Bonus-Malus-Regelungen

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Im Prinzip ein System, das mit "positiven" und "negativen" Anreizen das gewünschte Verhalten erreichen möchte und somit eine Art der "Steuerungsfunktion" ausübt. Es soll zudem in "gesetzliche" Regelungen gefasst werden, die im Sozialrecht angesiedelt sind.


Inhaltsverzeichnis

Prinzip in der Prävention bei der Privatversicherung

  • Mitte Juni 2012, Privatpatient kommt zum "Check", dazu Krebsvorsorge, vorher Labor plus EKG.
Na gut, Untersuchung, Befunderörterung, Impfungen überprüfen. Zum Schluss zieht er einen Zettel hervor: da brauche ich noch eine Unterschrift.
Inhalt dieses sehr schlicht gehaltenes Blattes: bei Herrn.... am .... Gesundheitscheck und Krebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt. Unterschrift und Stempel des Arztes.
Meine Frage. "UND?"
Er zieht noch ein Blatt heraus, darauf kann ich es schwarz auf weiß lesen: wenn Sie die o. g. Untersuchungen durchführen lassen, zahlt Ihnen Ihre Versicherung 300.00 € Bonus auf das uns bekannte Konto.
Ich kann für die ganzen GOÄ-Ziffern so um die 170 € berechnen, die dem Burschen auch noch restlos von seiner Versicherung erstattet werden und er bekommt noch 300 € oben drauf, als Belohnung!
Und da soll man nicht vor Wut platzen?

Zitate

  • "Wir wollen unseren Beruf mit Würde ausüben", betonte die Präsidentin der Landesärztekammer, Ursula Stüwe. Sie warf der Politik "Unredlichkeit" vor, die "nicht mehr zu überbieten" sei. Stüwe verurteilte das so genannte Bonus-Malus-System, demzufolge Mediziner, die teure Medikamente verschreiben, mit Abzügen vom Honorar rechnen müssen und Ärzte, die billige Medikamente verordnen, mit einem Zuschlag rechnen können. Ein solches System widerspreche dem ärztlichen Selbstverständnis. "Wir sollen sparen, um die steigenden Verwaltungskosten der Krankenkassen zu finanzieren." (in Frankfurter Rundschau April 2006)
  • Warnsignal für die Gesundheitsreform - Der Bundesrat hat erstmals einem mit Stimmenmehrheit der großen Koalition beschlossenen Gesetz seine Zustimmung verweigert. Die Länderkammer rief am Freitag in Berlin den Vermittlungsausschuß an und folgte damit einer Empfehlung der Ländergesundheitsminister. So solle die sogenannte Bonus-Malus-Regelung für Vertragsärzte, die finanzielle Sanktionen bei Überschreiten bestimmter Verordnungsmengen auslösen soll, nicht eingeführt werden. Es gelte zusätzliche Belastungen der Ärzte zu vermeiden. Zudem gebe es schon verschiedene Instrumente zur Steuerung des Verordnungsverhaltens der Ärzte. Dagegen sei die neue Regelung verwaltungsaufwendig und teuer. (nach FAZ März 2006)
  • Mit dem vom Deutschen Bundestag beschlossenen Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung (Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz – AVWG) soll das Verschreibungsverhalten von niedergelassenen Vertragsärzten durch finanzielle Köder beeinflusst werden. Diese Vorschriften werden als Bonus-Malus-Regelung bezeichnet, weil Ärztinnen und Ärzte, die einen vorgegebenen Finanzrahmen nicht ausschöpfen, kollektiv belohnt werden sollen, während solche, die diesen Finanzrahmen überschreiten, individuell an der Finanzierung des Mehrbedarfs aus der eigenen Tasche mitbeteiligt werden, also bestraft werden sollen. Diese Regelung kann nicht nur, sie muss dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte bei ihren Verordnungen dem Preis der Arzneimittel mindestens dieselbe Aufmerksamkeit zuwenden wie der Frage nach dem Nutzen für ihre Patientinnen und Patienten. Jörg-Dietrich Hoppe, Bonus-Malus-Regelung: Gefährlicher Köder - Deutsches Ärzteblatt 24.03.2006
  • Theoretisch haben die Ärzte auf diese Weise einen finanziellen Anreiz, möglichst billige Arzneimittel zu verschreiben. In Wahrheit aber fühlen sie sich zu einer besonders grotesken Form von Planübererfüllung ermuntert. Für die Frage Bonus oder Malus ist nämlich nicht entscheidend, wie viele Medikamente ein Arzt verschrieben hat, sondern vielmehr der Durchschnittspreis der von ihm verordneten Tabletten. Damit ist in der Arztpraxis eine Entwicklung ausgelöst worden, den Konsumpsychologen als "Metro-Effekt" kennen. Weil der Gramm-Preis sinkt, je größer die Packung, greift man zum Jumbo-Pack, auch wenn der später im Regal verstaubt. (nach SPIEGEL-Artikel: Bonus für Verschwender - Ein Arzneigesetz sollte Ärzte zur Sparsamkeit anhalten, stattdessen belohnt es Kostentreiberei. Heft 30/2007) Der Trick zur Vermeidung von Regressen besteht paradoxerweise auch für Ärzte darin, Riesenschachteln mit ultrastarken Tabletten in der maximalen Wirkstoffkonzentration zu verschreiben.
  • Fehlende Verordnungsdaten zwingen Ärzte zum Blindflug bei Bonus-Malus - In der Hauptstadt wird ab einer Regress-Summe von 8,01 Euro ein teures Prüfverfahren in Gang gesetzt, kritisiert KV-Vorstand Burkhard Bratzke. Und dies bei einer Unzuverlässigkeit von Verordnungsdaten, die die KV von "Datenmüll" sprechen lässt. Dass GAmSi-Daten (GKV-Arzneimittel-Schnellinformation) oft fehlerhaft sind, sei schon vorher bekannt gewesen, erinnert Bratzke.
  • "Allein die Tatsache, dass die KV es geschafft hat, einen um 1,6 Prozentpunkte geringeren Ausgabenanstieg für Arzneimittel im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zu erreichen, beschert den hessischen Kassen ein Geschenk im Wert von 25 Millionen Euro", kontert Zimmermann. Und nun weigerten sich die Kassen, den Ärzten einen Bonus auszuzahlen, der ihnen aufgrund ihres wirtschaftlichen Verordnungsverhaltens zustehe.


