Krankenversichertenkarte

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Die Krankenversichertenkarte ersetzte für die Versicherten ab 1.1.1994 den zuvor verwendeten Krankenschein.

In den Anfangszeiten der gesetzlichen Krankenversicherung mussten die Versicherten die Krankenscheine bei Bedarf bei den Krankenkassen beantragen bzw. abholen. Dies führte bei den Kassen insbesondere zu Beginn eines Quartals zu langen Warteschlangen und einem immensen Verwaltungsaufwand, vor allem weil die Scheine damals noch per Hand bzw. mit der Schreibmaschine ausgestellt werden mussten. Dies stellte jedoch auch eine willkommene Gelegenheit dar, etwaige Beitragsschuldner zur Rede zu stellen.

1. Verwendung der Krankenversichertenkarte

1.1 Der Versicherte ist grundsätzlich verpflichtet, bei jedem Arztbesuch die Krankenversichertenkarte vorzulegen.
1.2 Der Arzt ist grundsätzlich verpflichtet, die Daten der Krankenversichertenkarte auf die Vordrucke für die kassen- und vertragsärztliche Versorgung maschinell unter Verwendung der in § 7 Abs. 1 der Vereinbarung beschriebenen Geräte zu übertragen.
1.3 Ärzte, die von der KV genehmigte EDV-Systeme anwenden, sind berechtigt, die für die Übertragung vorgesehenen Daten aus den mit den Versichertenkarten erstellten Patientenstammdateien auf die Vordrucke zu übertragen, wenn diese positionsgerecht erfolgt und wenn im Behandlungsfall eine gültige Krankenversichertenkarte vorgelegt wurde.
1.4 Der Versicherte bestätigt durch Unterschrift auf dem Abrechnungsschein des Arztes - mit Ausnahme des Vordruck-Muster 19 bei Notfall-Behandlungen - das Bestehen der Mitgliedschaft bei seiner Krankenkasse, soweit nicht Regelungen nach § 11 Abs. 2 der Vereinbarung getroffen worden sind.


Entwicklungen

  • Im Gegensatz zur Krankenversichertenkarte (KVK), die seit 1993 eingesetzt wird, beinhaltet die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK) einen Prozessor-Chip mit Betriebssystem. Damit ist nicht nur die Speicherkapazität höher, es sind auch viel mehr Anwendungen möglich.
  • Das Anfang der achtziger Jahre noch bestehende faktische Primärarztsystem wurde abgelöst durch die Einführung der Krankenkassenscheckhefte und später durch die Chipkarte. Allein dadurch kam es zu einer massiven Fallzahlmehrung. Drastisch erhöht wurde diese Fallzahlmehrung auch durch die rasante Entwicklung der technischen Medizin. Ich erwähne dabei beispielhaft die Einführung der Sonographie, der Computertomographie, der Magnetresonanztomographie und der sog. Schlüssellochchirurgie. (Vortrag Dr. Wolfgang Hoppenthaller: Die Kassenärztlichen Vereinigungen: Funktionen, Dysfunktionen – und Zukunftsszenarien aus hausärztlicher Sicht)

Zitate

  • Der Hartmannbund rief den Gesetzgeber und die Krankenkassen auf,den „Chipkarten-Tourismus“ einzuschränken und den Mißbrauch rigoros zu unterbinden. Allerdings müsse das Recht zur freien Arztwahl uneingeschränkt wie bisher gelten. Die Chipkarte könne so programmiert werden, daß Fachärzte der gleichen Richtung nur einmal im Quartal in Anspruch genommen werden können (andernfalls sind Zuzahlungen wie in Dänemark oder Privathonorare fällig). Deutsches Ärzteblatt 1. November 1996
  • Ja, eine gestohlene Versichertenkarte kann man in Berlin für etwa 70 Euro illegal erwerben. KASSENÄRZTE: "Eine neue Qualität" Uwe Kraffel, als Vorstandsvize der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin vertreten Sie die Interessen von fast 10000 Ärzten und Therapeuten ...

Was ist ein "Verdünner"? Erklärungsversuch

  • Antwort auf: Was sind denn Verdünnerscheine?
Lieber Herr Klinikkollege B., ich versuche mich mal an einer Erklärung.
Der "Schein" ist ein tradierter Begriff und stammt aus der Zeit, in der noch auf dem vom Patienten quartalsweise abgegebenen Krankenschein abgerechnet wurde.
Mit der Budgetierung (ehrlicher: Rationierung) ärztlicher Leistungen und der quartalsweise pauschalierten Honorierung (um 30 Euro) ergibt sich folgende Situation: die GKV-Praxis kann sich nur bei möglichst hoher Fallzahl und möglichst geringer Leistung für den einzelnen Patienten halten. Eine überdurchschnittliche Ansammlung ernsthaft kranker und aufwändiger GKV-Patienten führt daher unweigerlich in den Ruin. Es sei denn, Sie halten viele "Verdünnerscheine" dagegen: Patienten, die eine Quartalspauschale auslösen, aber kaum Leistung beanspruchen. Sie verdünnen sozusagen bei gleicher Honorierung die Arbeitsbelastung und subventionieren so die Kranken. Typische "Verdünnerscheine" sind der Montagskranke, der Schnupfenpatient und der Schulschwänzer. Gut sind auch gesunde Rentner, die den Blutdruck gemessen haben wollen.
Überspitzt gesagt: der schulschwänzende gesunde Zehntklässler ermöglicht seinem polymorbiden Opa die Diabetesbehandlung. Auch eine Art von Solidarsystem.
Noch krasser wird die Situation im Arzneimittel-und Heilmittelbereich, denn hier wurden die "Verdünnerscheine" bei der Ermittlung der sogenannten Richtgrössen von Amts wegen fallzahlbezogen bereits eingeplant: Patienten, die zwar ein Arzneimittel-und Heilmittelbudget in die Praxis mitbringen, aber selbst keine Verschreibung benötigen. Wenn Sie es nicht schaffen, diese dringend benötigten Gesunden in die Praxis zu holen, gehen Sie auf dem Regresswege baden.
Ich habe einmal von einer Praxis gehört (ich glaube sogar, in diesem Forum), die sich aus einer gefährlichen Schieflage gerettet hat, indem sie aus dem Erdgeschoss in das zweite Obergeschoss ohne Fahrstuhl umgezogen ist. Ich hoffe, dieser Erklärungsversuch zum Thema "Verdünnerscheine war hilfreich. Grüsse in die Klinik und schönen Feierabend, Christian S.
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