Bertelsmann Stiftung

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Die Bertelsmann Stiftung ist eine als gemeinnützig eingestufte, international agierende Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Gütersloh.

Inhaltsverzeichnis

Zusammensetzung

Sie wurde 1977 von Reinhard Mohn (* 29. Juni 1921 in Gütersloh; † 3. Oktober 2009 in Steinhagen) gegründet. Die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG ließ er 1993 auf die Bertelsmann Stiftung übertragen, die heute mit 76,9 Prozent größter Aktionär ist. [[Shareholders]. [21.06.2006] des Aktienkapitals der Bertelsmann AG. Die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet. Dem Vorstand gehören Vertreter der Bertelsmann-Eigentümerfamilie Mohn, Liz Mohn und Brigitte Mohn sowie Johannes Meier und Werner Weidenfeld an.

Die Stiftung wird von einem Kuratorium überwacht. Vorsitzender des Kuratoriums ist Ernst Buschor. Weitere Mitglieder sind: Liz Mohn, Werner J. Bauer, Wulf H. Bernotat, Hubertus Erlen, Caio Koch-Weser, Klaus-Dieter Lehmann, Reinhard Mohn, Elisabeth Pott, Rolf Schmidt-Holtz, Klaus-Peter Siegloch, Rita Süssmuth, Gunter Thielen und Dieter Vogel.

Ziele

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als unabhängig und parteipolitisch neutral. Sie initiiert und gestaltet ihre Projekte eigenständig. Sie beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. Davon sind 185 im konkreten Projektmanagement tätig. Die Stiftung will konkrete Beiträge zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme leisten.

Aufgegriffen werden praxisorientierte Projekte mit Modellwirkung und exemplarischem Charakter in den Themenfeldern Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Internationale Verständigung, Kultur und Stiftungsentwicklung.

Sie erstellt etwa Rankings wie das internationale Standort-Ranking. Diese werden jedoch wegen der Auswahl der Vergleichskriterien nicht allgemein anerkannt.

Über das Centrum für Hochschulentwicklung wird auch Einfluss auf die Bildungspolitik genommen.

- Bertelsmann Stiftung fordert ganzheitliche Gesundheitsversorgung
- Die Bertelsmann Stiftung fordert mehr Gesundheitsversorgung aus einem Guss. Dazu entwirft sie das Modell eines "Generalunternehmers Gesundheit": Ähnlich wie die Generalunternehmer in der Baubranche übernähmen die "Generalunternehmer Gesundheit" für den Genesungsprozess der Patienten sowohl die medizinische als auch die finanzielle Gesamt­verantwortung. Dafür erhielten sie eine bestimmte Summe von der Krankenkasse. "Das über­nommene Risiko würde einen Generalunternehmer dazu veranlassen, sich mit allen Mitteln für die Gesunderhaltung der Gesunden und für eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Be­handlung der Erkrankten einzusetzen", sagt Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. In Spanien und den USA sei die Übernahme von Gesamtverantwortung bereits Realität, und auch in Deutschland ist dies im Rahmen der integrierten Versorgung bereits heute rechtlich möglich.

Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft

Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft zeigt beispielhaft ein wissenschaftlicher Partner der Bertelsmann-Stiftung, das Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P). Nach eigener Angabe ist es das größte universitäre Institut der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland; es finden sich zahlreiche Mitarbeiter der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik, so ist etwa der stellvertretende Direktor des C·A·P, Josef Janning auch der Leiter dieser Forschungsgruppe (Stand Okt 2005).

Kritik

Kritiker werfen der Stiftung einen neoliberalen Kurs vor. Sie wird als wirtschaftsnahe PR-Initiative ähnlich der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder der Stiftung Marktwirtschaft gesehen. Zudem wird der Stiftung vorgeworfen, in ihren Studien Daten bisweilen zugunsten ihrer Forderungen methodisch unzulässig zu interpretieren.

Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht regelmäßig Umfragen, die nicht immer unumstritten sind. So erhielten Projekte der Stiftung schon einmal von nachdenkseiten.de den Preis der "Manipulation des Monats".

