Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

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Das IQWiG ist ein unabhängiges wissenschaftliches Institut, das den Nutzen medizinischer Leistungen für den Patienten untersucht. Damit stehen nach eigener Darstellung Qualität und Wirtschaftlichkeit auf dem Prüfstand. Das Institut soll erforschen, was therapeutisch und diagnostisch möglich und sinnvoll ist und Ärzte und Patienten darüber informieren.

Es wurde im Zuge der Gesundheitsreform am 1. Juni 2004 als eine Einrichtung der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gegründet und ist im Auftrag des Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) oder des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) tätig. Finanziert wird das IQWiG aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Über die Leitung des Instituts entscheidet laut Satzung einstimmig der Vorstand des IQWiG. Dort sitzen neben FDP-Mitglied Georg Baum und die von ihm geführte Deutsche Krankenhausgesellschaft zwei Vertreter des GKV-Spitzenverbandes, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium.


Peter T. Sawicki
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Peter T. Sawicki

Derzeit gliedert sich das IQWiG in acht Ressorts. Leiter des Instituts war anfänglich Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki. Er trat sein Amt zum 1. September 2004 an.

Sein Arbeitsvertrag endete im August 2010 und die CDU/CSU/FDP-Koalition lehnte eine Verlängerung ab.
Prof. Dr. med. Jürgen Windeler wurde als Nachfolger berufen.


Inhaltsverzeichnis

Aufgaben IQWiG

  • Zu den Instituts-Aufgaben gehört unter anderem die Bewertung von Operations- und Diagnoseverfahren, Arzneimitteln sowie Behandlungsleitlinien. Auf der Basis der evidenzbasierten Medizin erarbeitet das IQWiG außerdem die Grundlagen für neue DMP Disease-Management-Programme - strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke.
  • Herr Sawicki, das Institut ist aus der Taufe gehoben. Was können Sie über die künftige Arbeit, über das Aufgabenspektrum und die Verfahrensweise sagen?
Die Aufgaben ergeben sich aus dem § 139a SGB V. Diese Aufgaben werden wir erfüllen müssen. Das sind vor allen Dingen die Informationsanfragen des Gemeinsamen Bundesausschusses und des Gesundheitsministeriums. Die bezüglich einer entsprechenden Fragestellung erstellten Berichte werden wir mit dem Auftraggeber diskutieren und ggf. modifizieren. In eigener Regie, aber auch in Absprache mit den Patientenvertretern, dem Gemeinsamen Bundesausschuss und den Patientenbeauftragten der Bundesregierung werden wir auch Patienteninformationstexte erstellen. Wir werden des Weiteren Leitlinien beurteilen für DMP Disease-Management-Programme und eine Nutzenbewertung im Bereich von medizinischen Innovationen bzw. schon vorhandenen therapeutischen und diagnostischen Konzepten durchführen.
  • Erstmalig hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) damit beauftragt, nicht allein den Nutzen eines Arzneimittels, sondern das Verhältnis von Nutzen und Kosten zu bewerten. Das Institut soll eine Kosten-Nutzen-Bewertung unter anderem zu einer Kombinationstherapie aus Clopidogrel und Acetylsalicylsäure bei akuter Herzkrankheit im Vergleich zu einer Monotherapie mit Acetylsalicylsäure durchführen.


