Jürgen Wasem

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Prof. Dr. Jürgen Wasem - Geboren 2. September 1959 in Köln, verheiratet, zwei Kinder

Prof. Dr. Jürgen Wasem
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Prof. Dr. Jürgen Wasem

Gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat die Universität Duisburg-Essen den Lehrstuhl für Medizinmanagement zum Sommersemester 2003 eingerichtet. Der Lehrstuhl befasst sich an der Schnittstelle von Wirtschaftswissenschaften und Medizin mit Fragen des Managements, der Steuerung und der Finanzierung des Gesundheitssystems und seiner Einrichtungen. Prof. Wasem ist Mitglied des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften und der Medizinischen Fakultät der Universität. Im FAZ-Ranking der politisch einflussreichsten Ökonomen in Deutschland wurde Wasem im September 2013 auf Platz 7 gerankt. [1]


Akademische Ausbildung

  • Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Politikwissenschaft und Sozialpolitik an der Pennsylvania State University, der University of Sussex und der Universität zu Köln (1978-1983)
  • Examen: Diplom-Volkswirt (1983, Prädikat. Sehr gut)
  • Promotion zum Dr. rer. pol.: 1985 in Köln (Prädikat: summa cum laude)
  • Habilitation: 1996 in Bielefeld
  • Forschungsschwerpunkte: Ökonomische Evaluationen von medizinischen Interventionen, HTA, Versorgungsforschung, Gesundheitssystemforschung, Krankenversicherungsökonomie.

Inhaltsverzeichnis

Berufliche Stationen

  • Wiss. Mitarbeiter Universität Köln (1983- 1985)
  • Referent Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (1985-1989)
  • Professor Fachhochschule Köln (1989-1991 u. 1994-1997)
  • Projektleiter Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (1991-1994)
  • Professor Universität München (1997-1999)
  • Lehrstuhl Universität Greifswald (1999-2003)
  • Lehrstuhl Universität Duisburg-Essen (seit April 2003)



Wichtigste Mitgliedschaften

  • Vorstand der Gesellschaft für sozialen Fortschritt (seit 1990)
  • Vorstand der Abteilung Sozialversicherung im Deutschen Verein für Versicherungswissenschaft (1994-2010)
  • Wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (seit 1998)
  • Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (1999-2010)
  • Vorsitzender des Landesschiedsamtes für die Vertragsärztliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern (seit 2001)
  • Unparteiisches Mitglied im Bundesausschuss der Zahnärzte und Krankenkassen (1997-2003)
  • stellvertretendes Mitglied im Koordinierungsausschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (2001-2003)
  • Mitglied der „Herzog-Kommission“ (2003)
  • Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (seit 2004)
  • Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Betrieblichen Krankenversicherung (2004-2006, von 2006 bis 2008 Mitglied des Beirats)
  • Vorsitzender des Erweiterten Bewertungsausschusses in der vertragsärztlichen Versorgung (seit 2007); seit 2013 auch: Vorsitzender des Erweiterten Ergänzten Bewertungsausschusses für die Ambulante Spezialärztliche Versorgung nach § 116b SGB V
  • Vorstand Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (seit 2009; Vorstandsvorsitzender: Geschäftsjahr 2013/14)
  • Vorstand Bundesverband Managed Care (seit 2010)
  • Reformkommission der Evangelischen Kirche Deutschlands (2010/11)
  • Reformkommission der Grünen (2012/13)

Zitate

"Planer und Experte"

