Hartmannbund

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Der Hartmannbund ist eine Interessensvertretungs- und Standesorganisation der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Er hat heute ca. 40.000 direkte und ca. 20 000 indirekte Mitglieder. Der Hartmannbund versteht sich als berufs- und gesundheitspolitische Interessenvertretung für alle Arztgruppen, d.h. Krankenhausärzte aller Fachgebiete und niedergelassene Ärzte aller Fachgebiete, Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen, in der Verwaltung oder Industrie sowie Medizinstudenten.

Der Hartmannbund findet sich in der offiziellen Lobbyisten-Liste beim Bundestag mit folgenden Angaben unter anderem:

Interessenbereich:

  • Vertretung der Interessen aller Arztgruppierungen gegenüber allen politischen Gremien auf Bundesebene.

Mitgliederzahl

  • 34.000


Inhaltsverzeichnis

Korporative Verbände

  • Aktuell haben sich zwölf Verbände dem Hartmannbund angeschlossen:
    1. Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland e.V.
    2. Hufelandgesellschaft für Gesamtmedizin e.V. – Vereinigung der Ärztegesellschaften für biologische Medizin
    3. Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren, Kneippärztebund e.V.
    4. Privatärztlicher Bundesverband e.V.
    5. Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V.
    6. MEDICA – Deutsche Gesellschaft zur Förderung der medizinischen Diagnostik e.V.
    7. Bundesverband der Belegärzte (BdB) e.V.
    8. Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Deutschlands e.V.
    9. Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ)
    10. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ)
    11. Bundesverband Ambulantes Operieren
    12. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
  • § 8 Rechte und Pflichten der korporativen Mitglieder
Die korporativen Mitglieder haben grundsätzlich die Rechte und Pflichten, die für die Mitglieder in § 7 festgelegt sind. Die Mitwirkung der korporativen Mitglieder in den in dieser Satzung vorgesehenen Organen wird wie folgt geregelt: Die korporativen Mitglieder wählen aus ihrer Mitte einen Vertreter in den Geschäftsführenden Vorstand. Die korporativen Mitglieder wählen aus ihrer Mitte zwei Vertreter und zwei Stellvertreter in den Gesamtvorstand. Jedes korporative Mitglied entsendet seinen Vorsitzenden, im Verhinderungsfall einen Stellvertreter als Delegierten in die Hauptversammlung. Die Übernahme eines Mandats im Hartmannbund setzt die Einzelmitgliedschaft im Hartmannbund voraus.

Der Aufruf im Jahre 1900

Hartmann und sein Aufruf
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Hartmann und sein Aufruf
  • Der Originaltext von Dr. Hartmanns Aufruf vom 8. September 1900:
Sehr geehrte Collegen! Lasst uns eine feste, zielbewusste Organisation schaffen zum Zwecke einer energischen Vertretung unserer auf's aeusserste gefährdeten Interessen! Schliessen wir uns fest zusammen, der Einzelne ist Nichts, alle zusammen sind wir eine Macht. Dann soll man nicht mehr mit dem einzelnen Arzt, sondern mit der Gesammtheit rechnen.
Ueberall sehen wir die Angehörigen der einzelnen Berufsstände sich zusammenschliessen, um ihre Ziele durch die Wucht gemeinsamen Vorgehens zu erreichen: handeln wir ebenso, der Erfolg kann nicht ausbleiben! Einer für Alle, Alle für Einen!
Aerzte aller Deutschen Staaten, organisiert Euch!
Mit collegialer Hochachtung - Dr. Hartmann

Geschichte

Der Leipziger Arzt Hermann Hartmann sendete einen offenen Brief an die Ärzteschaft mit der Aufforderung, sich zu organisieren (25.07.1900). Der "Schutzverband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer Standesinteressen" wird am 13.09.1900 gegründet. Im ersten Satzungsentwurf wurde jedoch der Name "Verband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen" festgelegt. Bis 1924 wurde allgemein die Kurzform "Leipziger Verband" verwendet.

  • 1903

Kündigung der kassenärztlichen Tätigkeit: Korbmodell anno 1904 - Der 31. Deutsche Ärztetag in Köln zeigte sich 1903 solidarisch und forderte die dem Deutschen Ärztevereinsbund angehörenden Vereine auf, „dass dieselben alle den ärztlichen Interessen widersprechenden Verträge (mit den Krankenkassen) zum frühest möglichen Termin kündigen und von nun an nur noch solche abschliessen lassen, welche die freie Arztwahl und genügende Honorierung bieten“. Schleunigst und energisch sollten alle Maßnahmen der Selbsthilfe zur Durchsetzung der ärztlichen Forderungen bei den Krankenkassen ergriffen werden. Diese ohne Gegenstimme angenommene Resolution des Deutschen Ärztetages wird wesentlich mit dazu beigetragen haben, dass die etwa gleichzeitig anlaufenden Vorbereitungen eines Streiks der Kölner Ärzte zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden konnten.

