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Chronik
Titelblatt Süddeutsche Zeitung, Magazin Nr. 4, 1994
Leserbrief zum Artikel "Die niedergelassenen Ärzte verlieren ihre wirtschaftliche Basis"
- 28. Januar 1994 - Im Magazin der Süddeutschen Zeitung erscheint heute ein von Stephan Lebert "Ärzte, seid ihr von allen guten Geistern verlassen?" Er hatte zuvor seinen Zivildienst im Klinikum Großhadern geleistet. Es wollte ihm einfach nicht in den Kopf, dass Ärzte – so selbstlos im Kampf gegen Krankheit und Tod – in eigener Sache wie die Lämmer zur Schlachtbank schreiten, freiwillig! Seine zentrale These: "Kein anderer Beruf verd ient so viel Achtung. Aber die Mediziner verspielen dieses Kapital. Euer Zorn, liebe Ärzte, ist gerecht, wenn es heute als ausgemacht gilt, dass ein junger Mensch nur deshalb Medizin studiert, weil er unbedingt reich werden will. Nur: wie konntet ihr es so weit kommen lassen? Was ist euer Anteil daran?"
- "Ärzte tragen eine riesige Verantwortung. Wieso haben sie die Debatte über ein soziales Gesundheitswesen den Politikern, Wirtschaftsprüfern und High-Tech-Ingenieuren überlassen?"
Ausschnitt aus Leserbrief
- 10. Februar 1994 - In der Ärztezeitung nimmt Dr. Bernd Alles in einem Artikel "Das Image der Ärzte wird verspielt - wer macht mit beim retten?" zum Artikel von S. Lebert in der Süddeutschen Zeitung Stellung. Ausschnitte daraus: "Nicht von Umsatz, Betriebskosten und Gewinn nach Steuern sollten KV-en und Berufsverbände vorrangig und öffentlich berichten, sondern von den Leistungen der Ärzteschaft für die Volksgesundheit. Daß diese Leistungen ihren Lohn verdienen, ist dann leichter argumentierbar.
- Das Gesundheitliche Wohl des Volkes in der Argumentation dem ärztlichen Standeswohl voranstellen. Wer packt mit an?
- 29. Mai 1994 - Erich Honecker, deutscher Politiker (* 1912) heute gestorben
- 11. Juni 1994 - § 175 StGB, der die männliche Homosexualität unter 18 Jahren unter Strafe stellte, wurde in Deutschland gestrichen
- 30. Juni 1994 - Auflösung des Bundesgesundheitsamtes im Zusammenhang mit Problemen mit HIV-kontaminierten Blutprodukten
- 31. August 1994 - Die russische Westgruppe der Truppen wird in Berlin offiziell von ihrem Präsidenten Boris Jelzin und Bundeskanzler Helmut Kohl aus Deutschland verabschiedet.
- 16. Oktober 1994 - Bundestagswahlen, Kohl bleibt knapp weiterhin Kanzler - Für die SPD kandidierte als Kanzlerkandidat deren Vorsitzender, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping. Er erlangte diesen Status nach harten innerparteilichen Auseinandersetzungen mit Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder. Die drei zogen als so bezeichnete Troika in den Wahlkampf; es gelang aber nur mühsam, die internen Spannungen zu überspielen. Ursprünglich war Björn Engholm als Kanzlerkandidat vorgesehen gewesen, der jedoch 1993 von allen Ämtern zurücktrat, nachdem eine Falschaussage vor einem Untersuchungsausschuss des Landtags von Schleswig-Holstein aufgedeckt wurde. Scharping scheiterte jedoch ebenso wie Helmut Kohl 1976, als dieser als amtierender Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Herausforderer von Bundeskanzler Helmut Schmidt war. FDP-Spitzenkandidat war Bundesaußenminister Klaus Kinkel.
- 13. November 1994 - Die Schweden entscheiden sich in einem landesweiten Referendum für den Beitritt zur EU - Michael Schumacher wird erster deutscher Formel-1-Weltmeister mit insgesamt 92 Punkten, einem Punkt mehr als sein Konkurrent Damon Hill.
- 21. November 1994 - DIE LUNTE BRENNT: Plastikkarten mit Mikrochips als Zahlungsmittel, Datenträger oder Ausweise werden nach Experten-Ansicht "unsere Lebensgewohnheiten total verändern". Die Vision vom Chip-Bürger ist faszinierend und furchterregend zugleich: Führt die Smartcard zu "Massenkontrolle" und "Verhaltenslenkung"? Damit würde Wirklichkeit, wovon manche Kassenfunktionäre schon lange träumen. Die Versicherungsprämien könnten für Leute mit ungesundem Lebenswandel individuell erhöht werden. Risikozuschläge für Raucher, Trinker oder Übergewichtige sind programmiert. "Solche Ideen", warnt die Bremer Medizin-Informatikerin Ute Bertrand, "könnten zur Aushebelung des Versicherungsprinzips führen, das bisher auf gleichmäßiger Verteilung des Krankheitsrisikos beruht." Die Solidargemeinschaft würde sich auflösen. Als freiwillige Ergänzung zur Pflichtkarte der gesetzlichen Krankenkassen will die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Anfang 1996 eine "A-Card" mit Chip einführen. Da immer mehr Patienten zur Selbstmedikation greifen, sollen auf der Apotheker-Karte die ohne ärztliches Rezept gekauften Medikamente dokumentiert werden.
Zitate
Print of one of the first X-rays of Wilhelm Röntgen (1845-1923), the hand of his wife Anna taken on 1895-12-22, presented to Professor Ludwig Zehnder of the Physik Institut, University of Freiburg, on 1 January 1896.
- Rund um die Versichertenkarte entsteht ein System der "Datenerfassung und -weitergabe, das letzten Endes zu einer lückenlosen Erfassung aller Behandlungs- und Krankheitsdaten in den Computern der Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigungen führen soll"
- Ausdrückliches Ziel ist, daß die Krankenkassen "Einblick in das Leistungsgeschehen", d. h. in das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, bekommen . . . Langfristig können die Krankenkassen durch die neuen Datensammlungen dahin kommen, Funktionen einer Gesundheitspolizei auszuüben, Gesundheitsleistungen nach dem Einkommen zu differenzieren und Hilfe bei der Auslese von Menschen zu leisten."
- Solchen Argwohn nähren Kassenfunktionäre wie Rolf Stuppardt. "Auswertungen per Knopfdruck" will der Geschäftsführer des Bundesverbands der Innungskrankenkassen vornehmen: "So sind wir eher als bisher in der Lage, unsinnige Verordnungen oder abhängig machende Medikamente zu identifizieren."
- Orthopäden-Kongreß 1994 in Wiesbaden vom 12. bis 15. Oktober mit einem Appell zur sinnvollen Begrenzung bildgebender Verfahren oder auch Einsatz von MRT bzw. Sonographie, die keine Strahlenbelastung verursachen.