Medizinisches Versorgungszentrum

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Ein medizinisches Versorgungszentrum (Abk.: MVZ) ist ein Zusammenschluss von zugelassenen Leistungserbringern im Gesundheitswesen, also (Fach-)Ärzten, Apothekern, Physiotherapeuten u. a. Gesellschafter eines MVZ können nur zugelassene Leistungserbringer nach dem Sozialgesetzbuch V (SGB V) sein, also auch Krankenhäuser. Der Geschäftsführung der Trägergesellschaften eines MVZ muss mindestens ein Arzt angehören.

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Businessplan vorhanden?
Mutmaßliche Erfolgsfaktoren APO-Bank Referat 2011
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Mutmaßliche Erfolgsfaktoren APO-Bank Referat 2011
Mutmaßliche Erfolgsfaktoren APO-Bank Referat 2011-Kurve-Optimum
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Mutmaßliche Erfolgsfaktoren APO-Bank Referat 2011-Kurve-Optimum
  • Professor Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin beim Spreestadtforum Herbst 2011: „MVZ sind keine Gelddruckmaschinen für private Kliniken.“ Der Effizienzgrad von selbständigen Ärzten durch „Selbstausbeutung“ sei im arbeitsrechtlich geregelten Klinikablauf „kaum erreichbar“. Einen strategische Nutzen sehe er im Zusammenschluss kleiner Einheiten bei technikintensiven Medizinsparten. Ob da die Errichtung von MVZ das alternativlose Instrument ist, darüber blieb die Gesprächsrunde aufgrund mangelnder KBV-Daten die Antwort schuldig. (nach Meldung des aend)
Überlegungen zu Krankenhaus-MVZ von einem Beratungsunternehmen 2012
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Überlegungen zu Krankenhaus-MVZ von einem Beratungsunternehmen 2012
  • Mögliche Vorbilder der ehemaligen DDR
Ich kann es immer noch nicht ganz verwinden, dass um 1990 das im Grunde funktionierende ambulante Versorgungssystem der DDR zerstört wurde und Sie sich regierungsseitig unterstützt in das sehr teure System der Niederlassungen stürzten, ohne die Risiken hinreichend abzuschätzen. Dabei hätte nur die Unterkapitalisierung der Polikliniken und Ambulatorien behoben werden müssen. Heute stellen wir in nicht geringem Umfang tiefe Enttäuschungen fest.
Rede der Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Martina Bunge, anlässlich des 3. Ostdeutschen Kassenärztetages "Kränker, älter und die kleinsten Budgets - ambulante Medizin im Osten auf Talfahrt?!" - am 18. Mai 2001 in Berlin

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Die Ausgestaltung des Gesellschaftsrechtes ist wie die Regelung der ärztlichen Berufausübung Ländersache und nicht im SGB V geregelt, weshalb sich die möglichen Organisationsformen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden - so gibt es Bundesländer, in denen auch reine Kapitalgesellschaften als MVZ-Träger möglich sind.

Jedes medizinische Versorgungszentrum muss einen ärztlichen Leiter haben. Der ärztliche Leiter muss Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sein, in deren Bezirk das MVZ seinen Sitz hat.

Kreispoliklinik Pasewalk Sommer 2007
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Kreispoliklinik Pasewalk Sommer 2007

In Deutschland hat der Begriff MVZ eine besondere Bedeutung erlangt, als zum 1. Januar 2004 das sogenannte GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) in Kraft trat. Darin wurden erstmals neben Vertragsärzten und ermächtigten Krankenhausärzten ausdrücklich auch medizinische Versorgungszentren zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen. Danach ist ein MVZ eine fachübergreifende ärztlich geleitete Einrichtung, in der Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sind. Ein MVZ kann von allen Leistungserbringern gegründet werden, die zur medizinischen Versorgung der Versicherten zugelassen oder ermächtigt sind oder per Vertrag an ihr teilnehmen.

Im Gegensatz zu einer Gemeinschaftspraxis ist für ein MVZ die fachübergreifende Behandlung gewollt. Die Ärzte im MVZ können angestellt sein oder Mitgesellschafter. Als Vertragsärzte gelten dabei sowohl angestellte als auch Gesellschafter, denen ein Vertragarztsitz zugeordnet ist. Die freie Arztwahl bleibt grundsätzlich auch im MVZ - analog zu einem Krankenhaus bestehen. Wie im Krankenhaus hat der Patient aus dem Behandlungsverrag sowohl Ansprüche gegenüber dem jeweils behandelnden Arzt als auch gegenüber der Gesellschaft des MVZ.