Der Leipziger Verband schließt seinen ersten Tarifvertrag mit dem "Norddeutschen Lloyd" für die Schiffsärzte. Ein Jahr später wird ein Tarifvertrag mit den zentralisierten kaufmännischen Hilfskassen geschlossen, 1909 mit dem "Verband Deutscher Lebensversicherungsgesellschaften".

wird das "Berliner Abkommen" zwischen dem "Leipziger Verband" und den großen Kassenverbänden geschlossen.

Verbandsgründer Hartmann stirbt am 20.01.1923 an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von 58 Jahren.

Umbennung des Leipziger Verbandes nach dem Gründer Dr. Hermann Hartmann.

Der Hartmannbund schafft Allgemeine Deutsche Gebührenordnung (Adgo) in Erkenntnis der Mängel der Preußischen Gebührenordnung als Richtlinie für die Honorierung der ärztlichen Tätigkeit.

Vorstufen der heutigen Kassenärztlichen Vereinigungen: der Hartmannbund schließt einen Vertrag mit den bedeutendsten Krankenkassenverbänden. Er trat am 01.01.1932 in Kraft.

"Gesetz über die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands (KVD)" (02.08.1933): die vom Hartmannbund gebildeten örtlichen KVen werden zu einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Deutsches Ärzteblatt (Ärztevereinsbund) und Ärztliche Mitteilungen (Hartmannbund) werden zusammengelegt. Deutscher Ärztevereinsbund und der Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund werden zusammengeschlossen.
Ideologisch setzten sich im Hartmannbund völkische und offen antisemitische Positionen immer stärker durch und so verwundert es nicht, dass der Ärzteverband im März 1933 als einer der ersten die Machtübernahme der Nationalsozialisten in einem Telegramm überschwänglich begrüßte.
Die Ausschaltung der jüdischen und politisch missliebigen Kassenärzte besorgte der Hartmannbund im Verein mit den (ihm eng verbundenen) örtlichen Kassenärztlichen Vereinigungen. Rechtsgrundlage dafür bot die Verordnung über die Kassenzulassung (vom 22. April 1933), die an das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 anknüpfte. Danach war Ärzten nicht arischer Abstammung bis auf wenige Ausnahmen („Frontkämpfer“ des Ersten Weltkriegs) die Kassenzulassung zu entziehen, außerdem betroffen waren Kommunisten und Sozialisten. Zum 1. September trat zudem ein Abkommen zwischen Hartmannbund und dem Verband der privaten Krankenversicherung in Kraft, wonach Rechnungen nicht arischer Ärze nicht mehr erstattet wurden. Jüdischen Ärzten war damit der Boden ihrer wirtschaftlichen Existenz weitgehend entzogen.
wurde der Hartmannbund aufgelöst: aufgrund § 87 der "Reichsärzteordnung" vom 13.12.1935, die am 01.04.1936 in Kraft trat.
Die Reichsärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands wird durch den Kontrollratsbeschluß aufgelöst.

Vorläufer eines neuen Hartmannbundes: der "Geislinger Kreis" und die "Gemeinschaft freipraktizierender Ärzte" in Hamburg entstehen. Am 20.05.1949 wird der Hartmannbund wiedergegründet. Die konstituierende Hauptversammlung findet am 31.08.1949 statt.

Das Verbandsorgan des Hartmannbundes "Der Deutsche Arzt" kommt mit seiner ersten Ausgabe heraus.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Siegfried Häußler, trägt gemeinsam mit Vertretern anderer ärztlicher Organisationen Bundeskanzler Adenauer die Wünsche der Ärzteschaft vor. Der Hartmannbund schlägt bei der Debatte um ein Gesetz zur Neuregelung der GKV konkrete Formulierungen für eine Kostenerstattung mit sozialvertretbarer Selbstbeteiligung vor. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Verhältniszahl bei der Zulassung als Kassenarzt für verfassungswidrig.

