Max Mikorey
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Professor Dr. med. Max Mikorey (* 20.03.1899 † 10.11.1977)
- Leben und Werk eines Psychiaters an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
- Aus dieser Dissertation von Andreas Michael Weidmann :
- Als Ordinarien standen diese Psychiater im Lichte der Öffentlichkeit, was ihre Viten und Lebensentscheidungen vielfältigen, hinsichtlich ihrer Authentizität oft mittelbaren Einflüssen unterwarf; sie schrieben Lebenserinnerungen, häufig zitiert und in den wissenschaftlichen Bibliografien stets aufgeführt, deren valide und reliable Substanz aber oft nur schwer eingeschätzt werden kann. Hinter berühmten Namen von Psychiatern im 20. Jahrhundert und deren hervorragenden Lebensleistungen bleiben die reziproken Brüche, Diskontinuitäten, Auslassungen und Verunsicherungen des Menschen an der Spitze der Institution häufig verborgen und selbst ein Insider ist oft nicht in der Lage, zwischen zeitgeschichtlichem oder politischem Einfluss und innerem Antrieb der Person zu unterscheiden. Auch das institutionale Netzwerk einer Universitätsklinik mit all ihren Verflechtungen ist aus der Perspektive eines an seinen Interessen und seinem Selbstverständnis orientierten, dabei aber zwangsläufig um Ausgleich und Diskretion bemühten Ordinarius schwer zu dechiffrieren.
- Es geht dabei um Zeiträume in Deutschland, die durch vielfache Symbolik des 9. Novembers im Bezug zu den Jahren 1918, 1923, 1933, 1938 und zuletzt 1989 offensichtlich werden. Hier wird die Lebensgeschichte M. Mikorey in diesen Bezug unter dem Aspekt seines ärztlichen Berufes geschildert.
- „So sahen wir unsere Aufgabe als Chronisten von Tod, Verzweiflung und haßvoller Menschenverachtung nicht in der Anklage, noch in der Entschuldigung, sondern allein in der Vermittlung zeitgenössischer Geschichte. [...] Möge auch der Leser sein Urteil zurückhalten, selbst dort, wo ihn das Entsetzen über die Folgen jener Kombination von Dilettantismus, Machtbewußtsein, Eitelkeit und lakaienhafter Unterwürfigkeit packt. Nur so, indem er sich ganz aufschließt, sich ganz vergegenwärtigt, was halb erst Vergangenheit geworden, kann er zu einer Wahrheit gelangen, die auch uns alle betrifft.“
- aus Mitscherlich: Menschenverachtung 1947, Zitate S. 12-13.
- Dazu Weidmann: In den Lehrbüchern der Psychiatrie werden historische Einflüsse und Sichtweisen auf die Begutachtung und Therapie psychisch Kranker oder institutionelle Besonderheiten heute kaum noch erwähnt bzw. in der Rezeption der Lehrmeinung nicht mehr berücksichtigt, meist mit der Begründung, der Platz reiche nicht aus. So sind z.B. der sogenannte „therapeutische Nihilismus“ und der martialische Charakter historischer Therapieversuche in der modernen Psychopharmakologie und Fürsorgepsychiatrie in der psychiatrischen Ausbildung nicht mehr präsent, obgleich die Orte der Ausgrenzung und die Ausgrenzung selbst fortbestehen.
- Als Ziel der Dissertation beschreibt Weidmann:
- "medizinhistorische Zusammenhänge verknüpfen zu heute gültigen Lehrmeinungen mit der Geschichte des Fachbereiches Psychiatrie ... individuell und gesellschaftlich die Sinne schärfen für die gegenwärtige, vergangene und künftige Verantwortung des Arztseins."
- Professor Max Mikorey war außergewöhnlich lange - 35 Jahre -, nämlich von 1929 bis 1964, an der Psychiatrischen Klinik der Universität München tätig, davon 30 Jahre, von 1934 bis 1964, als erster klinischer Oberarzt und damit Stellvertreter des Klinikdirektors und Ordinarius für Psychiatrie. Er hörte als Medizinstudent in München Mitte der 1920-er Jahre Vorlesungen des Klinikgründers Emil Kraepelin (1856-1926), machte in den 1930er Jahren unter dem Ordinarius Oswald Bumke (1877-1950) als klinischer Psychiater und Dozent Karriere und lehrte nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Ordinarien Georg Stertz (1878-1959) und Kurt Kolle (1898-1975) zwanzig Jahre lang klinische Psychiatrie, Neurologie und medizinische Psychologie mit dem Schwerpunkt Gerichtliche Psychiatrie an der Universität München.