Durch die Zulassung von medizinischen Versorgungszentren ist im gößeren Umfang Gelegenheit geschaffen worden, ambulante Versorgung auch durch angestellte Ärzte anzubieten. MVZ werden oft als Schritt gesehen, die bisherige sektorale Trennung von ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung sowie die engen medizinischen Fachgebietsgrenzen in Deutschland aufzuheben.

In der DDR waren ambulant tätige Leistungserbringer meist in sogenannten Polikliniken tätig. Diese Polikliniken wurden im Zuge der Wiedervereinigung nahezu vollständig abgeschafft. Nur Einrichtungen nach § 311 SGB V a.nbsp;F. (Dispensaireeinrichtungen) hatten unter Umständen Bestandsschutz. Von den KV-organisierten Ärzten wird oft behauptet, dass das gesetzgeberische Konzept der medizinischen Versorgungszentren die ehemaligen Polikliniken zum Vorbild hat und es insbesondere den Krankenhäusern ermöglicht werden sollte, auch ambulante Leistungen anzubieten. Dies mit negativen Assoziationen zu verbinden, wird von den konservativen Standesvertretern durch Bilder wie in diesem Artikel betrieben.

Hierfür hat der Gesetzgeber allerdings andere Möglichkeiten - wie die Zulassung von Krankenhäusern zum ambulanten Operieren und die Möglichkeit der Zulassung für Spezialversorgungsaufgaben geschaffen.

Neben dem Gedanken einer auch im ambulanten Bereich möglichen kooperativen und fachübergreifenden ärztlichen Tätigkeit, eröffnet die Möglichkeit auch im ambulanten Bereich den Arztberuf im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses auszuüben insbesondere auch für Ärztinnen dieses Berufsfeld. An der Freiberuflichkeit ändert dies - wie im Krankenhaus und wie auch bei angestellten Anwälten in Kanzleigemeinschaften nichts - da z.B. der ärztliche Leiter ausserhalb seines Fachgebietes unmittelbar nicht in die ärztliche Verantwortung auch angestellter Kollegen eingreifen darf.

Rechtsform

Wie finanzieren?
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Wie finanzieren?
  • § 95 Abs. 1 SGB V sieht „alle zulässigen Organisationsformen“ vor. Ein MVZ kann damit auch in Form einer GmbH oder Aktiengesellschaft betrieben werden. Handelsgesellschaften wie OHG (offene Handelsgesellschaft) oder KG (Kommanditgesellschaft) scheiden aber aus, da der ärztliche Beruf, zu dessen Ausübung das MVZ gegründet und betrieben wird, kein Handelsgeschäft ist. Wird ein MVZ in der Rechtsform einer juristischen Person, also einer GmbH oder AG gegründet, kommt für die beteiligten Ärzte grundsätzlich nur die Anstellung in Betracht. Wählen die Betreiber dagegen die Rechtsform einer BGB-Gesellschaft, können die beteiligten Ärzte weiter freiberuflich im MVZ tätig sein. Ein Vertragsarzt als Gesellschafter einer GmbH zum Betrieb eines MVZ ist gut beraten, sich diesbezüglich auch mit der Landesärztekammer Thüringen abzustimmen. Andere GKV-Leistungserbringer wählen meist eine hundertprozentige Tochter-GmbH mit dem alleinigen Gesellschaftszweck „Betrieb eines MVZ“. (gefunden bei KV-Thüringen)
  • Ist ein Behandlungsvertrag zwischen dem Patienten und dem MVZ zustande gekommen und macht der Patient hieraus Haftpflichtansprüche geltend, so muss er diese gegen das MVZ unmittelbar richten. In der Realität jedoch wird es dem Patienten kaum bewusst sein, dass er einen Behandlungsvertrag mit einem MVZ geschlossen hat. Er hält sich daher an den ihm persönlich bekannten, behandelnden Arzt. In diesem Fall sollte der betroffene Arzt den Vorgang intern zügig an die zuständige Stelle des MVZ weiterleiten. Spätestens aber bei Klageerhebung werden im Regelfall die Ansprüche sowohl gegen das MVZ als auch den tätig gewordenen Arzt erhoben, um seinen Zeugenstatus zu verhindern. Die prozessuale Situation ist hier vergleichbar mit der Anspruchsverfolgung gegenüber einem Krankenhausträger und dem dort angestellten Arzt.