  • Eckpunkte einer neuen Gesundheitspolitik - SPD-nahe Wissenschaftler legen Reformvorschläge vor für Wahlprogramm - Ihre Pläne gelten als Vorlage für das Wahlprogramm, das die SPD Ende April festzurren und im Juni verabschieden will. Ein fehlgesteuertes System, in dem jeder eigene Regeln aufstellt ... Solidarität und Verantwortung in der Gesundheitspolitik heißt daher, die Gesunden helfen den Kranken, die Jungen den Alten, die sozial besser Gestellten den sozial Schwachen. Dies ist kein Prinzip von gestern, sondern ein Grundwert einer modernen und humanen Gesellschaft. Wer dies aufgibt will eine Gesellschaft mit weniger Solidarität und Gemeinwohlorientierung. Der Verbraucher, der Patient, fühlt sich überfordert gegenüber diesem System und den jeweiligen Interessengruppen, die häufig die Patienten für ihre Interessen instrumentalisieren. Die jeweiligen Interessengruppen im Gesundheitsbereich führen seit Jahren einen erbitterten Verteilungskampf um ihren Anteil an einem begrenzten Gesamtbudget. Die Orientierung an den Interessen der Einzelakteure im Gesundheitsbereich blockiert das System und sichert keine Zukunft mehr, weder für Ärzte, Standesorganisationen, Krankenhäuser, pharmazeutische Industrie oder Patienten
  • Schon im vergangenen Jahr hatte die vom SPD-Parteivorstand unterstützte Expertengruppe ein Eckpunktepapier mit der Forderung nach der radikalen Entmachtung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Einbeziehung von Miet- und Zinseinnahmen in die Beitragsbemessung vorgelegt (FR dokumentierte die Ideen am 4.12.2001). Doch als die Wissenschaftler nun ihren Abschlussbericht mit konkreten Handlungsanweisungen für eine Reform nach der Bundestagswahl präsentieren wollten, wurde Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Sache zu heikel: Die Pressekonferenz musste abgesagt werden. (nach Frankfurter Rundschau August 2002)
  • wdr.de: Welche strukturellen Maßnahmen müssten denn Ihrer Meinung angegangen werden? Jürgen Wasem: Die Zusammenarbeit ist ein ganz wichtiger Punkt. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Verzahnung von ambulant und stationär. Stichwort: Doppelte Facharztschiene. Wir sind eines der ganz wenigen Länder, das sich eine ausgebaute Facharztstruktur leistet - technisch und personell gut ausgestattet. Aber nur wenige hundert Meter weiter gibt es das Krankenhaus mit einer Fachabteilung, wo stationäre Ärzte derselben Fachrichtung arbeiten, ebenfalls gut ausgestattet. Die meisten anderen Länder gehen mit dieser Schnittstelle zwischen ambulant und stationär anders um. In den USA oder in Kanada nutzt der niedergelassene Facharzt das Krankenhaus als Belegarzt. Damit wird die Schnittstelle optimiert und nicht doppelt vorgehalten. Oder nehmen wir das Beispiel Holland oder England: Der Facharzt ist an der Klinik und behandelt sowohl ambulant als auch stationär. In beiden Fällen wird weniger Infrastruktur benötigt. Auch der Behandlungs-Prozess ist optimiert: Es ist derselbe Arzt, dieselbe Einrichtung, die den Patienten kontinuierlich betreut. 30.06.2006
  • Hausarzt - Dr. med. Wegweiser - Einige Kassen wollen Hausarztmodelle einführen. Das kann die Versorgung verbessern, Geld spart es vorerst nicht - Es kommt nicht oft vor, dass Experten ratlos sind, aber in der Gesundheitspolitik ist das momentan der Fall. Ökonomen, Kassenmanager, Parlamentarier und Ministerialbeamte sind gleichermaßen ratlos. Den öffentlichen Aufruhr gegen die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal, die seit Anfang des Jahres erhoben wird, kann kaum einer von ihnen verstehen. Andere Maßnahmen, etwa die höheren Medikamentenzuzahlungen, würden Versicherte viel stärker belasten, heißt es. In der Apotheke lasse der Patient oft weit mehr Geld als beim Arzt. Gebühren-Panik hat auch ihr Gutes: Sie fördert eine alte Idee, für die Sozialdemokraten und Grüne seit langem streiten: das Hausarztmodell. Wasem und seine Kollegen verweisen darauf, dass die Konsultationszeit in Ländern mit Hausarztmodell grundsätzlich kürzer sei als in Ländern ohne solche Angebote. Das lässt sich unterschiedlich deuten. Wer seine Patienten gut kennt, braucht mit ihnen möglicherweise nicht so lange zu sprechen, um sie richtig zu behandeln. Dem Gutachten zufolge kennen allerdings Hausärzte aus Ländern mit „Lotsenmodell“ ihre Patienten nicht besser.
  • „Halbherzig“ - Der Gesundheitsexperte Jürgen Wasem zu Reformplänen - Professor für Medizin-Management an der Universität Duisburg-Essen, sitzt im Gesprächskreis „Arbeit und Soziales“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und ist Mitglied der „Kommission Soziale Sicherheit“ der CDU. - Kann Wettbewerb in einem solidarischen System wirklich funktionieren? Wasem: Ja, wenn man entsprechend intelligente Rahmenbedingungen schafft. Wir dürfen keinen Wettbewerb um den Umfang des Leistungskatalogs zulassen, sonst kommt es zu massiven Selektionseffekten. Es kann kein Wild-West-Wettbewerb sein, man muss eine Reihe von Regulierungen schaffen, sonst bleibt der Schutz der chronisch Kranken und der Einkommensschwachen auf der Strecke. SZ: Erfüllt das der Kabinettsentwurf? Wasem: Er geht in die richtige Richtung. Aber das Problem im Entwurf von Ulla Schmidt ist die Beschränkung auf ein bisschen Wettbewerb. Er enthält keine wirklich in sich schlüssige Konzeption bereichsübergreifender Versorgung. Wirkungen und Nebenwirkungen eines solch halbherzigen Ansatzes kann man kaum abschätzen. (Süddeutsche Zeitung Juni 2003)
  • Es kam einem amtlichen Rüffel für einen Gelehrten gleich: Der erste Gutachten-Entwurf, den der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem vergangene Woche vorgelegt habe, sei "korrekturbedürftig", sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater. Der Gutachter habe die Korrekturwünsche entgegengenommen und wolle noch im Laufe dieser Woche eine zweite Version vorlegen. Einzelheiten wollte das Ministerium aber nicht erläutern. In der Auseinandersetzung um den Gesundheitsfonds geht es entscheidend um die Forderung der reichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, nicht zu viel Geld in ärmere Länder abfließen zu lassen. Die CSU hatte ihre Zustimmung zur Gesundheitsreform 2007 daran geknüpft, dass die Belastung der Südländer nicht über 100 Millionen Euro pro Jahr liegt. 7. April 2008
  • Einzelne Gruppen von Ärzten allerdings können ihre Marktposition in einem solchen System deutlich verbessern. »Bislang arbeiten die Kassenärztlichen Vereinigungen wie Kartelle«, sagt Gesundheitsökonom Wasem. »Sie müssen deshalb auch auf die Leistungsschwachen Rücksicht nehmen. Wer von sich weiß, dass er gut ist, musste sich bislang täglich über diese Gleichbehandlung ärgern. Nun können die Guten marschieren.«
Dr. med. Unternehmer - Wirtschaftlicher Druck bringt viele Ärzte dazu, sich besser um ihre Patienten zu kümmern - 27.08.2009