Wohl verfügte der HB noch über ein ähnlich großes politisches Gewicht wie die KBV. Aber das Tandem KBV-BÄK hatte der Politik mit einer zwangsverpflichteten Mitgliederbasis als Verhandlungspartner auf lange Sicht mehr zu bieten als der HB. Die Kanzlergespräche des Jahres 1960 markierten für den HB den Beginn eines politisches Einflußverlustes, der sich auch in einer ab 1961 deutlich abgeknickten Mitgliederentwicklung widerspiegelt. Der Hartmannbund fand zwar rasch seine neue Rolle als KBV-kritisches Ventil für professionellen Unmut über die Körperschaftsbürokratien, aber als Verhandlungsführer mit der staatlichen Seite verdrängte die KBV den einstigen Vertretungsmonopolisten zunehmend. Ohne die kanalisierende Wirkung exekutiver Entscheidungsstrukturen wäre dieses verbandspolitische ‘clearing’ wohl kaum so nachhaltig entschieden worden. ("Formierung und Wandel eines Politikfeldes – Gesundheitspolitik von Blank zu Seehofer" - Marian Döhler und Philip Manow - Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung - Lothringer Str. 78 - D-50677 Köln MPIFG Discussion Paper 1995/6)
Da das Bundeskabinett den Blankschen Entwurf guthieß, mobilisierten Voges und die Spitzenfunktionäre der Ärzteorganisation die Kassenärzte gegen Bundesarbeitsminister Theodor Blank. Sie gründeten Aktionsgemeinschaften, die in der zentralen Aktionsgemeinschaft der Deutschen Ärzte zusammengefaßt wurden. Dieser zentrale Kampfbund wurde am 20. Januar in Hannover gegründet. In den Vorstand wählten die Ärzte mit Vorbedacht drei Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten deutschen Ärzteauszeichnung: den früheren Missionsarzt Professor D. Dr. med. Hans Neuffer, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Richard Hammer und den Kassenarzt-Altfunktionär Dr. Ludwig Sievers.
Die Standesreputation der drei verdienten Ärzte sollte die wegen der 1961 bevorstehenden Bundestagswahlen nervösen CDU-Parlamentarier gegen Blank aufbringen. Da sich jedoch die CDU -Führung vorbehaltlos auf Blanks Seite stellte, kam es auch im Lager der wankelmütigen Ärzteschaft zu Abspaltungen und Gegendemonstrationen.
Der Hartmannbund teilte der Aktionsgemeinschaft mit: "Sie sind nicht legitimiert, im Namen der Deutschen Ärzteschaft zu handeln." Diese Lektion veranlaßte den Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Ernst Fromm, aus dem Hartmannbund auszutreten.

Der Hartmannbund gründet zusammen mit den ärztlichen Verbänden in Frankreich und Belgien einen Verbindungs- und Aktionsausschuss der freien europäischen Verbände (SME). Auf Pressekonferenzen in Bonn, Paris und Brüssel weisen die Ärzte erstmals darauf hin, dass die Kosten für das Gesundheitswesen schneller steigen werden als die Arbeitsentgelte. Der Hartmannbund stiftet einen jährlich zu vergebenden "Film- und Fernsehpreis".

Gründung der Europäischen Vereinigung der praktischen Ärzte - später, der Allgemeinärzte - (UEMO) durch den Hartmannbund in Zusammenarbeit mir fünf anderen ärztlichen Organisationen der EWG.

Der Hartmannbund setzt sich nach einer Informationsreise durch Frankreich für die Bildung von ärztlichen Gruppenpraxen auch in Deutschland ein und kooperiert in dieser Frage mit NAV und Marburger Bund. Gemeinsame Musterverträge werden erarbeitet und individuelle Beratungen angeboten.

Der Hartmannbund beginnt mit berufs-, sozial- und gesundheitspolitischen Seminaren für junge Ärzte. 1969 ist auch der Start der Befassung mit Fragen der elektronischen Datenverarbeitung im Hartmannbund. Es werden Tests zur elektronischen Biosignalverarbeitung und Übertragung zwischen Kassel und Brüssel durchgeführt.

Der Hartmannbund stiftet einen regelmäßig zu vergebenden Preis für eine wissenschaftliche Veröffentlichung auf dem Gebiet der Umweltforschung, den Friedrich-Thieding-Preis. Der Hartmannbund greift die Ideen von Professor Herder-Dorneich auf und fordert die Gründung einer Krankenhausärztlichen Vereinigung, d.h. die Ausdehnung des Sicherstellungsauftrages auf die Fachärzte im Krankenhaus. Ein entsprechendes Modell wird erarbeitet.

Der Hartmannbund gründet die "Friedrich-Thieding-Stiftung" zur Förderung von Forschung, Lehre und Erwachsenenbildung auf allen Gebieten des Gesundheitswesen und insbesondere der ärztlichen Berufsausübung.

