Krankenhaus Jubilee
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Hier soll eine Krankenhaus-Chronik entstehen, die den Wechsel medizinischer Versorgungskonzepte über eine Geschichte von mehr als 100 Jahren aufzeigt. Im Ort bin ich seit 1984 als Freiberufler in einer Facharztpraxis niedergelassen und erreiche 2011 das "Rentenalter" 65.
Inhaltsverzeichnis |
Chronik
Allgemein
100 Jahre später eine Feier 2008
- 19. Oktober 1908 - Krankenhaus Wilhelmsstift in Isny öffnet - damit hatte es 67 Jahre gedauert, um den Stiftungszweck "Errichtung eines zweckmäßigen allgemeinen Krankenhauses" von 1841 zu erreichen. Platz für 33 Kranke, dazu 3 Isolierzimmernund 5 Reservekrankenzimmer, Operationsraum, Dunkelkammer, Liegehalle
- 1914 - 1918 Erster Weltkrieg: Isny ist Standort für Ersatzbataillon des Württembergischen Gebirgsregiment sowie die 5. Württembergische Ersatz-Maschinengewehrkompanie, im Krankenhaus werden Verletzte behandelt und es dient als Krankenrevier.
- Württembergische Ersatz-Gebirgs-Kompanie Nr. 1 kommt im Juli 1915 nach Isny und wird weiter nach Freudenstadt verlegt, wo am 05. Oktober das Württembergische Ersatz-Gebirgs-Bataillon aufgestellt wird. Von Freudenstadt wurden der Stab, die 1. Ersatz-Kompanie (20. Dezember 1916) und die Genesenen-Kompanie (01. März 1916) nach Isny verlegt. Am 11. August 1917 wurde der dem Ersatz-Bataillon angegliederte Ersatz-Gebirgs-Maschinengewehr-Zug zur 5. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie in Isny versetzt. Die Tragtier-Ersatz-Eskadron, die zuvor in Ludwigsburg stationiert war, wurde im Verlauf des Monats März nach Rimpach bei Isny verlegt. Am 28. Februar 1919 wurde das Ersatz-Bataillon aufgelöst.
- 25. Juli 1927 - Wg. Auftragsmangel und Arbeitslosigkeit fällt der Entschluss zur Erweiterung des Krankenhauses aufgrund der klimatischen Bedingungen sowie den damaligen Möglichkeiten der Tuberkulose-Behandlung leicht. Baubeginn.
- 16. Dezember 1928 - Eröffnung des Anbaus, wobei folgende Ziele verwirklicht wurden:
- Trennung der aseptischen von den aseptisch chirurgischen Fällen
- Einrichtung einer geburtshilflichen Abteilung
- Trennung der Tuberkulosekranken von den übrigen Kranken, Angliederung einer eigenen TBC-Klinik
- Das Krankenhaus wächst damit auf 166 Betten, davon 116 im neuen Anbau für TBC-Kranke, charakteristisch dafür den Zimmern vorgebaute Liegehallen mit Süd-orientierung
- Niemand konnte damals erahnen, dass dieses Krankenhaus im folgenden halben Jahrhundert nicht mehr erneuert werden würde.
- Das Krankenhaus wächst damit auf 166 Betten, davon 116 im neuen Anbau für TBC-Kranke, charakteristisch dafür den Zimmern vorgebaute Liegehallen mit Süd-orientierung
- 17. November 1942 - Luftgaukommando und Stadt Isny schließen einen Vertrag über die Einrichtung eines Luftwaffenteillazaretts mit 90 Betten im Wilhelmsstift. Aufgenommen wurden entsprechend der Spezialisierung des Hauses vorwiegend an Tuberkulose erkrankte Soldaten; Todesfälle gab es verglichen mit anderen Lazaretten in Isny offenbar nur wenige. 539 Patienten weist das Lazarettbuch im Zeitraum 1942 - 1945 aus.
- 1945 - Französische Besatzungstruppen requirieren 26 Betten im Wilhelmsstift für ihren Bedarf, die Ende 1946 wieder freigegeben werden.
- 01. Januar 1971 - Das bis dato städtische Krankenhaus wird vom Landkreis Wangen übernommen, der selbst im Zuge der Kreisreform wenig später im Kreis Ravensburg eingebunden wird, der jahrelange Streit, wer für das Haus bezahlen muss, wird so beigelegt. Krankenhäuser in der Nachbarschaft waren schon Jahre zuvor als übergreifende und umfassende Aufgabe angesehen worden, die den Rahmen einer "städtischen Verwaltung" übersteigen. Am 6.4.1966 hatte der Gemeinderat dem Landkreis das Haus zur Übernahme angeboten.
- Präambel des Vertrages: "Die Übergabe des Hauses an den Landkreis erfolgt in erster Linie, um die seit Jahren notwendige Sanierung des Hauses einschließlich dem Bau eines Schwesternwohnheimes rasch zu verwirklichen"
- Oktober 1972 - Einweihungsfeier für das 6-stöckige neue Schwesternwohnheim am Krankenhaus - Sanierungsplanungen für das Krankenhaus sehen einen Finanzierungsbedarf von 13 Mill. DM
- 1975 - Franziskanerinnen von Reute beenden ihre Tätigkeit am KRK Isny, die letzten 13 werden aus dem Haus abberufen; Franziskanerinnen von Reute verwirklichen ihren Auftrag: „Gott in der leidenden Menschheit zu dienen." - 1899 hatte die Stadt Isny mit den Franziskanerinnen einen Vertrag über den Einsatz im Krankenhaus geschlossen. Zunächst waren es 2, bereist 1909 5 Schwestern, bei Erweiterung 1928 Aufstockung auf 13, auf dem Höhepunkt des Engagements schließlich 31 Schwestern. Viele von ihnen waren als OP-Schwestern qualifiziert und für die Chefärzte unersetzlich. Prof. Pflomm schrieb 1952 an den Orden. " Mit einer neuen OP-Schwester hätte ich jahrelang Schwierigkeiten, bis sie wieder so weit wäre wie Schwester F.", die man anderswo hinschicken wollte. Die Schwester durfte bleiben.
- Ende Februar 1980 - Erster Spatenstich für Neubau der Funktionsräume (OP, Röntgen, Labor usw.) und Sanierung Altbau mit 100 Betten
- Herbst 1983 - Sanierung des Bettentraktes beginnt, im Sommer 1984 wird der alte Ostflügel des Hauses abgerissen
- 05./06. Dezember 1984 - Die Nacht der Explosion: Irgendetwas sei explodiert, Pflegedienstleitung Frau D. Gränert solle sofort kommen ... Was war geschehen? Das Krankenhaus im Umbau wurde durch einen offenbar zu großen aufgebaggerten langen Graben in der Statik beeinträchtigt, Fundamente senkten sich und durch die Erschütterung klappten die Balkone wie Schürzen herunter und knallten auf die darunter liegenden Fenster, Scheiben splitterten in die Zimmer, Risse im Mauerwerk waren so groß, dass eine Hand darin Platz fand.