Andere über Prof. Wasem

  • Berliner Zeitung, 27.08.2008, Daniel Baumann: Ein Schamane für die Ärzte - Die Webseite von Jürgen Wasem trägt im Titel den Begriff Medman. Medman? Die Abkürzung steht für Medizinmanagement, das lehrt und darüber forscht Wasem an der Uni Duisburg-Essen. Wasem ist ein gefragter, wenn auch außerhalb der Gesundheitsbranche unbekannter Schlichter. Er hat schon bei Zahnärzten, Zahntechnikern und Ärzten erfolgreich vermittelt. Auch jetzt wird erwartet, dass der eifrige Wissenschaftler einen weiteren Vorschlag aus seinem Notebook zaubern wird. Der 49-jährige Vater von zwei Kindern hat sich im Gesundheitswesen den Status eines Unverzichtbaren erarbeitet. Er sitzt in Ausschüssen und Aufsichtsräten, entwirft Konzepte für Kosten-Nutzen-Bewertungen von Arzneien oder den Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenkassen, er berät Parteien und Minister in Deutschland und Regierungen auf der ganzen Welt.
  • Wasem, 48,beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Gesundheitswesen: in den 80er Jahren als Mitarbeiter im Bundesarbeitsministerium, als Forscher sowieso, aber auch in Schiedsämtern etwa für die vertragsärztliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Maßgeblich hat er Konzepte für den Morbi-RSA entwickelt. "Er ist ein kundiger Experte, der sich in Fragen der Morbidität und Ökonomie hervorragend auskennt", urteilt KBV-Chef Andreas Köhler über den Mann, der für die Ärzte jetzt so wichtig ist. (HL)
  • Prof. Dr. Jürgen Wasem setzt ebenfalls an einem Widerspruch an: Der Mythos, Deutschland habe eines der teuersten Systeme, werde weiter gepflegt, obwohl Deutschland am brutalsten die Kosten dämpfe!
Die Kostendämpfung werde durch den 2. Gesundheitsmarkt (Privatleistungen, IGeL ...) nicht kompensiert!
Im internationalen Vergleich sei das deutsche System sehr solidarisch. Das von Wasem bevorzugte System ist allerdings das niederländische.
Wasem kitisiert in Deutschland:
• Den Gesundheitsfonds, der von Anfang an eine Fehlentscheidung gewesen sei und den Kassen keinen verlässlichen Finanzierungsrahmen gibt.
• Die unklare Rollenverteilung von Kooperatismus und Wettbewerb. Die Akteure werden durch diese unklaren Rahmenbedingungen frustriert. Von dem reinen Wettbewerbsmodell, das er selbst vor etwa 10 Jahren entwickelt habe, sei er inzwischen weggekommen. Auch er sieht die Notwendigkeit, dass wir uns für die Zukunft besser aufstellen müssen, weil die Entwicklung hin zu Chronifizierung, Geriatrisierung und Multimorbidisierung gehe. (Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2011)

