Gesundheitskarte

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Geschäftsbericht 2005 der KBV, zur Gesundheitskarte
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Geschäftsbericht 2005 der KBV, zur Gesundheitskarte

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK, elektronische Patientenkarte, Synonym auch eCard) wird benutzt als

Sie ist Teil der Telematikinfrastruktur für das deutsche Gesundheitswesen, das zur Zeit aufgebaut wird. Mit der eGK und dem Heilberufeausweis (HBA, Health Professional Card, HPC) soll der elektronische Informationsaustausch ermöglicht werden. Dazu wird ein zentrales Datenbanksystem aufgebaut, das über gesichterte Internetverbindungen ständig mit der EDV von Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken kommuniziert.
Sie wurde im SGB V anläßlich des GMG (Gesundheitsmodernisierungsgesetz) Ende 2003 verankert. Der Paragraph 291 a beschreibt darin die Einzelheiten:
§ 291a Elektronische Gesundheitskarte:
(1) Die Krankenversichertenkarte nach § 291 Abs. 1 wird bis spätestens zum 1. Januar 2006 zur Verbesserung von Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz der Behandlung für die in den Absätzen 2 und 3 genannten Zwecke zu einer elektronischen Gesundheitskarte erweitert.


  • Im Koalitionsvertrag vom 16.10.2002 steht auf S.55:
Patientensouveränität stärken – Transparenz erhöhen
Patientenschutz und Patientenrechte werden ausgebaut. Patientinnen und Patienten haben einen legitimen Anspruch auf unabhängige Beratung, objektive Information und auf Anhörung auch bei Fragen der Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Wir werden ihre Rechte durch eine Patientencharta und die Einsetzung eines Beauftragten stärken. Zur Erhöhung der Transparenz und der Sicherung von Wirtschaftlichkeit und Effizienz im System führen wir auf freiwilliger Basis eine Gesundheitskarte ein. Sie soll vor unnötigen Doppeluntersuchungen schützen, unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen schneller erkennen lassen und die Datensicherheit stärken. Sie enthält die Notfalldaten und informiert über erforderliche Vorsorgeuntersuchungen. Patientinnen und Patienten haben Anspruch auf vollständige Informationen. Deshalb werden wir eine Patientenquittung einführen, mit der die Behandlungen nachvollzogen werden können.

Technische Einzelheiten

Sie enthält einen Mikroprozessor mit eigenem Betriebssystem und einen kleinen nichtflüchtigen Arbeitsspeicher (32 oder 64 kByte).
Das Betriebsystem der Karte liefert Unterstützung bei folgenden Funktionen:
  • Authentifikation (Überprüfung der Identität einer Person gegenüber einem EDV-System)
  • Signatur (elektronische Unterschrift)
  • Ver-/Entschlüsselung (von Dokumenten)
  • Schutz der gespeicherten Daten
An Daten wird auf der Karte gespeichert:
  • Versicherungsdaten (1.175 Byte)
  • Einwilligungen (36 Byte)
  • Notfalldaten (2.500 Byte)
  • Rezeptdaten (12.228 Byte)
Alles, was über diese 15.939 Byte (= ca. 16 kByte) hinausgeht, wird durch Signatur-Zertifikate oder Daten-Tickets (Vektoren auf Daten im Zentralrechner) sowie Betriebssystemspeicher belegt.
Notfalldatensatz im Ernstfall
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Notfalldatensatz im Ernstfall
  • Der Notfalldatensatz wird ein Notfalldatensatz bleiben. Es gibt freie Felder, die dabei für Zusatzinformationen genutzt werden können. Nach meiner Auffassung (Franz-Joseph Bartmann) kommt es auf die Definition des Notfalls an. In meinem Erfahrungsumfeld im Krankenhaus gilt, jeder Patient, der ohne klare Diagnose kommt, ist zunächst einmal ein Notfallpatient, bis die Diagnose feststeht. Wenn man diese weite Auslegung des Notfallbegriffs zugrunde legt, ist es kein Problem, die Notfalldaten auch zu einer schnellen Basisinformation zu nutzen, zumal der Patient mit am Tisch sitzt und seine Daten freigeben kann.
1. die Speicherung medizinischer Daten, die eine Notfallversorgung des Karteninhabers unterstützen sollen (so genannter Notfalldatensatz (BÄK 2011a),
2. der elektronische Arztbrief,
3. die Arzneimitteldokumentation sowie medikationsrelevante Daten zur Prüfung der Arzneimitteltherapiesicherheit,
4. die elektronische Patientenakte, mit umfassenden Daten zu durchgeführten Therapiemaßnahmen, Laborbefunden oder auch Impfungen,
5. durch Versicherte selbst zur Verfügung gestellte Daten (z. B. Ablageort der Patientenverfügung bzw. Betreuungsvollmacht, Erklärung für oder wider Organspende),
6. Daten über in Anspruch genommene Leistungen und deren vorläufige Kosten für die Versicherten (Patientenquittung).
Die meisten der unter 1-6 genannten Informationen werden nicht direkt auf der eGK selbst gespeichert, sondern die eGK dient der Erfassung von Zugangsdaten- und -schlüsseln, Speicherorten und Sicherheitsinformationen.

Kritik

DEMO Berlin 11.10.2008
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DEMO Berlin 11.10.2008
Aktion vor dem Kongresszentrum BERLIN 2007
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Aktion vor dem Kongresszentrum BERLIN 2007
Vortrag KÖLN 19.9.2009 - O.Decker, Leipzig
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Vortrag KÖLN 19.9.2009 - O.Decker, Leipzig

Sachliche Aspekte der Gesundheitskarte

  • In der Öffentlichkeit wird in der Regel der Eindruck erweckt, alle telematischen Anwendungen hätten Platz auf der Karte und könnten so ständig im Portemonaie mit sich getragen werden. Tatsächlich müssen aber alle anderen Anwendungen außer Notfallstichworten und Rezeptdaten zentral gespeichert werden (Arztbriefe, Untersuchungsbefunde, ePatientenakte). Auf der eGK wird lediglich ein Verweis auf den zentralen Speicherort (Vektor, Ticket) hinterlegt.
  • Selbst zu Notfalldaten und Rezept wird es zentral gespeicherte Duplikate geben.
  • Die Krankenkassen befürchten erheblichen Aufwand beim Erstellen und Aufbringen von Versichertenphotos auf der eGK. Andererseits ermöglicht das Photo einen besseren Schutz gegenüber Mißbrauch.
  • Der Umgang mit PIN-Nummern ist besonders problematisch ausgerechnet für die Menschen, für die die Karte gedacht ist - für die Kranken: körperlich Behinderte und Immobile, geistig Behinderte und betreute Personen (wer hat die PIN eingegeben? Einwilligungen!) und nicht zuletzt Bewusstlose und Menschen in akuter Lebensgefahr (was nützen Notfalldaten, die im Notfall nicht abrufbar sind?).