Mit einem "Weißbuch" widerlegt (im März 1972) der Hartmannbund die Studie "Die Gesundheitssicherung in der Bundesrepublik Deutschland" des Wirtschafts- und Wissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften. Das Weißbuch ist der erste Band der "Schriftenreihe des Hartmannbundes". Der Hartmannbund verabschiedet auf einer Außerordentlichen Hauptversammlung (01.05.1972) "122 Thesen für ein Gesundheitspolitisches Programm".

Mit dem Deutschen Lehrerverband gründet der Hartmannbund eine "Bundesarbeitsgemeinschaft Arzt/Lehrer". Bildung von Landesarbeitsgemeinschaften folgen.

Der 77. Deutsche Ärztetag in Berlin verabschiedet das sogenannte "Blaue Papier", die gesundheits- und sozialpolitischen Vorstellungen der deutschen Ärzteschaft, angeregt u.a. durch die "122 Thesen" des Hartmannbundes.

Ein " Stifterverband Freie Medizinische Hochschule" wird gegründet, um das seit Jahren in Vorbereitung befindliche Projekt des Hartmannbundes zu realisieren.

Das Krankenversicherungs-Kostendämpfungsgesetz (KVKG) wird verabschiedet. Der Hartmannbund protestiert heftig gegen die verminderten Zuweisungen der Rentenversicherung an die Krankenversicherung für die Rentnerkrankenversicherung. Sie belastet bis heute die gesetzliche Krankenversicherung mit jährlich bis zu 56 Mrd. DM. Der Hartmannbund entwickelt ein "Patientenheft", das die Patienten bei stationärer Behandlung ermutigen soll, von sich aus Fragen an die Ärzte zu stellen und um verständliche Aufklärung zu bitten. Dieses "Patientenheft" wurde in einer Auflage von über 500.000 Exemplaren durch den Hartmannbund verteilt.

Der Hartmannbund initiiert den 1. Krebsnachsorgekongreß. Dieser Fortbildungskongreß richtet sich sowohl an Ärzte als auch an Patienten und Patientenvertreter und wird zusammen mit der Deutschen Krebshilfe regelmäßig durchgeführt.

Das 2. Kostendämpfungsgesetz wird verabschiedet. Der Hartmannbund kämpft gegen das "Gesetz zur Ergänzung und Verbesserung der Wirksamkeit kostendämpfender Maßnahmen in der Krankenversicherung (KVEG)". Mit diesem Gesetz werden weitere finanzielle Belastungen auf die gesetzliche Krankenversicherung verlagert.

Am 1. Oktober wird die sozialliberale Koalition durch die christlich-liberale Koalition ersetzt. Die Hauptversammlung am 21./22.10.1982 verabschiedet drei Leitlinien zum Thema Selbsthilfe statt staatlicher Betreuung, Selbständigkeit statt staatlicher Bevormundung und Leistungsfähigkeit statt staatlicher Bürokratie. In zahlreichen Gesprächen und Sitzungen mit den Vertretern der neuen Bundesregierung und nach Abstimmung mit den ärztlichen Körperschaften werden neue ordnungspolitische, gesellschaftspolitische, gesundheitspolitische Positionen verhandelt und durchgesetzt. Weiterhin werden die "Gesundheitspolitischen Leitlinien des Hartmannbundes" durch die Hauptversammlung in diesem Jahr verabschiedet.

Im November 1984 findet auf Initiative des Hartmannbundes ein gemeinsames Treffen der ärztlichen Spitzenorganisationen mit dem Bundeskanzler, dem Bundesgesundheitsminister und dem Bundesarbeitsminister statt, das in freundschaftlicher Atmosphäre verläuft. Aber schon Anfang Februar 1985 zeichnete sich ab, dass es harte Auseinandersetzungen mit dem Bundesarbeitsminister geben wird.

Der Verband richtet einen Ausschuß "Senioren" ein, der insbesondere für eine verstärkte Aus-, Weiter- und Fortbildung in der Geriatrie eintritt. Daneben setzt er sich für die Interessen der älteren Ärztinnen und Ärzte ein. Schon 1982 hat der Hartmannbund einen Erfahrungsbericht "Ärzte im Alter" als Ergebnis einer Umfrage unter den eigenen Mitgliedern herausgegeben. Auf der Hauptversammlung 1985 verabschiedet der Hartmannbund als Antwort auf die Gesundheitspolitik der neuen Koalition die "Zielvorstellungen zur Strukturreform im Gesundheitswesen", die bahnbrechende Vorschläge beinhaltet.

