Manfred Richter-Reichhelm

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Manfred Richter-Reichhelm
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Manfred Richter-Reichhelm

Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, * 22. Februar 1942 in Krefeld, ist Urologe und ein ärztlicher Standesfunktionär.

Er wurde mit 79 von 108 Delegierten der außerordentlichen Vertreterversammlung am 15. Januar 2000 zum Nachfolger von Dr. med. Winfried Schorre gewählt, der am 4. Dezember 1999 überraschend sein Amt niedergelegt hatte. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits langjähriger Vorsitzender der KV-Berlin.


Inhaltsverzeichnis

Berufliche Stationen

  • 1961-1967 Medizinstudium in Köln und Berlin
  • 1967 Staatsexamen
  • 1967-1969 Medizinalassistent an Kliniken der FU Berlin
  • 1. Oktober 1974 Niederlassung als Facharzt für Urologie in Berlin
  • 1981-2004 Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin und der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin
  • 1985-1988 Vorstandsmitglied in der KV Berlin
  • 1989-1992 1. Vorsitzender der KV Berlin
Berlin 2002 Roll-out "Damit Ihnen nichts fehlt" zusammen mit dem Vize Hansen
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Berlin 2002 Roll-out "Damit Ihnen nichts fehlt" zusammen mit dem Vize Hansen
  • 2000- 2004 1. Vorsitzender der KV Berlin