- 20. Oktober 1986 - Im Beisein der Sozialministerin Barbara Schäfer wird das "neue Krankenhaus" offiziell übergeben - Neu- und Umbau kosteten 27,8 Mill. DM
- 01. Januar 1997 - Verbund der Oberschwabenklinik wird gebildet: Sechs Häuser an fünf Standorten mit zusammen rund 1.000 Betten bilden die OSK. Die größte OSK-Einrichtung ist das Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg mit 520 Betten. Als Haus der Zentralversorgung bietet es zahlreiche hoch spezialisierte Disziplinen, deren Einzugsbereiche weit über die Stadt- und Kreisgrenzen hinausgehen. Die Klinik Wangen, ein Haus der Regelversorgung mit 200 Betten, ist 25 Kilometer von Ravensburg entfernt das große OSK-Haus im Allgäu. Das Krankenhaus Bad Waldsee (85 Betten) ist das OSK-Haus der Grundversorgung im nördlichen Schussental. Im Allgäu bilden die Häuser Isny und Leutkirch organisatorisch ein Krankenhaus mit zusammen 128 Betten, um den Bedarf im östlichen Teil des Landkreises Ravensburg abzudecken.
- August 2002 - Mängel beim Feuerschutz bedingen die Schließung der OP-Räume, die Anfang der Achtziger-Jahre beim Neubau/Funktionstrakt entstanden, es wird dafür ein Fertigbau mit OP und Aufwachraum an der Südseite aufgestellt und geht in Betrieb.
- 2004 - Es gibt jetzt eine enge Kooperation zwischen den Krankenhäusern Leutkirch und Isny - Isny wird Schwerpunkt für ambulante Operationen
- 2005 - Die zunächst angemieteten Fertig-OP-Säle werden vom Landkreis gekauft.
- 2006 - Das Alten- und Pflegezentrum "St. Franziskus" der gesamt Katholischen Kirchengemeinde wird im 3. und 4. Stock des Krankenhauses seiner Bestimmung übergeben.
- Sonntag, 8. Juni – 3. Sonntag nach Trinitatis - 2008 -
- Gottesdienste: 10.00 Festzelt beim Krankenhaus – Ökumenischer Gottesdienst (M. Karrer / M. Mitt) zum Jubiläum „100 Jahre Krankenhaus Isny“ - kein Gottesdienst in der Nikolaikirche –
- Die Zahl der Gäste und Ehrengäste war enorm, die Dr. Elizabeth Harrison im Festzelt am Isnyer Krankenhaus begrüßen konnte. Die Geschäftsführerin der Oberschwaben Klinik (OSK) erfüllte dies mit Stolz. Stolz ist sie auch auf ihre Mitarbeiter. „Was Sie hier leisten, das ist gewaltig“, sagte sie. Dass sie auch künftig noch Gewaltiges leisten dürfen, das liegt auch am Bekenntnis zum Standort Isny. „Wir halten an allen unseren OSK-Kliniken fest“, betonte der Vorsitzende des Aufsichtsrats und Landrat Kurt Widmaier. Aber die flächendeckende Versorgung müsse wirtschaftlich tragfähig sein. Die kleinen Krankenhäuser sollen deshalb zu Gesundheitszentren weiterentwickelt werden. „Für Isny gibt es die Idee, dass das Stephanuswerk eine Reha-Einrichtung für ältere Menschen betreibt. Wir müssen unsere Spezialität der Altersmedizin an diesem Standort ausbauen.“
- 25. April 2010 - Zwei kleine Kinder hielten Tafeln hoch mit der Aufschrift: „Wir brauchen es.“ Frauen vom Altenhilfezentrum Isny zeigten den Schriftzug „Lasst uns unser Krankenhaus“ auf roten Luftballons in Herzform. Und auch ein waschechter Bayer in Lederhose hielt ein Transparent mit den Worten: „Ja zum Krankenhaus. MSC Isny.“ Es war ein bunter Haufen aus Jungen und Alten, Rollstuhlfahrern und Fußgängern, Kranken und Gesunden, die einander die Hand reichten, um einen großen Kreis um das Krankenhaus Isny zu bilden. Um es in die Mitte zu nehmen. Als Zeichen der Zugehörigkeit und tiefen Verwurzelung.
- 08.05.2010 - Bürkle zu OSK: „Sehe nicht den Bedarf für drei Standorte“ - Die Anzahl an Patienten und deren Verweildauer gehe schließlich immer weiter zurück. Die medizinische Entwicklung mache viele Krankenhausbesuche unnötig, und wenn dann jemand doch ins Krankenhaus müsse, benötige er oft „eine interdisziplinäre Betreuung, die kleine Häuser nicht haben“. Letztlich müsse sich jeder die Frage stellen: „Ist Nähe wichtig oder Kompetenz?“
- Oktober 2010 - Am Isnyer Krankenhaus arbeitet jetzt eine Nebenbetriebsstätte des MVZ der OSK. Hier sind abwechselnd die Ärzte Dr. Astrid Welisch, Dr. Klaus Gerster und Dr. Andreas Halder in der ambulanten chirurgischen und orthopädischen Versorgung der Bevölkerung tätig.
- 11. November 2010 - Von den rund 1000 Klinikbetten der OSK entfallen 272 auf das Klinikum Westallgäu. Um die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung in der ländlichen Region zu sichern, werden die drei Kliniken enger miteinander verzahnt und intensivieren die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten. Während das Krankenhaus Isny die stationäre Chirurgie an Leutkirch abtreten muss und im Gegenzug eine Innere Abteilung bekommt, wird die gynäkologische Versorgung beider Häuser in Leutkirch zusammengefasst. In Wangen bleibt das Angebot größtenteils unverändert.
- 01. Januar 2011 - Dr. Thomas Wißmeyer, bislang Chefarzt der Abteilung für Chirurgie der Oberschwabenklinik in Isny, übernimmt ab 01. Januar 2011 die Leitung der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Asklepios Klinik Lindau. Diese Personalentscheidung ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie, in Lindau ein überregionales Zentrum im Bereich der Orthopädie/Endoprothetik sowie der Alterstraumatologie zu etablieren.
