Doktorhopping
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"Doctor hopping" bezeichnet das Phänomen, daß einige Patienten oft den Arzt wechseln. Ausmaß und Umfang des "doctor hopping" insgesamt sind nicht exakt zu beziffern. Viele Menschen mit seelischen und/oder psychosomatischen Erkrankungen wechseln mehrfach den Arzt, bevor eine exakte Diagnose gestellt und eine adäquate Behandlung eingeleitet wird (Fehlversorgung). Ein grosser Teil des "doctor hopping" dürfte auf die falschen Anreizstrukturen im Sachleistungssystem zurückzuführen sein, das eine Freifahrermentalität auf Patientenseite begünstigt.
Dem "doctor hopping" soll die Vorschrift begegnen, der zu Folge auch zuzahlungsbefreite Patienten beim Facharzt eine Überweisung vorlegen müssen.
Verwandt damit ist der Begriff des "doctor shopping". Dabei suchen substanzabhängige Patienten zahlreiche Ärzte auf, um an bestimmte Medikamente zu gelangen.
Zitate
- Ministerin Schmidt sieht Handlungsbedarf - Gegenüber dem DFV erläuterte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, wo sie in der fachärztlichen Versorgung Handlungsbedarf sieht. Dazu zählt u.a. die Vermeidung des sogenannten „Ärzte-Hopping“, zu lange Wartezeiten für gesetzlich versicherte Patienten bei Fachärzten und bessere Betreuung älterer Menschen in Alten- und Pflegeheimen durch Fachärzte. Zum Thema „Ärztehopping“ – die Inanspruchnahme mehrerer Fachärzte – stellt der DFV dar, dass Fachärzte das Verhalten der Patienten nicht beeinflussen können. Dies sieht der Verband als Aufgabe der Krankenkassen an: „Wir können es einem Patienten nicht an der Nasenspitze ansehen, ob er bereits andere Kollegen aufgesucht hat. Wir sind verpflichtet, die Patienten, die sich krank an uns wenden, zu behandeln“, betont Dr. Scharmann 07. Juni 2007
- Für das "Doktorhopping" der Patienten müssen die Ärzte bluten - Wechselt ein Patient innerhalb eines Quartals den Arzt, dann wird die Versichertenpauschale bzw. fachärztliche Grundpauschale gekürzt. Damit sollen Ärzte für das Doktorhopping ihrer Patienten haftbar gemacht werden, obwohl sie darauf in aller Regel keinen Einfluss haben. So plump dieser Schritt in seiner Gesamtheit anmutet, so dilettantisch ist er im Detail gestrickt, denn er regelt nicht einmal explizit die Frage, ob unter diese Regelungen auch Überweisungen innerhalb eines Quartals fallen. In: Gesundheitsreform: KBV-Chef schließt Totalverweigerung nicht aus - (Quelle: KV Blatt Berlin 11/2006)
- Daten aus den 1990er Jahren ergaben, dass sich die Zahl der Arztbesuche durch die Versicherten nicht deutlich erhöht hat, es gab lediglich eine Verschiebung zu Gunsten der Fachärzte, die häufiger ohne vorheriges Konsultieren des Hausarztes aufgesucht wurden. http://forum-gesundheitspolitik.de/dossier/PDF/MaerchenKostenexplosion-Kap4.pdf B. Braun u.a., Das Märchen von der Kostenexplosion. Populäre Irrtümer zur Gesundheitspolitik, S. 81, aus www.wikipedia.de
- Das Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung der KBV befragte 1995 Ärzte in drei Kassenärztlichen Vereinigungen. Davon berichteten lediglich 7 Prozent von einzelnen Missbrauchsfällen. Das Deutsche Ärzteblatt sprach daraufhin von einer bundesweiten „Betrugsquote“ von 0,014% (dpa v. 8. November 1995). http://forum-gesundheitspolitik.de/dossier/PDF/MaerchenKostenexplosion-Kap4.pdf B. Braun u.a., Das Märchen von der Kostenexplosion, S. 83, aus www.wikipedia.de
- Bei der Anzahl der Arztbesuche liegt ein statistisch durchschnittlicher Mensch in Deutschland mit 16,3 pro Jahr laut einer Studie weltweit vorne. Ärztezeitung, 10./11. November 2006, S. 1: "16 Arztbesuche pro Jahr". Hausärzte werden in Deutschland mit jährlich knapp sieben Kontakten am häufigsten aufgesucht (Bei Arztbesuchen sind die Deutschen Weltmeister, Ärztliche Praxis, 21. November 2006, S. 18). Ähnlich hohe Arztkontaktraten gibt es sonst nur in Japan oder Tschechien. (MMW - Fortschr. Med., Nr. 46/2006 (148. Jg), S.3: "Deutsche gehen besonders oft zum Arzt")
