Frank Ulrich Montgomery
Aus ArztWiki
Frank Ulrich Montgomery (* 31. Mai 1952 in Hamburg) ist ein Radiologe und war von 1989 bis 2007 der Erste Vorsitzende des Bundesvorstandes der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und Vizepräsident der Bundesärztekammer bis 2011. Er ist Präsident der Ärztekammer Hamburg und wurde beim Deutschen Ärztetag 2011 in Kiel im zweiten Wahlgang mit 128 Stimmen zum Nachfolger von Prof. Jörg-Dietrich Hoppe als Präsident der BÄK gewählt.
Inhaltsverzeichnis |
Vita
Sein Vater war ein englischer Offizier, der in der Folge des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland gekommen war, seine Mutter eine deutsche Ärztin.
Nach dem Medizinstudium in Hamburg und Sydney erhielt er 1979 seine Approbation und wurde 1986 Facharzt für Radiologie. Seit 1983 ist er zudem Vorsitzender des Landesverbandes des Marburger Bundes in Hamburg. Außerdem war er Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer von 1987 bis 2002 sowie von 1994 bis 2002 Präsident der Ärztekammer Hamburg. Seit 1989 ist er Vorsitzender des Marburger Bundes. Montgomery arbeitet als Oberarzt der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und ist mit einer Ärztin verheiratet.
Im Jahr 2006 erneut Wahl zum Präsidenten der Ärztekammer Hamburg. Im Jahr 2007 Wahl zum Vizepräsidenten der Bundesärztekammer. Der Radiologe erhielt im dritten Wahlgang 121 Stimmen. Im November 2007 trat Montgomery bei der Wahl zum MB-Bundesvorsitzenden nicht mehr an. Nachfolger wurde Rudolf Henke, der langjährige Zweite Vorsitzende des MB.
Weblinks
Interviews
- In der Politik kann die Ärzteschaft nur geschlossen etwas erreichen. Glauben Sie, nach den heftigen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre beispielsweise zwischen Hausärzten und Fachärzten die Geschlossenheit wiederherstellen zu können?
- Montgomery: Das ist mein Ziel, auch wenn das sicher nicht leicht wird. Aufgabe der Bundesärztekammer ist es, mit allen ärztlichen Gruppierungen zu sprechen und dafür zu sorgen, dass auch diese miteinander sprechen – auch KVen, Hausärzteverband und Freie Ärzteschaft. Nur so können wir nach außen geeint auftreten. Im Übrigen hat das Schlechtreden des Arztberufs in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Es ist legitim, auf weiter bestehende Probleme hinzuweisen, aber ich erlaube mir den Hinweis, dass die KBV die Zuwächse für die Vertragsärzte erst erreicht hat, nachdem es den Klinikärzten zuvor gelungen war, mit den Streiks des Marburger Bunds eine bis zu 20-prozentige Einkommenssteigerung zu erreichen. Ich möchte deshalb alle Möglichkeiten der konstruktiven Zusammenarbeit mit der KBV nutzen.