Vorsitzender des Erweiterten Bewertungsausschusses

„Wenn schon Monopole, dann sind sie bei einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besser aufgehoben als bei eingetragenen Vereinen“, sagte Wasem. Die Wirkung von Hausarztverträgen hänge darüber hinaus wesentlich davon ab, wie sie ausgestaltet seien.
  • Jürgen Wasem hat im Poker um die Ärztehonorare eine Schlüsselposition. Der Gesundheitsökonom der Universität Duisburg-Essen ist seit 2007 Vorsitzender des sogenannten Erweiterten Bewertungsausschusses, in dem Kassen und Ärzte Jahr für Jahr aushandeln, wie viel die Krankenkassen den 150000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten für ihre Behandlungen zahlen. Kommt es zum Streit, gibt seine Stimme den Ausschlag. Am Dienstag 5.10.2010 stimmte Wasem mit den Medizinern. (Süddeutsche Zeitung 07. Oktober 2010, Seite 4 )


Studienleiter der 5. Delphi-Studie

  • Wissenschaftlich konzipiert und betreut wurde die Studie von Prof. Dr. Jürgen Wasem, Universität Duisburg-Essen, und Hans-Dieter Nolting, IGES Institut Berlin.
Die dritte Phase des interaktiven Diskurses erstreckte sich über das ganze Jahr 2009: Es wurden weiteren Gruppen - zum Beispiel Politikern - Workshops angeboten. Sie erhielten die Gelegenheit, anhand der Delphi-Szenarien alternative Gestaltungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen zu diskutieren. Ziel war und ist es, mit unseren Partnern im Gesundheitswesen und mit der Politik die vorhandenen Chancen zu nutzen und praktikable Lösungsansätze für anstehende Herausforderungen zu finden.
Download der Studie bei janssen-cilag

