Karl Jung

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Karl Jung 1974 - links - Bundesratsdirektor Dr. Albert Pfitzer gibt Empfang in seinem Haus in BN-Bad Godesberg
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Karl Jung 1974 - links - Bundesratsdirektor Dr. Albert Pfitzer gibt Empfang in seinem Haus in BN-Bad Godesberg
Karl Jung
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Karl Jung

Karl Jung, (* 7. September 1930 in Oberbrechen; † 13. Juli 2005 in Berlin) "Vater der Pflegeversicherung" auch genannt, verstarb im Alter von 74 Jahren in der Berliner Charité im Juli 2005. Der Jurist, der seine Laufbahn 1958 als Richter begann, wandte sich schnell dem Sozialrecht zu. Seit 1961 im Bundesarbeitsministerium unter den Ministern Theodor Blank, Hans Katzer, Walter Ahrendt, Herbert Ehrenberg und zuletzt bei Dr. Norbert Blüm in verschiedenen Bereichen tätig, wurde er 1983 dort der mächtige Leiter der Abteilung Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung - eine Schlüsselposition im Gesundheitswesen. In den 80er Jahren bereitete er eine Neukodifikation des Krankenversicherungsrechts vor:

aus Teilen der über hundert Jahre alten Reichsversicherungsordnung schuf er das fünfte Sozialgesetzbuch SGB V, das 1989 in Kraft trat. Mit diesem Gesetz wurden die Festbeträge für Arzneimittel geschaffen, die Minister Norbert Blüm als Jahrhundert-Reform feierte. Von seinen Mitarbeitern wurde Jung als "Ayatollah Choleri" zuweilen gefürchtet. 1991 wurde im Arbeitsministerium die Abteilung Pflegeversicherung, Prävention und Rehabilitation eingerichtet und er mit der Leitung beauftragt. Als Norbert Blüm den Deutschen 1995 die Pflegeversicherung bescherte, bekam sie schnell einen bösen, treffenden Spitznamen: Erbenschutz-Versicherung.

Für seine Verdienste wurde Jung 1994, ein Jahr vor seiner Pensionierung, zum Staatssekretär ernannt.


Zitate

  • Konflikte bei ablehnenden Entscheidungen hält der Vorsitzende für durchaus denkbar, Klagen für nicht ausschließbar. Allerdings sieht er den Bundesausschuß "im Prinzip auf der gleichen Wellenlänge" wie das aufsichtführende Bundesgesundheitsministerium. "Ich gehe davon aus, daß wir im Sinne des Gesetzgebers arbeiten und uns dabei an Recht und Gesetz halten."
Wie viel Arbeit des Bundesausschusses Verwalten - und wie viel Gestalten ist, läßt Karl Jung zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Unabhängig davon traut er nach eigenen Worten den Ärzten momentan "mehr Handlungsfähigkeit" zu als den "Krankenkassen im Wettbewerb". Er selbst, das weiß man, und das gesteht er auch ohne Umschweife zu, neigt zum Gestalten. Dennoch: Der als zupackender Macher mit beachtlichem Durchsetzungsvermögen bekannte Karl Jung sieht seine neue Position im Bundesausschuß durchaus differenziert: "Meine Funktion ist auf den Konsens ausgerichtet."
  • Denn - offenbar angeregt durch das Vorbild in der „GKV-Gesundheitsreform 2000", die den bisherigen Neunten Abschnitt im Vierten Kapitel des SGB V mit dem Ziel der „Weiterentwicklung der Qualitätssicherung" grundlegend umgestalten will (vgl. §§ 135 bis 138) - soll jetzt wohl auch die Pflegeversicherung mit einer wahren Orgie von Qualitätsregulierungen überzogen werden. Zumindest geben zwischenzeitlich bekannt gewordene erste „Diskussionsentwürfe eines Pflege-Qualitätssicherungsgesetzes" zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Derartigen Exzessen mit einer schier uferlosen Ausweitung und Aufblähung der Grundsatzregelungen zur Qualitätssicherung in § 80 SGB XI muß entschieden entgegengetreten und der Regelungsbedarf auf ein realistisches Ausmaß beschränkt werden.
  • Kleditzsch: Ich habe kurz vor der Unterschrift noch dafür gesorgt, dass die treuhänderische Verwaltung der Polikliniken mit hereingenommen wird. Wir mussten ja oft aus der Situation heraus entscheiden. Wir haben dann auch manchmal per Dekret entschieden. „Verwaltungsstandrecht“ hat das damals Staatssekretär Karl Jung genannt.
Interview mit Dr. phil. Norbert Blüm und Prof. Dr. med. Jürgen Kleditzsch: „Für Reformen braucht man Zeit, und die hatten wir damals nicht“ - Dtsch Arztebl 2009; 106(31-32): A-1556
  • Es kann ohne Übertreibung festgestellt werden, dass ohne den Einsatz von Karl Jung weder die 1985 verabschiedete Reform der Krankenhausfinanzierung noch das 1988 beschlossene Gesundheitsreformgesetz so zustande gekommen wären. Nur durch seine Dynamik und Durchsetzungskraft konnte damals der massive Widerstand der Betroffenen überwunden werden. Dabei hat Karl Jung durchaus mit denselben harten Bandagen für diese Gesetze gekämpft, mit denen ihn die Widersacher gegen diese Reformen traktiert haben. Dies hat ihm damals insbesondere bei der Ärzteschaft und den Krankenhausträgern keine Freunde verschafft. Als Leiter der Abteilung „Pflegeversicherung, Prävention, Rehabilitation“ hat Karl Jung ein weiteres Mal seine Durchsetzungskraft bei der Vorbereitung der 1994 eingeführten Sozialen Pflegeversicherung bewiesen (Nachruf für Karl Jung durch Dr. Rainer Hess Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses
  • Auf dem Tisch vor Dr. Rainer Hess steht eine kleine Messingglocke. Bislang habe das Insigne aus den Zeiten seines Vorgängers – Karl Jung – eher symbolischen Charakter gehabt, betonte der G-BA-Vorsitzende während der ersten öffentlichen Sitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) am 17. Juli 2008 in Berlin. Um Ruhe läuten musste er offenbar nie. Künftig könnte das gute Stück tatsächlich zum Einsatz kommen. Denn trotz der gelösten Stimmung, die unter den Sitzungsteilnehmern herrschte, werden sie eins nicht vermeiden können: Konflikte.