Die Bertelsmann Stiftung hat u.a. mit dem Europäischen Praxisassessment (EPA) ein wissen­schaftlich belastbares Instrument zur anonymen Selbstbewertung von Arztpraxen für ein zielgerichtetes Qualitätsmanagement zur Verfügung gestellt und ist außerdem dabei, ein Portal zu entwickeln, in dem sich Bürger über Angebot und Qualität von Krankenhausleistungen informieren können.

  • Dass das Aqua-Institut den Zuschlag für das Qualitätsinstitut des G-BA bekam und nicht die seit Jahren eingeführte und von Bundesärztekammer, Krankenkassen und Deutscher Krankenhausgesellschaft gegründete Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS), ist überraschend. Dagegen hat die BQS am 29. Mai beim Landessozialgericht Essen Klage eingereicht. Das Gericht hat dem G-BA nun bis August verboten, einen Vertrag mit Aqua zu unterschreiben.
Diese beiden neuen Entwicklungen in der Beraterszene des deutschen Gesundheitswesens gewinnen an Brisanz vor dem Hintergrund, dass die Bertelsmann-Stiftung mit der "Stiftung Praxissiegel" und der "Weißen Liste" bereits über zwei Instrumente zur Bewertung von Qualität im Gesundheitswesen verfügt. Die "Weiße Liste" ist ein Online-Portal, mit dem sich Patienten über die Güte einer Klinik ihrer Wahl informieren können. Die "Stiftung Praxissiegel" ist eine Ausgründung der Bertelsmann Stiftung, in der sie gemeinsam mit dem Aqua-Institut Arztpraxen anhand des selbst entwickelten Qualitätsmanagementsystems EPA prüft und Sterne wie für Restaurants üblich vergibt.
  • Wie hat sie ihren Mann dazu gebracht, seine Nachfolgeregelung zu überdenken und sich von seinen Managern abzuwenden? Wie ist es der Stiftung gelungen, sich ab 1998 ins Kanzleramt von Gerhard Schröder vorzuarbeiten? Wie hat die Stiftung dort die Kommission von Peter Hartz dazu gebracht, ihre Vorschläge zur Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (zu Hartz IV) umzusetzen? Was denkt sie heute über die Arbeitsmarktreform? Der Einfluss der Stiftung auf die Reformpolitik der damaligen rot-grünen Regierung und ihre Freundschaft zur Bundeskanzlerin Merkel sind bekannt, ebenso verhält es sich mit Kehrtwendungen im Hause Mohn.

Thesen

Nach Antritt der Regierung Schröder publizierte die Stiftung in der Zeitschrift Capital einen wirtschaftspolitischen Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung. Dessen Inhalte:
  • In der Sozialversicherung sei es nötig, binnen zehn Jahren die Arbeitslosenversicherung abzuschaffen und Sozialhilfe weiter einzuschränken. Die Kürzungen in der Sozialhilfe wiederum mindere automatisch den damit verbundenen Mindestlohn. Sinke nun der Mindestlohn, dann diene dies der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit. Zugleich diene dies der Sanierung der Staatsfinanzen.
  • Die Senkung der übrigen Löhne um 15 Prozent und die Reduzierung des Kündigungsschutzes erlaube es Unternehmen, mehr Arbeiter und Angestellte einzustellen und damit die Arbeitslosigkeit zu dämpfen. Im Anschluß erklärte der Arbeitgeberbund, es sei bei einer Lohnkürzung um ein Drittel möglich, die bestehende Arbeitslosigkeit zu halbieren.
  • Die Lohnnebenkosten sollten mittelfristig vom Unternehmer ganz auf den Arbeitnehmer übertragen werden.
Die Stiftung behauptet, dass die Bundesrepublik Deutschland ab dem Jahre 2010 nicht mehr dazu in der Lage sein werde, für Renten, Krankenkosten oder Arbeitslosigkeit im bis dahin getragenen Maße aufzukommen.
Der seit 1998 amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich, ebenso wie die ihn 2005 ablösende Bundeskanzlerin Angela Merkel, des öfteren von seiten der Stiftung beraten. Viele der Forderungen fanden Eingang in Schröders Agenda 2010 und schlugen sich im ALG II nieder.