Lösungen der Klinik-Konzerne

Ärzte mit Gegenpositionen

  • Aufklärende Aktionen zum Thema "Elektronische Gesundheitskarte" zu besonderen Anlässen unternimmt der Verein "Freie Ärzteschaft" in medienwirksamen Darstellung z.B. 2007 auf dem 10. Hauptstadtkongress in BERLIN
Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird durch die Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Rechnern beschädigt oder sogar zerstört.
Die Patienten können mit Hilfe des elektronischen Rezeptes in Risikoklassen eingeteilt werden, die ihnen womöglich ein Leben lang anhaften und sie beim Abschluss von Versicherungsverträgen benachteiligen können.
Der Zugriff auf die Daten und deren Missbrauch durch Dritte ist nicht sicher zu verhindern.
Es gibt keinen belegbaren medizinischen Nutzen der E-Karte.
Die Handhabung der Abläufe in den Praxen wird erheblich behindert.
Die Kosten der milliardenschweren Entwicklung der Gesundheitskarte werden auf Patienten und Ärzte abgewälzt. (21.11.2008)
  • Das Projekt wird 7.000.000.000 kosten- ohne die laufenden Kosten. Dieses Geld wird den Bürgern aus der Tasche gezogen. Dafür können sie dann das selbst bezahlen, was sie eigentlich brauchen: Ärzte... video zur "Sicherheit"
  • Alles auf eine Karte setzen: Elektronisches Regieren und die Gesundheitskarte - Oliver Decker, Abteilung für Med. Psychologie und Med. Soziologie der Universität Leipzig


Seitens der Krankenkassen

  • Den Krankenkassen, die seit 2008 rund 728 Millionen Euro an Beitragsgeldern der Versicherten und der Arbeitgeber in das Projekt Gesundheitskarte investiert haben, ist nun der Geduldsfaden gerissen. Für die Krankenkassen sei die Gesundheitskarte "aufgrund der erheblichen finanziellen Investitionen ohne erkennbaren Mehrnutzen im Vergleich zu der bisherigen Krankenversicherungskarte nicht mehr zu rechtfertigen", heißt es in einer Beschlussvorlage des Verwaltungsrats für eine Sitzung am 27. Juni 2013.

Zitate

Grundsätzliches zur Gesundheitskarte

Postmuseum BERLIN "Briefgeheimnis"
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Postmuseum BERLIN "Briefgeheimnis"
  • Anstoß zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte war: Die Arzneiversorgung der Patienten sollte sicherer werden. Als vor gut fünf Jahren Probleme mit Wechselwirkungen beim Lipidsenker Cerivastatin auftraten, ergriff Ulla Schmidt die Initiative und forderte eine neue Chipkarte, die auch als eine Art Arzneimittelpass funktionieren könnte. (n. Ärztezeitung 9.3.2007)
Home of german "Gesetzgeber" - BERLIN, Germany
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Home of german "Gesetzgeber" - BERLIN, Germany
  • Gesundheitskarte unter Beobachtung - Industrie ist sich bewusst, dass nicht weiteres elektronisches Großprojekt scheitern darf / Einführungstermin 2006 gilt als realistisch - Nach dem Desaster mit dem Mautsystem Toll Collect machen sich Bundesregierung und Industrie Sorgen um ein weiteres elektronisches Großprojekt - die neue Chipkarte für das Gesundheitswesen. Wenn alle Beteiligten mitwirken, hält die Giesecke & Devrient GmbH ihre Einführung Anfang 2006 für realisierbar. Bei der Eröffnung der Cebit am Mittwoch hat Bundeskanzler Schröder klar gemacht, dass das im Gesundheitswesen geplante elektronische Informations- und Verwaltungssystem von der ersten Sekunde an funktionieren muss. Die Botschaft an die Industrie ist eindeutig: Eine zweite Blamage dieser Art kann sich Deutschland nicht leisten, sie würde von der Bundesregierung auch nicht toleriert. Das Projekt zur Modernisierung des Gesundheitswesens umfasst die Ausgabe von mehr als 80 Millionen Gesundheitskarten an die Bürger sowie 1,5 bis zwei Millionen Ausweise an Ärzte, Apotheker und andere in Heilberufen tätige Berufsgruppen. Dazu muss auch eine entsprechende Informationstechnik-Infrastruktur geschaffen werden. Gesundheitskarte und Heilberufsausweis werden intelligente Chipkarten sein, die eine Vielzahl von Daten speichern können. Dadurch soll der Informationsaustausch zwischen den drei beteiligten Interessengruppen, den Krankenversicherungen (gesetzlich und privat), den Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken sowie den Patienten, beschleunigt und vereinfacht werden. "Auf längere Sicht wird damit auch die Einführung einer elektronischen Patientenakte kommen", sagte Peter Eisenbacher, Mitglied der G&D-Geschäftsführung, in Hannover voraus. Durch das geplante elektronische System lassen sich nach den Worten Eisenbachers zehn bis zwanzig Prozent der Kosten des Gesundheitssystems sparen, jährlich als 13 bis 26 Milliarden Euro. (Süddeutsche Zeitung im März 2004)
  • Offizielle Mitteilung des BMG [1] Gesundheit gehört zu den Infrastruktur- und Dienstleistungsbereichen, die durch den Einsatz von IT effizienter geregelt werden. Telematik im Gesundheitswesen ermöglicht nicht nur eine bessere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger, sondern eröffnet zeitgleich ein großes Rationalisierungspotenzial - zwischen 20 und 40 Prozent der Leistungen im Gesundheitswesen sind Datenerfassungs- und Kommunikationsleistungen. Ziel ist es, den Leistungsstand des deutschen Gesundheitswesens auch im internationalen Vergleich durch die forcierte Implementierung von Informations- und Kommunikationstechnologien und Qualitätsmanagement nachhaltig zu verbessern. Ein wichtiges Instrument ist die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Sie wird der elektronische Schlüssel zur einrichtungsübergreifenden Kooperation aller Beteiligten im Gesundheitswesen sein und eine wichtige Funktion beim Aufbau einer Telematikinfrastruktur haben.
DEMO Berlin 11.10.2008
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DEMO Berlin 11.10.2008
  • Franz-Joseph Bartmann räumte ein, dass ein externer Datenspeicher unumgänglich sei, weil der Speicherplatz auf der eGK zu klein sei. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, um Missbrauch zu verhindern. Man könnte zum Beispiel, wie in Skandinavien, die Daten dort speichern und öffnen, wo sie erhoben werden, also in der Praxis des Arztes. Man könnte sich auch auf einen rudimentären Datensatz beschränken oder dafür sorgen, dass die Daten auf dem Server nicht von Unbefugten lesbar sind. Der Gesetzgeber habe im Grunde relativ wenig Einzelheiten geregelt und dies weitgehend der Selbstverwaltung übertragen. Diskussion auf dem Ärztetag und Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg 20./21. Juli 2007 in Stuttgart