Zitate
- Robin Hood des Gesundheitssystems - Für Frank Ulrich Montgomery ist die Zeit gekommen. Nach 18 Jahren "Marburger Bund" und den Erfolgen der Vergangenheit - vor allem dem 2006 mit Streiks erstrittenen eigenen Tarifvertrag für Klinikärzte hat er den Chefposten der Ärztegewerkschaft zur Vefügung gestellt. Im Vorfeld sagte er, er wolle die Führung "an eine andere Generation abgeben". Zu Montgomerys größten Leistungen wird sein Einsatz gegen die Ausbeutung von Klinikärzten gezählt. Die "Financial Times" adelt ihn einmal als "Robin Hood des Gesundheitssystems", weil er sein Ziel seit Jahren vehement verfolgt: bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn für Klinik-Ärzte. 2003 zog er sogar vor den Europäischen Gerichtshof. (Tagesschau.de, November 2007)
- Abgang eines Kämpfers - 18 Jahre lang war Frank Ulrich Montgomery Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Unter seiner Leitung gab es erstmals Streiks in deutschen Kliniken, die Ärzte erstritten einen eigenen Tarifvertrag. Bei der Vorstandswahl Anfang November will Montgomery nun nicht mehr antreten. Unter Montgomerys Leitung konnte der Marburger Bund die Zahl seiner Mitglieder auf rund 110.000 verdoppeln - sehr zum Ärger der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die sich bisher für alle Angestellten von Krankenhäusern zuständig fühlte. Er gilt als glänzender und humorvoller Rhetoriker und wird zu den kritischen Standesvertretern gezählt. (Manager Magazin, Oktober 2007)
- Der Fernseh-Doktor - Wenn die deutsche Ärzteschaft ein Gesicht hat, dann ist es das von Frank Ulrich Montgomery, 54, verheiratet, zwei Kinder, Oberarzt für Radiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Seit Monaten flimmert es über die Fernsehschirme, wenn wie gerade erst in Frankfurt am Main Tausende Ärzte in ihren Kitteln durch die Innenstädte ziehen. Oder anderswo aus Protest baden gehen , um darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Bezahlung und ihre Arbeitszeiten schlecht seien. (Der Tagesspiegel, August 2006)
- Arzt, durch und durch - Am liebsten sieht sich Frank Ulrich Montgomery als Robin Hood des Gesundheitssystems, als der strahlende Verfechter des Guten und Verteidiger der Unterdrückten. In diesen Tagen ist der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund wieder auf Raubzug bei den Reichen, um den Armen zu geben. (Financial Times Deutschland, November 2005)
- Nachtschicht der Dickköpfe - Das Spitzengespräch in Dresden scheiterte auch an den Verhandlungsführern - Es seien "groteske und absurde Verhandlungen" gewesen. "Man hat versucht, uns über den Tisch zu ziehen." "Wir haben uns immer wieder dieselben Zahlen um die Ohren gehauen", sagte Montgomery. Um halb zwei Uhr am Freitagmorgen hatten beide Seiten keine Lust mehr: "Auf die Sturheit von Herrn Möllring muß man mit einer gewaltigen Streikwelle reagieren", sagte der Sprecher des Marburger Bundes. "Man kann keine abwegige Gehaltsstruktur erzwingen", konterte der niedersächsische Finanzminister. Daß die Gespräche in Dresden dennoch scheiterten, liegt auch an TdL-Chef Möllring. Mit seiner inzwischen legendären Dickköpfigkeit brachte er schon Ver.di-Chef Frank Bsirske zur Verzweiflung. Am Freitag stöhnte auch Montgomery: "Es bringt uns nicht weiter, wenn man 27 Mal hintereinander denselben Satz sagt." Möllrings Kollege Metz, der in Dresden Gastgeber war, fand dagegen: "Herr Möllring hat es hervorragend gemacht." Brandenburgs Finanzminister Speer: "Ich kann den Mitgliedern der TdL nur raten, jetzt nicht den Kopf zu verlieren." Einen Arbeitskampf "muß man auch aushalten." (Die WELT, Mai 2006)
- Krankenhausärzte streben eigenen Tarifvertrag an 30 Prozent mehr Gehalt gefordert - Marburger Bund und Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gehen künftig getrennte Wege - Der Marburger Bund, der 80 000 Klinikärzte vertritt, will für die Klinikärzte erstmals eine eigene Entgeltordnung jenseits des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst aushandeln. "Die Belange eines Krankenhausarztes und die eines Friedhofgärtners sind nicht länger gemeinsam verhandelbar", sagte Montgomery. (Die WELT, September 2005)
- Nachlassende Zuversicht, zunehmender Ärger - Der Marburger Bund beklagt gebrochene Wahlversprechen und dringt auf eine Verringerung der Arbeitszeit im Krankenhaus - SPD-Mitglied Montgomery ist nicht zuletzt auch deswegen sauer, weil er sich mit einer Initiative "Wir im Gesundheitswesen" öffentlich für eine Wiederwahl Schröders stark gemacht hatte. Nun betont der in der Ärzteschaft deshalb unter Druck geratene Mediziner, eine Unterstützung für die rot-grüne Gesundheitspolitik sei dies nie gewesen. Und er heftet sich zumindest intern den Erfolg an die Brust, in langen Gesprächen mit der Ministerin "aus dem Nullrundenkäse einen Schweizer Käse mit vielen Löchern" gemacht zu haben. (Frankfurter Rundschau November 2002)
- In seiner steilen Karriere musste er auch Misserfolge wegstecken. So 1999, als er die Wahl zum Präsidenten der Bundesärztekammer gegen Jörg-Dietrich Hoppe verlor. Oder 2002, als er nach acht Jahren als Präsident der Hamburger Ärztekammer abgewählt wurde. Denn die Hamburger hatten dem langjährigen SPD-Mitglied einen Wahlaufruf für Gerhard Schröder übel genommen.
