Doppeluntersuchung

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Doppeluntersuchung ist ein Begriff aus der politischen Diskussion um die Gesundheitsreform. Er beschreibt das reale oder fiktive Problem, dass bestimmte Untersuchungen doppelt vorgenommen würden, beispielsweise wenn Patienten von der ambulanten Behandlung zur stationären Behandlung in der Klinik wechseln.

Politiker erhoffen sich, dass die Kosten im Gesundheitswesen sinken, indem Doppeluntersuchungen eingespart werden. Damit werden beispielsweise Milliardeninvestitionen in die elektronische Gesundheitskarte und die elektronische Patientenakte gerechtfertigt.

Dabei verkennt die Politik offensichtlich, dass zumindest die ambulanten Doppeluntersuchungen keine Mehrkosten verursachen. Denn laut § 85 SGB V zahlen die Kassen pro Mitglied eine im Voraus festgelegte Kopfpauschale "mit befreiender Wirkung" an die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Werden also mehr Untersuchungen durchgeführt, geht das zu Lasten der ärztlichen Praxen, nicht aber zu Lasten der Beitragszahlenden.

Mit zunehmender Pauschalierung der Vergütung im stationären Bereich seit Einführung der DRG ist auch bei den Kliniken die verstärkte Einbindung extern erhobener Befunde üblich geworden, um die Betriebskosten zu senken; somit wird auch hier die "Doppeluntersuchung" zu einer bald zu vernachlässigenden Größe.

Es ist daher völlig unklar, wie weit diese Doppeluntersuchungen überhaupt ein relevantes Volumen haben können – belastbare Untersuchungen dazu gibt es bislang nicht.

Allerdings ist der Begriff so "einschlägig", dass er sogar hier beim Ulmer-Praxisnetz erwähnt wird:


Inhaltsverzeichnis

Quellen

Eine ad-hoc google-Suche nach "Doppeluntersuchungen" ergab am 15.12.2006 relevante Treffer nur für die Radiologie bzw. als Ergebnis einer Patientenbefragung. Darüber hinaus liegen keine verwertbaren Daten zu Häufigkeit und Kosten von "Doppeluntersuchungen" vor.

Die Anzahl der während eines Jahres in einer radiologischen Universitätsklinik durchgeführten B-Bild-sonographischen Doppeluntersuchungen betrug 19,6 %. Häufigkeit von Doppeluntersuchungen in der B-Bild-sonographischen Abteilung einer radiologischen Universitätsklinik

Wiederholungssonographien waren mit 6% und insgesamt durchgeführte Doppeluntersuchungen mit 14 % seltener als erwartet. Zuweiser und Rate der Doppeluntersuchungen in der farbduplex-sonographischen Abteilung einer radiologischen Universitätsklinik

Staging und Nachsorge waren mit 46 % der 1017 bei Erwachsenen durchgeführten B-Bild-Sonographien häufigste Fragestellung und machten 62 % der 410 als nicht oder wahrscheinlich nicht medizinisch indiziert eingestuften Sonographien aus. Entwicklung der sonographischen Diagnostik in einer Radiologischen Universitätsklinik von 1994 bis 2001

Jeder fünfte (20%) deutsche Patient gibt an, dass bei ihm Ärzte einen überflüssigen diagnostischen Test angeordnet haben, da dieser Test bereits anderswo durchgeführt worden ist. Dieser Anteil ist vergleichbar mit den USA (18%), aber signifikant höher als in den übrigen Ländern, in denen der Anteil von Doppeluntersuchungen nur zwischen 6% und 11% liegt. Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Ein randomisierter simultaner Sechs-Länder-Vergleich aus Patientensicht

Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung über Art und Umfang von unbegründeten Doppeluntersuchungen. Gesundheitspolitik: Von Mythen geprägt

Im Rahmen einer Studie für ein Krankenhaus hat die Auswertung der (in 2003 vorgelegten) Röntgenbilder, die von den einweisenden Ärzten mitgegeben wurden, hinsichtlich der Verwendbarkeit für eine Knie- oder Hüft-TEP gezeigt, dass in 75% der Fälle Doppeluntersuchungen medizinisch indiziert waren: Im Bereich der Knie-TEP wurden etwa 20% der Aufnahmen erneut angefertigt. Leitfaden zur Integrierten Versorgung aus der Praxis

In einer Pressemitteilung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung vom 18.4.2007 wird erneut bestätigt, daß empirische Belege für die These der uneffizienten Doppeluntersuchungen spärlich seien. Das Einsparpotenzial betrage maximal 0,23% (0,03 Beitragssatzpunkten entsprechend).(dazu unter "Kritik" noch mehr weiter unten!)