Der 1984 eingeführte Arzt im Praktikum wird 1986 endgültig etabliert. Der Hartmannbund hat zumindest erreicht, dass die 18-monatige AiP-Zeit auf die Weiterbildung angerechnet wird. Ansonsten bleibt der Verband bei seiner Ablehnung der AiP-Zeit. Eine Grundsatzerklärung zur Stellung des Arztes in Gegenwart und Zukunft wird von der Hauptversammlung verabschiedet. Schon in seinen Thesen 1972 hat der Hartmannbund Kostentransparenz gefordert. Die Hauptversammlung 1986 hat diese Forderung noch einmal besonders herausgestellt. In diesem Zusammenhang ist die Grundsatzforderung des Verbandes nach Wechsel des Sachleistungssystems in ein Kostenerstattungssystem mit sozial verträglicher Selbstbeteiligung und einer Gebührenordnung mit festen DM-Werten zu sehen.

Der Hartmannbund greift den in Bayern erstmals geprägten Slogan "soviel ambulant wie möglich" auf und macht ihn zu einer Forderung seiner Hauptversammlung.

1989 tritt das "Gesundheitsreformgesetz" in Kraft. Erneut wird gefordert, das Sachleistungssystem durch ein Kostenerstattungssystem mit sozial verträglicher Selbstbeteiligung zu ersetzen. Hans-Jürgen Thomas erstmals 1989 zum Bundesvorsitzenden des Hartmannbundes gewählt als Nachfolger des verstorbenen Prof. Dr. med. Horst Bourmer, Köln)

Der Hartmannbund gründet Landesverbände in allen neuen Ländern. Von Beginn an fordert der Hartmannbund eine Angleichung der Honorare in Ost und West nach dem Motto: gleiches Geld für gleiche Leistung.

Der Hartmannbund unterstützt die Bemühungen in den neuen Bundesländern, die Gesundheitsversorgung den Verhältnissen in den alten Bundesländern anzugleichen. Die ersten gemeinsamen Sitzungen zwischen den neuen Landesverbänden und den alten Landesverbänden in der alten Bundesrepublik finden statt.

Am 21.03.1992 findet der erste Protestmarsch des Hartmannbundes mit anschließender Protestveranstaltung auf dem Münsterplatz in Bonn gegen das Gesundheitsstrukturgesetz 1993 statt. Die politischen Ereignisse führen zu heftigen Diskussion über die künftige Entwicklung des Gesundheitswesens. Vor diesem Hintergrund wird die "Berufs- und Gesundheitspolitik bis zum Jahr 2000" durch die Hauptversammlung verabschiedet.

Am 1. Januar 1993 erlangte das Gesundheitsstrukturgesetz Rechtskraft. Damit sind tiefgreifende Veränderungen im deutschen Gesundheitswesen eingeleitet worden, wie

"Wahlfreiheit aller Versicherten in Bezug auf die Kassenart und die Kostenerstattung,
Risikostrukturausgleich
Erweiterung von Gestaltungsleistungen der Krankenkassen
Zuzahlungserhöhungen bei Beitragssatzerhöhungen."
Ab Januar 1993 erscheint die Hartmannbund-Zeitung "Der Deutsche Arzt" in neuer Aufmachung, neuem Format und mit dem neuen Titel "Hartmannbund Magazin".

Der Hartmannbund diskutiert auf der Hauptversammlung zur 3. Stufe der Gesundheitsreform und verabschiedet den Leitantrag "Erhaltung des gegliederten Krankenversicherungssystems".

Die Hauptversammlung des Hartmannbundes diskutiert "Ist die Soziale Krankenversicherung an der Grenze?" und verabschiedet einen Grundsatzbeschluß "Freiberuflichkeit als Grundlage ärztlicher Tätigkeit".

Für Umstellung auf Kostenerstattung - Der frühere HB-Vorsitzende, Dr. med. Siegfried Häussler, hatte bereits in den siebziger Jahren empirisch nachgewiesen, daß bloße Kostenkenntnis über Arztrechnungen nicht zur pfleglicheren Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen veranlaßt. Deshalb plädiert der HB für ein Kostenerstattungsmodell mit sozial verträglichen Selbstbeteiligungsvarianten. Zunächst sollte die Umstellung kurzfristig im Bereich von zwei oder drei Kassenärztlichen Vereinigungen erprobt werden, vorausgesetzt, alle Versicherten und alle Ärzte der Region beteiligen sich. Nur eine Wahlmöglichkeit für die Versicherten, wie sie die Koalition vorschlägt, reiche nicht aus, sie sei vielmehr nur ein erster Schritt. A la longue strebt der Hartmannbund einen Ausstieg der Vertragsärzte aus dem Sachleistungssystem an, nicht aber eine Konvergenz oder einen totalen Systemschwenk der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung. Die sozialen Rahmenbedingungen bei der Leistungsgewährung sollten beachtet werden. (Auf der Hauptversammlung im November)