- 29. Januar 2011 - Derzeit befinden sich die Geschäftsführung der OSK und die Isnyer Ärzte regelmäßig in Gesprächen mit den niedergelassenen Ärzten in Isny. „Wir wollen wissen, was die Wünsche sind und wollen den stationären und ambulanten Bereich weiter vernetzen.“ Zu der Bürgerkrankenhaus-Idee als Plan B der Stadt Isny äußert sich Dr. Sebastian Wolf folgendermaßen: „Die derzeitigen Rahmenbedingungen (Kreistagbeschluss und Landeskrankenhausplan) lassen keinen Spielraum zu, zu solch einer Ausgestaltung zu kommen.“ Man sei aber offen für Kooperationen mit den niedergelassenen Ärzten, „weil es wichtig ist, dass die Vielfalt am Haus weiterhin steigt.“
- 08. November 2011 - Jörg Hempel wird Erster Stellvertretender Geschäftsführer sowie Direktor Finanzen und Personal bei der Oberschwabenklinik GmbH (OSK). Der Aufsichtsrat der OSK hat den 51jährigen Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg am Dienstag (8. November) in die Geschäftsleitung des sechs Häuser umfassenden Klinikverbundes im Landkreis Ravensburg gewählt. "Wir haben mit Jörg Hempel einen exzellenten Fachmann gewonnen, der über große Erfahrungen im Gesundheitswesen verfügt und in der Krankenhausfinanzierung bestens Bescheid weiß. Insbesondere kennt er auch die Gesundheitslandschaft in Oberschwaben und dem Allgäu aus seiner langjährigen Tätigkeit in unserer Region", sagt Landrat Kurt Widmaier, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Oberschwabenklinik.
Medizinisches
- 16.Dezember 1928 - Anbau mit über 100 Betten zur Behandlung TBC-Kranker "Lungenheilstätte" wird eingeweiht "Heilstätte Wilhelmsstift"
- Das Bakterium Mycobacterium tuberculosis wurde am 24. März 1882 durch Robert Koch beschrieben. Er erhielt 1905 für diese Entdeckung den Nobelpreis in Physiologie (Medizin). Koch glaubte nicht, dass sich die bovine und menschliche Tuberkulose ähnlich waren, was die Erkennung infizierter Milch als Quelle der Erkrankung verzögerte. Später wurde diese Quelle durch Pasteurisierung beseitigt. Koch braute 1890 einen Glycerin-Extrakt der Tuberkelbazillen als „Hilfsmittel“ zur Behandlung der Tuberkulose und nannte ihn Tuberkulin. Es war bei einer zunächst euphorischen Anwendung nicht wirkungsvoll. Die Beobachtung lokaler Hautreaktionen bei der Anwendung von Tuberkulin führte aber später zur Entwicklung eines Testverfahrens zum Nachweis der Ansteckung respektive Erkrankung durch Clemens von Pirquet 1908, Felix Mendel und Charles Mantoux jeweils um 1910.
- 20. März 1938 - Geheimrat Prof. Dr. Sauerbruch besucht das Krankenhaus wegen seiner ernährungswissenschaftlichen Abteilung.
- 01. April 1946 - Prof. Dr. Erich Pflomm * 1901 in Heidenheim wird Chefarzt der Chirurgie in Isny, er stirbt 1957 an einem Herzleiden. Er habilitierte 1935 in Jena und ging anschließend nach China, Lektor an der Universität Kanton, leitender Arzt eines Krankenhauses und der Militärakademie Nanning, Chirurg bei der chinesischen Armee. 1939 nach Deutschland zurück und übernahm die Stelle eines Chefarztes am Stadtkrankenhaus Gotenhafen bis 1945.
- ab 1959 - innere Abteilung unter Dr. Piel mit 25 Betten
- Juni 1961 - Dr. Albert Niess kommt von Kempten als Chefarzt der Chirurgie nach Isny. Zu dieser Zeit bestehen 60 chirurgische und 15 innere "Betten" in dem vom Ruf der "Tuberkulose-Heilstätte" geprägtem Haus. Die Umwandlung des "Wilhelmsstifts" in ein allgemeines Krankenhaus wird von ihm angestrebt.
- 1962 - Urologische Abteilung unter Dr. Smoler bis 1976
- ab 1964 - Patienten mit Tuberkulose werden immer weniger, es wird daher eine Abteilung für Innere Medizin aufgebaut - Dr. Welsch kann zunächst über 32 Betten verfügen
- 1965 - bestehen 4 Fachabteilungen mit Belegärzten für Gynäkologie und Geburtshilfe
- 1968 - Tuberkulosestation wird aufgelöst - 140 Betten zählt das Haus insgesamt, 70 Chirurgie, 40 Innere Medizin, 20 Gynäkologie und Geburtshilfe, 10 Urologie, durchschnittliche Belegung liegt bei knapp 90% bzw. 46725 Pflegetage bei 2088 Fällen nach Statistik 1969
- 1981 - Chefarzt Dr. Niess übergibt seine Funktion an Dr. Roland Hopfner - Neuer Funktionsbau und sanierter Altbau
- 31.12.1996 - Letzter Tag der Geburtshilfe-Abteilung im KRK Isny
- 26. Februar 2005 - Einzug der Dialyse-Praxis Drs. Bösker, Kirchmann und Sessler im Erdgeschoß als zusätzlicher Standort zu deren Praxis in Kempten
- 07.06.2005 - Das Krankenhaus Isny mit seinen künftig 54 Planbetten (aktuell: 91 Planbetten) bleibt nach den Vorgaben des nun verabschiedeten Krankenhaukonzeptes ebenfalls ein Haus der Grundversorgung. Formal-organisatorisch gesehen ist es ohnehin bereits seit 2004 entsprechend eines Beschlusses des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung der OSK mit dem Krankenhaus Leutkirch zu einem Haus zusammengeführt.
- Zukünftig wird in Isny das gesamte Spektrum der stationären chirurgischen Grundversorgung mit Ausnahme der "großen" bauchchirurgische Eingriffe erbracht. Daneben wird das Krankenhaus Isny neben dem Krankenhaus Bad Waldsee zum zweiten Schwerpunkt für Endoprothetik innerhalb der OSK, an dem alle zeitlich planbaren (elektiven) endoprothetischen Eingriffe für die Region Allgäu vorgenommen werden sollen.
- Mit dem Stephanuswerk Isny und einer anästhesiologischen Gemeinschaftspraxis wird darüber hinaus derzeit ein Konzept für ein Modellvorhaben über eine Integrationsversorgung für elektive Endoprothetik für ältere Patienten entwickelt. (Aufsichtsrat stimmt dem neuen medizinischen Konzept der OSK zu)
- 2006 - Die Krankenhäuser Isny und leutkirch werden organisatorisch zu einem Haus zusammengefasst. In Isny Schwerpunkt Chirurgie mit Endoprothetik-Zentrum Allgäu (53 Planbetten), in Leutkirch Innere Medizin (75 Planbetten).
