1973

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  • 76. Deutscher Ärztetag München - Themen: Gesundheits- und sozialpolitische Vorstellungen der deutschen Ärzteschaft - Fragen der Weiterbildungsordnung - Hochschulreform und medizinische Fakultäten - Bedeutung der pharmazeutischen Forschung für die ärztliche Berufsausübung
  • 24. August 1973 - Professor Ernst Fromm, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Arztetages, trat zurück. Nicht länger mehr wollte er "wehrlos" sein gegen "ehrabschneiderische Verleumdungen und Verdächtigungen".
Für den zurückgetretenen Ärztepräsidenten Fromm wird ein Nachfolger gesucht. Favorit ist der bayrische Ärztefunktionär Hans Joachim Sewering. Kollegen nennen ihn den "Kaiser von Bayern".
  • 6. Oktober 1973 - Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur
  • 08. Oktober 1973 - Als "linksextreme Gesundheitspolitik" stufte Vorletzte Woche die Jahresversammlung des Hartmannbundes auch die Äußerung des Focke-Staatssekretärs Hans-Georg Wolters ein. Der 39jährige Medizin-Professor, dessen Frau eine Kassenarzt-Praxis betreibt, hatte erkannt: "Unser derzeitiges Systern der Gesundheits-Versorgung läßt bei unvoreingenommener Betrachtung in bezug auf Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit eine ganze Reihe von Schwachstellen erkennen." Doch solche Einsicht artikulieren Ärztefunktionäre höchstens in privatem Kreis. Sobald sie öffentlich reden, so formulierte es einmal der hessische Landarzt und Standeskritiker Paul Lüth, "treten sie ein in die Welt des schönen Scheins": Am westdeutschen Gesundheitssystem, heißt es dann, gebe es nichts zu reformieren.
  • 05. November 1973 - Druck ausgeübt - Das Bundeskartellamt beschuldigt führende Ärzte-Funktionäre, sie hätten Pharmafirmen mit Boykott bedroht. Mögliches Bußgeld: je 100000 Mark. Berliner Kartellwächter werfen dem gelernten Facharzt für Labordiagnostik vor, er habe - zusammen mit drei anderen Funktionären - "Druck ausgeübt", um das Diagnostik-Monopol der eigenen Zunft zu erhalten. Mehrmals, und mit knallharten Methoden, habe das Funktionärs-Quartett zwei Pharmafirmen. die gleichfalls Labordiagnostik feilboten, vom Markt zu drängen versucht.
  • 25. November 1973 - Totensonntag. Bis dahin noch unvorstellbar: Im Wirtschaftswunderland Deutschland, einem der führenden Automobilproduzenten dieser Welt, ruhte weitgehend der Verkehr. Die Straßen waren leer. Ein Mann, mit dem Fahrrad unterwegs auf der Autobahn, er sagte damals: "Warum sollte ich einen Umweg machen, wenn ich es auf der Autobahn näher habe? Einer ist mir entgegen gekommen, drei haben mich überholt. Es ist bisher gut gelaufen, und ich riskier es auch weiter. Ich würde es auch noch 100 Kilometer riskieren, warum nicht?"
Anlaß dazu war ein neuerlicher Nahostkrieg. 6.10.1973: ägyptische und syrische Truppen starten einen Angriff auf Israel am jüdischen Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag). Durch den Überraschungsangriff erreichten Syrien auf den Golanhöhen sowie Ägypten auf der Sinaihalbinsel beträchtliche Anfangserfolge. Mit massiver militärischer Unterstützung aus den USA konnte Israel den Kriegsverlauf wenden.
  • 1973 - Helmut Kohl wird zum Parteivorsitzenden der CDU gewählt

Zitate

  • Auf dem 76. Deutschen Ärztetag 1973, zugleich Jubiläumsveranstaltung "100 Jahre Deutscher Ärztetag", wurden schließlich "Gesundheits- und sozialpolitische Vorschläge der deutschen Ärzteschaft" vorgelegt, in deren Vorwort es heißt:
"Das große und wachsende Interesse der Öffentlichkeit an den Problemen der sozialen Sicherheit - und dabei besonders am Ausbau des Gesundheitswesens auf dem Gebiet der präventiven wie kurativen Gesundheitspflege - verpflichtet die Ärzteschaft, ihre Auffassung über eine zeitgerechte Gesundheits- und Sozialpolitik zu erläutern. Dabei betrachtet sich der Deutsche Ärztetag als sachverständige Vertretung der Gesamtbevölkerung in gesundheitlichen Belangen." Zur Abgrenzung der Gesundheits- von der Sozialpolitik wird darin festgestellt:
"Im freiheitlichen und sozialen Rechtsstaat wird die in den politischen Gesamtzusammenhang eingefügte Gesundheitspolitik
a) bestimmt durch den Wert der Gesundheit als eines wesentlichen Elements der persönlichen Existenz des Menschen,
b) begrenzt durch den Vorrang des Grundrechts des Menschen auf Schutz der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit.
Im freiheitlichen und sozialen Rechtsstaat muß die Sozialpolitik
1. die für die Entfaltung der individuellen Freiheiten notwendige soziale Sicherheit schaffen,
2. den Ausgleich der unterschiedlichen individuellen Chancen und Risiken in der Gesellschaft ermöglichen."
  • Ernst Fromm *3. März 1917 Hamburg, † 2. April 1992. Studium der Medizin an den Universitäten Hamburg und Jena. 1942 wurde er in Hamburg approbiert und zum Dr.med. promoviert. 1939 bis 1945 Wehrdienst, bei Kriegsende Oberarzt der Reserve. Im Jahre 1949 wurde F. zum Chefarzt der bakteriologisch-serologischen Abteilung im Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Harburg berufen. 1960 erhielt er einen Lehrauftrag, seit 1966 ist er Honorarprofessor für Gegenwartsprobleme des ärztlichen Standes an der Universität Hamburg.
In der ärztlichen Verband der angestellten Ärzte Deutschlands Marburger Bund und in der Ärztekammer Hamburg hervor, deren Vorstand er seit 1948 angehörte. 1951 wurde er vom Deutschen Ärztetag als Vertreter der jüngeren Ärztegeneration an die Stelle des in die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern, der nachmaligen Bundesärztekammer, berufenen Dr. Josef Stockhausen in den achtköpfigen Geschäftsführenden Vorstand der BÄK gewählt. (nach Munzinger-Archiv)
  • Daß nach dem Krieg den alten Standesführern so wenig Widerstand aus den eigenen Reihen entgegentrat, begründet der SPIEGEL so:
Sewering, Fromm, Karl Haedenkamp und die anderen Standesführer konnten sich stets auf die Loyalität rangniederer Zuarbeiter und Provinzfürsten verlassen - auch dort hatten die NS-Kameraden eine stabile Mehrheit.“
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