Wirtschaftlich-ökonomische Überlegungen

MEDICA 2007 Düsseldorf
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MEDICA 2007 Düsseldorf
  • Geschäfte mit Patientendaten - Medizinmesse Medica diskutiert über Gesundheitskarte - Zeitplan einzuhalten? Risiko des Scheiterns nicht zu unterschätzen. Eine "integrierte Versorgung" soll ermöglicht, d.h. Diagnosen "beschleunigt" und "Doppeluntersuchungen" vermieden werden. Angeblich werden Daten nur mit Zustimmung des Patienten registriert. Für Unternehmen öffnet sich mit dem Eintritt in das neue elektronische Zeitalter, wie die Umstellung pathetisch genannt wird, ein lukrativer Markt. Die Rede ist von der größten EDV-Umstellung in Deutschland überhaupt. Offen werden Ziele meist nicht genannt. Der Streit darüber, wer die grobe Richtung weisen darf, geht einher mit der Frage, wo genau die Patientendaten gespeichert werden und wer darauf zurückgreifen darf. Ein scheinbar banaler Konflikt, hinter dem sich aber in Wahrheit der Kampf um Einflusssphären und Einnahmequellen verbirgt. Ein Geschacher findet um die elektronische Signatur statt, die dafür sorgen soll, dass die Verwendung der gespeicherten Daten geschützt wird. Da winkt ein lukratives Geschäft, Signaturen werden noch wenig genutzt und sind relativ teuer. (Quelle: Süddeutsche Zeitung 23. November 2004)
Plakat bei DEMO Berlin 22.09.07
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Plakat bei DEMO Berlin 22.09.07
  • Alles auf eine Karte - Es geht um ein Wunderding: Ärzten soll es Arbeit abnehmen, Patienten den Gang zur Praxis und zur Apotheke erleichtern und nebenbei zeigen, dass deutsche Firmen noch Spitzenprodukte herstellen können. Von 2006 soll es die heutige Versichertenkarte ersetzen: ein rechteckiges Stück Plastik, mit einem Chip ausgestattet. Dann würden auf der Karte Röntgenbilder oder Diagnosen gespeichert, wodurch Doppeluntersuchungen oder Arzneiunverträglichkeiten vermieden werden könnten. Missbrauch soll nicht möglich sein. Der Patient soll selbst entscheiden, wer auf die Daten zugreifen darf; Ärzte und andere Medizinberufe erhalten dazu einen speziellen Ausweis, um die Daten abrufen zu können. Noch ist offen, ob die Karte flächendeckend 2006 eingesetzt wird, zu viele Details sind unklar. Die Kassenärzte wiederum setzen auf die Datenbank. Beraten die Apotheker die Patienten zu intensiv, gehen diese seltener in die Praxis, und das schmälert das Ärzteeinkommen. Die EDV-Firmen bangen um ihre künftigen Umsätze. Dann ist da auch noch Ulla Schmidt. Sie droht damit, die Kartenarchitektur selbst zu regeln, was klar ist: Schließlich würde ein Flop bei der Karte der Ministerin angelastet und sie zum weiblichen Manfred Stolpe machen. Einige Experten halten das Chaospotenzial der Gesundheitskarte für ähnlich hoch wie bei der Lkw-Maut. (Süddeutsche Zeitung 22. September 2004)
  • "Die zehn Gebote umfassen 110 Worte, aber die Gesetzesvorlage zur Einführung der E-Card benötigt über 2700 Wörter", sagte Frank Ulrich Montgomery auf der 111. Hauptversammlung seines Verbandes (Marburger Bund) in Münster. Niemand könne bislang die Fragen beantworten "Wem nützt die E-Card? Was kostet sie, und wie sicher ist sie?", so der MB-Chef. (Ärzte Zeitung, 15.05.2007)