Der Hartmannbund startet am 01.01.1997 seine Präsentation im Internet. Das Internet-Angebot des Hartmannbundes bietet einen Überblick über das Leistungsspektrum des Verbandes.

Der Hartmannbund ist Mitinitiator des Aktionsbündnisses "Mittelstand im Gesundheitswesen". Eine Bündelung der Kräfte der im Gesundheitswesen Beteiligten zur Abwehr der zu erwartenden Nachteile für die Leistungserbringer und Beschäftigten im Gesundheitswesen wird damit erreicht.

Der Hartmannbund kämpft gegen das geplante GKG-Gesundheitsreformgesetz 2000 und verdeutlicht, dass die Gesundheitspolitik der neuen Regierung zu Qualitätsverlusten, zu einem Investitionsstau und zur Arbeitsplatzvernichtung führt. Die Hauptversammlung des Hartmannbundes verabschiedet den Leitantrag "Der Weg in Planwirtschaft und Rationierung". Der Hartmannbund organisiert zwei Demonstrationen in Bonn und Baden-Baden, um gegen die Reformvorhaben der Bundesregierung zu demonstrieren.

Der Hartmannbund setzt seinen Kampf gegen das Gesundheitsreformgesetz fort. Das Plakat "Nein zur Zuteilungsmedizin" (mit Handzettel) wird erarbeitet, um der Öffentlichkeit die Rationierung und Qualitätsminderung ärztlicher und pflegerischen Leistungen durch das Reformgesetz zu verdeutlichen.

Im Jahr 2000 feiert der Hartmannbund sein 100-jähriges Bestehen. Am 13. September fand der Festakt zur 100-Jahr-Feier in Leipzig statt.
Einem unabhängigen Publizisten hat der Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V. zu seinem Jahrhundert-Jubiläum die Aufarbeitung seiner Geschichte anvertraut, - von der Gründung durch Dr. Hermann Hartmann im September 1900 und der Neugründung 1950 bis hin zur Aufzeichnung einer Vision für die Gestaltung der Zukunft der deutschen Ärzte wie überhaupt der ärztlichen Versorgung unserer Bevölkerung. J. F. Volrad Deneke verfaßte keine "Festschrift" im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Denk-Schrift, ein Handbuch der allgemeinpolitischen, der wirtschaftlichen, gesellschafts-, sozial- und gesundheitspolitischen Entwicklung vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts an und reflektierte in diesem historischen Umfeld und Wirkungsfeld der deutschen Ärzte die Reaktionen und Aktionen des alten und des neuen Hartmannbundes.
Mainz Sommer 2006 - Dr.Kuno Winn ... pfeift auf DEMO
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Mainz Sommer 2006 - Dr.Kuno Winn ... pfeift auf DEMO

Seit 30.10.2005 Vorsitzender des Hartmannbunds Dr. Kuno Winn

BERLIN - Tag der Ärzte 18.1.2006
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BERLIN - Tag der Ärzte 18.1.2006
Der Hartmannbund organisierte den "Tag der Ärzte" in BERLIN als Protestveranstaltung (siehe auch Jahreschronik 2006 dazu!!)

Paracelsus-Medaille für den langjährigen Vorsitzenden Dr. Thomas in Münster beim 110. Deutschen Ärztetag

Führungswechsel im Herbst des Jahres - Dr. Kuno Winn übergibt den Vorsitz an seinen Vize Dr. Reinhardt. In einem seiner ersten Interviews nach der Wahl mit dem aend berichtet er voller Stolz, dass inzwischen 18 000 Medizinstudierende Mitglieder im Hartmannbund seien.