- Max Mikorey sozialisierte sich als Arzt in der Zwischenkriegszeit, profilierte sich als dozierender Kliniker nach der Machtergreifung, institutionalisierte sich als Universitätspsychiater in der Nachkriegszeit und verkörperte den Gerichtspsychiater des frühen Medienzeitalters. Ausgehend von dem archimedischen Punkt der Universitätsnervenklinik München führten seine fachübergreifenden Interessen zu zeitgeschichtlich höchst interessanten institutionellen Verknüpfungen und persönlichen Kontakten.
- In der Person Max Mikoreys, in seinem Lebenslauf lassen sich so die psychiatrischen Zeitläufte innerhalb eines institutionalen und personalen Netzwerkes spiegeln, gelingt die induktive Erforschung einer relativ jungen, von ideologischen Dogmen, ethischen Imbalancen und moralischer Schuld erheblich geprägten Wissenschaft.
Zitate
T.Roller 1941 von seiner Mutter fotographiert bei einem Besuch in der "Weißenau"
- In größte Probleme gerät der Rekrut, als er den Fahneneid auf Hitler verweigert. Das gilt als Befehlsverweigerung, Roller wird in Haft genommen. Das Militärgericht schickt ihn am 13. November 1937 in ein Reservelazarett nach München, er wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, kehrt dann nach Tübingen zurück, arbeitet wieder bei der Sparkasse. Roller möchte Missionar werden, benötigt zum Besuch der Basler Missionsschule eine Ausreiseerlaubnis und wendet sich am 25. Januar 1939 mit diesem Anliegen an Hitler persönlich. In diesem ersten von drei Briefen legt er Hitler freilich auch dar, was ihm an der nationalsozialistischen Politik missfällt. Und er richtet, wie Lang schreibt, an ihn "einen resoluten, wenn auch weltfremden Appell", sich zur Umkehr zu bewegen.
- Weil sein Brief nicht dem "Führer" vorgelegt worden war, formuliert er den Brief vom 11. Februar 1939. Darin nennt er Hitler einen Lügner und einen Wahnsinnigen und will von ihm wissen, wie er sich anmaßen könne, das Wort "Gott" in den Mund zu nehmen, wenn gleichzeitig Menschen wegen ihres Glaubens "in Gefängnissen und Konzentrationslager schmachten oder in Irrenhäuser eingeliefert werden". Am 18. März 1939 wird Roller verhaftet. Die Kanzlei des "Führers der NSDAP" empfiehlt: "Die dauernde Unschädlichmachung des Roller ist dringend geboten." Roller wird von einem Sondergericht zur Sicherungsverwahrung in die Heil- und Pflegeanstalt Weissenau bei Ravensburg eingewiesen. Dass er arbeitsfähig war, rettete ihm das Leben. "Wenn ich nicht geschafft hätte, hätten sie mich auch ausrotten können", berichtete Roller später. Zwischen dem 20. Mai 1940 und dem 13. März 1941 werden 677 Weissenau-Patienten getötet. "Nur dank einiger glücklicher Fügungen" habe Roller den gerichtlich angeordneten Maßregelvollzug überlebt, sagt Lang.
- Theodor Roller heiratete 1954, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. In geistiger Frische erlag er am 30. Oktober 2008 einem Herzschlag.
- DER SPIEGEL vom 06.01.1960 - Max Mikorey, 60, Professor der Universitäts-Nervenklinik München, referierte vor den Offizieren und Beamten des II. Korps der Bundeswehr in Ulm über das Thema "Soldat und Paniksituation" und empfahl dabei "massives Eingreifen" gegen kleine Paniken.
Link
- Dissertation zu: Professor Dr. med. Max Mikorey - Leben und Werk eines Psychiaters an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
- S. H. Foulkes, eigentlich Sigmund Heinrich Fuchs (* 1898 in Karlsruhe; † 1976 in London), war ein deutscher Psychiater und Psychoanalytiker, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft nach Großbritannien emigrieren musste. 1938 nahm er die britische Staatsbürgerschaft und den im Englischen ähnlich klingenden Namen Foulkes an. (Bildet damit im gleichen Zeitraum ein "Gegenstück" zu Mikorey)