- 30. Juni 2010 - Das Isnyer Krankenhaus leiste hervorragende Arbeit, sagt der niedergelassene hausärztliche Internist Dr. Klaus Lenz. Doch nun muss über neue Konzepte geredet werden. Mit den Belegungszahlen der Betten am Isnyer Krankenhaus ist die OSK allerdings nicht zufrieden, wie die Diskussion um den Fortbestand des Isnyer Krankenhauses gezeigt hat. Überweisen die Ärzte zu wenig ans Isnyer Krankenhaus? „Stimmt nicht“, sagt Dr. Lenz. „Der Hausarzt weiß sehr genau, mit welchen Erkrankungen der Patient in Isny sehr gut aufgehoben ist und wann man ihn in ein Haus mit anderem Angebot schicken muss.“ Ende 2005 sei die innere Abteilung geschlossen worden und man habe 55 Betten stehen lassen. „Dabei war von vorneherein klar: Diese Betten kann die Endoprothetik nicht füllen.“ Ärzte aus dem bayerischen Umland, sagt Dr. Lenz, schickten trotz der guten Arbeit die Patienten nicht mehr nach Isny, weil es keine funktionierende Innere Abteilung mehr gebe. „Da ist dem Haus mehr weg gebrochen als von Isny her.“
- 2010 - Mit ihrem neuen Konzept „Klinikum Westallgäu“ wird die OSK das Endoprothetikzentrum Anfang kommenden Jahres von Isny ans Krankenhaus Wangen verlegen. In der außen wie innen komplett sanierten Wangener Klinik sieht die OSK die besten Voraussetzungen dafür, die Behandlung von Gelenkerkrankungen für die Menschen im Westallgäu weiter auszubauen. An das Krankenhaus Isny kommt nach den Vorschlägen, die der Landkreis gemeinsam mit der OSK dem Sozialministerium unterbreitet hat, im Gegenzug neu eine Hauptabteilung für Innere Medizin. Die ambulante chirurgische und orthopädische Versorgung der Bevölkerung im Raum Isny wird bereits seit Oktober durch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Krankenhaus Isny sichergestellt
Kreis-, Landes- und Bundespolitisches
Vorbemerkungen
- Der Kreistag ist die gewählte Vertretung der Einwohner des Kreises. Er bestimmt die Richtlinien der Kreispolitik und trifft alle maßgebenden Entscheidungen des Landkreises. Die wahlberechtigten Einwohner des Landkreises wählen ihre Vertreter für jeweils fünf Jahre in den Kreistag.
- Die Mitglieder des Kreistags (Kreisräte) haben die Aufgabe, den Freiraum, den die Selbstverwaltung den Landkreisen bietet, im Rahmen der Gesetze nach ihrer freien, nur durch das öffentliche Wohl bestimmten Überzeugung auszufüllen. Dazu erlassen sie auch eigene "Kreis-Gesetze", die nur für den Landkreis gelten, die so genannten Satzungen. Die wichtigsten Satzungen, die der Kreistag zu verabschieden hat, sind die Hauptsatzung und die jährliche Haushaltssatzung mit dem dazugehörigen Haushaltsplan. In zahlreichen Sitzungen, vor allem im Zusammenhang mit größeren Ausgaben und Baumaßnahmen, werden im Kreistag und seinen Ausschüssen entsprechende Beschlüsse gefasst.
- Bei der Kreisreform am 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Wangen mit dem Landkreis Ravensburg vereinigt. Ferner wurden einige Orte des Landkreises Saulgau, sowie zwei Orte des Landkreises Biberach dem neuen Landkreis Ravensburg angeschlossen. 1976 gab es nochmals eine kleine Grenzbereinigung mit dem Landkreis Biberach. Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Ravensburg noch 39 Gemeinden, darunter acht Städte und hiervon wiederum vier Große Kreisstädte (Leutkirch im Allgäu, Ravensburg, Wangen im Allgäu und Weingarten). Größte Stadt des Kreises ist Ravensburg, kleinste Gemeinde ist Guggenhausen. Einwohner: 276.363 (31. Dez. 2009)
- Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft ist ein Zusammenschluss der Träger von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. Sie ist Mitglied der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
- Sie hat die Aufgabe:
- a) Grundsätzliche Fragen des Gesundheitswesens zu bearbeiten, soweit sie die gemeinsamen Belange der Mitglieder berühren.
- b) Gemeinsame Interessen der Mitglieder zu vertreten.
- c) Die öffentlichen Stellen bei der Vorbereitung und Durchführung von Gesetzen und Verordnungen zu beraten.
- d) Den Erfahrungsaustausch der Mitglieder zu pflegen, sie zu beraten und sie auf Wunsch zu vertreten.
- 3. In diesem Rahmen nimmt die Gesellschaft die ihr durch Gesetz übertragenen Aufgaben wahr. Es handelt sich insbesondere um folgende Aufgabenbereiche:
- a) Abschluss von Verträgen nach SGB V und SGB XI sowie Wahrnehmung der ihr im Rahmen dieser Verträge übertragenen Aufgaben;
- b) Umsetzung des leistungsbezogenen Vergütungssystems nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und Folgerecht.
- § 9 Landeskrankenhausausschuss (in "Landeskrankenhausgesetz Baden-Württemberg (LKHG)" vom 29. November 2007
- (1) Das Ministerium bildet einen Landeskrankenhausausschuss. Ihm gehören als Mitglieder an:
- die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft mit sechs Vertretern,
- die Landesverbände der Krankenkassen im Sinne von § 27 KHG mit fünf Vertretern,
- der Landesausschuss Baden-Württemberg des Verbandes der privaten Krankenversicherung mit einem Vertreter,
- die Landesärztekammer Baden-Württemberg und die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mit je einem Vertreter,
- der Landkreistag Baden-Württemberg mit einem Vertreter,
- der Städtetag Baden-Württemberg mit einem Vertreter,
- der Gemeindetag Baden-Württemberg mit einem Vertreter
- (2) Die Mitglieder des Landeskrankenhausausschusses sind Beteiligte und unmittelbar Beteiligte im Sinne von § 7 Abs. 1 KHG. Die Landesbehörden arbeiten mit ihnen bei der Durchführung dieses Gesetzes und des Krankenhausfinanzierungsgesetzes eng zusammen. Die Zusammenarbeit erfolgt in der Regel über den Landeskrankenhausausschuss. Bei der Krankenhausplanung und der Aufstellung der Investitionsprogramme sind mit allen Mitgliedern, namentlich mit den in Absatz 1 Nr. 1 bis 3 genannten Mitgliedern, einvernehmliche Regelungen anzustreben.
- (3) Die Mitglieder des Landeskrankenhausausschusses benennen dem Ministerium die ständigen Vertreter sowie deren Stellvertreter. Erfolgt die Benennung der Vertreter der Landesverbände der Krankenkassen sowie ihrer Stellvertreter nicht in angemessener Frist, so werden sie nach Anhörung der Landesverbände vom Ministerium berufen.