Sozialschädlichkeit

  • Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung in einem Schreiben vom 9.Januar 1986 – AZ: Va 3- 44 703/1 an den Bundesminister der Justiz, Bonn:
Betr. Abrechnungsmanipulationen bei Honoraren und Arzneimitteabgaben zu Lasten der GKV – Ihre Schreiben vom 7. und 23.5.1985, 18.7.1985 AZ: 6310-47300/85
Nach Berichten der Staatsanwaltschaften ist davon auszugehen, dass es sich nicht nur um wenige Einzelfälle handelt. ... dass Manipulationen im übrigen Bundesgebiet vorkommen. ...bundesweit erhebliche finanzielle Einbußen der GKV ...diese Situation verlangt m.E. Über das allgemeine Interesse an der Verfolgung strafbarer Handlungen hinaus besondere Aufmerksamkeit, weil die GKV, deren finanzielle Sicherung auch vom Bundesverfassungsgericht als Gemeinwohlaufgabe eingestuft wird, sich nach wie vor in großen finanziellen Schwierigkeiten befindet.. Die gerade zum Jahresbeginn 1986 wirksam gewordene erneute Beitragssatzanhebungen auf einen Durchschnittssatz von 12% sind ein sichtbarer Beweis dafür, Kostendämpfung und Beitragssatzstabilität aber sind unverzichtbar, wenn das System der sozialen Krankenversicherung finanzierbar bleiben und erhalten werden soll. Es kommt hinzu, dass die festgestellten Manipulationen geeignet sind, das auf Vertrauen gegründete System der GKV in seinem Kern zu diskreditieren.
Die sich schon in den bereits vorliegenden Unterlagen zeigende erhebliche Sozialschädlichkeit und die erkennbaren weitreichenden finanziellen Folgen der Betrügereien für die GKV veranlassen mich daher, Sie zu bitten den Landesjustizverwaltungen eine verstärkte Aufmerksamkeit für diese Straftaten nahezulegen und Sie zu bitten, über die einschlägigen Verfahren in möglichst detaillierter Form zu berichten.
Auch in den restlichen Bundesländern ... Sonderkommissionen einrichten, regelmäßige Berichterstattung über Straftaten dieser Berufsgruppen ... Erfassung der Verfahren ...
Im Auftrag gez. Jung
(gefunden in "Dokumentation über die Verfolgung niedergelassener Ärzte - wie wir das sehen" - Arbeitskreis Kölner Ärzte Mai 1988

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