Datenschutz/schützer

Ärzteprotest in BERLIN 22.9.2007
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Ärzteprotest in BERLIN 22.9.2007
  • Aus Gesprächen mit Ärzten ist der Datenschützer jedoch zur Überzeugung gelangt, dass sich die Ärzte im Zweifelsfall ohnehin nicht auf gespeicherte medizinische Informationen, die sie nicht selbst unter definierten, kontrollierten Bedingungen erhoben haben, verlassen, sondern diese aus haftungsrechtlichen Gründen neu prüfen würden. Vor diesem Hintergrund beurteilt er die Möglichkeit von Einsparungen durch Vermeidung von Doppeluntersuchungen eher skeptisch. (Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, zum Einsatz von Telematik im Gesundheitswesen und möglichen Datenschutzrisiken) 28.01.2005
  • 11.11.2005 - Koalitionsvertrag: Das Datenschutzrecht bedarf vor dem Hintergrund der technischen Entwicklungen der Überprüfung und an verschiedenen Stellen der Überarbeitung und Fortentwicklung. Bei dieser Aufgabe werden wir auch prüfen, ob im Hinblick auf den Abbau überflüssiger Bürokratie Änderungen vorgenommen werden können.
  • Die Daten der Kassenpatienten können schon seit Jahren auch an die Krankenkassen übermittelt werden. Dadurch wissen die Krankenkassen zum einen sehr präzise Bescheid über die stationäre Versorgung und die Diagnosen. Die Kassen können aber auch die ambulanten Verordnungsdaten, inklusive arztbezogenen Daten und Diagnosen, von den KVen bekommen. Eine Gesundheitskarte wird dafür nicht gebraucht. (Zitiert nach (Ärzte Zeitung, 02.10.2007, Für den Zugriff auf Behandlungsdaten brauchen die Kassen die E-Card nicht - Von Philipp Grätzel von Grätz)
  • Datenschutz vs. Wirtschaftlichkeit im Zeitalter der Telemedizin - Sorgen sind berechtigt, findet Bürgerrechtler Joachim Jakobs. Es gibt viele offene Fragen. Welche, das erörtert er hier: Risiken und Nebenwirkungen der eGK
  • Was eGK Kritiker meistens nicht sagen: Seit Jahrzehnten übermitteln Vertragsärzte alle Abrechnungsdaten ihrer Patienten inklusive Diagnosen und Verdachtsdiagnosen an zentrale Stellen (KVen), in letzter Zeit fast ausschließlich in maschinenlesbarer Form, und regelmäßig wird das den Patienten verschwiegen (diese denken meist, der Arzt rechne direkt mit ihrer Kasse ab) und sie werden auch nicht um Zustimmung gefragt. Die Daten der Privatpatienten werden in vielen Fällen ebenfalls elektronisch an Privatärztliche Verrechnungsstellen übermittelt, nicht selten ohne Zustimmung der Patienten. Die privaten Krankenkassen wiederum speichern alle Daten und Diagnosen aller Privatpatienten und privat Zusatzversicherter elektronisch. BG-Ärzte melden inzwischen auch alle Daten und Diagnosen überwiegend elektronisch, meist ohne die Verletzten zu fragen, die BGen speichern alle Daten seit Jahren in ihren Computern ab. Eine KV stellt neuerdings ihren Mitgliedern sogar die komplette Honorarabrechnung ins Netz (paßwortgeschützt). Meines Wissens ist keine dieser Anwendungen zugriffsgeschützt durch den elektronischen Heilberufsausweis oder eine eGK mit PIN. Auch liegen die Daten praktisch auf allen Rechnern mit Namen der Patienten und nicht - wie bei der eGK geplant - pseudonymisiert. Staatlicher Mißbrauch oder unumkehrbare Zerstörung eines Vertrauensverhältnisses wurden mir trotzdem nicht bekannt. Nun ist die geplante Speicherung von Daten im Rahmen der eGK natürlich nicht zu vergleichen mit der namentlichen Speicherung von Milliarden von Datensätzen in der GKV, PKV und BGen und sollte weiter kritisch begleitet werden. Der Datenschutz hat nach Aussage von Carl-Heinz Müller, KBV, oberste Priorität, es dürfe dabei keine Abstriche geben. Der Bundesdatenschutzbeauftragte stimmte m. W. allen Testphasen der eGK zu. (Abgewandelt zitiert nach Medical Tribune Deutschland40/2007, S.2, von D. Wettig)
  • DDR-Aufarbeitung - Fünf Prozent der Ärzte spionierten für die Stasi - Der Geheimdienst der DDR benutzte willige Ärzte, um die Bürger auszuforschen. Bedrückend sei, dass die große Mehrheit derjenigen, die zu Bespitzelungen bereit gewesen seien, "ohne langes Zögern“ mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zusammengearbeitet hätten. Die Durchdringung der Gesellschaft über die Ärzte war für das MfS offenkundig vorteilhaft. Keine andere Berufsgruppe habe einen solch intensiven Zugang zum Privatleben von Patienten gehabt, hieß es. (In WELT am 20. November 2007)
  • Andreas Bogk vom Chaos Computer Club sah dagegen den optimalen Sicherheitsstandard noch nicht erreicht. Er bemängelte, dass Bedrohungsanalysen und Angreiferszenarien fehlten. Problematisch sei auch, dass die Krankenkassen bestimmten, wer die kryptografischen Schlüssel auf den Karten generiere. Darüber hinaus gebe es kein Konzept zur Schlüsselwiederherstellung bei Kartenverlust oder Versicherungswechsel. Das derzeitige System sei aber vertretbar, wenn die vorhandenen Probleme gelöst würden. Für das Aktionsbündnis „Stoppt die e-Card“ lehnte die Ärztin Dr. med. Silke Lüder eine zentrale Speicherung von medizinischen Daten auch auf dezentralen Servern ab.
(Öffentliche Anhörung: Kaum neue Erkenntnisse zur Gesundheitskarte - Mai 2009)
  • Datenschutz: Big Brother würde Mitleid haben Sozialpolitiker der großen Parteien und Vertreter der Krankenkassen feierten in Düren den "Startschuss für die flächendeckende Vernetzung von Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Krankenkassen, Kammern und Kassenärztlichen Vereinigungen", wie die NRW-Landesregierung jubelte.