Zitate dazu

  • Hier ein Zitat der Ministerin: In der "Berliner Zeitung" (Juli 2001) nannte die Ministerin mögliche Eckpunkte für eine Reform: Die Hausärzte müssten wieder "stärker als bisher Lotsen im Gesundheitssystem werden". Dafür sollten entsprechende finanzielle Anreize geschaffen werden. Patienten, die zuerst ihren Hausarzt konsultierten, sollten einen Rabatt erhalten. Ihr gehe es vor allem darum, "Parallel- und Doppeluntersuchungen zu vermeiden".
  • Wann ist eine Untersuchung "doppelt" und damit "Verschwendung"? (dazu finden sich nirgendwo konkrete Angaben)
  • Trotz massiver Kritik hält die Ministerin an den Plänen für einen elektronischen Patientenpass fest. Danach sollen Daten über Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen auf einem zentralen Rechner gespeichert werden. Die Einführung wird laut Ministerium rund eine Milliarde Mark kosten, später aber Doppeluntersuchungen vermeiden. (nach Frankfurter Rundschau im Herbst 2001)
  • Hausarzt-Modell erstmals bundesweit vereinbart - Die Barmer Ersatzkasse ermöglicht es Patienten, Praxisgebühren zu sparen. Kritik kommt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem NAV-Virchow-Bund - Die größte deutsche Krankenkasse erhofft sich Einsparungen durch den Wegfall überflüssiger Doppeluntersuchungen. Durch Einbeziehung der Hausapotheker sollen zudem die „katastrophalen Folgen“ von Medikamenten-Wechselwirkungen minimiert werden. Diese können sich ergeben, wenn verschiedene Ärzte Medikamente verordnen und der Patient diese sich nicht in derselben Apotheke abholt. Durch solche Wechselwirkungen sterben - so Eckart Fiedler - jährlich drei bis vier Mal mehr Menschen als bei Verkehrsunfällen.
  • Versicherte, die an dem Vertrag teilnehmen, erhalten eine elektronische Patientenakte, die bei Bedarf von den behandelnden Ärzten jederzeit eingesehen werden kann. So werden Doppeluntersuchungen vermieden. Nachbehandlungen können direkt im Haus stattfinden. (Barmer und AOK Berlin schließen integrierten Versorgungsvertrag mit dem Polikum Friedenau nach einer Meldung vom 31.12.2006 - Die "Doppeluntersuchung" als Legitimation für die elektronische Gesundheitskarte.)
  • Das ganz alltägliche Verschwenden - Dem Gesundheitssystem gehen Milliarden durch überflüssige Untersuchungen, mangelhafte Absprachen zwischen Ärzten und schlechte Organisation verloren. Würde die große Koalition diese Probleme beseitigen, könnte sie sich höhere Steuern und Abgaben für die Gesundheit sparen - Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der für die SPD im Bundestag sitzt, glaubt, daß im Gesundheitssystem "mittelfristig 20 Milliarden Euro an Effizienzreserven" schlummern. Diese Summe ließe sich einsparen, wenn Ärzte und Krankenhäuser wirtschaftlicher arbeiten und sich besser absprechen würden. Im Gesundheitsministerium vermutete man schon vor Jahren, daß die Kassen ein Viertel ihres Budgets für unnötige Leistungen und schlechte Qualität ausgeben. Abhilfe soll nun die elektronische Gesundheitskarte schaffen. Über ihren Chip könnten Arztbriefe, Befunde und Röntgenbilder künftig in virtuellen Patientenakten gespeichert werden. Die Karte soll Patienten, Ärzte, Apotheken, Kliniken und Kassen besser vernetzen und Schluß mit Doppeluntersuchungen und Fehlabsprachen machen. Nach einer Studie der Boston Consulting Group könnte die Gesundheitskarte helfen, bis zu sieben Milliarden Euro einzusparen. (nach WAMS April 2006)