Links

  • Das körperschaftliche GKV-System ist umfassend reglementiert, im wettbewerbsfeindlichen Risikostrukturausgleich erstarrt und deshalb für einen echten Wettbewerb mit der PKV nicht gerüstet. In der Tat handelt es sich bei der Abgrenzung von PKV und GKV um eine artifizielle und historisch gewachsene Trennlinie. Diese aufzuheben und in ein einheitliches marktwirtschaftliches System mit staatlichen Rahmenbedingungen zu überführen muss die Aufgabe des Gesetzgebers sein. Dr. med. Hans-Jürgen Thomas - Vorsitzender des Hartmannbundes "Gesundheitsreform: Abschied von Bismarck" Deutsches Ärzteblatt 09.09.2005
  • Hartmannbund: Neuer Kampfgeist Der traditionsreichste und größte Ärzteverband in Deutschland mit fach- und sektorenübergreifender Mitgliedschaft, will sich künftig kämpferischer positionieren: gegenüber der Politik, in den Medien und in der Öffentlichkeit. Der neue Vorsitzende, Dr. med. Kuno Winn (60), MdL, Allgemeinarzt aus Hannover, dem es im dritten Anlauf gelang, bei der 52. HB-Hauptversammlung am 30. Oktober in Potsdam die Nachfolge des 16 Jahre lang mit großer Mehrheit amtierenden HB-Vorsitzenden Dr. med. Hans-Jürgen Thomas (66), Allgemeinarzt aus Erwitte, anzutreten, bemühte die Grundsätze des Verbandsgründers Hermann Hartmann, der den HB als Kampfverband und als Interessenwahrer aller Ärzte 1900 ins Leben rief.
  • Nach den Protesten – Hartmannbund richtet den Blick nach vorne - Hartmannbund sei der einzige Verband über alle Arztgruppen hinweg, der von der Politik angehört werde. Deutsches Ärzteblatt 16.02.2007
  • Hartmannbundmagazin "Alle zusammen sind wir eine Macht" "Laßt uns deshalb eine feste, zielbewußte Organisation schaffen zum Zwecke einer energischen Vertretung unserer aufs Äußerste gefährdeten Interessen! Schließen wir uns fest zusammen, der einzelne ist nichts, alle zusammen sind wir eine Macht." Hermann Hartmann und sein junger Verband hofften nicht auf "die Morgenröte des staatlichen Wohlwollens" oder auf das Entgegenkommen der Kassen.

Berufspolitische Aussagen

4.Nationaler Protesttag  BERLIN 22.9.2006
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4.Nationaler Protesttag BERLIN 22.9.2006
  • Dass die Regierung (die neu gewählte Schwarz-gelbe Koalition Herbst 2009) die Auswirkungen des § 73b SGB V für drei weitere Jahre beobachten wolle, sei hingegen nicht akzeptabel. „Wir werden jedenfalls nicht so lange zuschauen, wie durch die einseitige Monopolstellung eines Verbandes in der hausärztlichen Versorgung bewährte und für die flächendeckende Versorgung unserer Bevölkerung unverzichtbare Strukturen zerschlagen werden“, betonte der Hartmannbundvorsitzende. Dabei richte sich die Kritik ausdrücklich nicht gegen Selektivverträge. Jedoch müssten für die gesamte Vertragslandschaft einheitliche und faire Wettbewerbsbedingungen herrschen.
Kuno Winn: „Das Kollektivvertragssystem hat – bei allen unbestrittenen Schwächen – die Sicherung der wohnortnahen flächendeckenden Versorgung auf einem hohen Niveau erst ermöglicht. Es muss daher eine Chance haben, sich im Wettbewerb behaupten und zukunftsfähig weiterentwickeln zu können. Bleibt der § 73b in seiner jetzigen Form bestehen, wird diese Chance verwehrt und der Untergang des kollektiven Vertragsmodells politisch besiegelt“.
  • Der Landesverband Bayern des Hartmannbundes hat sich gegen die verbindliche Einführung der Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) zum 1. Juli 2011 ausgesprochen. Die AKR würden zu einer weiteren Bürokratisierung der Praxisabläufe führen, befürchtet der Verband. Es sei zweifelhaft, ob ein messbarer Anstieg der der Morbidität zu mehr Honorar in der ambulanten Versorgung führen werde. „Stattdessen geht der Verband davon aus, dass das Versprechen einer morbiditätsgekoppelten Vergütung gebrochen wird,“ sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Dr. Philipp Ascher.