Körperschaften zur Gesundheitskarte

  • "Wenn Hausärzte die Karte nicht akzeptieren, dann ist das Ding tot." KBV-Köhler beim 3. Hessischen Ärztetag in Frankfurt am Main. (Ärzte Zeitung, 08.06.2005)
  • Elektronische Gesundheitskarte: Viel Feind, viel Ehr? - Deutsche Ärzteblatt vom 28.09.2007 - „Die [heutige] Krankenversichertenkarte . . . wird bis spätestens zum 1. Januar 2006 zur Verbesserung von Wirtschaftlichkeit, Qualität und Transparenz der Behandlung . . . zu einer elektronischen Gesundheitskarte erweitert“, heißt es im SGB V, genauer im § 291 a, der mit dem Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz (GMG) in das Buch aufgenommen wurde. Der Termin ist lange verstrichen. Bislang ist die Karte über anfängliche Tests nicht hinausgekommen.
  • Sie sind auch für die elektronische Gesundheitskarte zuständig . . . Müller: Das ist ein Thema, das mich sehr interessiert. Ich sehe ein sehr hohes Potenzial im Einsatz dieser Karte, auch für die Patienten. Das Projekt hat sein Für und Wider – Stichwort gläserner Patient. Aber Doppeluntersuchungen und Doppelmedikationen zu vermeiden, Notfalldaten von Patienten vorliegen zu haben, ist sehr sinnvoll.
  • 9. August 2007 – Dr. Carl-Heinz Müller ist der neue Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik). Das Gremium wählte den Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gestern an seine Spitze.
  • Gesundheitstelematik: Sanfter Ausbau statt „Big Bang“ Mehr als die Hälfte der befragten Niedergelassenen bewerten die Umsetzung der Telematikinfrastruktur und der eGK für die eigene Praxis und Tätigkeit negativ. So glaubt nur ein Drittel der niedergelassenen Ärzte, dass sich die Versorgungsqualität dadurch verbessern wird. Jeweils etwas mehr als 40 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich dadurch Kosten sparen und die Arbeitsabläufe optimieren lassen. Die Studie empfiehlt unter anderem, „die Ärzte stärker zu hören und zu informieren, um das Gesamtprojekt nicht an der sensibelsten Stelle, nämlich dem Arzt-Patienten-Verhältnis, zu gefährden“. 24.12.2007
  • Telematik im Gesundheitswesen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie . . .“ Telematik-Tag der Ärztekammer Nordrhein mit „Risiken und Nebenwirkungen“ von Telematik und dem Projekt der elektronischen Gesundheitskarte (eGK).
  • Elektronische Gesundheitskarte: USB-Stick wird getestet - Freitag, 17. Oktober 2008 Wichtig sei, dass auch die Versichertendaten auf dem USB-Stick nach dem höchsten Sicherheitsstandard kryptografisch geschützt seien. Die Bundesärztekammer empfehle deshalb eine Verschlüsselung mit dem Schlüssel der eGK.
  • "Wir brauchen generell ein Datenschutzrecht, das viel einfacher ist, das besser und klarer strukturiert ist, das auch technologischen Entwicklungen und Risiken noch stärker Rechnung trägt als das Datenschutzrecht, das ja im Wesentlichen aus dem letzten Jahrhundert stammt", sagte Schaar, der erneut die Verankerung des Datenschutzes im Grundgesetz forderte.

Politik - Regierung - Ministerium

Ministerin Ulla Schmidt im Gespräch mit Demonstranten beim Deutschen Ärztetag in Münster 2007
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Ministerin Ulla Schmidt im Gespräch mit Demonstranten beim Deutschen Ärztetag in Münster 2007
  • Ministerium lässt Ärzte und Kassen übers Wochenende nachsitzen - Eigentlich sollten Ärzte, Kassen und Kliniken am Freitag das dringend erwartete Konzept für die Gesundheitskarte vorstellen. Was sie dann zeigten fand das zuständige Ministerium aber so erbärmlich, dass es ein paar Tage Aufschub gewährte - und ab Donnerstag womöglich einfach alles selbst regelt. Schröder betonte in Berlin, es handele es sich um die allerletzte Chance. Die Selbstverwaltungspartner müssten für eine professionelle Projektorganisation sorgen. Bedingung für ein akzeptables Konzept sei zudem, dass im Aufsichtsgremium der Projektgesellschaft neben der Selbstverwaltung auch technisch wissenschaftliche Kompetenz aus der Industrie sowie das Ministerium eingebunden würden. (nach MANAGER-Magazin Oktober 2004)
  • Das Bundesgesundheitsministerium begrüßte die Einigung als Signal für die Akzeptanz der Gesundheitskarte unter den Ärzten und freute sich über die Investitionssicherheit, die für die Ärzte erzielt worden sei. Gleichzeitig sei die Einigung ein Signal für die Terminal-Hersteller, ihre Geräte zeitgerecht bereit zu stellen, meinte BMG-Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Kritiker aus der Ärzteschaft monierten, dass keine genauen Zahlen genannt wurden. So gesehen sei die Nachricht reine Akzeptanz-PR, heißt es bei der freien Ärzteschaft. Elektronische Gesundheitskarte: Pauschale für Praxis-Kartenterminals beschlossen 19.02.2008
Ulrike Flach, Parlamentarische Staatssekretärin, Mitglied des Deutschen Bundestages in einem Schreiben an BÄK, KBV und die KV-en am 24.Mai 2013

Protestaktionen

Logo der Aktion
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Logo mit Aussage
Beim "Roll-out" in Düren am 11.12.2008 trifft man sich ...
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Beim "Roll-out" in Düren am 11.12.2008 trifft man sich ...
Schröder beim Roll-out der eCard in Düren am 11.12.2008 mit Martin Grauduszus
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Schröder beim Roll-out der eCard in Düren am 11.12.2008 mit Martin Grauduszus
  • Zum Bündnis „Aktion: Stoppt die e-Card“ zusammengeschlossen haben sich Ärzte- und Patientenverbände, Bürgerrechtsorganisationen und Datenschützer. Gemeinsam forderten sie Ende Januar 2008, die elektronische Gesundheitskarte zu stoppen. An dem Bündnis beteiligen sich unter anderem die Freie Ärzteschaft e.V., die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. IPPNW, der NAV-Virchow-Bund und der Chaos Computer Club.
Aktion im Sommer 2011
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Aktion im Sommer 2011
Die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein und die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen haben angekündigt, dass in den ersten beiden Quartalen 2009 die Lesegeräte in der gesamten Region ausgeliefert werden. Die neue elektronische Gesundheitskarte könne dann an neun Millionen Versicherte im Rheinland geschickt werden. „Damit baut Nordrhein-Westfalen seine Spitzenposition bei der Einführung von Telematik-Anwendungen im Gesundheitswesen weiter aus“, so Döllinger.

Deutsche Ärztetage

2007 Münster

  • 18.05.2007 – Der 110. Deutsche Ärztetag in Münster hat heute die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in der bisher vorgestellten Form abgelehnt. Die Delegierten warnten davor, dass das Patient-Arzt-Verhältnis durch die Speicherung sensibler Patientendaten auf zentralen Rechnern schwer beschädigt werde. „Der Zugriff auf die Daten und deren Missbrauch durch Dritte sind nicht sicher zu verhindern“.
  • Marburger Bund warnt vor Scheitern der elektronischen Gesundheitskarte - „Wir wollen auch weiterhin die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte positiv begleiten. Dies ist aber nur möglich, wenn die Interessen der Patienten und Ärzte berücksichtigt werden.“

2009 Mainz

  • Ärztetag lehnt e-card in der bisher vorliegenden Form wieder ab! (2009-Mai-22) auf Antragt von Prof. Kahlke aus Hamburg und weiteren Kollegen wurde auf dem 112. Deutschen Ärztetag beschlossen: "Damit das Grundvertrauen der Patienten in unser ärztliches Berufsethos erhalten bleibt und das bewährte Konzept von einer am Individuum und seiner individuellen Lebensgestaltung orientierte Humanmedizin nicht zerstört wird, lehnt der 112. Deutsche Ärztetag die elektronische Gesundheitskarte in der bisher vorliegenden Form ab." Trotzdem wurde allerdings hinterher über etliche die e-card betreffende Detailfragen abgestimmt.