  • Süddeutsche Zeitung - 15. Dezember 2007: In Bayern hat das System der sogenannten "dualen Krankenhausförderung" bislang eine hochwertige flächendeckende Klinikversorgung ermöglicht. Sozialministerin Christa Stewens machte deutlich, dass sie entschiedene Gegnerin einer alleinigen Finanzierung der Kliniken durch die Kassen ist. (Krankenhaus-Finanzierungsmodelle standen zur Debatte)
  • Der Hausarzt steht als Lotse im Mittelpunkt der Versorgung. Bevor der am Modell teilnehmende Patient zu einem Facharzt geht, muss er den Hausarzt konsultieren, der ihn dann gegebenenfalls an einen Spezialisten überweist. Der Hausarzt soll den gesamten Krankheitsverlauf dokumentieren und Doppeluntersuchungen oder -medikationen verhindern. Das Modell stellt die bislang in der Honorarverteilung gegenüber den Fachärzten benachteiligten Hausärzte deutlich besser. Sie können bis zu 80 Euro pro Fall und Quartal verdienen - statt wie bisher im Schnitt 55 Euro. (Direktvertrag: Die AOK Baden-Württemberg und zwei Ärzteverbände haben ihre Vereinbarung zur hausarztzentrierten Versorgung vorgestellt. Die AOK erwartet, dass sich Hunderttausende ihrer 3,7 Millionen Versicherten an dem Modell beteiligen.8.5.2008)
  • Nicht von ungefähr haben wir die höchste Facharztdichte im europäischen Vergleich. Während die Fachärzte in einer Klinik in der Regel kooperieren, konkurrieren die niedergelassenen Fachärzte um denselben Patienten. Die doppelte Facharztschiene ist wahrscheinlich die größte Quelle von Unwirtschaftlichkeit und Ungerechtigkeit im deutschen Gesundheitssystem. Dabei geht es nicht in erster Linie um die sogenannten Doppeluntersuchungen, wenn zwei Ärzte die gleiche Untersuchung machen. Eine viel wichtigere Rolle spielen die überflüssigen Krankenhauseinweisungen und die Untersuchungen oder Behandlungen, die überhaupt nicht notwendig sind oder die in zu kurzen Abständen durchgeführt werden. Die doppelte Facharztschiene verschlingt zum einen sehr viel Geld - Länder wie Frankreich oder Italien mit einer vergleichbaren, wenn nicht gar besseren medizinischen Versorgung erreichen diese mit deutlich geringeren Ausgaben und erzielten beim Ranking der Gesundheitssysteme der WHO die Plätze eins und zwei. Zum anderen geht sie zu Lasten der Behandlungsqualität der gesetzlich Versicherten. Letzten Endes kostet sie damit sogar Menschenleben. Seit 20 Jahren steht die Gesundheitspolitik unter Kostendruck. Warum wurde die doppelte Facharztschiene dennoch nie beseitigt? Der Hauptgrund ist, dass sie den niedergelassenen Fachärzten bei der Verteidigung eines Einkommensmonopols hilft und gleichzeitig den privat Versicherten nicht so sehr schadet. Der für eine echte Reform notwendige Druck kann nicht aufgebaut werden. (Autor: Karl Lauterbach: GESUNDHEIT "Unsere Gegner sind die Patienten" DER SPIEGEL 24/2007)
  • Die neue Chipkarte dient als Schlüssel zu mehr Informationen: Patienten geben sie beim Arzt ab, der damit Befunde aus anderen Praxen abrufen kann. "So ersparen wir dem Patienten doppelte Untersuchungen und vermeiden unnötige Ausgaben", sagt Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer von "Gesundes Kinzigtal". Die Managementgesellschaft hat die Karte in der Region im Schwarzwald nach Absprache mit Ärzten und Krankenkassen eingeführt. (nach Handelsblatt Nr. 190 vom 02.10.2009 - Kooperation von Ärzten verbessert die Vorsorge - Das Modell "Gesundes Kinzigtal" senkt die Kosten im Gesundheitssektor)

