Marburger Bund
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Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
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Grundlagen und Schwerpunkte der Tätigkeit
- Im Mittelpunkt der Interessenvertretung stehen unter anderem der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern, die Karriereförderung von Ärztinnen und der Einsatz für eine praxisnahe Medizinerausbildung.
- Mit inzwischen rund 110.000 Mitgliedern ist der MB die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland und Europas größte Ärzte-Organisation mit freiwilliger Mitgliedschaft.
- Der Abschluss eigenständiger arztspezifischer Tarifverträge, die gesetzliche Neubewertung der Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit durch zahlreiche Gerichtsverfahren und die maßgebliche Mitwirkung bei der Abschaffung der „Arzt im Praktikum“-Phase bezeichnet der MB als wichtigste Verbandserfolge.
- Im Jahr 1947 (Historie) entschlossen sich in Marburg junge Ärzte und Medizinstudenten, bessere Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechte Bezahlung einzufordern. Sie gründeten den Marburger Bund.
- Einen seiner wichtigsten tarifpolitischen Strategiewechsel vollzog der Marburger Bund bei seiner 108. Hauptversammlung am 9. September 2005, als er die langjährige Verhandlungskooperation mit Verdi und vormals der Deutschen Angestellten Gewerkschaft beendete und die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes zu Tarifverhandlungen aufforderte mit dem Ziel eigenständiger arztspezifischer Tarifverträge.
- Im Jahr 2006 bestimmten die Ärztestreiks in Universitätskliniken und kommunalen Krankenhäusern die Berichterstattungen in den Medien, die die Arbeitskämpfe der Weißkittel als historisch bezeichneten.
- Am 16. Juni 2006 einigten sich Marburger Bund und Tarifgemeinschaft deutscher Länder auf den Abschluss des ersten arztspezifischen Tarifvertrages für die Universitätsärzte. Der erste arztspezifische Tarifvertrag für die kommunalen Krankenhausärzte folgte am 17. August 2006.
- 18 Jahre war Dr. Frank Ulrich Montgomery 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, als er sich entschloss bei der 112. Hauptversammlung am 9. und 10. November 2007 nicht mehr anzutreten. Sein Nachfolger wurde der langjährige 2. Vorsitzende Rudolf Henke.
Der Marburger Bund ist in der offiziellen Lobbyisten-Liste beim Bundestag eingetragen, unter anderem mit folgenden Angaben:
- I n t e r e s s e n b e r e i c h
- Gesundheits- und Sozialpolitik
- insbesondere Krankenhauswesen
- Ausbildung zum Arzt
- ärztliche Weiterbildung und Fortbildung sowie
- öffentlicher Gesundheitsdienst
- Einziger Ärzteverband, der als tariffähige Gewerkschaft die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte aushandelt.
- M i t g l i e d e r z a h l : 110.000
- Anzahl angeschlossener O r g a n i s a t i o n e n: 14
Aus den Gründungsjahren
- Professor Günther Küchenhoff, Leiter der Rechtsabteilung beim Marburger Bund, hat keine freie Minute mehr. Auf seinem Schreibtisch in Dortmunds "Kassenärztlicher Vereinigung" häufen sich die Prozeßakten. Volontärärzte klagen auf nachträgliche Vergütung ihrer Leistungen als Assistenzarzt. "Nicht alle riskieren das", sagt Küchenhoff, "viele haben Angst, dann endgültig rauszufliegen." Wenn Küchenhoff, früher Breslauer Arbeitsrechtler, in den Gerichtssälen erscheint, sitzen die Jungärzte auf den Zuschauerbänken und grinsen. Küchenhoffs beißende Ironie ist allgemein gefürchtet. Noch mehr fürchten ihn die Krankenhäuser.
- Der Professor, Anfang 50, der mit Kreppsohlen, surrealistisch-bunter amerikanischer Krawatte und gelbem Strohhut die Kollegen ärgert, kennt alle Schleichwege im arbeitsrechtlichen Labyrinth. Er kann es sich leisten, seine Widersacher vorher auf seine Absichten aufmerksam zu machen. Er gibt ihnen sogar Tips, welche Paragraphen sie studieren sollten. Erst wenn er höflich wird, wissen seine Gegner daß nichts mehr zu machen ist. Er verpaßt keine Gelegenheit, ihnen mit liebenswürdigem Lächeln zu sagen: "Wir haben bisher gesiegt, wir werden immer siegen. Denn wir haben eine sehr einfache Kunst gelernt: die Kunst des Maßhaltens. Wir prüfen die Rechtslage sehr kalt, sehr fern, sehr nüchtern." Küchenhoff geht auf Nummer sicher. Bis jetzt hat er jeden Prozeß gewonnen. (DER SPIEGEL 30/1950)
- Britz gilt als eine zentrale Figur in der ärztlichen Berufs- und Standespolitik der Nachkriegszeit. Angetrieben wurde er zunächst durch die unzumutbaren Arbeitsbedingungen für Krankenhausärzte. Er zählt zu der Generation von Ärzten, die etwa in einem Alter um die 30 aus dem Krieg zurückkehrten und vor dem Nichts standen. An eine Niederlassung war für sie nicht zu denken, da die Kassenarztsitze für die älteren Heimkehrer freigehalten wurden. Die Jungärzte wurden auf Volontärstellen in den Kliniken untergebracht. „Außer gelegentlicher Verpflegung durch die Oberschwester gab es kein Entgelt“, schrieb er 2002 in einem Artikel für die „Marburger-Bund-Zeitung“.