Politische Absichtserklärungen

im Koalitionsvertrag 2009

  • Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sollen nur unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden. Geschäftsanteile können nur von zugelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenhäusern gehalten werden. Wesentlich ist dabei vor allem, dass die Mehrheit der Geschäftsanteile und Stimmrechte Ärztinnen und Ärzten zusteht und das MVZ von Ärztinnen und Ärzten verantwortlich geführt wird. Für den Bereich unterversorgter Gebiete soll eine Öffnungsklausel für Krankenhäuser vorgesehen werden, wenn keine Interessenten aus dem Bereich der Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen. (Herbst 2009, schwarz-gelbe Koalition)


SPD-Parteitag 2011 - Leitantrag

  • Die Versorgungsstrukturen in unserem Gesundheitssystem sind in ihrer Ausrichtung - gemessen an den Anforderungen - an ihre Grenzen gestoßen. Starre Sektorgrenzen und ungelöste Schnittstellenprobleme werden den Bedingungen einer modernen Medizin und der zunehmenden alterungsbedingten Multimorbidität nicht mehr gerecht. Wer das moderne medizinische Wissen in seiner Komplexität den Patientinnen und Patienten zu Gute kommen lassen will, braucht neue Kooperationskulturen und –Strukturen sowie stärkere Vernetzung der Versorgungsbereiche. Deshalb müssen wir Anreize für mehr echte, an Qualitätssteigerung ausgerichtete integrierte Versorgung schaffen. In Zukunft muss belohnt werden, wer durch Kooperation und Qualifikation ein mehr an Behandlungsqualität erreicht. Der Blick auf koordinierte Behandlungsprozesse muss den Blick auf die einzelnen, begrenzten Funktionsbereiche ersetzen. Deshalb werden wir wieder verstärkt die Bildung von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) fördern, in denen fachübergreifend versorgt werden kann. Der Schlüssel zur Erschließung von Effizienz und Effektivität der Versorgung liegt vor allem an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer fachärztlicher Versorgung.

Zitate

Allgemein zur MVZ - Idee ansich

112. Deutscher Ärztetag MAINZ 2009
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112. Deutscher Ärztetag MAINZ 2009
  • Halbgötterdämmerung - Der Ärztestreik zeigt auch: Viele Mediziner haben sich vom traditionellen Berufsbild längst verabschiedet - Überall in Deutschland streiken Zehntausende Klinikärzte, an ihrer Seite, scheinbar solidarisch, gehen auch die niedergelassenen Ärzte auf die Straße. Es ist eine paradoxe Kombination. Denn während die Klinikärzte zum ersten Mal massenhaft für ihre Arbeitnehmerrechte fechten, verteidigen die niedergelassenen Ärzte ihr Unternehmertum. »80 Prozent aller Kliniken tragen sich mit dem Gedanken, ein MVZ anzugliedern«, sagt Reinhold Altendorfer, der selbst Arzt und Jurist ist und Medizinische Versorgungszentren in Bayern berät. »Den Krankenhäusern geht es in erster Linie darum, die Patientenströme in ihre Klinik zu leiten, sie wollen ihre Stationen voll haben.« (aus ZEIT 24/2006)
Hauptstadtkongress BERLIN Juni 2007 - Aktion "Freie Ärzteschaft"
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Hauptstadtkongress BERLIN Juni 2007 - Aktion "Freie Ärzteschaft"
  • Durch Medizinische Versorgungszentren werden doppelte Untersuchungen und Mehrkosten vermieden. Düsseldorf. Die medizinische Versorgung in Deutschland steht vor dem Umbruch. Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren steigt stetig. Bislang gibt es 880 in Deutschland. In unserer Region wurden bereits in Düsseldorf, Hilden, Krefeld, Mönchengladbach, Neuss, Remscheid, Ratingen, Solingen, Velbert und in Wuppertal MVZ eröffnet. Derzeit decken noch rund 41000 Hausärzte die medizinische Grundversorgung ab. Nicht selten werden die Erkrankten von dort an Fachärzte überwiesen. Die Folge: Die Patienten verlieren Zeit, bis ihre Krankheit diagnostiziert ist und behandelt werden kann. Auch die Politik hat dieses Problem erkannt, deshalb sollen MVZ Abhilfe schaffen. (2. Februar 2008 wz-newsline.de/)
  • Haben Sie denn auch Vorbildliches wahrgenommen im DDR-Gesundheitssystem? - Norbert Blüm: Unter dem Aspekt, dass die Medizin eine stärkere Vernetzung braucht, ist die poliklinische Versorgung in der DDR nicht per se schlecht gewesen. Inzwischen ist das im Westen unter der Bezeichnung „Medizinisches Versorgungszentrum“ schon zu einem wirtschaftlich lohnenden Unternehmen geworden. Private Klinikketten tätigen in diesem Bereich beträchtliche Investitionen. Auch wegen des Ärztemangels wird man mit solchen Systemen arbeiten müssen. Die Idee, dass eine integrierte medizinische Versorgung auch zur Qualitätssicherung beiträgt, ist ja richtig. Bei der Diskussion um die Polikliniken gab es damals stets die Befürchtung, das alte System könnte wieder unter neuen Vorzeichen auftauchen. Und dieser Gedanke lag ja nicht fern; es gab Pläne, eine Kassenarztpraxis nur dann zuzulassen, wenn die ambulante Versorgung nicht durch die Polikliniken sichergestellt werden konnte. Der gedankliche Kurzschluss war damals: Poliklinik gleich staatliches Gesundheitswesen und freie Niederlassung gleich Selbstverwaltung. Es gab zur Wendezeit in der DDR rund 400 niedergelassene Ärzte gegenüber 22 000 in den Einrichtungen. Es kam dann schnell ganz anders: Ende 1991 waren schon 90 Prozent der Ärzte im ambulanten Bereich niedergelassen und nur zehn Prozent in den Einrichtungen.

