch als gegen die Autonomieansprüche der Bayerischen Ärztekammer gerichtetes Programm wahrgenommen werden mußte. In erster Linie richtete sich die Entschließung jedoch an die Adresse des Parlamentarischen Rats, der im September 1948 seine Verhandlungen über das Grundgesetz für die künftige Bundesrepublik aufgenommen hatte. Wollte man ein mit größeren Kompetenzen ausgestattetes ärztliches Selbstverwaltungsorgan auf Bundesebene, galt es, die Mitglieder des Parlamentarischen Rats von der Notwendigkeit einheitlicher Rechtsgrundlagen für die Ärzteschaft zu überzeugen. Hierzu hätte das Arztrecht aus der Zuständigkeit der Länder in die künftige Vorranggesetzgebung des Bundes überführt werden müssen.
- „. . . Mit der Organisation des Nauheimer Büros würde ich noch langsam tun, bis wir klarer sehen, wie es mit den Ärztekammern geht. Ich habe den Eindruck, als würde wieder zu viel preußisch organisiert. Man sollte mehr organisch wachsen lassen, aber Fühlung miteinander behalten. Man kann Bayern nicht links liegen lassen . . . Man müsste sich zur gegenseitigen Mitarbeit heranziehen und nicht wie Herr Ludwig Sievers einfach weiterstürmen. Es könnte sonst eine Panne geben, da wir nicht mehr im Führerstaat, sondern in demokratischen Landesverfassungen leben . . .“
- So waren 1947 von 15 000 nachgeordneten Krankenhausärzten in den Westzonen nur 8 000 tariflich bezahlt. Noch 1961 hatten 710 von circa 16 500 nachgeordneten Ärzten keine vollbezahlte Stelle. Die meisten Betroffenen fühlten sich ausgebeutet, weil sie in aller Regel vollwertige Arbeit im Krankenhaus zu leisten hatten und nicht, wie manche Träger argumentierten, nur zum zeitlich begrenzten Erwerb von Kenntnissen und Erfahrungen tätig wurden.
- Der Nürnberger Ärzteprozess führte zu einer Rückbesinnung von einer kollektiven zu einer individuellen medizinischen Ethik. Typische Bestandteile der kollektivistischen Medizin des Dritten Reiches wie die NS-Rassenhygiene wurden allenfalls am Rande des Prozesses gestreift. Im Nürnberger Kodex wurde der Rahmen für zukünftige medizinische (und psychologische) Menschenversuche festgelegt, der auch heute noch Gültigkeit besitzt.
- Georg Magnus; bis November 1933 wirkte er in Bochum als Chef der Chirurgie, 1935 präsidierte er dem Chirurgenkongress. Magnus, dessen Einstellung zum Nationalsozialismus die NSDAP 1938 als „absolut positiv“ einschätzte, machte in der NS-Zeit Karriere. Das gilt auch für zwei seiner Schüler, Karl Brandt und Paul Rostock, beide bis 1933 in Bergmannsheil und seitdem kollegial verbunden. Bis zum Ende. Brandt wurde dank eines Zufalls (er rettete dem Adjutanten Hitlers nach einem Autounfall das Leben) seit 1934 zu Hitlers „Begleitarzt“. Fortan stieg er auf, bis zum Reichskommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen. Er leitete die Krankenmordaktion T4 und war wie auch Rostock verantwortlich für Versuche an Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Brandt wurde in Nürnberg 1947 zum Tode verurteilt und 1948 in Landsberg hingerichtet, wohingegen Rostock freikam. Den Beiden ist ein Exkurs im Berichtsband des Forschungsprojekts der DGCH gewidmet, obwohl sie selbst keine Präsidenten waren.
Links
- Deutsches Ärzteblatt 26. Oktober 2007 "60 JAHRE BUNDESÄRZTEKAMMER Knirschen beim Zusammenschluss"
- Die Geschichte der Bundesrepublik ist in weiten Teilen eine demokratische Erfolgsgeschichte. Der Bericht der Bundesregierung über den Umgang mit der staatlichen NS-Vergangenheit aber rückt eine Frage wieder in den Fokus: Wie konnte man mit undemokratischem Personal demokratische Institutionen aufbauen? "Die Antwort illustriert die unübersehbare Präsenz ehemaliger nationalsozialistischer Funktionseliten in den Ministerien und Sicherheitsbehörden der frühen Bundesrepublik", sagt Jan Korte. "Dieses durch den Kalten Krieg begünstigte Ausmaß kann man im Rückblick nur als eine beispiellose moralische Katastrophe bezeichnen." - NS-Vergangenheit deutscher Politiker: Zu viel undemokratisches Personal - SZ 23.12.2011