Eigene Aussagen

Auf dem Podium Prof. Wasem rechts, in der Mitte Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer
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Auf dem Podium Prof. Wasem rechts, in der Mitte Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer
  • zur Frage: Wird man befangen, wenn man kommuniziert?
Alle Akteure wissen, dass ich durch Kontakte mit allen anderen Akteuren nicht befangen werde, sondern gerade mir meine Freiheit erhalte. Und meistens ist es auch so, dass die Akteure selber gerade diese Weite auch von mir wollen. Ich rede eben ohne Scheuklappen mit allen und bilde mir meine eigene, hoffentlich gut durchdachte Meinung - meistens mit meinen wissenschaftlichen Mitarbeitern (die ich nicht für Loyalität, sondern für Kritikfähigkeit bezahle) durchdiskutiert. (aus dem Diskussionsforum facharzt.de)
  • Ich glaube fest, dass die Asymmetrie zwischen Arzt und Patient vielfach so groß ist, dass der eben nicht nur ethisch sondern auch ökonomisch handelnde Arzt diese Asymmetrie in einem Direktabrechnungsystem zu seinem Vorteil ausnutzt. Deswegen ist der Patient nach meiner Überzeugung in einem Sachleistungsprinzip besser aufgehoben. Das Problem ist dann aber natürlich, dass man die Krankenkassen durch entsprechende Regulierung und Anreize dazu kriegen muss, ihre Rolle im Sachleistungsprinzip zum Nutzen der Patienten einzusetzen. An einem solchen Regulierungsrahmen arbeite ich. (22.08.2008 in facharzt.de)
  • Jürgen Wasem: Nun, der Arbeitgeber wird entlastet, das ist auf jeden Fall richtig, wobei man auch da, denke ich, nicht schwarz-weiß malen sollte. Wir haben zwar heute die hälftige Mitfinanzierung der Arbeitgeber, aber genau das führt natürlich bei den ganzen Gesundheitsreformen auch immer dazu, dass wir Selbstbeteiligung raufsetzen, Praxisgebühr einsetzen et cetera. Das machen wir im Kern ja immer, um die Arbeitgeber zu entlasten. Das heißt, wir haben auch bei einer formalen Mitfinanzierung der Zuwächse durch die Arbeitgeber immer das Bemühen, die dann doch zu entlasten, und das trifft auch immer die Patienten, die nämlich die Praxisgebühr brauchen et cetera. Das heißt, ich denke, das ist eine Grundentscheidung. Wenn die Politik sagt: Wir wollen die Arbeitgeber wegen der Lohnnebenkosten entlasten, dann werden sie das so oder so tun, entweder durch Leistungsausgrenzungen oder direkt beim Beitrag.
Jürgen Wasem im Gespräch mit Marietta Schwarz - 13.11.2009


  • Wasem, 51, betont gern seine Unabhängigkeit. Tatsächlich hat er seit mehr als zehn Jahren bei wichtigen Entscheidungen der Gesundheitspolitik immer irgendwie mitgemischt, ohne sich auf eine Partei oder ein Verbandsinteresse festlegen zu lassen. Wasem ist SPD-Mitglied, doch er zögerte nicht, als ihn CDU-Chefin Angela Merkel 2003 fragte, ob er in der 'Herzog-Kommission' mit konservativen Politikern eine Vision für die Zukunft des Sozialstaates entwickeln wolle. Schon in den achtziger Jahren war er Mitarbeiter des CDU-Arbeitsministers Norbert Blüm. Später beriet er Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bei der Reform des Kassensystems. Er setze sich 'ideologiefrei' für ein besseres Gesundheitssystem ein, sagt er. Und gibt ungefragt zu erkennen, dass er offenbar ein sehr weit vorausdenkender Mensch ist. So ähnlich würde er das auch gerne auf seinem Grabstein lesen, fügt er hinzu. (Süddeutsche Zeitung,07. Oktober 2010, Seite 4 )
  • Jürgen Wasem: Es ist nicht unsere Aufgabe, zu prüfen, ob das durchschnittliche Einkommen eines Arztes zu hoch ist oder nicht. Wir argumentieren in der Modellwelt jenes Arztes, der nur gesetzlich Versicherte behandelt. Vor allem haben wir beschlossen, dass die Honorare der Ärzte im nächsten Jahr ungleich wachsen. Diese asymmetrische Verteilung ist auch genau das, was der Gesetzentwurf der Bundesregierung uns vorgegeben hat.
SPIEGEL: Welche Ärzte werden von der Erhöhung besonders profitieren?
Wasem: Ärzte mit Sitz in Regionen, die unter einem bestimmten Zielwert liegen, das werden vor allem Praxen in Nordrhein, Westfalen-Lippe, Baden-Württemberg und abgeschwächt in Bayern sein.
"Ein unerfreuliches Interview" - Niedergelassene Ärzte erhalten im nächsten Jahr mehr als eine Milliarde Euro zusätzliches Honorar. Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sieht darin kein Problem. (SPIEGEL-Interview Heft 41/2010)

Kontakt

  • juergen.wasem@medman.uni-due.de
Tel.: 0201 183 -4072/ -4537
Fax: 0201 183 -4073
www.mm.wiwi.uni-due.de


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