Evidence-Based Medicine
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Evidenzbasierte Medizin (EbM, von englisch evidence-based medicine „auf Beweismaterial gestützte Heilkunde“) ist jede Form von medizinischer Behandlung, bei der patientenorientierte Entscheidungen ausdrücklich auf der Grundlage von nachgewiesener Wirksamkeit getroffen werden. Der Wirksamkeitsnachweis erfolgt dabei durch statistische Verfahren. Die evidenzbasierte Medizin steht damit im Gegensatz zu Behandlungsformen, bei denen kein solcher Wirksamkeitsnachweis vorliegt.
Der Begriff wurde Anfang der 90er Jahre von Gordon Guyatt aus der Gruppe um David Sackett an der McMaster University, Hamilton, Kanada, geprägt. Im deutschen Sprachraum wurde über das Konzept erstmals 1995 publiziert.
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Definitionen
Evidenzbasierte Medizin (EbM)
- "ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der best verfügbaren externen Evidenz aus systematischer Forschung.(David L. Sackett)
- "Bewusste, ausdrückliche und wohlüberlegte Nutzung der besten Informationen für die Entscheidungsfindung über die Behandlung eines Patienten (Quelle: Deutsche Nationalbibliothek).
EbM beruht demnach auf dem aktuellen Stand der klinischen Medizin auf der Grundlage klinischer Studien, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen (= externe Evidenz). Die EbM beschäftigt sich nicht mit der Durchführung von klinischen Studien selbst, sondern mit der systematischen Nutzung ihrer Ergebnisse.
Im JAMA (Journal of American Medical Association) wurde die EbM 2006 folgendermaßen dargestellt: Zitat: In den 1990-ern entwickelte sich die Evidenzbasierte Medizin als eine Methode, um die Behandlung/Pflege von Patienten zu verbessern und besser beurteilen zu können. Sie beinhaltet die Kombination der besten Evidenz mit den Wertvorstellungen des Patienten, um Entscheidungen in der Behandlung/Pflege zu treffen. Das gemeinsame Betrachten von allen klinischen Studien und medizinischen Veröffentlichungen, die einen individuellen Patienten oder eine Gruppe von Patienten betreffen, hilft Ärzten, Krankheiten korrekt zu diagnostizieren, den besten Plan für die nötigen Tests auszusuchen, und die beste Behandlung und die besten Methoden zur Krankheitsvorbeugung auszusuchen. Wenn Ärzte Methoden der Evidenzbasierten Medizin bei großen Gruppen von Patienten anwenden, die unter derselben Krankheit leiden, können sie praktische Behandlungsrichtlinien für die fachgerechte Bewertung und Behandlung von Krankheiten entwickeln. Zusätzlich zu einer Verbesserung der Behandlung werden solche Richtlinien individuellen Ärzten und medizinischen Institutionen helfen, um ihre Leistung zu messen und um Gebiete zu identifizieren, in denen weitere Forschung oder Verbesserung nötig sind. (Torpy JM, Lynm C, Glass RM. JAMA. 2006 Sep 6;296(9):1192. Fulltext)
Einteilung von Studien/Veröffentlichungen nach EbM-Kriterien
Eine Einteilung nach EbM-Kriterien von Studien/Veröffentlichungen ermöglicht Aussagen über die Evaluierung und über den Evidenzgrad. Nach dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) gelten nachfolgende Level im Sinne der EbM:
- Level 1: Es gibt ausreichende Nachweise für die Wirksamkeit aus systematischen Überblicksarbeiten (Meta-Analysen) über zahlreiche randomisiert-kontrollierte Studien.
- Level 2: Es gibt Nachweise für die Wirksamkeit aus zumindest einer randomisierten, kontrollierten Studie.
- Level 3: Es gibt Nachweise für die Wirksamkeit aus methodisch gut konzipierten Studien, ohne randomisierte Gruppenzuweisung.