Zitate

  • In Modellversuchen testen sie unter Praxisbedingungen, was die öffentliche Hand landes-, bundes- und europaweit auf den Weg bringen soll. Große Teile der deutschen Gesundheits-, Hochschul- und Arbeitsmarktreformen werden von ihnen konzipiert. Die Stiftung versteht sich als Deutschlands führende Reformwerkstatt mit dem Ziel, die Republik aus ihren Sackgassen herauszuführen. Sie wartet nicht, bis von anderen Stellen förderungswürdige Konzepte und Projekte an sie herangetragen werden, sondern tritt selbst an die entsprechenden Wissenschaftler, Ökonomen und Politiker heran.
Ein Konzern, der so viel Geld in einen Think Tank für die Zukunft der Gesellschaft investiert, kann nicht eigennützigen Motiven folgen. So lautet die Botschaft. Die Stiftung bildet eine glänzende, regelrecht blendende Fassade für die Geschäfte der Bertelsmann AG.
(Bertelsmann oder Die diskrete Form der Herrschaft - Meister der Pseudodemokratie: Aus dem neuen Buch von Frank Böckelmann und Hersch Fischler über Machtausübung hinter der Fassade des Medienimperiums - Süddeutsche Zeitung 27. September 2004)
  • Auch wenn uns das obszön erscheint, diese Leute glauben, was sie sagen - Über die ethische Selbstüberhöhung eines Medienkonzerns und die Privatisierung der Politik - Ein Gespräch mit Frank Böckelmann - Böckelmann: Was das gesamte wirtschaftliche Geschehen überwölbt, lautet ungefähr so:
Wir, Bertelsmann, erbringen einen Leistungsbeitrag für die Gesellschaft. Wir tragen Verantwortung für Politik und Gesellschaft. Profitmaximierung ist nicht unser erstes Ziel. Profitmachen um seiner selbst willen ist verächtlich. Früher, in den zwanziger und dreißiger Jahren, hat man gesagt: Wir bringen den Menschen das Buch. Das war, als die theologische Legitimation nicht mehr getragen hat, als der theologische Verlag zum Romanverlag wurde, man aber dennoch diese brauchte. Ohne die hat man sich nicht hinausgetraut in den Wettbewerb. Der rote Faden, der sich durch die letzten zwei Jahrzehnte hindurchzieht, ist der Gedanke, das Handeln von Bertelsmann sei identisch mit dem Gemeinwohl.
SZ: Und das wird geglaubt? -
Böckelmann: Das wird geglaubt. Gerade die höchste Ebene bei Bertelsmann, allen voran Reinhard und Liz Mohn, glaubt daran. Das ist das Interessante: Bei Bertelsmann gibt es keine Zyniker. Sie sind überzeugt von dem, was sie sagen. Auf uns wirkt das verstörend, ja fast obszön: Die glauben, was sie sagen. Und viele Mitarbeiter tun es auch.
(Interview: Thomas Thiel, Ulrich Raulff in Süddeutsche Zeitung 27. September 2004)
  • Der Wirtschaftsjournalist und WOZ-Autor Gian Trepp hat eine Monografie über den Verlagskonzern aus Gütersloh verfasst. Firmenchro­nik «150 Jahre Bertelsmann 1835 - 1985». Trepp: «Geschichtsfälschungen zu betreiben wie in dieser Chronik, wagten nur wenige. Die Festschrift kolportierte die im Mai 1945 in die Welt gesetzte Legende vom evangelischen Widerstandsverlag, der von den Nazis aus politischen Gründen schikaniert und 1944 geschlossen wurde (...). Die Widerstandslegende haben die Bertelsmänner bis Ende 1998 aktiv verbreitet.» Da waren ihnen Trepp und einige Historiker schon auf der Spur. Mohn sah sich gezwungen, eine unabhängige historische Kommission unter Saul Friedländer einzusetzen. Seit deren Bericht, 2002 natürlich bei Bertelsmann herausgegeben, liegen die Fakten offen.