- (4) Den Vorsitz im Landeskrankenhausausschuss und die Geschäfte des Ausschusses führt das Ministerium. Es beruft den Ausschuss zu seinen Sitzungen ein. Der Ausschuss ist einzuberufen, wenn dies von Mitgliedern beantragt wird, die zusammen mindestens 5 Vertreter in den Ausschuss entsenden. Das Ministerium kann Vertreter anderer Landesministerien zu den Sitzungen hinzuziehen.
- Aufbau und Erhalt einer leistungsfähigen Krankenhausstruktur in allen Landesteilen ist eine wesentliche Kernaufgabe des Staates im Rahmen der Daseinsvorsorge. Über das System der dualen Krankenhausfinanzierung werden notwendige Investitionskosten der in den Krankenhausplan aufgenommenen Kliniken von der öffentlichen Hand (zuständig sind die Bundesländer) und die Betriebskosten über die Entgelte der Krankenversicherungen finanziert.
Chronologie
- Juli 1974 - Kreistagsbeschluss für eine Gesamtsanierung des Krankenhauses in Isny - Aufnahme in den Krankenhausbedarfsplan als Haus der Grundversorgung (laut Ministerin für Arbeit, Gesund- und Sozialordnung Annemarie Griesinger)
- November 1975 - Kreistagsbeschluss "in den nächsten Jahren gründlich sanieren" - Bettenzahl auf 116 reduzieren, Urologie auflösen - Schwäbische Zeitung titelt: "Erhalt des Krankenhauses scheint gesichert"
- 11. Dezember 2003 - Kreistagsbeschluss: Isnyer Krankenhaus wird nicht geschlossen, dezentrale Versorgung ist weiter zu gewährleisten.
- März 1995 - Kreistagsbeschluss 126 Betten werden abgebaut, an allen Krankenhausstandorten wird dennoch festgehalten, um eine dezentrale Versorgung gewährleisten zu können - Eine Strukturgarantie gab es keine Mehrheit, die Folge daraus war das Ende der Geburtshilfe in Isny im Jahr darauf
- 09. Mai 1996 - Kreistagsbeschluss: Isnyer Geburtshilfe wird zum Jahresende 1996 geschlossen - Reaktiv bildet sich die Bürgerinitiative "Pro Isnyer Krankenhaus"
- Landrat Guntram Blaser wurde vom Kreistag beauftragt, mit dem Kloster Reute Verhandlungen wg. des Elisabethen-Krankenhauses in Ravensburg aufzunehmen. Zum 1. Januar 1997 brachten die Franziskanerinnen ihr Krankenhaus in den Verbund OSK ein.
- 11. Mai 2010 - Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise sollten wir neben der Notwendigkeit der zukunftsgerichteten Konsolidierung unserer Haushalte, folgende Lehren ziehen:
- (Kreistagssitzung 11.05.2010 - Sachvortrag Herr Baur)
- Der Ruf nach dem Staat wird immer dann laut, wenn die Welt von Krisen geschüttelt wird. Ein funktionierendes Gesundheitswesen zählt zu den Eckpfeilern der Daseinsvorsorge für unsere Bevölkerung. Diese Aufgabe sollte auf kommunaler Ebene selbst bewältigt werden, nicht leichtfertig dem Shareholder Value und dem Kalkül von primär gewinnorientierten Managern und Aktionären überlassen werden.
- Die OSK muss mittelfristig finanziell unabhängig werden. Im laufenden Betrieb ist dies bereits gelungen. Bei den großen, baubedingten Investitionen hängt die OSK noch am Tropf des Landkreises. Diese finanzielle Abhängigkeit vom Landkreis bringt Unsicherheiten in Krisenzeiten mit sich.
- Redebeiträge zum TOP 7 (OSK Zukunftspapier) in der Kreistagssitzung vom 11.5.2010
- Schließlich lebt die Oberschwabenklinik von der Akzeptanz. Jeder Bürger, der auch im Ansatz schon mal darüber nachgedacht hat, bei einer Erkrankung nicht ein Haus der Oberschwabenklinik aufzusuchen, trägt zur Unwirtschaftlichkeit der dezentralen Kliniken vor Ort bei. Da hilft dann weder Unterschriftsliste noch Demonstration. Das ist eine lebende Abstimmung mit den Füßen, zu der ich Sie alle aufrufen will. Dazu braucht es das Krankenhaus, die Ambulanz und den Notarztdienst vor Ort. In der Region östliches württembergisches Allgäu leben 40.000 eigene Bürger, und noch mal ca. 20.000 im nahen bayerischen Umland. Das sind zu viele, als dass dieser Kreistag darauf leichtfertig verzichten sollte.
- Dr. med. Wolfgang Dieing - Facharzt für Anästhesie im Augenzentrum Wangen - Mitglied der Gruppe leitender Notärzte im Lkr. Ravensburg, Fraktionsführer und gesundheitspolitischer Sprecher der ÖDP-Fraktion im Kreistag Ravensburg
- Denn je Länger die Zukunft der Krankenhäuser ungewiss ist, und die Menschen um ihre Krankenhäuser bangen, desto größer wird die Verunsicherung und desto mehr schwindet das Vertrauen der Bevölkerung. Und in einem solch sensiblen Bereich wie dem Gesundheitswesen ist Vertrauen das Allerwichtigste. Hier ist in der letzten Zeit viel Vertrauen verloren gegangen. Wir müssen uns Gedanken machen, wie der Kreis und die OSK das verlorengegangene Vertrauen der Bürger zurückgewinnen können. Dazu braucht es Verlässlichkeit! (FDP-Sprecher Daniel Gallasch)
- 11. Oktober 2010 - Grünes Licht für das Klinikum Westallgäu der OSK: Die Oberschwabenklinik kann ab 1. Januar 2011 ihre Krankenhäuser Wangen, Leutkirch und Isny unter dem Dach eines einheitlichen „Klinikums Westallgäu“ zusammenfassen. Die stationäre Versorgung an allen drei Standorten bleibt erhalten. Das Krankenhaus Isny erhält anstelle der stationären Chirurgie eine Hauptabteilung für Innere Medizin. An das Krankenhaus Leutkirch kommt eine Hauptabteilung für Chirurgie, die bislang ihren Sitz in Isny hatte. Zudem erhält das Krankenhaus Leutkirch eine Belegabteilung für Gynäkologie.
