Diagnosis Related Groups

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DRGs (Diagnosis Related Groups) sind ein Klassifikationssystem, das Patienten nach bestimmten Kriterien gemäß ICD 10 in Gruppen zusammenfasst. Die Gruppen enthalten Fälle, die einen ähnlichen Behandlungsaufwand aufweisen und die anhand eines Organsystems oder einer Krankheitsursache abgegrenzt werden können.


Inhaltsverzeichnis

DRGs international

DRGs wurden erstmals 1983 in den USA von MEDICARE (staatliche Versicherung) eingeführt. Es handelt sich dabei um ein Klassifikationssystem, das Patienten nach bestimmten Kriterien gemäß ICD 10 in Gruppen zusammenfasst. Die Gruppen enthalten Fälle, die einen ähnlichen Behandlungsaufwand aufweisen und die anhand eines Organsystems oder einer Krankheitsursache abgegrenzt werden können. In den USA kam durch die DRG-Einführung zur Verschiebung von stationären zu mehr ambulanten Leistungen. Die amerikanischen DRGs der Health Care Financing Administration (HCFA) werden allerdings in voller Breite nur für die Bevölkerung über 65 Jahre, die durch das staatliche Medicare-Programm versichert ist, angewendet.

DRGs werden in verschiedenen weiteren Ländern zur Finanzierung von Krankenhausbehandlungen verwendet. Während in den meisten Ländern die DRGs jedoch krankenhausbezogen zur Verteilung staatlicher oder versicherungsbezogener Budgets verwendet werden, wurde in Deutschland das 2003 eingeführte DRG-System zu einem Fallpauschalensystem weiterentwickelt und wird seither zur Vergütung der einzelnen Krankenhausfälle verwendet.

Im Dezember 2005 entschied sich das zuständige Gremium der Schweiz zur Einführung eines DRG-Systems auf Grundlage des deutschen Modells. Durch den Prozess der Helvetisierung (Anpassung an die schweizerische Behandlungswirklichkeit) werden daraus die SwissDRG entstehen.

Einführung in Deutschland

Die Gesundheitsreform 2000 sah vor, dass die krankenhausindividuelle Budgetierung ab dem Jahr 2004 durch ein durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschaliertes Vergütungssystem abgelöst wird. Die GKV-Spitzenverbände, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatten sich darauf verständigt, die "Australian Refined Diagnosis Related Groups" (AR-DRG) zur Grundlage eines zukünftigen deutschen DRG-Systems zu machen.

Das so genannte Optionsmodell ermöglichte den Krankenhäusern auf freiwilliger Basis ihre Abrechnung ab dem 1. Januar 2003 auf das G-DRG-System umzustellen. Voraussetzung war neben einer fristgerechten Anmeldung eine abgeschlossene Budgetverhandlung mit den Kostenträgern. Aufgrund zeitlicher Verzögerungen der Budgetverhandlung fand für die meisten teilnehmenden Kliniken der Umstieg unterjährig statt.

Gesetzlich war die Einführung des DRG-Systems ab dem 1. Januar 2004 verpflichtend. Da jedoch auch hier die abgeschlossene Budgetverhandlung Voraussetzung für die Einführung war, konnten viele Kliniken erst im Verlauf des Jahres nach DRGs abrechnen. Eine ganze Reihe von Krankenhäusern begann sogar erst im Jahr 2005 mit der Abrechnung nach DRG.


Politische Ziele

Die politischen Ziele der DRG-Einführung sind

  • die Liegezeit in deutschen Krankenhäusern zu verkürzen,
  • die Bezahlung von medizinischen Leistungen in den Krankenhäusern zu vereinheitlichen ("gleicher Preis für gleiche Leistung"),
  • Transparenz und Vergleichbarkeit der Krankenhausleistungen zu erhöhen,
  • vermutete Überkapazitäten im Krankenhausbereich abzubauen,
  • und insgesamt zukünftig zu erwartende Kostensteigerungen im stationären Bereich zu begrenzen.