Selektivverträge

  • Der IV-Vertrag Kopfschmerz der Techniker Krankenkasse ist ein P4P-Projekt zur Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung. Zusammen mit der Schmerzklinik Kiel, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und niedergelassenen Schmerztherapeuten wurde ein überregionales, bundesweites Netzwerk zur Schmerztherapie bei Kopfschmerz aufgebaut, das auf einem evidenzbasierten Therapiekonzept beruht.
Die Schmerzklinik Kiel organisiert als zentrale Koordinationsstelle die sektorenübergreifende Behandlung. Sie stellt einen Konsildienst für die Netzwerkpartner zur Verfügung und steuert die Erfolgs- und Verlaufskontrolle. Es werden ausschließlich Versorger beauftragt, die gewährleisten, dass bei arbeitsunfähigen Patienten innerhalb von acht Wochen die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt wird.
Um hierfür Anreize zu schaffen, wurde zusätzlich zur Vergütung über Komplexpauschalen eine Bonus-Malus-Regelung eingeführt:
Tritt die Arbeitsfähigkeit innerhalb des vereinbarten Zeitraums ein und der Patient ist aufgrund der Einschreibungsdiagnose im folgenden halben Jahr nicht länger als sieben Tage arbeitsunfähig, erhält der Versorger einen Bonus. Ist die Arbeitsfähigkeit innerhalb von acht Wochen nicht eingetreten, muss der Versorger einen Teil seiner Vergütung zurückerstatten (Malus).
Eine Auswertung des Jahres 2007 ergab eine Auszahlung des Bonus in 81,6 % der Fälle, während nur in 18,4 % der Fälle ein Malus verhängt wurde (Norbert Klusen et al. 2009).

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