Zitate

Schreiben zu Wohnortprinzip und Vergütung 2001
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Schreiben zu Wohnortprinzip und Vergütung 2001
Als Redner auf der Demo in BERLIN 28.3.2001
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Als Redner auf der Demo in BERLIN 28.3.2001
  • Vollblutpolitiker mit verdaulichen Rezepten - Mit 62 Jahren (Dezember 2004) kehrt Dr. Manfred Richter-Reichhelm der Standespolitik den Rücken / Jetzt will er sich mehr seiner Familie und der Kultur widmen - In Momenten wie diesen scheint es fast unwirklich, daß der rituelle Schlagabtausch zwischen Basis und Selbstverwaltung künftig ohne ihn laufen soll. Dafür wirkt das Vor und Zurück zwischen künstlicher Aufgeregtheit und aufgesetzter Abgeklärtheit zu eingespielt. Fast vergessen ist, daß auch dieser KBV-Chef seine Zeit brauchte, um mit Macht locker umzugehen. Ein Rezept für Pathos hat Richter-Reichhelm trotzdem nie gefunden. Die Massen mitzureißen, richtig Stimmung zu machen, war seine Sache nie. Der Reiz von Politik liegt darin, den Gegenüber von den eigenen Ideen zu überzeugen, sagt er. Der Feinschmecker liebt Finesse, nicht Fanfare. Nur einmal in seiner Amtszeit hat es Richter-Reichhelm richtig krachen lassen. "Ich habe den Kanal gestrichen voll", hat er da gerufen. Das war vergangenes Jahr, im großen Hörsaal der TU. Es galt, die ersten Entwürfe der Gesundheitsreform abzuwehren. Richter-Reichhelm rief seine Ärzte zum "Dienst nach Vorschrift" auf. Sie folgten begeistert und verließen ihn bald. Einer der größten Fehler seiner Amtszeit sei gewesen, die Solidarität der Ärzte zu überschätzen, sagt Richter-Reichhelm heute.
  • Seine Bilanz: Als Vorsitzender der KBV rechnet es sich Richter-Reichhelm als Erfolg an, dass die Existenz der Kassenärztlichen Vereinigungen gesichert ist, denn Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wollte sie ursprünglich ganz abschaffen. Auf Landesebene musste der Ärztefunktionär jedoch einen Misserfolg hinnehmen. Der von KV und Fachverbänden organisierte Streik vor einem Jahr erwies sich als großer Flop - kaum ein Arzt machte mit. ("Ärztefunktionär wird Pensionär auf Bornholm" - Berliner Zeitung 23. Oktober 2003)
  • Deutsches Ärzteblatt "Nachgefragt"... das ist die Antwort der Politik auf Zickzackkurse ärztlicher Selbstverwaltungen in der Vergangenheit. Die Ärzteschaft ist nicht verlässlich gewesen. Sie sehen es am EBM. Das alles hat die Politik dazu geführt zu sagen: Wir brauchen hier eine klarere Struktur, klare Entscheidungskompetenzen. Dr. Richter-Reichhelm: Was ist denn die Basis? Die Basis ist der Doktor in der Praxis. Dem ist es völlig wurscht, ob 50 oder 100 Leute in der Vertreterversammlung sitzen. Für Ärzte und Psychotherapeuten ist doch entscheidend, wie effektiv die KVen arbeiten.
Schreiben zu Wohnortprinzip und Vergütung - Seite 2 2001
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Schreiben zu Wohnortprinzip und Vergütung - Seite 2 2001
  • "Die Arbeit wird erleichtert" - Kassenärztechef Manfred Richter-Reichhelm befürwortet die elektronische Gesundheitskarte. Weil viele Patienten sich entscheiden könnten, wichtige Daten aus Datenschutzgründen nicht speichern zu lassen, drohe das wichtigste Ziel der Karte verfehlt zu werden. Mit dem Vorsitzenden der KBV sprach Dorothea Siems (April 2004). Manfred R.-R.: Die Ärzte begrüßen es, dass mit der Karte die Kommunikation innerhalb des Gesundheitswesens verbessert werden soll. Schon jetzt haben die Kassen personenbezogen alle Daten bezüglich Krankenhausaufenthalte, Krankschreibungen und Arzneiverordnungen. Seit Jahresbeginn in Folge der Gesundheitsreform haben sie nun auch noch personenbezogen die Daten über die ambulante Versorgung. Der Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse liegt gläsern auf dem Tisch des Sachbearbeiters.
  • „Wir protestieren, bis Ulla Schmidt uns zuhört“ - Kassenärzte-Chef Richter-Reichhelm schlägt ein neues Vergütungssystem vor - An unseren Protestaktionen halten wir dennoch fest, bis Ulla Schmidt uns zuhört. Die Honorar-Nullrunde hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Ständig werden wir von den Kassen und Politikern wegen angeblicher Verschwendung angegriffen. Dass wir ein Drittel unserer Zeit umsonst arbeiten, wird dabei stillschweigend in Kauf genommen. Wir setzen darauf, dass unsere Argumente gehört werden. (nach WELT 29. Januar 2003)
  • Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt lässt es auf einen Machtkampf mit Ärzten und Krankenkassen ankommen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung warf die Ministerin der KBV ein „Spiel mit dem Feuer“ vor. Notfalls werde sie mit aufsichtsrechtlichen Schritten die Kassenärzte zwingen, die Patientenversorgung sicherzustellen. KBV-Chef Manfred Richter-Reichhelm hatte am Wochenende angekündigt, Patienten würden bei weniger dringenden Fällen auf das nächste Quartal vertröstet. Zudem würden die Kassenärzte bei Arzneien nur noch die billigsten Präparate verordnen. Schmidt sagte, sie werde nicht tatenlos zuschauen, wenn die Kassenärzte einen „Blitzkrieg gegen die Patienten“ führen wollten. Heute hat die Ministerin Richter-Reichhelm zu einem Gespräch einbestellt. Die Ärzte drohen mit Totalboykott. Laut Berliner Zeitung erklärten sich Spitzenvertreter von Ärztekammer und Klinikärzten mit dem Beschluss der Kassenärzte solidarisch, der im nächstem Jahr nur noch „Dienst nach Vorschrift“ vorsieht. (Südd. Zeitung Dez. 2002)