Zitate
- Vorbereiter für die Massenproteste der Ärzte Anfang des Jahres 2006 waren die Krankenhausärzte. Mit ihren Warnstreiks und Kundgebungen hatten sie in der zweiten Jahreshälfte 2005 eine beispiellose Protestbereitschaft unter den Ärzten erzeugt, die sich schließlich auch auf die niedergelassenen Ärzte übertrug. Auslöser für die Mobilisierung der Krankenhausärzte war der neue Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, der die Ärzte gegenüber dem bisherigen BAT schlechter gestellt hätte. Der maßgeblich von ver.di mit den öffentlichen Arbeitgebern ausgehandelte Tarifvertrag fand folglich nicht die Unterstützung des Marburger Bundes. Die Gewerkschaft der angestellten Ärzte entzog Mitte September ver.di das Verhandlungsmandat und kündigte die Verhandlungsgemeinschaft mit der Dienstleistungsgewerkschaft. (nach Tätigkeitsbericht der BÄK für das Jahr 2005)
- Tauziehen um Ärzte-Bezahlung beendet - Im Tarifkonflikt der Ärzte haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt. Damit ist ein Ende des seit mehr als drei Monaten andauernden Streiks der Ärzteschaft in Sicht. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund einigten sich auf einen Tarifvertrag für die rund 22.000 Mediziner an den bundesweit rund 40 Universitäts- und Landeskliniken. (Tagesschau.de, Juni 2006)
- Ärzte jubeln - Sorgen bei Arbeitgebern - Der Tarifkonflikt der Ärzte an den 700 kommunalen Kliniken ist beigelegt. Nach acht Wochen Streik und einer mehr als 30-stündigen Marathon-Verhandlung einigten sich die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) in Düsseldorf. (Tagesschau.de, August 2006)
- Ärzte drohen mit Ausweitung der Streiks an kommunalen Krankenhäusern - Arbeitsniederlegungen zunächst in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein - Notfallversorgung gewährleistet - Scharfe Kritik an den Streiks und den Gehaltsforderungen des Marburger Bundes übte die Krankenhausgesellschaft DKG. Die Forderungen seien "vollständig von der sozialen Realität abgekoppelt", erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Wer in einer Zeit, in der in allen Zweigen der Sozialversicherung um die Finanzierbarkeit gerungen werde, für eine Berufsgruppe in sozial verantwortlicher Schlüsselfunktion 30 Prozent Gehaltserhöhung fordere, handele "unverantwortlich". in WELT Juni 2006
Tarifrechtliches
- „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“ – dieser jahrzehntelange Grundsatz gilt ab sofort (Juni 2010) nicht mehr. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat die Tarifeinheit gekippt. „Es gibt keinen übergeordneten Grundsatz, dass für verschiedene Arbeitsverhältnisse derselben Art in einem Betrieb nur einheitliche Tarifregelungen zur Anwendung kommen können“, heißt es nach übereinstimmenden Medienberichten in der Urteilsbegründung der höchsten Arbeitsrichter.
- Die Entscheidung des BAG sei nicht nur für Ärzte ein Erfolg, sondern „für alle Arbeitnehmer in diesem Land, denen in Zukunft nicht mehr das Recht verwehrt werden kann, frei darüber zu entscheiden, welche Gewerkschaft für sie rechtsgültige Tarifverträge schließt“, betonte MB-Vorsitzender Rudolf Henke. „Niemand kann also dazu gezwungen werden, einen Tarifvertrag zu akzeptieren, der nicht von seiner eigenen Gewerkschaft stammt.“
Links
- Die Homepage des Marburger Bundes
- Die Geschichte des Marburger Bundes begann im Jahr 1947, als sich in Marburg junge Ärzte und Medizinstudenten entschlossen, bessere Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechte Bezahlung einzufordern.
- Im Jahr 2007 wurde der Marburger Bund 60 Jahre alt. Lesen und sehen Sie hier die Chronik des größten europäischen Ärzteverbandes und der einzigen Ärztegewerkschaft Deutschland.
- Von der „Arbeitsgemeinschaft der Jungärzte“ zum „Marburger Bund – Vereinigung angestellter Ärzte“ - über die Gründungszeit nach dem zweiten Weltkrieg von Dr. Herbert Britz