- MONTGOMERY: Beim Privatpatienten bekommt der Arzt seine ganze Arbeit bezahlt. Eines der zentralen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung ist, dass man Ärzte nicht nach der individuell erbrachten Leistung bezahlt. Das kann sich lohnen, wenn ein Patient nur einmal pro Quartal erscheint. Je häufiger er aber kommt, desto weniger rechnet sich seine Behandlung. ABENDBLATT: Das betrifft insbesondere Ärzte, die kaum Privatpatienten haben. Wie geht es Ihren niedergelassenen Kollegen in Steilshoop, Wilhelmsburg oder Billstedt? MONTGOMERY: Die fühlen sich wie Sklaven, und ihr Sklavenhalter ist die Kassenärztliche Vereinigung. Ich tue mich aber schwer, der KV einen Vorwurf zu machen, weil sie nur ihre Aufgabe ausführt. Sie setzt um, was die Politik ihr vorgibt. Was wir brauchen, ist eine echte Gesundheitsreform, kein Herumdoktern an Details. (nach Interview im Hamburger Abendblatt 30. April 2007 )
- Philipp Rösler will in der GKV auch die Kostenerstattung stärken. Begrüßen Sie dieses Ziel?
- Ich sehe die Sache so: Die Kostenerstattung muss sozialverträglich abgesichert werden, damit sie keinen Patienten überfordert. Auch muss der Patient das Wahlrecht zwischen Kostenerstattung oder Sachleistungssystem haben. Dann kann ich mit der Kostenerstattung gut leben. Wenn die Ärzte und Patienten das wollen, soll man ihnen das auch ermöglichen. Wenn ein Patient sagt: Ich kann oder will mir das nicht leisten – dann muss er die Möglichkeit haben, im Sachleistungssystem zu bleiben.
- (aend) Es gibt auch Verbände, die in diesem Punkt ein Wahlrecht für Ärzte fordern.
- Das haben sie ja im Grunde bereits: Sie brauchen nur auf die gesetzliche Krankenversicherung zu verzichten und als Privatarzt tätig zu sein – dann haben sie ein reines Kostenerstattungssystem. Sie müssen nur die Kassenzulassung zurückgeben – mit den entsprechenden Folgen. Nein: Ich halte es für klüger, die Patienten wählen zu lassen. Der Arzt kann dann damit umgehen. (Mo, 25.10.2010 17:01 / js)
- Für die unzufriedenen niedergelassenen Ärzte hält BÄK-Präsident Montgomery einen Tipp bereit: „Wenn Sie mit Ihrer Tätigkeit innerhalb des KV-Systems hadern, dann müssen Sie sich auf den Weg in die KV-Gremien machen, ohne auf dem Weg dorthin all diejenigen zu verprellen, die nicht hundertprozentig Ihrer Meinung sind.“ Und wenn es gar zu schlimm und unerträglich werde, dann müsse man über die Auflösung des Vertragsverhältnisses nachdenken. „Ich halte dies für nachvollziehbar.“
- Ärzte sollten sich in die Debatte um die zukünftige Finanzierung des Gesundheitssystems einmischen. Diese Ansicht vertrat Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), während einer Podiumsdiskussion zum Thema „Perspektiven der Gesundheitspolitik“ am 22.11.2011 in Berlin.