Kritik am DRG-System

  • Während in anderen Ländern, die das DRG-System anwenden, von professionellen Dokumentationsassistenten kodiert wird, gilt in Deutschland die Kodierung von Diagnosen und Prozeduren noch in erster Linie als Aufgabe des Arztes. Dadurch wird die administrative Tätigkeit der Krankenhausärzte massiv erhöht, es bleibt weniger Zeit für die Patienten.
  • Auch im Verwaltungsbereich der Krankenhäuser und Kostenträger steigt der Aufwand. Während bisher der Preis für eine Behandlung relativ einfach durch Multiplikation der Behandlungstage zu ermitteln war, ist jetzt medizinisches Wissen zur Überprüfung der Abrechnung erforderlich. Im Krankenhausbereich hat sich unter anderem aus diesem Grund ein eigenes Berufsbild (Medizincontroller) entwickelt.
  • Während die verweildauerbezogene Abrechnung aus ökonomischer Sicht Anreiz für eine Verlängerung der Behandlung war, ist die Abrechnung nach DRG-Fallpauschalen Anreiz für eine eher zu frühzeitige Entlassung (Stichwort: "Blutige Entlassung").
  • Patienten werden zwar kürzer pro Aufnahme im Krankenhaus behandelt, aber dafür mit mehr Aufenthalten im Krankenhaus.
  • Die Länder, die ein DRG-System einführten, hatten höhere Verwaltungsausgaben, aber keine Kosteneinsparungen.
  • In Deutschland liegen keine Informationen vor, wieviel die Einführung der DRG -ausgedrückt in Geld der Versicherten- kostet. Die Bundesregierung sagt, sie habe keine derartigen Informationen, nehme aber an, dass die Einführung auf jeden Fall vorteilhaft sei.
  • Die DRGs bilden insbesondere in bestimmten Bereichen (Unfallchirurgie, Kinderheilkunde, u.a.) die tatsächliche Behandlung noch nicht differenziert genug ab, so dass die resultierende Vergütung nicht "sachgerecht" ist.
  • Ein Fallpauschalensystem bietet Anreize, sich innerhalb von Fallgruppen auf möglichst "einfache" oder standardisierte Fälle zu spezialisieren. Die Versorgung komplexerer Fälle wird dadurch eingeschränkt oder auf andere Anbieter verlagert.
  • Zunehmend (mit jeder DRG-Generation seit 2003 mehr) werden DRG nicht nach der zugrundeliegenden Diagnose, sondern lediglich nach der durchgeführten Prozedur (dem Haupteingriff) definiert. Damit entsteht einerseits ein Anreiz, aufwendige Prozeduren durchzuführen und abzurechnen. Das australische System hat durch seine Schweregradgliederung gerade hiergegen ein taugliches Instrumentarium geboten; diese Vorteile werden jedoch zunehmend weniger genutzt. Andererseits wird das ganze System in Frage gestellt, da es mehr und mehr zu Procedure-Related-Groups wird.
  • Die Teilnahme an der DRG-Kalkulation ist für die Krankenhäuser freiwillig. Dadurch sind die einfließendenden Daten nicht repräsentativ.
  • Das geltende Abrechnungsprinzip führt unter anderem zu finanziellen Schräglagen. Von Land zu Land gelten unterschiedliche „Basisfallwerte“, die Kassen und Kliniken aushandeln – Pauschalen für jede Behandlung. Ein „Case Mix“-Index regelt, wie die Kliniken honoriert werden, wenn sie ihre Fallzahlen überschreiten: Dann gibt es Abschläge.
Nur drücken diese im Folgejahr auf die neuen Sätze im gesamten Bundesland. Das trifft auch Kliniken, bei denen keine zusätzlichen Fälle aufgelaufen sind. Insbesondere Häusern im ländlichen Raum macht diese Begleiterscheinung mehr zu schaffen.

siehe auch

Literatur

  • Wolfram Fischer: Diagnosis Related Groups (DRGs) und Pflege. Grundlagen, Codierungssysteme, Integrationsmöglichkeiten. Huber, Bern 2002, ISBN 3-456-83576-0
  • Peter Indra: Die Einführung der SwissDRGs in Schweizer Spitälern und ihre Auswirkungen auf das schweizerische Gesundheitswesen. Verlag Schweiz. Gesellschaft für Gesundheitspolitik SGGP, Zürich 2004, Vorlage:Falsche ISBN
  • Jens Flintrop: Auswirkungen der DRG-Einführung - Die ökonomische Logik wird zum Maß der Dinge, Deutsches Ärzteblatt 46 (2006), 3085 [1]


Zitate

  • Eine Hoffnung, die vor allem die Krankenkassen in die DRGs gesetzt hatten, blieb vergebens. Billiger ist das Krankenhaus-System auch seit der Einführung der DRGs nicht geworden. Immerhin: "Die DRGs haben bei der Kostenentwicklung stark auf die Bremse getreten", zeigt sich BMG-Abteilungsleiter Franz Knieps überzeugt. Auch der DRG-Experte des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherer, Johannes Wolff, ist überzeugt davon, dass die DRGs die Kliniken effizienter machen. "Jetzt werden die Krankenhäuser belohnt, die wirtschaftlich arbeiten und die bestraft, die es nicht tun." Insgesamt werden die Kassenmitglieder vom Erfolg des DRG-Systems profitieren, ein wenig zumindest. "Von der Chaosreform zum Exportschlager" Südd. Zeitung 18.08.2008


Weblinks


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