1970
Aus ArztWiki
- 01. Januar 1970 - Heute tritt das „Gesetz über die Fortzahlung des Arbeitsentgelts im Krankheitsfalle“ in Kraft. Das Gesetz war ein Herzensanliegen der SPD gewesen. Im Geiste ihres Leitsatzes „Mehr Demokratie wagen“ will sie die historisch verfestigten Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten einebnen. Nach der neuen Regelung muss der Arbeitgeber dem Arbeiter in den ersten sechs Wochen seiner Arbeitsunfähigkeit den Lohn weiterbezahlen. Dies war bis dahin ein Privileg der Angestellten gewesen. Diese hatten deshalb von einem gekürzten Beitragssatz zur Krankenversicherung profitiert, weil sie für die Kassen weniger Kosten verursachten. Nun wurde der gekürzte Beitrag zum „allgemeinen Beitragssatz“, was sowohl die Einnahmen als auch die Aufwendungen der Kasse reduzierte. Der Beitragssatz sank damit 1970 für 140 000 Mitglieder der SBK von 9,9 auf 6,9 Prozent. Nebenbei fiel diesem Gesetz auch die Institution des Krankenbesuchers zum Opfer, der bis zu diesem Zeitpunkt im Auftrag der Kasse den krankgeschriebenen Versicherten Kontrollbesuche abgestattet hatte
- 19. März 1970 - Beschluss des Bundeskabinetts zu einer "Kodifizierung eines Sozialgesetzbuches", in dem "auf der Grundlage der sozialen Wertentscheidungen des Grundgesetzes...(das) Ziel angestrebt wird, das Sozialrecht für die Bevölkerung überschaubarer zu machen und seine Durchführung für die Verwaltung zu vereinfachen." Einsetzung einer Sachverständigenkommission (führt zur Bildung der Sozialgesetzbücher)
- Dicht gedrängt stehen mehr als 2000 DDR-Bürger am Vormittag des 19. März 1970 vor dem Hotel "Erfurter Hof" im Zentrum der Bezirksstadt in Thüringen. Sie haben die Volkspolizisten einfach beiseite geschoben und rufen: „Willy, Willy!" oder "Ha-ho-he, der Brandt der ist o.k." Dann stimmen immer mehr in den Ruf ein, der Geschichte machen wird: "Willy Brandt ans Fenster, Willy Brandt ans Fenster"!
- Als erster westdeutscher Regierungschef reiste der Bundeskanzler 1970 in die DDR - und löste dort Szenen wie im Herbst 1989 aus. Für die SED wurde der prestigeträchtige Staatsbesuch zu einer Blamage.
- 14. Mai 1970 - Gründung der Rote Armee Fraktion: Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und andere befreien Andreas Baader aus der Haft.
- 01. November 1970 - Indienststellung des ersten Rettungshubschraubers in Deutschland, Christoph 1 (München)
- 07. Dezember 1970 - Warschau ... ein Bild dazu geht um die Welt!
- Brandt selbst hat es Zeit seines Lebens für sich behalten, wie und wann er genau auf die Idee kam, vor dem Mahnmal niederzuknien. In seinen "Erinnerungen" schrieb er lediglich: "Ich hatte nichts geplant, aber Schloss Wilanow, wo ich untergebracht war, in dem Gefühl verlassen, die Besonderheiten des Gedenkens am Ghetto-Monument zum Ausdruck bringen zu müssen. Am Abgrund der Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt."
In seinen Memorien zitiert Brandt auch den SPIEGEL-Reporter Hermann Schreiber. Der schrieb über die Szene am Denkmal: "Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien - weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können."
- 14. Dezember - 22. Dezember 1970 - Arbeiteraufstand in Polen (vor allem Danzig (Gdańsk), Gdingen (Gdynia) und Stettin (Szczecin)) mit Streik, Massendemonstrationen und Versammlungen wegen massiver Preiserhöhungen. Während heftiger Auseinandersetzungen von Streikenden mit Polizei und Militär kommen mehrere Menschen ums Leben oder werden verletzt.
Was begann sonst noch in 1970 ?
- Alles scheint bereitet für ein Milliardengeschäft - doch die entscheidenden Leute im Hauptquartier von Xerox vergeben die Chance: "Keiner in New York verstand die Vision", erinnert sich John Warnock, "es schien dort niemand über die Zukunft des Büros nachgedacht zu haben. Die hatten keine Vorstellung davon, wie sie unsere Einfälle in Produkte umsetzen sollten."
- Daran arbeiten andere, Kleinere, Schnellere. Der Hippie Steve Jobs verkauft in dieser Zeit seinen VW-Bus, um das Startkapital für seine Firma Apple zusammen zu bekommen. Der Studienabbrecher Bill Gates gründet Microsoft. Gerade erscheint der erste Heimcomputer auf dem Markt - als Bausatz für Elektronikbastler. 1977 wird der "Apple II" vorgestellt, der auf jeden Schreibtisch passt und sich prächtig verkauft - selbst ohne Fenster, Icons oder Maus. Doch die Konkurrenz legt nach: 1981 bringt IBM seinen ersten PC heraus, das Betriebsystem stammt von Microsoft. Auch Xerox stellt einen Computer vor, der auf dem "Alto" basiert - doch der Rechner ist zu teuer und verkauft sich nicht. Der PC macht das Rennen, immer mehr Klone überschwemmen den Markt. Der Absatz des "Apple II" bricht ein. Steve Jobs weiß: Etwas Neues muss her. Und was - das hat ihm ein Besuch im Parc verraten.