Gesundheitsminster/-ministerium

  • Gesetzesvorlage mit Brisanz - "Änderung des Vertragsarztrechts" - Ideen aus dem Hause Ulla Schmidt - Die Gründung und das Betreiben von MVZ soll deutlich vereinfacht werden. Die Zentren soll es auch für lediglich eine Fachrichtung geben dürfen. Sie sollen auch von Ärzten gegründet werden können, die angestellt arbeiten oder aufgrund ihres Alters eigentlich nicht mehr praktizieren dürfen. Ein Arzt soll parallel im Krankenhaus und im MVZ angestellt arbeiten dürfen. Ein MVZ soll als juristische Person anstelle seiner angestellten Ärzte Mitglied der KV werden.
  • Dass sich die KBV durchsetzt, ist nach den Worten von BMG-Abteilungsleiter Franz Knieps unwahrscheinlich. "Wesentlich ist: die ärztliche Unabhängigkeit darf nicht durch Juristen und Ökonomen eingeschränkt werden", so Knieps. Das sei aber nicht an die Trägerschaft geknüpft. Die Forderung nach einer Gesetzesänderung sei übereilt und ein Einschreiten erst dann nötig, wenn kleinere MVZ vom Markt verdrängt würden.
  • Die Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) an Krankenhäusern verfolgen niedergelassene Ärzte meist kritisch. Sie befürchten, dass die Kliniken sich über MVZ regional zur Konkurrenz der ärztlichen Freiberufler entwickeln können. Im vorpommerschen Pasewalk dagegen sind auch manche Vertragsärzte erleichtert, dass die Asklepios Klinik ein MVZ gegründet hat. Uneigennützig allerdings kann das private Haus beim Betrieb des MVZ nicht handeln - die Umsatz- und Patientenzahlen müssen stimmen, auch wenn die neuen Praxen am Haus der Patientenbindung dienen, kurze Wege und eine Versorgung aus einer Hand ermöglichen. Vollrath erwartet, dass über das MVZ Synergieeffekte genutzt und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Kein Geheimnis macht er daraus, dass er weitere Praxissitze an das Haus binden will - allerdings immer in Absprache mit den einweisenden Ärzten im Ort.
  • ´Medizinische Versorgungszentren sind eine sinnvollen Ergänzungdes traditionellen Angebots – von einer "feindlichen Übernahme" der ambulanten Versorgung durch diese Zentren sind wir meilenweit entfernt. So stehen heute rund 125.000 niedergelassenen Ärzten 1.200 Medizinische Versorgungszentren gegenüber. Dennoch: Auch die neuen Versorgungsformen haben ihren Platz im Gesundheitswesen gefunden, und sie geben eine Antwort auf die Bedürfnisse nicht nur der Patientinnen und Patienten, sondern auch einer wachsenden Zahl von Ärztinnen und Ärzten, die sich aus verschiedenen Gründen gegen die Einzelpraxis entscheiden.
• Weil sie Teamarbeit bevorzugen,
• weil eine Praxisgründung finanzielle Risiken mit sich bringt – aber vor allem,
• weil sie darin eine große Chance sehen, den Arztberuf mit ihren familiären Bedürfnissen zu vereinbaren. (Rede von Dr. Klaus Theo Schröder beim 12. Deutschen Ärztetag am 19.05.2009 in Mainz)
Ulla Schmidt: Mit diesem Thema werden immer wieder Ängste geschürt. Schaut man sich die Zahlen an, wird deutlich, dass die Mehrzahl der Zentren weiter in der Hand von Ärzten ist. Medizinische Versorgungszentren sollen die ambulante Versorgung ergänzen, aber nicht ersetzen. Sie sind sinnvoll in unterversorgten Gebieten, und sie sind geborene Zentren der integrierten Versorgung. Was wir nicht wollen, ist, dass sich die Kliniken über MVZ ihre Patienten zuweisen.