- Diesem gemeinsam vom Landkreis Ravensburg und der Oberschwabenklinik eingebrachten Antrag hat der Landeskrankenhausschuss am Mittwoch (10. November 2010) zugestimmt. Im Vordergrund stehen für den Landkreis und die OSK gleichermaßen die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung im ländlich strukturierten Westallgäu sowie die Sicherstellung einer ortsnahen Notfallversorgung. „Dies lässt sich am besten gewährleisten, indem die drei Klinikstandorte der OSK in dieser Region als gemeinsames Klinikum Westallgäu noch enger miteinander verzahnt werden und zudem die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten weiter intensiviert wird“, sagt OSK-Geschäftsführerin Dr. Elizabeth Harrison.
- Leutkirch/Isny/Wangen: Mit der Silvesternacht 2010 setzt die Oberschwabenklinik ihr Konzept „Klinikum Westallgäu“ um. Damit sind neue oder veränderte medizinische Versorgungsangebote an den Standorten Leutkirch und Isny verbunden. In Leutkirch wird zusätzlich zur Hauptabteilung für Innere Medizin neu eine Hauptabteilung für Chirurgie eingerichtet. In Isny arbeitet künftig eine neue Hauptabteilung für Innere Medizin. Die ambulante chirurgische Versorgung in Isny stellt die OSK über ihr Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sicher.
- „Wir sind überzeugt davon, dass wir mit dem Klinikum Westallgäu ein gutes Konzept für die medizinische Versorgung der Menschen in dieser Region und für die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Praxen gefunden haben“, sagt Dr. Wolf. Zu einem guten Konzept gehöre, dass es immer weiter optimiert werden kann. Darum werde sich die OSK gemeinsam mit den anderen Gesundheitsdienstleistern im Westallgäu bemühen.“
- 22. Februar 2011 - „Wir sind in guten, intensiven aber auch schwierigen Gesprächen“, sagte das Stadtoberhaupt. Thematisiert werde immer wieder die sogenannte Öffnungsklausel, die vorschreibt, dass es am Isnyer Krankenhaus derzeit keine stationäre Chirurgie, sondern stationäre Innere Medizin und ambulante Chirurgie, geben darf. Das will die Stadt ändern.
- Dezember 2011 - Neuer CT ist ein medizinisches Schwergewicht - Oberschwabenkliniken investieren 400 000 Euro - 2012 kommt ein Herzkatheterlabor. Entscheidend ist, dass der Standort Wangen als Rückgrat des Klinikums Westallgäu vom Profil her erweitert und verfeinert wird, so Wolf. Seit 2008 hat das Kreisunternehmen rund 15 Millionen Euro nach Wangen geleitet.
- 28. März 2012 - Die OSK schreibt vor allem an ihren Allgäustandorten Isny, Leutkirch und Wangen rote Zahlen, das EK und das Bad Waldseer Krankenhaus arbeiten wirtschaftlich.
Gutachterliches
- 1972 - Reicht nicht ein Krankenhaus für das Württembergische Allgäu?
- Februar 1995 - Krankenhausprüfungsgesellschaft GEBERA: Es gibt an den Krankenhäusern Wangen, Bad Waldsee, Isny und Leutkirch insgesamt 130 Betten zuviel - Soll ein Haus geschlossen werden ? Leutkirch hatte zu dem Zeitpunkt die schlechteste Bausubstanz.
- Gutachter gingen davon aus, dass für eine sichere und leistungsfähige Geburtshilfe mindestens 500 Geburten im Jahr erforderlich sind. In Isny waren es 1995 im Jahr 294 Geburten.
- 2003 - Kreistag diskutiert, ob es sinnvoll sei, die dezentrale Krankenhausversorgung aufrecht zu erhalten, Isny ist damit massiv bedroht bzw. käme zur Schließung infrage. Am 22.7.2003 gründet sich der "Verein zum Erhalt des Isnyer Krankenhauses e.V." - Spontaner Beitritt von ca. 350 Bürgern bei Einwohnerzahl von ca. 14 300.
- Gutachten der HWP-Planungsgesellschaft Isny sei am ehesten verzichtbar, Betrieb als Akutkrankenhaus einstellen spare der OSK ca. 1,5 Mill. Euro/Jahr, außerdem ca. 8,6 Mill. Euro für nicht mehr anstehende Sanierungen, Alternative geriatrisch-internistischer Schwerpunkt, chirurgische Eingriffe sollen andernorts erfolgen.
- zu HPW: Wer sich mit strategischer und operativer Unternehmensplanung befasst, muss Entscheidungen von hoher Tragweite treffen, deren Richtigkeit sich erst in der Zukunft erweist. Betriebliche Abläufe, bauliche Strukturen und Ausstattungen, personelle Ressourcen, Logistikfragen, Organisations- und Prozessoptimierung – das alles entscheidet mit über die Qualität einer Institution oder eines Unternehmens. So werden zum Beispiel die drei qualitativen Aspekte von denen der Erfolg eines Krankenhauses abhängt, die Qualität von Medizin, Forschung und Lehre sowie die Wirtschaftlichkeit dadurch maßgeblich beeinflusst. Und schließlich geht es eben auch darum, wie gut sich ein Unternehmen im Markt behauptet und expandiert oder ob eine Institution ihre Aufgaben wirtschaftlich tragbar erfüllen kann.
- Das Kompetenzteam für Unternehmensberatung und Betriebsplanung der HWP berät Auftraggeber in genau diesen Fragen. Wir nehmen täglich die Herausforderung an, visionär in die Zukunft zu sehen und künftige Anforderungen für Sie vorauszudenken. Basis dafür sind systematische Analysen und innovative Prozesssimulationen, die über 40-jährige Erfahrung mit anspruchsvollen Projekten im In- und Ausland sowie eine einzigartige Kombination von unterschiedlichen Fachkompetenzen in unseren interdisziplinär besetzten Teams aus Medizinern, Pflegefachkräften, Krankenhausbetriebswirten und Wirtschaftswissenschaftlern.
Stadtpolitisches
- Idee einer "Bürgerbeteiligung" als "Bürgerkrankenhaus" und wieder Übergang zu Beteiligung der Stadt anstatt Landkreis? Ideen der lokalen CDU zur Zukunft Anfang 2011 - Schwärmen nicht SPD, Grüne und andere von der "Bürgerversicherung" ? Die Stadt zu 51 und die Bürger zu 49% beteiligt?
- 01. Januar 1971 - Das bis dato städtische Krankenhaus wird vom Landkreis Wangen übernommen, der selbst im Zuge der Kreisreform wenig später im Kreis Ravensburg eingebunden wird, der jahrelange Streit, wer für das Haus bezahlen muss, wird so beigelegt. Krankenhäuser in der Nachbarschaft waren schon Jahre zuvor als übergreifende und umfassende Aufgabe angesehen worden, die den Rahmen einer "städtischen Verwaltung" übersteigen. Am 6.4.1966 hatte der Gemeinderat dem Landkreis das Haus zur Übernahme angeboten.