2010 Dresden

Der 113. Deutsche Ärztetag fordert von der Bundesregierung, das verfehlte Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) in der weiter verfolgten Zielsetzung endgültig aufzugeben. Damit können bis zu 14 Milliarden Euro Versichertengelder eingespart werden. Insbesondere wendet sich der 113. Deutsche Ärztetag entschieden gegen die Verwandlung der Arztpraxen in Außenstellen der Krankenkassen durch Verlagerung des Versichertendatenmanagements in die Praxen. In Zeiten drohenden Ärztemangels, vor allem in ländlichen Regionen, ist dieses Vorhaben kontraproduktiv. Vier Jahre nach dem ursprünglichen Einführungsjahr der eCard 2006 ist die neue Versichertenkarte noch immer nicht praxisreif, aber 700 Millionen Euro an Beitragsgeldern wurden allein im Jahr 2009 für die 1. Phase des sogenannten „Roll-out" im Gesundheitsfonds eingeplant.


2012 Nürnberg

Podium mit den Gästen Jens Spahn und Karl Lauterbach
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Podium mit den Gästen Jens Spahn und Karl Lauterbach
INFO-Stand beim 115. Deutschen Ärztetag in der Meistersingerhalle
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INFO-Stand beim 115. Deutschen Ärztetag in der Meistersingerhalle
  • Moderne Kommunikation im Gesundheitswesen entwickeln - das politische Projekt "Elektronische Gesundheitskarte" aufgeben
Entschließung: Das politische Projekt "Elektronische Gesundheitskarte" (eGK) ist gescheitert. Der gigantomanische Anspruch, durch eine flächendeckende Elektronifizierung der Patientenversorgung unter der Führung der Krankenkassen sowohl transparente Patienten als auch transparente Ärzte herzustellen, widerspricht elementaren ärztlichen Grundwerten.
Die Vertraulichkeit der Patientenbeziehung ist genauso durch dieses politische Projekt bedroht wie die ärztliche Therapiefreiheit. Der derzeitige Nutzen liegt bei einigen Wenigen, bei Kontrollinteressen von Kassen und Politik und der nach neuen Märkten suchenden Industrie. Der Schaden sowie der Aufwand bleiben bei Versicherten, bei Ärztinnen und Ärzten in Klinik und Praxis und bei medizinischem Personal. Aus diesem Grund fordert der 115. Deutsche Ärztetag 2012 einen Stopp des Projektes und die Förderung längst existierender kostengünstiger dezentraler Kommunikationswege und Speichermedien in der Medizin.

Testregionen

  • Seit 2006 sollte die elektronische Gesundheitskarte in den Portemonnaies der Versicherten stecken. Nun bekommen jeweils 10 000 Patienten die Karte in der Testregion Bochum-Essen und in sechs anderen Gebieten Deutschlands zur Probe. Im nächsten Frühjahr sollen alle Bürger sie erhalten. Die Einführung kostet den Bund etwa 1,6 Milliarden Euro. Doch der schwierigste Patient ist die Gesundheitskarte selbst. In Bochum haben gerade einmal 2000 Patienten ihre Karte erhalten, die dazugehörigen Geheimzahlen wurden erst Mitte September verschickt. Geheim soll es sein, das neue System. Auch die Patientenkarte funktioniert nur, wenn sie gleichzeitig mit dem Heilberufsausweis des Arztes im Lesegerät steckt. Erst wenn beide ihre Geheimzahlen eingeben sind die Daten lesbar. ("Der elektronische Patient" Süddeutsche Zeitung, 29. September 2007]
  • Gesundheitskarte: Wundermittel in der Warteschleife - Eigentlich sollte gestern in Ingolstadt eine Pressekonferenz stattfinden. Mit großem Tamtam wollte man den bayerischen Testlauf für die Gesundheitskarte beginnen. Doch die Veranstaltung fiel aus, die Einladungen wurden gar nicht erst verschickt. Der Grund: Es gibt keine funktionierende Software, die die Journalisten bestaunen könnten. „Auf Schauveranstaltungen wie in anderen Bundesländern haben wir keine Lust”, heißt es. Der Testlauf ist verschoben - nicht das erste Mal. 14.07.2007
  • § 8 Geheimhaltung - Die Vertragsparteien sind verpflichtet, alle im Rahmen des Vertragsverhältnisses erlangten und als vertraulich gekennzeichneten Informationen, Unterlagen, Arbeitsergebnisse, Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse streng vertraulich zu behandeln und keinem Dritten zugänglich zu machen, es sei denn, dass dieser unmittelbar in die Testung und/oder Evaluation vertraglich eingebunden ist und diese für dessen Tätigkeit zwingend erforderlich sind. Diese Pflichten bleiben auch nach Vertragsbeendigung auf Dauer in Kraft. (10.000er Feldtest in Heilbronn und die vertraglichen Modalitäten - Ausschnitt)
  • „In Testregionen für die elektronische Gesundheitskarte werden Ärzte, die an den Tests teilnehmen (wollen), von Kollegen zum Teil offen angefeindet und mit Anrufen belästigt. Die Gesundheitskarte scheint eine der Zielscheiben zu werden, auf die der politische Frust umgeleitet wird.“ (aus „Vom Pilotprojekt zur klinischen Routine“ von Ph. Grätzel von Grätz in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, 132. Jahrgang, Nr. 9 auf Seite 416)

Organspendeausweis?

