Herbert Lewin
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Prof. Dr. med. Herbert Lewin, * 1.4.1899 Schwarzenau, † 21.11.1982 Wiesbaden, Mediziner, Opfer des NS-Regimes.
Lewin wuchs um die Jahrhundertwende in einem bürgerlich-liberalen Elternhaus im Bezirk Bromberg auf, wo Polen und Deutsche der Bürgerschicht miteinander lebten; um keine Seite zu diskreditieren, sprach man französisch. Wie so viele andere Juden auch wurde Lewin im Ersten Weltkrieg Soldat – ein damals selbstverständlicher Einsatz für das Vaterland.
- 1919 begann er zunächst ein Studium der Landwirtschaft und Staatswissenschaften, um später den landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters übernehmen zu können, entschied sich dann aber doch, Medizin zu studieren.
- 1922 Eintritt in die SPD, und so etwas galt für die Nationalsozialisten als „jüdisch-bolschewistisch“.
- 1924 Promotion, danach Volontärarzt in Berlin
- 1925 heiratete er die Berliner Ärztin Dr. Alice Belgard.
- 1928–1931 absolvierte er an verschiedenen Berliner Krankenhäusern eine Ausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
- Ab 1931 arbeitete er auf diesem Gebiet als niedergelassener Arzt, setzt auch seine wissenschaftliche Arbeit fort. Die Annnahme seiner Habilitationsschrift wurde 1932 jedoch aus rassistischen Gründen verweigert.
- 1935 wurde er Chefarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Jüdischen Krankenhauses in Berlin,
- 1937 Chefarzt der gleichen Abteilung des Israelitischen Krankenhauses in Köln-Ehrenfeld.
- 22.10.1941 - Lewin und seine Ehefrau werden mit weiteren 2 014 Kölner Juden ins Ghetto Lodz deportiert. Er war bis 1945 im Ghetto Lodz und in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Oranienburg und Schwarzheide Häftlingsarzt. Seine Frau überlebte die KZ-Haft nicht.
- Ab Mai 1945 holt der damalige Kölner Oberbürgermeister, Konrad Adenauer, aus Köln stammende Häftlinge, mit städtischen Autobussen, aus Theresienstadt zurück. Herbert Lewin leitet danach einen dieser Transporte.
- 1946 wird er Vorsitzender der Kölner Synagogen-Gemeinde und zum ersten Vorsitzenden der wiedererstandenen Synagogengemeinde Köln gewählt.
- 1948 habilitierte er sich an der Universität zu Köln
- 1950 wurde er Chefarzt an der Städtischen Frauenklinik in Offenbach.
- 1965 wurde Lewin bei gleichzeitiger Emeritierung zum ordentlichen Professor ernannt.
- 1963–1969 war Herbert Lewin Vorsitzender des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland.
- Er wurde u. a. mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille und dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet.
Skandal in der BRD
- Im September 1949 ist der Widerruf der Wahl Lewins zum Direktor der Städtischen Frauenklinik in Offenbach durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Offenbach der erste antisemitische Skandal der neu konstituierten Bundesrepublik Deutschland. Die „Frankfurter Rundschau“ formulierte hierzu eine Forderung zum Schutz der überlebenden Juden an die Bundesregierung. Von Ärzten im Offenbacher Gemeinderat, Ärzten und Krankenschwestern des Offenbacher Krankenhauses und dem CDU-Bürgermeister der Stadt abgelehnt, veranlasste erst ein weltweiter Protest und die Intervention der vorgesetzten Behörden den Offenbacher Magistrat, diesen antisemitischen Skandal zu bereinigen.
- (Begründung für den Widerruf der Wahl: Lewin würde mit dem Rachegefühl eines KZ-lers seine Arbeit antreten, keine Frau könne sich ihm mit ruhigem Gewissen anvertrauen.)
- Lewin wurde erneut gewählt.
Links
- Herbert-Lewin-Platz: Doppelte ErinnerungHerbert Lewin gehörte zu jenen Ärzten, die von den Nazis als, "jüdisch-bolschewistisch bezeichnet wurden“, erinnerte Schubert. Ihm wurde seine Approbation entzogen, dann durfte er als „Krankenbehandler“ noch jüdische Patienten versorgen, ehe er mit seiner Ehefrau Alice ins Ghetto von Lodz deportiert wurde. Seine Frau starb, er überlebte.
- Herbert Lewin und Käte Frankenthal: Zwei jüdische Ärzte aus Deutschland Als sich die kassenärztliche Versorgung immer mehr durchsetzte, wurden jüdische Kassenärzte, die oft in politisch linken Parteien engagiert waren, als „Fabrikmediziner“ oder „Kassenlöwen“ diffamiert und damit in eine marxistisch-jüdische Ecke gedrängt. All dies bildete den Nährboden für viele nichtjüdische Kollegen, ihre Vorurteile gegenüber einer deutschen Minderheit zu festigen. Bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sorgten die ärztlichen Spitzenorganisationen, Hartmannbund und Deutscher Ärztevereinsbund mit dafür, die als rassisch minderwertig oder als politisch nicht konform angesehenen Ärzte aus ihren Stellen zu vertreiben. Lewin reichte 1932 seine Habilitationsschrift ein, deren Annahme aus antisemitischen Gründen verweigert wurde, was man aber selbstverständlich so nicht formulierte.
- Auf dem Herbert-Lewin-Platz wird dem Besucher ein ebener Belagsteppich aus Granitplatten ausgelegt: eine repräsentative Entreesituation mit intimem Saloncharakter Neben einem Bouquet Schwarzkiefern fungieren ein Messingkörper und eine hölzerne Chaiselongue als dessen Möblierung. Die mit einer Armstütze aus Messing versehene Chaiselongue lädt auf seiner großzügig offenen, aus Eichenholz feingefügten Sitzfläche zum Verweilen ein; ein dünner Wasserfilm auf der goldstrahlenden Oberfläche des Messingkörpers bildet einen Glanz, der changierende Spiegelungen der umliegenden Fassaden, der vorbeifahrenden Autos oder der ankommenden Besucher erzeugt.