- Präambel des Vertrages: "Die Übergabe des Hauses an den Landkreis erfolgt in erster Linie, um die seit Jahren notwendige Sanierung des Hauses einschließlich dem Bau eines Schwesternwohnheimes rasch zu verwirklichen"
- Karl Immler, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, wies im Anschluss daran auf alle Probleme hin, mit denen sich seine Fraktion in der nächsten Zeit beschäftigen werden. Die Weiterführung der Verhandlungen um eine positive Entwicklung am Isnyer Krankenhaus sind ihm ein besonderes Anliegen. Bisher ging es seiner Meinung nach nicht darum „wie erhalte ich das Isnyer Krankenhaus“, sondern „wie schließe ich es möglichst geräuschlos“, meinte er. Fragen einer Betriebs-GmbH mit niedergelassenen Ärzten und Ärzten aus dem angrenzenden bayerischen Gebiet seien Thema der nächsten Verhandlungen, so Immler weiter. (Neujahrsempfang der CDU 2011)
- Die Oberschwabenklinik (OSK) hat bereits auf den Alleingang von Chirurgen in Isny reagiert, die dort ab dem 1. Juli 2011 eine Praxisklinik eröffnen wollen. Das sagt die OSK dazu: "Das bislang von allen Seiten erklärte Ziel der Gespräche der Oberschwabenklinik sowie des Eigenbetriebes IKP des Landkreises mit Professor Sterk, Dr. Frondorf und Bürgermeister Magenreuter ist eine stabile medizinische Versorgung für die Bevölkerung durch Stärkung des Krankenhausstandortes Isny. Eine ambulante chirurgische und orthopädische Grundversorgung einschließlich einer Notfallversorgung gibt es in Isny bereits durch das MVZ der Oberschwabenklinik, das im Krankenhaus im Herbst 2010 eröffnet worden ist. Ein weiteres MVZ mit identischem Leistungsspektrum nur wenige hundert Meter entfernt würde dem Ziel einer Stärkung des Krankenhausstandortes zuwider laufen und unweigerlich zu einer Konkurrenzsituation führen. Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung kann die OSK darin nicht erkennen."
- Ziel soll es sein, der Bevölkerung in Isny und in den angrenzenden bayerischen Gemeinden eine wohnortnahe chirurgische und orthopädische Versorgung anzubieten. Hintergrund der Praxiseröffnung ist laut den Initiatoren Dr. Andreas Frondorf und Professor Sterk die nicht vorhandene Bereitschaft der Oberschwabenklinik (OSK) nach einer Kooperation in Sachen Isnyer Krankenhaus: "Uns gelang es trotz mehrfacher Gespräche mit der OSK nicht, die Praxisklinik im Krankenhaus in Isny zu verwirklichen".
- Was man auch in Isny verwirklichen möchte: „Das ist eine Individualisierung der Stadt Isny, ein symbolischer Wert des Gemeinwesens“, sagt der Besucher aus Hamburg. Wie der „Heimatbaukünstler“ Zumthor traditionelle Elemente Isnys mit der Moderne verbindet, gefällt dem Redakteur besonders gut. „Zumthor hat einen Sinn für Orte und Atmosphären. Es gelingt ihm, öffentliche Orte zu schaffen, an denen man sich zu Hause fühlt.“
- "Wir müssen neue Wege gehen", sagt Dr. Frondorf im Interview. "Unsere Servicenummer, unter der Termine vereinbart werden können, führt ins Stephanuswerk. Zunächst bieten wir Terminsprechstunden an. Unter der Nummer ist rund um die Uhr ein Ansprechpartner zu erreichen."
- Überall entstehen medizinische Versorgungszentren. Wir wollten die Chirurgie am Krankenhaus in Isny retten, aber in der bestehenden Form ging das nicht. Deshalb müssen wir neue Wege gehen, um das chirurgische Angebot für die Bevölkerung zu erhalten.
Zitate
- Es liegt nicht an unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie geben ihr Bestes. Schuld sind die Finanzierungsmechanismen unseres Krankenhauswesens, die den Kliniken das notwendige Geld vorenthalten. Wir können in unseren Häusern gute Arbeit leisten wie wir wollen, gegen diese äußeren Zwänge wie zuletzt der Mehrwertsteuererhöhung oder der Gesundheitsreform sind wir machtlos.
- Wir können nur rechtzeitig darauf reagieren. Dies haben Gesellschafter, Aufsichtsrat und Geschäftsleitung der OSK getan. Wir haben ein Konzept entwickelt, wie wir unsere flächendeckende Versorgung zu wirtschaftlich tragbaren Bedingungen aufrecht erhalten können. Einfach Standorte dicht zu machen, wäre vielleicht der einfachste und naheliegendste Weg. Aber es wäre phantasielos. Und es wäre vor allem nicht im Sinne unserer Patienten, die für uns bei allen Überlegungen immer im Mittelpunkt stehen. Wir haben eine bessere Lösung: Wir verharren nicht ängstlich in der Defensive, sondern gehen mit neuen Konzepten nach vorne.
- Wir entwickeln unsere kleinen Standorte zu Gesundheitszentren weiter. Wir scheren dabei nicht alle über einen Kamm. Jedes Haus behält seine Identität. Für jedes gibt es ein maßgeschneidertes Konzept. Wir weiten im Gegenteil gemeinsam mit alten und neuen Partnern sowohl aus den Reihen der niedergelassenen Ärzte als auch aus dem klinischen Bereich das medizinische Spektrum der kleineren Häuser aus. Wir können Partner nur gewinnen, wenn sie uns vertrauen. Keine Geschäftsführung dieser Welt kann Vertrauen verordnen. Es muss wachsen. Auf allen Ebenen. Vertrauen ensteht nur, wenn die OSK nicht nur als leistungsfähig respektiert, sondern zugleich als fair und ehrlich geschätzt wird.
- Dr. Elizabeth Harrison - Geschäftsführerin
- Das Eintreten der Isnyerinnen und Isnyer für den Erhalt des Isnyer Krankenhauses bei den Aktionen wie der Menschenkette am 26. April 2010 oder den Sitzungen des Gemeinderates und Kreistages ist bemerkenswert. Der Höhepunkt ist die gezeigte Solidarität zum Krankenhaus-Standort Isny bei der Unterschriften-Sammlung. Über 8.000 Unterschriften sind ein deutliches Zeichen für die politisch Verantwortlichen, dass eine wohnortnahe und leistungsfähige Versorgung der Bürgerschaft wichtig ist und nicht allein betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte in der Abwägung der Klinik-Konzepte im Landkreis eine Rolle spielen darf.
- "Isny tut was", Isny hat was getan! - Wir danken der Bürgerschaft wie unseren Nachbarn im Isnyer Umland für das positive Engagement. Jetzt hoffen wir, dass unsere Argumente im Kreistag und Aufsichtsrat der OSK Gehör finden.