Meinungen - Erfahrungen

  • Jeder von uns kennt Fälle, wo "Doppeluntersuchungen" zwingend notwendig sind. Entweder, weil erst im Verlauf ein Befund richtig gedeutet werden kann, oder weil der Erstbefund schlicht fehlerhaft ist.
Ich kenne genügend solche Fälle: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein junges 17 jähriges Mädchen, was als psychischer Pruritus lief und dem bereits ein Platz in einer psychotherapeutischen Klinik vermittelt wurde. Die fachlich sehr guten Psychiater ließen dann ein Rö-Thorax machen, der angeblich vier Wochen vorher ohne Befund war. Ergebnis: Non-Hodgkin-Lymphom.
Oder in meiner täglichen Praxis: Eine Psoriasis ist in Wahrheit eine schwere Tinea corporis. Ein Ekzem ist ein Basaliom, ein Pilz ist ein Plattenepithelkarzinom in situ, ein Naevus ist ein malignes Melanom, eine Onychomykose ist ein Lichen ruber, ein Zoster ist sekundär bei einer Leukämie usw. usw. Erst die "doppelte" Untersuchung erbrachte hier die wahre Diagnose. (Dr. med. Peter Schulte-Huermann - Haut und Allergologie in facharzt.de)
  • Der Rat verkennt nicht, dass viele Hochschulambulanzen heute nicht darauf eingerichtet sind, eine patientenfreundliche Versorgung anzubieten. Die Einbestellungsstrukturen seien ineffizient, die Öffnungszeiten ungünstig, die Wartezeiten zu lang: „Es finden sich noch immer Ambulanzen, deren Kennzeichen es ist, um acht Uhr morgens von Patienten überfüllt und spätestens ab 16 Uhr vollständig verwaist zu sein.“ Dazu komme, dass Patienten nicht selten doppelt untersucht würden; einmal von einem angehenden, dann von einem ausgebildeten Arzt. Für die Zukunft wird deshalb empfohlen, Hochschulambulanzen ganz anders zu strukturieren: Dass jede Abteilung ihre eigenen Ambulanzen betreibe und fachübergreifende Einheiten die Ausnahme seien, wird bemängelt.
Im Rahmen der Befragungen im Vorfeld der Empfehlungen hätten viele Hochschulkliniker für eine leistungsgerechtere Vergütung der ambulanten Leistungen plädiert, zum Beispiel auf der Basis eines eigenen Kapitels Hochschulmedizin im Einheitlichen Bewertungsmaßstab, der Honorarbasis der niedergelassenen Ärzte. Andere würden ausreichend hohe Pauschalen bevorzugen, weil Abrechnungs- und Dokumentationsaufwand dann geringer seien.

Links

  • Gesundheitspolitik: Von Mythen geprägt Dass es Doppeluntersuchungen gibt, dürfte unbestritten, in vielen Fällen aber auch begründet sein. Das Einholen einer Zweitmeinung, eine erneute Untersuchung nach einer Krankenhauseinweisung oder beim Facharzt gehören zum medizinischen Alltag. „Doktorhopping“ dürfte allerdings auch einen Teil der Doppeluntersuchungen ausmachen. „Dieses Problem ist jedem bewusst“, meint Dr. med. Leonhard Hansen.

Öffentliche Debatte

  • Die Vorsitzende des GKV Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, hält die Hälfte aller Arthroskopien für überflüssig. DGOU-Generalsekretär Prof. Fritz Uwe Niethard plädiert für eine sachliche Debatte auf der Grundlage von Zahlen, die die GKV bislang schuldig geblieben sei, sagte er im Gespräch mit den Orthopädischen Nachrichten. Spitzenfunktionärin Pfeiffer hatte in einem Interview mit der Apotheker Zeitung zum Rundumschlag ausgeholt: "Nach Schätzungen sind etwa die Hälfte der Arthroskopien überflüssig. Bei den Röntgen-, CT- und MRT-Untersuchungen wird der Anteil noch höher geschätzt. Da besteht noch großer Spielraum für Einsparungen".
Das wollte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Fritz Uwe Niethard, nicht unkommentiert stehen lassen: Es werde in letzter Zeit zwar vermehrt über die Angemessenheit von ärztlichen Leistungen diskutiert. Die GKV sein nun aber am Zug, ihre Behauptungen mit Datenmaterial vorzulegen, damit dieses nicht nur von ihr selbst bewertet werden kann. (30.03.2010)
  • Doppeluntersuchungen sind meistens unnötig und belasten die Gesundheit der Versicherten, zudem führen sie zu überflüssigen Kosten, so lautet ein gängiger Vorwurf. Diesem möchte ich mich nicht aussetzen, daher werden alle unsere Patienten bei der Terminvergabe gebeten, [Vorbefunde mitzubringen], was allerdings nur von den Wenigsten realisiert wird.