  • Die Dimensionen, in denen die Beteiligten jetzt planen, machte Marie-Luise Müller vom Deutschen Pflegerat deutlich. Neben den ca. 250.000 Heilberufsausweisen für Ärzte und Zahnärzte müssen Berufsausweise für 2,4 Millionen Beschäftigte in 40 Pflegeberufen her, die etwa im Rahmen der Altenpflege auf die eGK zugreifen müssen. Anders als bei den Ärzten und Apothekern sind diese Berufe nicht verkammert, womit eigentlich ein bundesweites elektronisches Gesundheitsberuferegister (eGBR) notwendig ist. Gegen ein solches Zentralregister sprach sich die bayerische Sozialministerin Christa Stewens aus, die föderale Strukturen stärken möchte. Außerdem wiederholte Stewens die Forderung nach einem Vermerk der Organspendebereitschaft auf der Gesundheitskarte. Es sei rechtlich und ethisch geboten, dass sich jeder Bürger mit seiner Spendebereitschaft beschäftigen muss. Die Einführung der Gesundheitskarte sei dafür ein hervorragender Zeitpunkt.

Paragraphen in Sozialgesetzbuch V

  • Dietmar Hopp - der Herr der Karte Für diese Firma wurde eigens im Sozialgesetzbuch ein neuer Paragraph geschaffen. Eine nicht weniger wichtige Firma in dem Millionengeschäft ist die 2004 gegründete GeTeG GmbH aus Köln - und hier ist Hopp groß im Spiel. Diese Firma will zentrale Bestandteile des IT-Systems der neuen Gesundheitskarte aufbauen und verschiedene Dienstleistungen anbieten - mit dem SAP-Mitgründer im Hintergrund.
Dietmar Hopp: Wir wären verrückt, wenn wir die Karte ablehnen würden. Wenn wir das in Deutschland nicht machen, werden wir nie aus der Falle herausgekommen, dass das Gesundheitswesen nicht mehr bezahlbar ist. Die ganze Welt ist vernetzt – nur nicht die Ärzte mit den Kliniken, den Apotheken und den Krankenkassen.
Die Bedenken der Datenschützer sind groß.
D.H.: Diese Sorgen sind von vorgestern. Das System ist zehnmal sicherer als Onlinebanking. Daran gibt es überhaupt nichts zu mäkeln. Auf der anderen Seite gibt es jedes Jahr mehrere Millionen Euro Schaden, weil mit den alten Karten Missbrauch betrieben werden kann. Die Vorteile der Gesundheitskarte liegen doch auf der Hand.


Bilanzen

  • „Wir haben alle gelernt in den vergangenen fünf Jahren, wie man es besser machen kann“, betonte Dr. Jürgen Faltin, Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz, in einer Diskussionsrunde. „Vor allem haben wir gelernt, dass es nicht ohne die Ärzte geht.“ Für eine stärkere Nutzerorientierung hatte sich zuvor auch die neue nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens starkgemacht. „Bei der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen reden wir zu viel über Technik und zu wenig über die Nutzerinnen und Nutzer.“ Zunächst sei zu fragen, was die Patienten und Ärzte wirklich für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung benötigten.
  • "Für uns ist der Stand der Dinge sehr unbefriedigend", sagt IT-Experte Ingo Bettels von der Krankenkasse KKH Allianz. "Die Karte kommt, ohne dass die dafür nötige Infrastruktur vorhanden ist. Sie kostet nur Geld und bleibt ohne Nutzen." Der AOK Bundesverband rechnet bis Ende des Jahres für die eigenen Mitglieder mit 90 Millionen Euro Kosten. Geld, das für die Ausstattung der Ärzte und Krankenhäuser mit den neuen Lesegeräten und für den Austausch der Karten gebraucht - oder besser: verschwendet - wird. (nach SPIEGEL 07.05.2011)
  • Die elektronische Gesundheitskarte gibt es nicht zum Nulltarif. Bezahlen müssen Sie für die eGK zwar nichts, der Betrieb soll aber in Zukunft über die Krankenkassenbeiträge gedeckt werden. Zuständig für das System ist die Gematik, die wiederum Aufträge an IT-Unternehmen vergibt. Nach einer Studie der europäischen Kommission birgt die Vernetzung des Gesundheitswesens ein Umsatzpotenzial von 50 bis 60 Milliarden Euro. (BILD berichtet am 14.11.2011)

Rollout mit der Brechstange

  • BZ: Hätte man die Gesundheitskarte stoppen sollen?
Christopher Hermann: Nein. Aber jetzt setzt man sie ja leider mit der Brechstange durch. Wir müssen sie einführen, obwohl sie uns keine Verbesserungen bringt, weil wir sonst mit zwei Prozent Abzug bei den Verwaltungskostenzuweisungen des Gesundheitsfonds bestraft werden. Was da gerade passiert, ist grenzwertig. Es geht um technisches Prestige für Deutschland, und die IT-Branche verdient sehr viel Geld damit.
"Verändern geht nur mit Partnern" BZ-INTERVIEW mit Christopher Hermann, Chef der AOK Baden-Württemberg, über Zusatzbeiträge, Schwarz-Gelb und die Sparversuche im Gesundheitswesen.
  • Die FDP wollte die Gesundheitskarte wegen der hohen Kosten und der allgemeinen Datenverunsicherung eigentlich bei Regierungsantritt von Schwarz-Gelb stoppen. So steht es im Koalitionsvertrag. Dann knickten die Gesundheitsminister Philipp Rösler und Daniel Bahr ein. In Bahrs Ministerium heißt es nun: Alles Sache der Selbstverwaltung. Sprich: Sollen sich Ärzte, Krankenhäuser und Kassen streiten. Beim jüngsten Gipfel zur Informationstechnologie der Bundesregierung berichteten Computer-Experten, dass sich die Technik der e-Card von Hackern austricksen lässt. Es ging um "Seitenkanalattacken" und Angriffe auf das WLAN-Netz von Arztpraxen. Eigentlich sollten die Praxisrechner von den Internet-Zugängen für die elektronische Gesundheitskarte getrennt werden.