- Grundlage für folgende Auswertungen waren Daten von 1,4 Millionen Gmünder ErsatzKasse-Versicherten in 8,3 Millionen Behandlungsfällen und mit 27 Millionen ICD-Diagnoseschlüsseln aus dem Jahr 2004. 91 % der Bevölkerung hatten mindestens einen Arztkontakt. Durchschnittlich gab es je Bürger 16,3 Arztkontakte. 2/3 der deutschen Bevölkerung gehen mindestens einmal jährlich zum Hausarzt, im Schnitt jeder Einwohner 6,6-mal pro Jahr. 10 % der Versicherten weisen eine hohe Kontaktrate bei ambulanten Leistungen auf. Auf sie entfallen gut 1/3 aller Arztkontakte und 43% der Behandlungskosten. 1% der Versicherten verursacht ca. 13% der Kosten. International st die Zahl der ambulanten Arztkontakte mit im Schnitt 16 in Deutschland hoch. Nur in Japan, der Slowakei, Tschechien und Ungarn sind sie auf vergleichbarem Niveau. Zitiert nach: Medical Tribune Nr. 47, 24. November 2006, S. 27
- Laut Techniker Krankenkasse bringen es die Deutschen auf 16 Arztkontakte pro Jahr. Dadurch kommen alleine bei dieser Krankenkasse 42 Millionen Abrechnungsfälle zusammen, 800.000 Heil- und Kostenpläne aus Zahnarztpraxen, 30 Millionen Rezepte, eine Million Krankenhausfälle, 4,8 Millionen Rechnungen von Orthopädietechnikern, Augenoptikern, Hebammen, Rettungsdiensten, Physiotherapeuten, Taxiquittungen und Krankschreibungen. Zitiert nach "Technik auf Pump", medbiz 01/07, S. 20 f., Beilage der Financial Times Deutschland.
- Die meisten Patienten sind ihrem Arzt allerdings eher treu. In 2004 gingen 66,3% der Bevölkerung mindestens einmal zu einem Allgemeinarzt, von diesen suchten 74,5% nur eine Ärztin / einen Arzt dieser Fachrichtung auf, 20,5% 2 Ärzte, 4% 3 Ärzte und 1% 4 und mehr Ärzte. 25,7% der Bevölkerung suchten einen Frauenarzt auf, von diesen 56,3% nur eine Ärztin / einen Arzt dieser Fachrichtung, 36,3% 2 Ärztinnen/ Ärzte, 5,8% 3 Ärztinnen / Ärzte und 1,7% 4 oder mehr. Zitiert nach Medical Tribune, 8. Dezember 2006, S.19
- Deutsche Primär- (Haus-) Ärzte haben im Schnitt 243 Patienten pro Woche, in anderen in unten genannter Studie untersuchten Industrieländern sind es meist zwischen 102 und 154. Die Zeit pro Patientenkontakt lag international im Mittel zwischen 11 und 19 Minuten, in Deutschland bei unter 8 Minuten. Eine der Ursachen der verbreiteten Unzufriedenheit deutscher Hausärzte könnte in ihrer Belastung durch die höhere Zahl von kürzeren Patientenkontakten liegen. Koch, Klaus; Gehrmann, Ulrich; Sawicki, Peter T., Primärärztliche Versorgung in Deutschland im internationalen Vergleich: Ergebnisse einer strukturvalidierten Ärztebefragung, German Primary Care in International Comparison: Results of a Survey of Doctors, Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 38 vom 21.09.2007, Seite A-2584
- Nur 9 % der deutschen Bevölkerung haben 2006 keinen einzigen niedergelassenen Arzt aufgesucht. Die Zahl der ambulant psychotherapeutisch Behandelten nahm seit dem Jahr 2000 um 61 % auf circa 730 000 Patienten in 2006 zu. Die Zahlen basieren auf Auswertungen aller Behandlungs- und Diagnosedaten von Vertragsärzten (KassenärztInnen) für die knapp 1,6 Mio. Versicherten der Gmünder Ersatzkasse (GEK), die auf die deutsche Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Demnach dürften in 2006 91 % der Bevölkerung, also 75 Millionen Menschen, Kontakt zu mindestens einem Kassenarzt oder -Psychotherapeut gehabt haben. Darin enthalten sind keine Zahnarztbesuche. 48,5 % der Bevölkerung haben mindestens vier Ärzte oder Psychotherapeuten aufgesucht. Pro Kopf der Bevölkerung wurden im Schnitt 6,8 Behandlungsfälle (Quartalsabrechnungen) registriert sowie 17,1 Behandlerkontakte (also 2,3 Kontakte je Quartalsabrechnung). Das ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Verglichen mit dem Jahr 2004 sei die Zahl der Kontakte nach diesen Berechnungen um etwa 5 % gestiegen. Zitiert nach "Ein Jahr ohne Arzt - für 90 % der Bevölkerung nicht vorstellbar - Topwert: 17 Arztkontakte pro Bürger", Medical Tribune, 42. Jg, Nr. 49, 7. Dezember 2007, S. 17