  • Nützliche Instrumente wie ein Programm, das die Schulforscher der Stiftung zur Selbstbewertung von Schulen entwickelten, sind jedoch lediglich Nebenprodukte der Gütersloher Denkfabrik. Vorrang hat vielmehr die direkte Beeinflussung politischer Entscheidungen, und dies vor allem im Sinne des Stifters Reinhard Mohn. Gespeist aus seinem Erfolg als Europas Medien-Tycoon Nr. 1 entwickelte Mohn das missionarische Bedürfnis, die ganze Gesellschaft nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Indem „die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden“, soll das Regieren besser werden, stets nach dem Prinzip „so wenig Staat wie möglich“. Macht ohne Mandat Harald Schumann 25.9.2006 in "Der Tagesspiegel"
  • Etwas verkürzt formuliert, lautete seine Argumentation bei den Nürnberger Prozessen: Er sei von den Nazis gezwungen worden, Profit zu machen. Von 1933 bis 1943 war das Vermögen seines Konzerns von rund 225 Millionen auf 950 Millionen Reichsmark angewachsen. Das Streben nach Profit und Macht ist für Unternehmenshistoriker ein entscheidendes Moment. Während andere Publizisten das Tun deutscher Unternehmen in der NS-Zeit vom moralischen Standpunkt anprangern, untersuchen Unternehmensgeschichtler die Eigenlogik des Profitstrebens. So ergab sich etwa, dass das Haus Bertelsmann braune Literatur gern publizierte, weil sie einträglich war, nicht unbedingt deshalb, weil der Verleger ein überzeugter Nationalsozialist gewesen wäre. Das gleiche gilt für Friedrich Flick, dem die fünf Historiker, die im Auftrag des Münchner Instituts für Zeitgeschichte die Geschichte seines Unternehmens im Dritten Reich schrieben, den ehrlichen Glauben an den Nationalsozialismus nicht nachweisen können: Die Quellenlage gebe dergleichen nicht her. (NS-Unternehmer Friedrich Flick: Immer den richtigen Riecher - Von Franziska Augstein)
  • Einem kritischen Dialog über die Auswahl und den Inhalt ihrer Arbeit geht die Bertelsmann-Stiftung konsequent aus dem Weg. Entscheidende Problemstellungen der Gegenwart und der zukünftigen Entwicklung werden übergangen, wie z.B. die Überlastung des Personals von Schulen und Sozialen Diensten, die Perspektivlosigkeit der Arbeitslosen, Kinderarmut, die Vereinsamung älterer Menschen oder die Interessenvertretung von MigrantInnen. Zu ihren Kongressen, Workshops und Beratungen lädt die Stiftung nur ihr wohlgesonnene und ,geistesverwandte' VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein und vermeidet so themenkontroverse Auseinandersetzungen. Die Netzwerkarbeit und Projektentwicklung der Bertelsmann Stiftung ist so angelegt, dass sich die Akteure gar nicht mehr mit Gegenmeinungen und Kritik auseinandersetzen. Der Fokus der beteiligten Akteure wird so nicht erweitert, sondern im Gegenteil verengt und kanalisiert, wie es in einem öffentlichen Diskurs kaum möglich wäre. Dadurch, dass kritische Stimmen ausgeblendet bleiben ist die Bertelsmann Stiftung mit dafür verantwortlich, dass die Betroffenen der Reformen gar nicht angehört wurden und werden. (in Diplomarbeit Universität Bremen, Fachbereich 11, Studiengang Sozialpädagogik - Erstellt von: Susanne Schiller)