- Level 4a: Es gibt Nachweis für die Wirksamkeit aus klinischen Berichten.
- Level 4b: Stellt die Meinung respektierter Experten dar, basierend auf klinischen Erfahrungswerten bzw. Berichten von Experten-Komitees.
Diese Einteilung ist wichtig, um den Nutzen und die Risiken von Behandlungen angemessen beurteilen zu können (inklusive Nutzen und Risiken keiner Behandlung). EbM-Prinzipien werden bei der Beurteilung und Einteilung von klinischen Studien verwendet. Sie können aber auch im Voraus, d. h. während des Entwurfs von klinischen Studien, hilfreich sein. Gutgeplante und hochwertig durchgeführte randomisierte kontrollierte klinische Studien, die genügend hohe Patientenzahlen aufweisen, erfüllen die Voraussetzungen, um später nach EbM-Kriterien vorteilhaft eingeteilt zu werden. Eine solche Planung beugt einer Unwirtschaftlichkeit von Geld und Ressourcen vor.
Praxis der EbM im engeren Sinne
Unter Praxis der EbM im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen. Das beinhaltet auch den Verzicht auf Therapie, d. h. zu wissen, wann keine Therapie anzubieten besser für den Patienten ist als, irgendeine Therapie unbedingt anzubieten.
Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch-epidemiologischen Gesichtspunkten; die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen der Patienten.
Ein verwandter Begriff ist die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Evidence-Based Health Care), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich Entscheidungen zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.
EbM im deutschsprachigen Bereich
Die Verbreitung der EbM ist im deutschsprachigen Bereich maßgeblich durch die Institutionalisierung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM e. V.) befördert worden. Ziele dieser Fachgesellschaft sind die Weiterentwicklung und Verbreitung von Theorie und Praxis der Evidenzbasierten Medizin.
Literatur
- G. Guyatt, J. Cairns, D. Churchill, u. a. („Evidence-Based Medicine Working Group“): Evidence-based Medicine. A New Approach to Teaching the Practice of Medicine. In: JAMA. 268:2420-5, 1992
- G. H. Guyatt, D. Rennie: User's Guides to the Medical Literature. In: JAMA. 270:2096-2097, 1993
- Definitionen und Instrumente des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin
- R. J. Little, D. B. Rubin: Causal Effects in Clinical and Epidemiological Studies via Potential Outcomes: Concepts and Analytical Approaches. In: Annual Review of Public Health. 21:121-45, 2000
- D. L. Sackett, W. M. C. Rosenberg, J. A. M. Gray, R. B. Haynes, W. S. Richardson: Evidence-based Medicine: What It Is and What It Isn't. In: British Medical Journal. 312, 1996, S. 71-72
- R. Kunz, G. Ollenschläger, H. Raspe, G. Jonitz, N. Donner-Banzhoff (Hrsg.): Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis. 2. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7691-0538-4 (Die Grundlagen der 'EbM' - erstmals Schritt für Schritt an Fallbeispielen aus der Versorgungspraxis im deutschsprachigen Raum.)
- G. S. Kienle: Evidenzbasierte Medizin und ärztliche Therapiefreiheit. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 105, Heft, 25, 20.06.2008, S. 1381-1384. - [1]
Weblinks
- Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM e. V.)
- Deutsches Cochrane-Zentrum
- Universität Witten/Herdecke: Links Medizin und EbM
- Universität Witten/Herdecke: Online-Tutorial zur Evidenzbasierte Medizin
- Horten-Zentrum Schweiz
- Grundkurs in Berlin
- Grundkurs in Bremen
- Grund- und Aufbau-Kurs in Lübeck
- Grund- und Aufbau-Kurs in Frankfurt/M.
Quellen
Der Text auf dieser Seite basiert auf dem Artikel Evidenzbasierte Medizin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die Inhalte stehen unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist beim Originalartikel abrufbar.