Kritik

Übergabe Gutachten
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Übergabe Gutachten
  • Das IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (Berlin) hat in Kooperation mit Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup (Darmstadt) im Auftrag des Deutschen Facharztverbands (DVF) ein Gutachten erstellt, das die Frage beantworten soll, ob und ggf. in welchem Umfang sich die These der „doppelten Facharztschiene“ untermauern lässt. "Kein Wackelpudding mehr" - Das Gutachten auf Anregung von zehn fachärztlichen Berufsverbänden und des DFV war ein sehr großes Wagnis. Ein Wagnis, weil weder die Kritiker der ambulanten fachärztlichen Versorgung noch die Fachärzte bislang ihre jeweilige Argumentation einem seriösen systematisch-wissenschaftlichen Belastungstest ausgesetzt haben. Bislang gab es keine systematische, wissenschaftlich fundierte Arbeit speziell zur fachärztlichen Versorgung in Deutschland und Europa. Umso trefflicher ließ sich bisher mit den Wackelpudding-Argumenten streiten – wahrscheinlich wäre das endlos so weitergegangen. Doch damit ist jetzt Schluss – mit dem glücklicheren Ende für die niedergelassenen Fachärzte“ schreiben die Vorsitzenden dieses Dachverbands: Die zehn fachärztlichen Berufsverbände: Berufsverband der Augenärzte (BVA), Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), Berufsverband der Frauenärzte (BVF), Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren Ärzte (HNO), Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen (BNC), Berufsverband der niedergelassenen, fachärztlich tätigen Internisten (BNFI), Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie (BVO), Berufsverband der Pneumologen (BdP), Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU). - Damit dürfte auch dieses Gutachten im Ergebnis den Auftraggebern entgegenkommen, zumal sie für die Kosten aufkommen. Leider fehlt in dem Gutachten jegliche Überlegung zu den Grundbedingungen nach § 85 Gesamtvergütung SGB V, weshalb unter diesen Bedingungen überhaupt die Anzahl von wiederholten Untersuchungen eine Rolle spielen kann. Der Begriff "Doppeluntersuchung" wird daher keineswegs analytisch sauber betrachtet und auf seine Berechtigung geprüft. Es kommen einem sogar Zweifel, ob die Gutachter überhaupt die Grundlagen ärztlicher Vergütung nach SGB V verstanden haben. Die Titulierung "Wackelpudding" macht die Angelegenheit auch nicht anregender oder appetitlicher.
  • Auch als "Paralleluntersuchung" wird die "Doppeluntersuchung" manchmal bezeichnet, wobei man gerne den "Nimbus" des Überflüssigen und des zu hebenden "Sparpotential" erzeugen will. In wissenschaftlichen Arbeiten taucht der Begriff ebenfalls auf: Scherer, K. R., Wallbott, H. G., Tolkmitt, F., & Bergmann, G. (1985). Die Streßreaktion: Physiologie und Verhalten: hierin Kapitel (14) Die Paralleluntersuchung: Multi-modale Reaktionsunterschiede in emotionalen Situationen. (15) Stabilitaet der Stressindikatoren: Quervergleiche zwischen der Haupt- und der Paralleluntersuchung. (16) Stress und Emotion: Ein Ausblick. - Untersuchungen führen zu einer Diagnose, haben Konsequenzen und je bedeutender diese sind, um so wichtiger ist die Absicherung in Hinblick auf Richtigkeit, wozu z.B. in der Pathologie Gewebeschnitte mehrfach beurteilt und sogar Referenzzentren eingeschaltet werden.
  • Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat sich in seinem Gutachten 2000/2001 im Band III unter dem Titel „Über-, Unter- und Fehlversorgung“ ausführlich mit den damit in Zusammenhang stehenden Fragestellungen beschäftigt. Doppeluntersuchungen sind jedoch nicht grundsätzlich überflüssig oder gar schädlich, sondern können in bestimmten Fällen auch indiziert sein.
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