Zitate

  • Insbesondere der Hartmannbund, aus dem 1932/33 die Kassenärztlichen Vereinigungen hervorgingen, verstand sich auch als Pressure group, die mit allen Mitteln politischer Verbandsarbeit die Interessen ihrer Klientel durchzusetzen versuchte. Demgegenüber konnte sich der Deutsche Ärztevereinsbund, der Zusammenschluß der ärztlichen Vereine, dessen Geschäfte von Berlin aus geführt wurden, zur Zeit der Weimarer Republik nur schwer aus den Fesseln der Vergangenheit lösen. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs hatte der Honoratiorenverband Mühe, sich von dem althergebrachten System der Petitionen und Denkschriften zu lösen und sich mit den Spielregeln der ungeliebten parlamentarischen Demokratie auseinanderzusetzen. "Die Parteien gehen uns nichts an", so äußerte man sich noch zu Beginn der 20er Jahre im Geschäftsausschuß des Deutschen Ärztevereinsbundes. Anders dagegen der Hartmannbund: Auf der Hauptversammlung des Jahres 1927 referierte Karl Haedenkamp über "Die Gesundheitspolitik des Reiches und die Ärzte" und schilderte dabei den Kollegen ausführlich den Gesetzgebungsprozeß im Berliner Reichstag und die legitimen Möglichkeiten der Ärzteschaft, darauf Einfluß zu nehmen. Ihm war klar, "daß solchen Erörterungen gegenüber in manchen Kreisen der Kollegen eine gewisse Empfindlichkeit besteht", müsse man sich doch auf das niedrige Niveau der Parteienpolitik herablassen. Haedenkamp dagegen war zu der pragmatischen Überzeugung gelangt, daß "wir unsere Standespolitik den Möglichkeiten politischer Einwirkung anzupassen haben".
  • Konfliktreichen Prozeß der Rollendifferenzierung zwischen freiem Hartmannbund und öffentlicher KBV, denn hi[[er gab es vor 1955 kaum eine Gelegenheit Erfahrungen zu sammeln, hatte doch der Hartmannbund schon seit 1933 die Geschäftsführung der KVD übernommen,um dann 1936 aufgelöst und in die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands überführt zu werden. Die nach 1945 allmählich wieder hergestellte Doppelstruktur ärztlicher Interessenvertretung, die sich später gemäß der These vom ärztlichen Spiel- und Standbein zu einer interessenpolitisch zentralen Organisationsressource entwickelte, basierte zunächst keineswegs auf einem funktionstüchtigen System verbandlicher Arbeitsteilung, sondern führte zu einem intensiven Konflikt um angestammte Verbandsdomänen und -zuständigkeiten, der soweit ging, daß man sich zunächst gegenseitig die Existenzberechtigung absprach.
  • Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf lobte Mut und Bürgersinn des Verbandsgründers und der Verbandstradition und erklärte, dass auch heute, gerade im deutschen Gesundheitswesen, besondere Ordnungsaufgaben zu erledigen seien. Biedenkopf betonte die Wichtigkeit marktwirtschaftlicher Elemente - "Marktwirtschaft ist Wahlwirtschaft" - und wies zugleich auch daraufhin, dass im Gesundheitswesen die Nachfrage des Patienten stark vom Angebot des Arztes abhänge, der Patient also nur "bedingt entscheidungsfähig" sei. Zur Budgetsituation forderte er den Dialog des Arztes mit den Patienten und die Information der Öffentlichkeit durch die Ärzte, um den "Weg in den Kollektivismus" zu verhindern. (Aus Anlass der 100. Wiederkehr seiner Gründung hat sich der Hartmannbund am 13./ 14. September 2000 am Gründungsort Leipzig versammelt und zu verstärktem Widerstand gegen die Budgetierung aufgerufen.)
  • Wenn eine Ärzteorganisation wie der Hartmannbund, dem man alles andere als Nähe zur Basis attestieren kann, jetzt auf die Karte „Machterhalt“ setzt, dann ist das deckungsgleich mit der Strategie der KVen. Hauptsache überleben! Wie es dabei dem einzelnen Arzt geht, ob die Interessen der Basis wahrgenommen werden oder ähnliches mehr, das interessiert doch einen Funktionär klassischer Prägung nicht die Bohne. Hätte es ihn interessiert, dann hätte es weder eine Freie Ärzteschaft gegeben noch wäre Facharzt.de zum zentralen Platz der Meinungsäußerungen der Ärzte geworden.
  • Dr. med. Kuno Winn, Vorsitzender des Hartmannbundes erinnerte daran, dass sein Verband vor mehr als hundert Jahren gegründet wurde, um der Einkaufsmacht der Krankenkassen eine schlagkräftige ärztliche Organisation entgegenzusetzen. Heute gelte es mehr denn je, Dumpingpreise für ärztliche Leistungen zu verhindern, betonte Winn. „Der Hartmannbund steht deshalb Seite an Seite mit den Kassennärztlichen Vereinigungen.“ (Gesundheitskongress der FDP Ende August 2008 in Hannover)
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