1955

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  • 25. Mai 1955 - Überwältigende Mehrheit der Bundestagsabgeordneten stimmt für das Gesetz zum Kassenarztrecht ab.
Der Jubilar in Wolfsburg am Band
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Der Jubilar in Wolfsburg am Band
VW-Reklame
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VW-Reklame
  • 06. August 1955 - Millionär: Heute feiert Volkswagen in Wolfsburg über drei Tage hinweg die Fertigstellung des einmillionsten Käfers. Auch der unbekannte Urheber des Fotoalbums war dabei - und knipste dieses Bild.
Tatsächlich hatte es in Europa bis dato noch kein Automobilhersteller auf eine Stückzahl von mehr als einer Million Exemplare gebracht - entsprechend groß fielen die Feierlichkeiten in Wolfsburg aus. "Wir haben aus jedem Land, in dem Volkswagen produzierte oder Fahrzeuge verkaufte, eine Delegation eingeladen, die etwas Landestypisches zum Fest beitragen sollte", so Hahn.
Die Schotten schickten eine Dudelsackkapelle, die Franzosen ihre Cancan-Tanzgruppe aus dem Moulin Rouge, die Österreicher ihr K. u. K. Infanterie-Regiment und das Wiener Staatsopernballett. Und die Brasilianer schickten ihre Musik und ihre Tänzerinnen, "sehr zur Freude der Dorfjugend", wie Hahn sich noch bestens erinnert.
  • 18. August 1955 - Gesetz über das Kassenarztrecht (GKAR) v. 17.8.1955 tritt in Kraft
  • 22. August 1955 - Die Kassenärztlichen Vereinigungen entstehen 1955 per Gesetz neu. Am 22. August wird die "Vereinigung der Sozialversicherungsärzte von Groß-Berlin" (VSB) in Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin umbenannt. Im Kassenarztrecht werden die Beziehungen zwischen Ärzten und Krankenkassen neu geregelt: Die Kassenärzte erhalten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der ambulanten Versorgung. Im Gegenzug verzichten sie auf Kampfmaßnahmen und akzeptieren das Schiedsamt als Schlichtungsinstanz der Selbstverwaltung, wenn sie sich nicht mit den Krankenkassen in Vertrags- und Honorarfragen einigen können.
  • 8. September 1955 - Bundeskanzler Adenauer bewirkt in Moskau die Freilassung der letzten (rd. 10.000) deutschen Kriegsgefangenen
Vereidigungszeremonie 1955
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Vereidigungszeremonie 1955
Empfang in Köln
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Empfang in Köln
  • 14. September 1955 - Zurück aus Moskau nach den Verhandlungen über die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen flogen Bundeskanzler Konrad Adenauer und seine Delegation mit zwei Lufthansa-Propellerflugzeugen des Typs Super Constellation wieder zurück nach Köln-Wahn.
Werbung 1955
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Werbung 1955
Kriegsheimkehrer bei Ankunft im Lager Friedland Oktober 1955
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Kriegsheimkehrer bei Ankunft im Lager Friedland Oktober 1955
  • 12. November 1955 - Aus den Händen von Verteidigungsminister Theodor Blank nehmen 101 Freiwillige in Bonn ihre Bundeswehr-Ernennungsurkunden entgegen.


Zitate

  • Ausschließlich die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten den ambulanten Versorgungsauftrag übernehmen. Damit waren die Krankenhausambulanzen ausgeschlossen und die Krankenkassen sollten keine Ambulatorien mehr einrichten können. Dazu kam die freie Arztwahl sowie die gesetzliche Zusicherung der freien Behandlungs- und Verordnungsweise der Kassenärzte. Sievers war stolz auf den Gesetzentwurf, denn den Ärzten sei gelungen, das Verhältnis zwischen Ärzten und Krankenkassen so zu regeln, „daß der ursprüngliche Arbeitgeber auf sein Recht verzichtet hat, den Arzt als Arbeitnehmer anzustellen“, wie er Anfang 1952 feststellte. Standesvertreter stellten vor 50 Jahren die Weichen
  • Der historische Gesetzgeber des Kassenarztrechts von 1955 hat also das Regelungskonzept - in Fortführung der Konzeption der 30er Jahre - in bewußter politischer Entscheidung dem Tarifvertragsmodell nachgebildet - allerdings mit zwei entscheidenden Unterschieden: obligatorische Friedenspflicht und obligatorische Schlichtung. Regelungsziel ist die kollektive und verbindliche Vereinbarung von gegenseitigen Rechten und Pflichten von Krankenkassen und Ärzten bei der ärztlichen Versorgung der Versicherten auf der Grundlage des gesetzlichen Leistungsrechts der Krankenkassen. Motiv des Gesetzgebers war - in Übereinstimmung mit den Wünschen des Berufsstandes - die Schaffung eines einheitlichen Arztsystems auf der Basis von Kollektivverträgen zwischen Krankenkassen und Kassenärzten und gemeinsamen Richtlinien auf verschiedenen Ebenen, um die ärztliche Versorgung auf der Grundlage frei bestimmter Behandlungsbeziehungen zwischen Versicherten und Ärzten auf Dauer konfliktfrei zu gewährleisten.
  • Die Entscheidung, die gemeinsame Selbstverwaltung als zentralen Gestaltungsfaktor und primäres Steuerungsinstrument des Krankenversicherungssystems einzusetzen, ist eine primär politische; sie ist aber auch gesetzliches Modell geworden, nachdem das Kassenarztrecht von 1955 und seine Nachfolgenovellierungen es grundsätzlich unverändert belassen haben. Die Beziehungen zwischen Krankenkassen und Kassenärzten entwickelten sich auf der Grundlage des Gesetzes von 1955 durch die freie Normsetzungs- und Gestaltungsbefugnis der Selbstverwaltung in dauerhafter Stabilität. (Rechtsanwalt Horst Dieter Schirmer - Herbert-Lewin-Straße 3, 50931 Köln)
  • Die juristischen Neuerungen des GKAR waren dringend notwendig: Mit der Zerschlagung der nationalsozialistischen Herrschaft 1945 hatten auch die ärztlichen Standesorganisationen vor dem Aus gestanden. Mit dem Wegfall der zentralen Schieds- und Schlichtungsinstanzen und des Reichsausschusses für Ärzte und Krankenkassen war eine zufriedenstellende Weiterentwicklung des Honorarabkommens von 1932 und der Bestimmungen bezüglich der kassenärztlichen Tätigkeit unmöglich geworden. Zwar hatte der Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes bereits im Juni 1949 ein Gesetz über die Regelung der Beziehungen zwischen Ärzten und Kassen verabschiedet, doch die alliierten Behörden hatten ihre Zustimmung verweigert. Diese Angelegenheit sollte dem mit der Bildung der ersten Bundesregierung zu schaffenden Deutschen Bundestag vorbehalten bleiben. Am 20. August 1955 wurde dann das maßgebliche GKAR verabschiedet. Es sprach den KVen den so genannten Sicherstellungsauftrag bei der ambulanten kassenärztlichen Versorgung der Bevölkerung zu und beendete die langwierige Diskussion über das Vertragsverhältnis zwischen niedergelassenen Ärzten und Kassen. In der Folgezeit sicherte das GKAR der Ärzteschaft entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der ambulanten Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus trug es, zum Beispiel durch die starre Abgrenzung vom stationären Sektor, wesentlich zur Ausprägung der noch heute weitgehend existierenden Strukturen in der medizinischen Versorgung bei.

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