  • Gemeinnutz im Verständnis von Reinhard Mohn ist erstaunlicherweise oft gerade das, was seinem Unternehmen nutzt. Das ist das eine Problem. Das andere ist, dass die Stiftung sich ungeniert der Politik annähern kann.“ Als Beispiele führt der Autor Entscheidungen im Medien- und Stiftungsrecht an. Schuler berichtet auch von einer engen Freundschaft zwischen Reinhard Mohns Witwe Liz und dem Ex-Bundespräsidenten Roman Herzog. Zugleich prangert der Autor an, die Stiftung erhalte nicht den angemessenen Gewinnanteil. Sie besitzt rund 77 Prozent an Europas größtem Medienkonzern. Schuler sieht die Stiftung als Instrument, Gewinne im Konzern zu behalten. Journalist Thomas Schuler zweifelt in dem am 9.8.2010 erschienenen Band „Bertelsmann Republik Deutschland“ die Gemeinnützigkeit der Stiftung an und wirft ihr Intransparenz sowie politische Einflussnahme etwa bei der Hartz-IV-Gesetzgebung vor.
  • Elefant im Dickicht - Jubiläum mit dunklen Vorzeichen: Liz Mohn und ihre Bertelsmann AG müssen sich zum 175. Geburtstag verteidigen - Für Mohn sollte eine Behörde oder eine Universität wie ein gutes Unternehmen organisiert sein, also am besten genauso wie Bertelsmann. Wie schmal der Grat dabei werden kann, verdeutlichte kürzlich der anerkannte Stiftungsexperte Peter Rawert. Die Ausnutzung des guten Rufs der Stiftungen durch 'hybride Gebilde, die Eigennutz als Gemeinnutz tarnen', sei der 'wahre Skandal des Falles Bertelsmann', schrieb er in der FAZ. Und rechnete nach, dass die von der Bertelsmann-Stiftung seit 1977 in die Allgemeinheit investierten 870 Millionen Euro 'weitaus weniger darstellen als den Schenkungssteuervorteil Reinhard Mohns und seiner Familie'. Jetzt fällt auch auf, dass die Stiftung etwa 2008 nur 72 Millionen Euro Dividende kassierte, der Bilanzgewinn aber das 16fache betragen hatte. Mohns Erbschaftssteuervorteile würden auf dem seit Anfang 2009 geltenden Steuerrecht basieren - und wären auch eingetreten, wenn nur seine Familie die Bertelsmann AG geerbt hätte, heißt es dagegen in Gütersloh. Buchautor Thomas Schuler hatte Wochen zuvor den Blick auf das Gemeinnutzwesen gelenkt und allerlei Querverbindungen zwischen der durch und durch merkantilen AG und der höheren Stiftung kritisiert. Mal ging es um die herbeigesehnten schlanken Ämter, denen die Bertelsmann-Firma Arvato das Steuereintreiben abnehmen wollte, mal um eine abgespeckte Kommunikationsordnung, von der die eigene Fernsehtochter RTL am stärksten profitiert hätte. Schuler und andere Kritiker sehen den Stiftungseinfluss überall im Land, von der Hartz-IV-Gesetzgebung bis zur Bologna-Hochschulreform. Weil er im Spiegel seine Recherche ausbreiten konnte, waren sie bei Bertelsmann besonders sauer: Man ist am Hamburger Verlag beteiligt.
(HANS-JÜRGEN JAKOBS in Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16. September 2010)

Literatur

  • Reinhard Mohn: Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers. C. Bertelsmann, 2003, ISBN 3570007332
  • Ulrich Brömmling: Konzerne schmücken sich gerne mit einer Stiftung. In: Die Kunst des Stiftens. 20 Perspektiven auf Stiftungen in Deutschland. edition pro arte infantibus, Berlin 2005, S. 22–25, ISBN 3-9805009-6-9
  • Bonzen, Bildung, Bertelsmann. Die Bertelsmann-Stiftung als Denkfabrik des Neoliberalismus. In: [[analyse+kritik]]. Nr. 500 vom 18. November 2005
  • «Bertelsmann - eine deutsche Geschichte» Trepp, Gian - Unionsverlag, Zürich, 2007.
  • Eine Stiftung macht Politik - von Dr. Silke Lüder
  • Untersuchung der politischen und gesellschaftlichen Einflussnahme der Bertelsmann Stiftung auf die Reformen im öffentlichen Bereich - Diplomarbeit Universität Bremen, Fachbereich 11, Studiengang Sozialpädagogik - Erstellt von: Susanne Schiller

Weblinks

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