Fallpauschale

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Eine Fallpauschale ist eine Vergütung, die pro (Behandlungs-) Fall pauschal, d.h. unabhängig von Art und Menge der tatsächlich erbrachten Einzelleistungen, gezahlt wird (z.B. X DM für eine Blinddarmoperation). Im Krankenhaus sind in der Bundespflegesatzverordnung (BPflV) Fallpauschalen neben Sonderentgelten als eine pauschale Vergütung bestimmter Behandlungsleistungen definiert. Siehe auch Fallpauschalen-verordnung!


Zitate

Thesen von Prof. Mathias Binswanger, Hochschule St. Gallen
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Thesen von Prof. Mathias Binswanger, Hochschule St. Gallen
  • Heilen zum Einheitspreis - Wenn Patienten länger in der Klinik bleiben müssen, rechnet sich das für die Krankenhäuser künftig nicht mehr - Von Andreas Hoffmann - Der Fachmann spricht von "Basisfallwerten", "australischen Relativgewichten" oder der "Einführung klinischer Pfade". Bislang rechneten die Kassen vor allem tageweise ab. Je länger ein Patient in der Klinik war, um so mehr Geld gab es für ihn. Das führte zu kuriosen Folgen, weil eine Kasse für die gleiche Operation unterschiedlich viel zahlen musste - je nach Krankenhaus. Mal entfernte ein Chirurg eine Gallenblase für 5900 Euro, mal für 1080 Euro. Kritiker wie Jörg-Dietrich Hoppe befürchten, dass sich die Kliniken vor allem um die lukrativen Krankheiten kümmern, die Patienten möglicherweise zu früh entlassen, und die Behandlung leidet. Spezialeinrichtungen und Uni-Kliniken fühlen sich zudem teilweise benachteiligt. Sie haben oft kränkere Patienten und bieten Hochleistungsmedizin, doch beides ist teuer, was die Fallpauschalen nicht ausreichend berücksichtigen. Den Plan für die Pauschalen hatte Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) im Jahr 2000 beschlossen, doch erst 2005 wurden die Pauschalen verbindlich eingeführt, und es dauert noch bis Dezember 2009, bis sie endgültig wirken. Bund und Länder haben dazu viele Ausnahmen festgelegt, die besonders Unikliniken nützen. Quelle: Süddeutsche Zeitung 05. August 2005
  • "Teure Patienten werden zum Risiko" - In der Gesundheitspolitik wird ständig über Kostendämpfung, Budgets und Fallpauschalen gestritten. Wir sind auf einem Weg, an dessen Ende Geld tendenziell nicht mehr Mittel zum Zweck der Versorgung ist, sondern die Krankenversorgung Mittel zum Zweck der Einnahmeerzielung wird. Es existiert heute weitgehend eine mehr oder weniger strikte Leistungssteuerung durch das Krankenhausmanagement. Dahinter verbergen sich Vorgaben an die Ärzte, die sich orientieren an den Budgetvereinbarungen mit den Kassen. In der Chirurgie geht es dann zum Beispiel vor allem um die Zahl der vereinbarten Operationen. Am Jahresende muß eine Punktlandung geglückt sein, es darf also nicht zuviel und nicht zuwenig operiert werden. Kranke sind in der Regel hilfs- und schutzbedürftig. Sie nehmen kein Gut namens Gesundheit mit nach Hause, das sie eventuell wieder umtauschen könnten. Daher sind in den westlichen Gesellschaften der Verfolgung wirtschaftlicher Interessen gegenüber den Kranken moralische Grenzen gesetzt, die in der Regel auch vom ärztlichen und pflegerischen Personal als Berufsethik verinnerlicht worden sind. Durch die umfassende Einführung patientenbezogener Fallpauschalen wird sich der Ökonomisierungsdruck in den Kliniken weiter verschärfen. Solange Qualität nicht sichtbar ist, bleibt das billigste Krankenhaus aus Sicht der Krankenkassen das Beste. (nach einem Artikel in der FAZ August 2002)
Ulrich Weigeldt: Generell geht doch kein Mensch zum Hausarzt, weil er von ihm bestimmte Handgriffe ausgeführt haben will, sondern weil er ein Gesundheitsproblem gelöst haben will. Der eine Arzt setzt dabei mehr auf Technik, der andere auf Gespräche – Hauptsache, das Problem wird gelöst. Lösungsvielfalt kann man am besten über Pauschalen abbilden. In Baden-Württemberg haben wir mit der AOK ja vorgelegt, wie das gehen kann.

Öffentliche Debatte/Talkshow-Thema

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  • In der Sendung Maybrit Illner am 24.1.2013 unter dem Thema "Ärztepfusch" wird gefragt, ob dieses System seit Einführung zu mehr operativen Eingriffen an den Krankenhäusern in Deutschland geführt hat.

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