  • Manfred Richter-Reichhelm, Verbandschef der Kassenärzte in Furcht vor dem Exitus - Die Kassenärzte sind sich keineswegs einig. Ein bisschen ist es bei ihnen wie bei den Grünen in den 80er Jahren: Fundis und Realos tragen Revierkämpfe aus. Manche KV-Chefs wollen ihre Organisationen in lärmende Kampftruppen verwandeln, andere wollen – trotz aller Kritik an der Regierung – mit Rot-Grün im Gespräch bleiben. Diese Stimmungen vor Augen sucht er seine Moderatorenrolle. Kräftige Töne gegen Ulla Schmidt überdecken Uneinigkeit in den eigenen Reihen und sichern Rückhalt. Proteste im Gesundheitswesen haben eben selten mit den Problemen der Patienten zu tun. (Kommentar in Süddeutscher Zeitung Dezember 2002)
Ministerin und Ärzte"LOBBY"
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Ministerin und Ärzte"LOBBY"
Ministerin und Ärzte"LOBBY"
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Ministerin und Ärzte"LOBBY"
  • Streik abgeblasen, Streit geht weiter - Nach einem Gespräch von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Manfred Richter-Reichhelm, ist eine Eskalation des Streits zunächst vermieden worden. Kassenärzte wie Ministerin rücken von ihren Drohungen ab. - Richter-Reichhelm hatte wegen der rot-grünen Sparpläne mit "Dienst nach Vorschrift" gedroht. Von dieser Drohung rückte er jetzt ab. Im Gegenzug verzichtete Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) auf die angedrohten rechtlichen Schritte gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung. (nach SPIEGEL Dezember 2002)
  • Kassenärzteparlament steht geschlossen hinter dem EBM 2000plus - Berlin, 31. August 2002 – Auf volle Zustimmung stieß der neue Einheitliche Bewertungsmaßstab. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellte zum ersten mal die komplett bewertete Gebührenordnung vor. Vorausgegangen waren zahlreiche Beratungen und Gespräche mit den Beratenden Fachausschüssen und den Berufsverbänden, deren Ergebnisse in den EBM 2002plus eingeflossen sind. „Mit dem EBM 2000plus wird es uns gelingen, die Honorare der Kollegen auf eine solide betriebswirtschaftliche Grundlage zu stellen“, äußerte sich Dr. Manfred Richter-Reichhelm zufrieden über das Ergebnis der Zusammenkunft. „Jetzt gilt es, die Krankenkassen im Bewertungsausschuss mit ins Boot zu holen. Kommt es im Bewertungsausschuss zu keiner Einigung, dann scheuen wir uns nicht vor einer Auseinandersetzung im Erweiterten Bewertungsausschuss“. (damalige Meldung bei der KBV)
  • DÄ: Für viele Ärzte ist die KV tatsächlich der Exekutor der Politik. Sie empfinden die KV als eine vorgesetzte Behörde, nicht aber als ihre Selbstverwaltung. Richter-Reichhelm: Das ist die Zwitterrolle. Die KV ist an einem gewissen Punkt der verlängerte Arm des Staates und muss exekutieren, wenn Verstöße gegen kassenärztliche Pflichten da sind. Die KV muss auch in gemeinsamer Selbstverwaltung mit den Krankenkassen Regresse umsetzen. Das führt natürlich nicht zur großen Zufriedenheit und zum Glück der betroffenen Ärztinnen und Ärzte. Hinzu kommt, dass die Interessenvertretung sehr stark kastriert worden ist: Wir haben die Budgetvorgaben und können uns nur innerhalb des Grundlohns entwickeln. Dass wir ein paar Leistungen ausbudgetieren konnten, war schon ein Erfolg. Geliebt wird man dafür aber noch nicht. 27.06.2003
  • Der Länderausschuss hat den KBV-Vorstand beauftragt, bei der Empfehlungsvereinbarung zur Einführung von Richtgrößen eine Regelung aufzunehmen, wonach ein Vertragsarzt erst dann mit einer Richtgrößenprüfung rechnen muss, wenn er vorher aufgrund der von den Krankenkassen zu liefernden Verordnungsdaten und einer darauf basierenden Information die Möglichkeit hatte, sein Verordnungsverhalten zu überprüfen. (Zum Begriff "Verordnungsverhalten": das ist nicht "verhalten verordnen oder verordnet verhalten" sondern Äußerung ist so zu verstehen: Mehrausgaben, die medizinisch begründet sind durch z.B. sinnvolle Innovationen oder Morbiditätsveränderungen, sind unabweisbar und stehen nicht zur Disposition. Ausgabensteigerungen allerdings, die wir nicht begründen können und die vielleicht gar in Einzelfällen pharma-induziert wären , könnten wir wohl kaum rechtfertigen. Eine exakte Analyse ist unbedingt notwendig. Insofern habe ich vom Bestehen der Probe gesprochen und vom Verordnungsverhalten. (Zitat M.Richter-Reichhelm))
  • Was wir nicht mehr akzeptieren werden und grundsätzlich beenden müssen, ist die Erbringung einer unbegrenzten Menge an Leistungen zu einer begrenzten Geldmenge. Wer Geld für fünf Brötchen hat, bekommt beim Bäcker nicht zehn! - Vielmehr muss über das neue Vergütungssystem eine ausgewogene Relation zwischen Leistungsmenge, Leistungsqualität und Geldmenge erreicht werden, wobei wir die Vereinbarung von Regelleistungsvolumen mit den Krankenkassen als die notwendige Grundlage hierfür einfordern. Rede Dr. Manfred Richter-Reichhelm, 1. Vorsitzender der KBV, vor der Vertreterversammlung am 8. Mai 2000 in Köln