Zitate

  • Experten kritisieren den Abschlussbericht des IQWiG zur schweren Aplastischen Anämie als nicht akzeptabel - Das Institut hat den ersten Abschlussbericht zur Blutstammzelltransplantation vorgelegt. Wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Empfehlung des IQWiG folgt, könnte die Stammzelltransplantation als Standardbehandlung bei Schwerer Aplastischer Anämie für Kassenpatienten in Deutschland vor dem Aus stehen, wenn keine Spender aus dem Familienkreis vorhanden sind. Die schwere aplastische Anämie ist eine seltene Blutkrankheit, bei deren Behandlung die Stammzelltransplantation die einzige potentiell lebensrettende Behandlung sein kann – dies ist der international akzeptierte, vielfach belegte Wissensstand unter Forschern und Ärzten.
  • Obwohl der IQWiG-Bericht keine rechtlich bindende Wirkung hat und der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) "frühestens 2008" entscheiden wird, ob es Änderungen bei der Erstattung der Stammzelltransplantation durch die Kassen gibt, fürchtet Ehninger doch Konsequenzen: Er warnt davor, dass die Versorgung der Patienten in Deutschland sich von internationalen Therapiestandards abkoppelt: International sei die Zahl der Stammzelltransplantationen bei Patienten mit akuten Leukämien binnen eines Jahres um 25 Prozent gestiegen, in Deutschland hingegen sei ihre Zahl im gleichen Zeitraum von 700 auf 550 gesunken. Die Kritik an dem Vorgehen des IQWiG macht sich die Regierung nicht zu eigen: Man beurteile nicht die wissenschaftlichen Ergebnisse des Instituts und greife auch nicht in das laufende Beratungsverfahren des GBA ein, heißt es auf die Frage der Links-Abgeordneten, ob die Regierung das Fazit des IQWiG teile.
  • Der Chef des Instituts, Peter T. Sawicki steht jetzt im Verdacht, unter Umgehung der Vergaberichtlinien und ausdrücklicher Vorgaben in seinem Arbeitsvertrag besonders gern mit einem Institut zusammengearbeitet zu haben, bei dem er früher Mitinhaber war und an dem seine Ehefrau weiterhin Anteile hält – dem Deutschen Institut für evidenzbasierte Medizin (DIeM), das unter anderem klinische Studien zu Diabetes durchführt. Diesen Klüngel-Verdacht hat jetzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand AG im Kern bestätigt. Von 71 geprüften Vergabeverfahren stellte BDO bei sechs Unregelmäßigkeiten fest.

Politische Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag

  • Kosten-Nutzen-Bewertungen müssen praktikabel nach klaren, eindeutigen Kriterien erfolgen. Die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden wir auch unter dem Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren überprüfen und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten und Patienten, Leistungserbringer und Hersteller verbessern. Dabei werden wir die Betroffenen frühzeitig beteiligen. (Herbst 2009, schwarz-gelbe Koalition)



Qualitätsnorm in der Praxis - TÜV-Kriterien

  • Die elf Kriterien der DIN EN 15224

  1. Angemessene Versorgung: Der Patient wird entsprechend seines gesundheitlichen Zustands mit keinen/geringfügigen Komplikationen oder Nebenwirkungen behandelt.
  2. Verfügbarkeit: Dienstleistungen der Gesundheitsversorgung sind für den Patienten erreichbar und möglich.
  3. Kontinuität der Versorgung: Es besteht eine nahtlose Kette von Dienstleistungen der Gesundheitsversorgung für den Patienten.
  4. Wirksamkeit: Tätigkeiten der Gesundheitsversorgung sorgen in relativ kurzer Zeit zu einem erwartet positiven Ergebnis.
  5. Effizienz: Das für den Patienten erwartete Ergebnis wird unter Einsatz eines Minimums an Ressourcen erzielt.
  6. Gleichheit: Patienten mit gleichartigen Erfordernissen wird die gleiche Versorgung erbracht.
  7. Evidenzbasierte Versorgung: Untersuchungen und Behandlungen beruhen auf wissenschaftlich fundierten Tatsachen und/oder Erfahrungen auf der Basis von Wissen/bester Praxis.
  8. Auf den Patienten ausgerichtete Versorgung: Tätigkeiten der Gesundheitsversorgung sind auf die Sichtweise des Patienten konzentriert und werden stets mit dem Einverständnis des Patienten und mit Blick auf die körperliche und psychologische Unversehrtheit ausgeführt.
  9. Einbeziehung des Patienten: Der Patient wird in Kenntnis gesetzt und nach Möglichkeit in alle/n Behandlungen aktiv einbezogen.
  10. Patientensicherheit: Allen beim Patienten vermeidbaren Schäden wird vorgebeugt.
  11. Rechtzeitigkeit: Patient ist in der Lage, die Dienstleistungen der Gesundheitsversorgung ohne unzumutbare Wartezeiten zu erhalten.
Quelle: TÜV SÜD; DIN EN 15224


Interviews

  • Zulassungsverfahren für Prothesen: "Das ist alles und nichts" - Bisher gibt es kein strenges Zulassungsverfahren für Prothesen. Das soll sich ändern, fordert Jürgern Windeler, oberster Arzneimittelprüfer in Deutschland. Für solche Produkte ist es unverzichtbar, den patientenrelevanten Nutzen zu untersuchen, möglichst in randomisierten klinischen Studien.

Links

  • Mit AQUIK® liegt ein Instrumentarium vor, mit dem man Qualität indirekt abbilden kann. Dies dient der Qualitätsentwicklung, mittelfristig aber auch als eine Bemessungsgrundlage für die ärztliche Vergütung.

Quellen

Website des Instituts

Persönliche Werkzeuge