Krankenkasse

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Als Krankenkassen oder Krankenversicherer bezeichnet man Träger der Krankenversicherung. Sie sind Teil des Gesundheitssystems und der Sozialversicherung.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland sind gesetzliche Krankenkassen (d. h. solche, die eine Gesetzliche Krankenversicherung anbieten, wobei der Begriff "Versicherung" auf Grund der Struktur der GKV nicht zutrifft) Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung. In der Sozialwahl wird ihre jeweilige Vertreterversammlung gewählt, die u.a. den Vorstand der Kasse bestimmt. Die Krankenkassen haben insgesamt 70,3 Millionen Versicherte (Stand: 1.8.2004). Sie führen in getrennter Rechnung als "Pflegekasse bei ..." auch die gesetzliche Pflegeversicherung für ihre Versicherten durch. Am 1.Januar 2006 existierten in Deutschland 253 gesetzliche Krankenkassen.

Man unterscheidet zwischen folgenden Kassenarten:

  • Allgemeine Ortskrankenkassen bestehen für abgegrenzte Regionen, die sich auf verschiedene Bundesländer erstrecken können.
  • Betriebskrankenkassen können von Arbeitgebern mit mindestens 1.000 Versicherungspflichtigen gegründet werden. Sie können sich auch für Betriebsfremde öffnen.
  • Innungskrankenkassen können von Handwerksinnungen mit mindestens 1.000 Versicherungspflichtigen gegründet werden. Auch sie können sich öffnen.
  • See-Krankenkasse für Seeleute und ehemalige Seeleute
  • Landwirtschaftliche Krankenkassen für in der Landwirtschaft Beschäftigte
  • Bundesknappschaft für Arbeitnehmer im Bergbauumfeld
  • Ersatzkassen, entstanden aus Selbsthilfevereinigungen mit den Dachverbänden VdAK und AEV.

Die Differenzierung ist historisch gewachsen. Krankenkassen können nur innerhalb ihrer Kassenart fusionieren. Bei Schließung einer Krankenkasse haftet ihr Dachverband. Die Krankenkassen arbeiten bei vielen Vertragsgestaltungen kassenartenübergreifend zusammen. Seitens des Gesetzgebers bestehen Überlegungen, auch kassenartenübergreifende Fusionen zu ermöglichen. Zur Gewährleistung eines chancengleichen Wettbewerbs wurde ab 1994 der Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenkassen eingeführt.

Eine Krankenkasse regelt selbständig ihren Haushalt. Sie muss aber gesetzgeberische Leistungsvorgaben erfüllen und darf in einigen Fällen darüber hinaus gehen. Ihre Betriebsmittel sollen das 1,5 fache einer Monatsausgabe nicht übersteigen. Durch Beitragssatzanpassungen ist dies entsprechend zu regulieren. Schulden dürfen eigentlich nicht gemacht werden.

Die Krankenkassen ziehen die Beiträge zur Sozialversicherung (Kranken-, Renten- Arbeitslosen- und Pflegeversicherung, siehe Gesamtsozialversicherungsbeitrag) gesammelt ein und leiten sie an die zuständigen Sozialversicherungsträger weiter.

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig. 1991 gab es noch mehr als 1.200, am 01. Januar 2006 noch 253 gesetzliche Krankenkassen, davon 199 Betriebskrankenkassen. Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen soll nach Ankündigung der Bundesregierung im Juni 2006 im Rahmen der Gesundheitsreform weiter reduziert werden und von bestimmten Mindestgrössen der Mitgliederzahlen abhängig werden.

Neben den gesetzlichen gibt es private Krankenversicherungen, d. h. solche, die die Private Krankenversicherung anbieten. Diese führen jedoch in der Regel die Bezeichnung Krankenversicherung.

Die Krankenkassen erwarten einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge in den nächsten Jahren massiv steigende Beiträge. Danach fehlen den Kassen bis 2009 etwa 13,1 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Beitragssatz könnte von 14,2 % des Bruttolohns auf 15,6 % klettern. Das Blatt beruft sich auf ihr vorliegende neue Berechnungen der Kassen. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge sind die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen in den letzten zehn Jahren um zwei Mrd.Euro gestiegen.<ref>spiegel.de:Krankenkassen entwickeln Fettsucht, 4. August 2006</ref>


Patientenbeauftragter der Bundesregierung

  • Herr Zöller, Sie wurden im November 2009 zum neuen Patientenbeauftragten der Bundesregierung ernannt. Ein wichtiges Amt, das erst 2004 geschaffen wurde und das offenbar sehr nötig ist. Wie sehen Sie denn die Lage der Patienten in Deutschland?
Wolfgang Zöller: Viele Patienten fühlen sich quasi als Bittsteller bei Krankenkassen und Ärzten. Denn die Krankenkassen sind schon lange

nicht mehr Vertreter der Patienten, wie man sich das wünschen würde, da sie als Wirtschaftsunternehmen agieren. Die Patienten sind zum Teil auf der Strecke geblieben – und das darf nicht sein! Es wird Zeit, dass wir dafür sorgen, dass sie als Partner anerkannt und respektiert werden. (Interview in "Die Raute", 1/2010)


Zitate

  • Der Hauptbeweggrund für die Unterstützung zum Aufbau einer Heilberufskasse liegt dagegen auf einer ganz anderen Ebene: Nicht nur die Kassenärzte, sondern die Angehörigen der Heilberufe insgesamt sind wie keine andere Berufsgruppe im vergangenen Jahrzehnt Opfer drakonischer Sparmaßnahmen geworden. Dies hat zwischenzeitlich dazu geführt, daß nahezu alle Arbeitnehmer in diesem Bereich, von der Arzthelferin bis zur Logopädin, im Verhältnis zur eigenen persönlichen Arbeitsleistung am unteren Ende der Einkommensskala stehen. Für die Heilberufe bedeutet daher jeder eingesparte Beitragssatzpunkt in der gesetzlichen Krankenversicherung eine deutliche und notwendige Verbesserung des dramatisch abgesunkenen Realeinkommens.
Insbesondere der Vorwurf, die Kassenärzte wollten mit der Unterstützung der Gründung einer Heilberufskrankenkasse Einfluß nehmen auf die internen Entscheidungsprozesse der gesetzlichen Krankenversicherung, entbehrt einfach jeder Grundlage. Der "Marktanteil" der Betriebskrankenkassen an allen gesetzlich Krankenversicherten liegt heute lediglich bei etwa 11 Prozent. Diese 11 Prozent wiederum sind auf insgesamt 600 einzelne Betriebskrankenkassen aufgeteilt. Die Krankenkasse für die Heilberufe wird eine unter diesen 600 Betriebskrankenkassen im Bundesgebiet sein, so daß es unsinnig ist, von einer Einflußnahme dieser einzelnen Kasse auf die Vertragslandschaft im Bundesgebiet zu reden. (Dtsch Arztebl 1996)
  • § 259 Mittel der Krankenkasse (in SGB V)
Die Mittel der Krankenkasse umfassen die Betriebsmittel, die Rücklage und das Verwaltungsvermögen.

Weblinks

Der Text auf dieser Seite basiert (zum großen Teil) auf dem Artikel Krankenkasse aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die Inhalte stehen unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist beim Originalartikel abrufbar.

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