- Rainer Magenreuter, Bürgermeister
- Dieter Hechelmann, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Isnyer Krankenhauses e.V.
- 04.November 2008 - Widmaier hat kurzentschlossen zu einem Empfang ins Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg eingeladen, um diesen Anlass zu feiern. In seiner Rede war er voll des Lobes für die Frau, die Oberschwaben-Klinik so erfolgreich führt. „Der KlinikAward ist eine Ehrung, mit der Ihr ganz persönlicher Einsatz der vergangenen Jahre gewürdigt wird“, so Widmaier. In Anlehnung auf die beeindruckende Bilanz fügte er hinzu: „Wären die neuesten Zahlen der OSK bekannt gewesen, ich bin sicher, man hätte für Sie glattweg eine neue Kategorie des KlinikAwards schaffen müssen.“ Widmaier sieht sich bestätigt in der Entscheidung, die Krankenhäuser des Landkreises nicht zu verkaufen. Das Konzept trage nun Früchte. Erfolg habe bekanntlich viele Väter, der Erfolg der OSK in erster Linie eine Mutter. „Mit Ihnen, Frau Harrison, haben wir einen absoluten Glücksgriff getan“, lobte Widmaier.
- Harrison vereine Mut, Können und ein nicht endendes Feuerwerk von Ideen. Dies attestierte Dr. Jan-Ove Faust, Direktor Medizin und Behandlung der OSK. „Bei aller Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen haben Sie ein Herz für die Mitarbeiter der OSK. Sie sind ein Captain mit Charme. Sie haben alles, was eine Managerin braucht,“ hob Faust ihre Qualitäten hervor. Diesem Lob schloss sich auch Widmaier an: „Sie und Ihre Mitarbeiter setzen Ihre Konzepte gemeinsam mit viel Herzblut um.“ Sie habe es erreicht, dass sich Nähe zu den Bürgern und die High-Tech-Medizin der OSK im Landkreis Ravensburg nicht ausschließen.
- Der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Schwartz gratulierte als Vertreter der Belegschaft für diese tolle Auszeichnung. „Es hört sich zwar seltsam an, wenn ich als Betriebsrat die Geschäftsführung lobe. In diesem Falle kann ich nicht anders. Ich bin persönlich überzeugt, dass Sie diese Auszeichnung verdient haben“, so Schwartz. Hart aber fair sei die Geschäftsführerin der OSK. Sie nehme den Betriebsrat aber ernst. Zusammen werde immer nach Lösungen gesucht. Ihre offene Kommunikation sei ein Beleg für die Wertschätzung aller Mitarbeiter. Ein gravierender Stellenabbau sei nie Thema auf dem Weg der Sanierung der OSK gewesen. „Wir als Beschäftigte sind mächtig stolz, was wir gemeinsam mit Ihnen als Captain geleistet haben“, betonte Schwartz.
- Die amerikanische Sanierungsspezialistin war vor fünf Jahren nach Ravensburg geholt worden. Seitdem habe sie den in seiner Existenz bedrohten Klinikverbund zu einem medizinisch und wirtschaftlich erfolgreichen Gesundheitsunternehmen entwickelt, sagte Landrat Kurt Widmaier (CDU). Die OSK unterhält im Kreis Ravensburg sechs Häuser mit 1000 Betten und 2700 Mitarbeitern und schrieb zuletzt schwarze Zahlen. 08.12.2010
- 09.12.10: Der Aufsichtsrat des Städtischen Klinikums München hat die bisherige Geschäftsführerin der Oberschwabenklinik in Ravensburg, Elizabeth Harrison, zur neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Mit der 51-jährigen gebürtigen Amerikanerin habe das Klinikum „eine Führungskraft mit einer branchenweit bekannten Qualifikation und besten Referenzen gewonnen“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Hep Monatzeder gestern in München.
- 27.01.2011 - Ablassurkunde aus dem Jahr 1484 überreicht: „Mit 100 Tagen Nachlass von Sündenstrafen sind Sie gut fürs Jenseits gerüstet“, sagte Erster Ravensburger Bürgermeister Kraus unter schallendem Gelächter vor etwa 150 Mitarbeitern und Honoratioren. Harrison selbst geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Danke für diese Zeit hier. Ich war sicherlich ein Wagnis: Amerikanerin, Saniererin, Beraterin, oh je, oh je. Aber Sie haben an mich geglaubt“, meinte sie ergriffen.
- Der Kreis denkt nicht im Traum an eine Krankenhaus-Privatisierung: Seit 2005 ist der Klinikverbund komplett in kommunaler Hand – Die schwarze Null im laufenden Betrieb wurde erstmals 2008 erreicht
Quellen
- 100 Jahre Krankenhaus Isny 1908-2008 - Herausgegeben von Oberschwabenklinik GmbH - Redaktion: Winfried Leiprecht, Klaus Kalmbach
- Landesarchiv Baden-Württemberg
- "Landeskrankenhausgesetz Baden-Württemberg (LKHG)" vom 29. November 2007
Links
- 100 Jahre Lindenburg Fotogalerie - Uniklinik Köln, Stabsabteilung Kommunikation, Publikationen: 100 Jahre Lindenburg
- Am 17. November 1908 wurde auf dem Lindenburggelände Kölns erstes Großkrankenhaus eröffnet. Über 1.000 Betten sollte es bieten. Bauherr und Träger war die Stadt Köln. Die weitläufige Pavillonanlage entstand mitten im wachsenden Villenvorort Lindenthal.
- Das Universitätsklinikum Essen blickt auf seine hundertjährige Geschichte zurück. Am 29. Juli 1909 wurden die damaligen Städtischen Krankenanstalten eröffnet. Zu diesem Anlass ist nun das Buch - „Tradition und Innovation“, 100 Jahre: Von den Städtischen Krankenanstalten zum Universitätsklinikum - erschienen. Die Redakteure und Herausgeber Prof. Kurt Werner Schmid, Prof. Friedrich Wilhelm Eigler, Prof. Günter Brittinger sowie Renate Kampschulte geben auf über 500 Seiten einen umfassenden Überblick und lassen mit vielen Bildern historische Ereignisse lebendig werden. Die Publikation ist im Buchhandel unter: ISBN Nr. 978-3-923140-00-8; Verlag: Joh. Van Acken, Krefeld, erhältlich.
- Die Städtischen Krankenanstalten werden am 29. Juli 1909 mit insgesamt 481 Betten feierlich eröffnet. Sie umfassen u.a. eine Medizinische Klinik, eine Hautklinik, einen Pavillon für Augenkranke und ein Wöchnerinnenasyl.
- Isnyer wollen Krankenhaus erhalten 07.04.2010