- BÄK-Präsident Montgomery zeigte Verständnis für die Kritik: „Wenn Sie es von außen betrachten, dann wirkt das vertragsärztliche Abrechnungssystem wie ein in sich geschlossenes Wahnsystem. “ Die Lösung sei allerdings nicht auf revolutionärem Wege sofort zu bekommen, sondern vernünftigerweise nur schrittweise umzusetzen. Die Freie Ärzteschaft, inzwischen auch mit sieben Mitgliedern in der Vertreterversammlung der KV Nordrhein vertreten, steht laut Montgomery vor der Alternative, ob sie ihren „Marsch durch die Institutionen“ fortsetzen und konstruktive Änderungen innerhalb des KV-Systems umsetzen will - oder ob letztlich der Ausstieg aus dem System der vertragsärztlichen Versorgung das berufspolitische Ziel ist: „Sie sollten sich die Frage stellen, ob Sie überhaupt noch in diesem System tätig sein wollen. Sie sind Teilnehmer an einem Vertragssystem. Wenn es für Sie so unerträglich ist, dann sollten Sie prüfen, ob Sie diesen Vertrag nicht von sich aus kündigen.“
- Montgomery ... zum gerade in Kraft getretenen Versorgungsstrukturgesetz. Es sei ein sehr umfangreiches Gesetz, das Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung mitentworfen hätten, betonte er. Bei der Umsetzung müssten die Kammern beteiligt werden, forderte er. Dies gelte besonders für die neuen Landesgremien, die eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der neuen Bedarfsplanung spielen werden. Die Landesärztekammern einzubeziehen hält der BÄK-Präsident auch deshalb für eminent wichtig, weil für die Lösung von Versorgungsproblemen Fragen der Weiterbildung und der späteren Berufsausübung eine wichtige Rolle spielten "und dazu braucht man die Kammern".
Kandidatur 2011 zum BÄK-Präsident
- Wenn Sie sich die Arbeitsbedingungen der Kollegen in den Kliniken anschauen – wo gibt es Optimierungsbedarf?
- (Frage und Antwort bei facharzt.de "Die Kandidaten auf dem Prüfstand"
- - Nach wie vor bei der Arbeitszeit – zu viel!
- - Nach wie vor bei den Bereitschaftsdiensten – zu schlecht bezahlt!
- - Nach wie vor beim Gehalt – immer noch zuwenig!
- Halten Sie das derzeitige Honorarsystem der niedergelassenen Ärzte für brauchbar?
- Nein, hier ist dringend eine Reform nötig – und die Politik verspricht das auch. Aber die Eckpunkte zum Versorgungsgesetz enthalten einen unauflösbaren Widerspruch. Dort werden zugleich „Regionalisierung“ und „Konvergenz“ gefordert – alles mit dem Ziel weitestgehender „Vertragsautonomie“. Das ist die Quadratur des Kreises!
- Dem nichtöffentlich verbreiteten Argument mancher Kritiker, er sei mehr Ärzte-Politiker als Arzt, wollte Montgomery (59) gleich zu Beginn seiner Bewerbungsrede den Boden entziehen. Die Erdung durch die Arbeit als Oberarzt der Radiologie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sei ihm wichtig, betonte er. Hier verbringe er 25 Prozent seiner Zeit. Die Probleme der Niedergelassenen kenne er nicht zuletzt durch seine Frau, die seit 15 Jahren als Allgemeinmedizinerin in eigener Praxis in Hamburg tätig sei. Montgomery erinnerte an die Erfolge des Marburger Bund unter seiner Führung, als es gelungen sei, „den Trend zu immer mehr Arbeit und immer weniger Einkommen umzudrehen und den Kolleginnen und Kollegen wieder den aufrechten Gang zu vermitteln“. Montgomery schrieb sich „viel mehr Einmischung der Bundesärztekammer in die Gesundheits- und Sozialpolitik“ auf die Fahne und nannte drei entscheidende Themen: die GOÄ, die er zur Chefsache machen werde, damit sie noch in dieser Wahlperiode umgesetzt werden könne, das Versorgungsstrukturgesetz, das in weiten Teilen, aber eben nicht in allen mit der Ärzteschaft konsentiert sei, und das geplante Gesetz zu den Patientenrechten. Über allem aber stehe das Ziel, die Arbeits- und Einkommensbedingungen in Kliniken und Praxen so zu verbessern, dass es wieder Spaß mache, den Arztberuf auszuüben. „Wie gelingt uns das? Dazu brauchen wir Stärke, Kraft und Darstellungsfähigkeit und die Fähigkeit, die Ärzteschaft hinter dem Vorstand der BÄK zusammenzuführen.“
Der Text auf dieser Seite basiert teilweise auf dem Artikel Frank Ulrich Montgomery aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die Inhalte stehen unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist beim Originalartikel abrufbar.