Berichte aus Testregionen

Roll-out and roll-over-Leonhard Hansen in Düren am 11.12.2008
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Roll-out and roll-over-Leonhard Hansen in Düren am 11.12.2008
  • Die Ärzte in der Testregion Flensburg werden bis auf Weiteres die freiwilligen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nicht mehr testen. Grund ist mangelnde Praxistauglichkeit der bisherigen Konzepte. Anders als andere Testregionen hat die Region mit den freiwilligen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte wie Notfalldatensatz, Arzneimitteltherapie-Sicherheitscheck und elektronische Patientenakte bereits einige Erfahrungen sammeln können. Die verliefen bisher nicht zufriedenstellend. "Deshalb setzen die Flensburger Ärzte die weitere Testung der freiwilligen Anwendungen aus, bis die anderen Testregionen hinreichend eigene Erfahrungen gesammelt haben", heißt es in einem Brief. Auch auf der Gesundheits-IT-Messe conhIT in Berlin wurde der Flensburger Entschluss diskutiert. (Ärzte Zeitung, 08.04.2008)
  • Das Beste wäre, der Basisrollout läuft, und keiner merkt, dass etwas passiert“, hofft Dr. med. Leonhard Hansen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Sehr wahrscheinlich ist das nicht, denn auch dabei handelt es sich um einen logistischen Kraftakt. Gleich zwei Veranstaltungen*, die sich nach dem Ende der Sommerpause mit dem Projektstand der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) befassten, lassen eher einen ereignisreichen Telematik-Herbst erwarten: Parallel zu den Vorbereitungen für den sogenannten eGK-Basisrollout in der Region Nordrhein gehen die Arbeiten in den Testregionen weiter. Außerdem gibt es immer wieder Änderungen in der Projektplanung.
  • 20. Dezember 2008 - SPIEGEL: Big Brother würde Mitleid haben - Für eine neue elektronische "Gesundheitskarte" sollen 72 Millionen Versicherte ihr Passfoto bei der Krankenkasse abliefern. Doch Bürgerrechtler rufen zum Boykott auf, Ärzteverbände leisten Widerstand: Die Chipkarte ebne den Weg in den Überwachungsstaat.
  • Wie politisch ist die Elektronische Gesundheitskarte? - Vieles spricht dafür, dass die Gesundheitstelematik im Zuge der Bundestagswahl politisch neu bewertet wird. In ihrem Wahlprogramm hat die FDP eindeutig festgeschrieben, dass die Gesundheitskarte nicht eingeführt werden darf, solange nicht hohe Datenschutzstandards gewährleistet sind. Gegenüber dem Krankenkassenratgeber erklärte Daniel Bahr, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, dass die eGK Thema bei den möglichen Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU sein wird. Besonders "zentrale Serverlösungen" sind der FDP ein Dorn im Auge. Eigens gegen die Vorstellung von "zentralen Servern" hat darum die für die Einführung der Gesundheitskarte verantwortliche Projektgesellschaft Gematik ein Whitepaper Architektur (PDF-Datei) angekündigt, das Missverständnisse über die Technik ausräumen soll.
Kinzigtal-Karte
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Kinzigtal-Karte
  • Praxisübergreifende elektronische Patientenakte im Gesunden Kinzigtal erfolgreich gestartet - Praxis- und sektorenübergreifende elektronische Vernetzung und die Nutzung einer zentralen Patientenakte sind im Gesunden Kinzigtal kein Zukunftsszenario mehr: Während die bundesweite elektronische Gesundheitskarte zu scheitern scheint, läuft das von Ärzten und einem Softwarehaus eingerichtete System im Gesunden Kinzigtal nach einem halben Jahr Probelauf völlig problemlos. Die teilnehmenden Versicherten, Ärzte und Krankenhäuser sind von dem Nutzen, den die Vernetzung gerade für das praxis- und sektorenübergreifende Krankheitsmanagement bringt, überzeugt.

Links

112. Deutscher Ärztetag MAINZ, Rheingoldhalle 19.5.2009
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112. Deutscher Ärztetag MAINZ, Rheingoldhalle 19.5.2009
  • Bild:gesundheitskarte.jpg
  • Jobcard - ein ähnliches Vorhaben
  • Situationsanalyse zu Gesundheitstelematik - medizinischer Nutzen - Ein Konsenspapier vom 10.2.2007 (Arbeitsgruppe FÄ in Münster)
Vortrag O.Decker, KÖLN 19.09.2009
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Vortrag O.Decker, KÖLN 19.09.2009
Beim Roll-out-eCard Düren 11.12.2008
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Beim Roll-out-eCard Düren 11.12.2008
  • Alles auf eine Karte setzen: Elektronisches Regieren und die Gesundheitskarte - Zusammenfassung: In diesem Beitrag wird am Beispiel des eHealth-Systems eine Wirkung des elektronischen Regierens, des eGovernments, betrachtet werden. Insbesondere der Einführung der Gesundheits- und Heilberufskarte wird eingangs die Aufmerksamkeit gewidmet. Sie sind die technischen Voraussetzungen für die Telematikmedizin und damit der erste Schritt auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte. Um die exemplarische Bedeutung der Gesundheitskarte für das eGovernment zu verdeutlichen, wird in diesem Beitrag zunächst der administrative Hintergrund skizziert. Im nächsten Schritt soll die Foucaultsche Analyse von Regierungstechniken vorgestellt werden. Beispielhaft ist hier der „Panoptismus“ als Technik der Kontrolle, mit der das überwachte Subjekt in seine Kontrolle und Disziplinierung eingebunden wird.
  • Wem nützt sie? Die elektronische Gesundheitskarte Moderation: Julitta Münch// Gäste: Hermann Abels-Bruns (Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitskarte/ Heilberufsausweis NRW), Bettina Fuhrmann (Gast aus Herford), Prof. Peter Haas (Sprecher des Beirats der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte), Wolfgang Linder (Jurist, Komitee für Grundrechte und Demokratie), Dr. Hans-Peter Peters (Ärztlicher Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitskarte/ Heilberufsausweis NRW), Günter Wältermann (AOK Rheinland / Hamburg) © WDR 2009

Expertisen, Studien

  • Endbericht zur Kosten-Nutzen-Analyse der Einrichtung einer Telematik-Infrastruktur im deutschen Gesundheitswesen - Download der Studie im Auftrag der Gematik von Booz Allen Hamilton GmbH
  • Der Hightech-Verband Bitkom sieht in der Bevölkerung eine wachsende Zustimmung zur elektronischen Gesundheitskarte. Inzwischen werde die lange umstrittene Karte von rund 70 Prozent der Deutschen befürwortet, erklärte der Verband heute in Berlin, gestützt auf eine Umfrage des Instituts Aris. Noch 2009 waren es demnach nur 59 Prozent. „Dies ist ein Auftrag an die Politik und alle Beteiligten, die Karte schnellstmöglich einzuführen und ihre Potenziale mit neuen Funktionen auch wirklich auszuschöpfen“, erklärte Bitkom-Präsident-Dieter Kempf.
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) ist der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

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