KBV-Klartext

  • Anläßlich seines Ausscheidens als KBV-Vorsitzender:
Als Redner bei Ärzte-DEMO in BERLIN am 15.5.2002
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Als Redner bei Ärzte-DEMO in BERLIN am 15.5.2002
Einige Etappen seiner KBV-Vorstandszeit:
  • 15. Januar 2000: Mit einer klaren Mehrheit (97 von 109 Stimmen) wird Richter-Reichhelm zum Ersten Vorsitzenden der KBV gewählt. Er ist Nachfolger von Dr. Winfried Schorre.
  • 17. März 2001: Die Vertreterversammlung wählt Richter-Reichhelm erneut zum Ersten Vorsitzenden der KBV.
  • 1. Januar 2002: Das Arzneimittelbudget-Ablösungsgesetz tritt in Kraft, das das Ende des Arznei- und Heilmittelbudgets und kollektiven Arzneimittelregresses vorsieht.
  • 31. Juli 2003: Nach langen Streitigkeiten stimmt das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung dem Umzug der KBV von Köln nach Berlin zu.
  • 1. Januar 2004: Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung tritt in Kraft. Wichtigste Ergebnisse der KBV-Lobbyarbeit: Basis der Regelversorgung bleibt das Kollektivvertragssystem; alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten bleiben Mitglieder der KVen.
  • 17. Dezember 2004: Die KBV-Vertreterversammlung alter Prägung tritt ein letztes Mal zusammen. Tags darauf tagt die neue Vertreterversammlung, der automatisch die Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen angehören. Sie hat nur noch 60 Mitglieder (vorher 110).

Richter-Reichhelm maß Folgendem große Bedeutung bei:

  • Einführung des EBM 2000plus ab 1. April 2005 (orientiert an betriebswirtschaftlichen Kriterien); Ablösung der Honorarbudgets durch morbiditätsorientierte Regelleistungsvolumen ab 2007
  • Fortbestand der Körperschaften unter besonderer Berücksichtigung der Interessen aller vertretenen Mitglieder
  • Befürwortung eines Wettbewerbs um Qualität, wobei Kollektivverträge als Grundlagen bestehen bleiben sollen
  • Gesundheitspolitik auch auf EU-Ebene.

Weiteres Wirken

  • Mit Hermann, Hildebrandt & Gesundheitsökonom M. Schwartz, schrieb er 2006 zum Modell „Gesundes Kinzigtal“ , wie eine Managementgesellschaft die Integrierte Versorgung einer definierten Population auf Basis eines Einsparcontractings organisiert ( in: Gesundheits- und Sozialpolitik , [5-6/2006] , NOMOS Verlag, Baden-Baden, 2006)
  • Als Mitverfasser eines Grundsatz-Artikels zu neuen Vergütungsformen wie Pay for Performance hat er im Sept. 2009 (ausgerechnet mit Glaeske) sein Insiderwissen im Sinne Goethes selbst umgesetzt.

Links

  • „Ruhe für die Politik erst bei konkreten Ergebnissen“ - Demonstrativen Applaus erhielt Richter-Reichhelm für seine Ankündigung: „Wir lassen uns nicht blenden, die Politik wird nur dann Ruhe bekommen, wenn in unserem Sinne tatsächlich konkrete Ergebnisse vorliegen!“ Dies gelte nicht zuletzt für die niedergelassenen Ärzte in den neuen Bundesländern, die nach wie vor im Vergleich zu ihren westdeutschen Kollegen mit weniger finanziellen Mitteln die ambulante Versorgung sicherstellen müssen. 23.03.2001
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