KBV/KV-seitige Stellungnahmen

  • Die KVWL Consult entwickelt Konzepte, wie Ärzte künftig im ambulanten Sektor arbeiten können, ohne sich in eigener Praxis niederlassen zu müssen. "Wir prüfen zurzeit, ob die Consult medizinische Versorgungszentren gründen und betreiben darf", sagt Kriedel. Dabei gehe es darum, diese Zentren in den Händen von niedergelassenen Ärzten zu halten und das Feld nicht Kliniken oder Managementgesellschaften zu überlassen. "Gesundheitswirtschaft - Neuer Anstrich" Artikel der Financial Times Deutschland 10.08.2007
  • Trend zum angestellten Mediziner zu beobachten? Entwicklung bei MVZ: Innerhalb eines Jahres hat es dort laut KBV eine erhebliche Zunahme gegeben. Im Juni 2007 gab es bundesweit 809 solcher Zentren. Damit hat sich die Zahl innerhalb eines Jahres fast verdoppelt (491). „MVZ stellen aus unserer Sicht keine Konkurrenz für die niedergelassenen Ärzte dar. Im Gegenteil: Sie können eine sinnvolle Ergänzung in der flächendeckenden, ambulanten Versorgung darstellen“, sagt KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Köhler. Niedergelassene mit Unternehmergeist: Der Anteil der Zentren in Trägerschaft von Vertragsärzten beträgt immerhin 62,4 Prozent. Vor allem in Bayern, Berlin und Niedersachsen finden sich Versorgungszentren. In den MVZ sind insgesamt 3.263 Ärzte tätig. Mehr als zwei Drittel von ihnen – das sind 2.191 – arbeiten in einem Angestelltenverhältnis. Im Durchschnitt arbeiten vier Ärzte in einem MVZ. Am stärksten vertreten sind Hausärzte, Internisten und Chirurgen.
  • EU-Kommission: Öffentliche Beihilfen für Kliniken und MVZ oft unzulässig - Länder und Kommunen dürfen Krankenhäuser und Medizinische Versorgungszentren nicht mit öffentlichen Geldern dabei unterstützen, Defizite abzubauen oder Investitionen zu tätigen. Zu diesem Ergebnis ist laut MEDI Deutschland die Kommission der Europäischen Union (EU) in Brüssel gekommen, nachdem sie eine Beschwerde des Verbandes gegen wettbewerbsverzerrende Beihilfen an deutschen Krankenhäusern geprüft hat. „Während Krankenhäuser und MVZs von der dualen Finanzierung und von Quersubventionen profitieren, müssen niedergelassene Ärzte sämtliche Investitionen für ihre Praxen selber leisten“.
DEMO Berlin 19.9.2008 "Diese Politik macht krank"
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DEMO Berlin 19.9.2008 "Diese Politik macht krank"
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DEMO Berlin 19.9.08 "Diese Politik macht krank"
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DEMO Berlin 19.9.08 "Diese Politik macht krank"
  • "Als Vorsitzender der KBV müssen Sie auch unsere Interessen als jahrzehntelang tätige Gemeinschaftspraxisinhaber vertreten", heißt es in dem Schreiben, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Die Berliner Gemeinschaftspraxis mit zehn Ärzten fordert, dass die jetzige Regelung beibehalten wird. Die KBV-Pläne sehen vor, dass Gemeinschaftspraxen und MVZ für Patienten, die zu Ärzten mehrerer Fachgruppen gehen, künftig nur einen Fallwert abrechnen können. Dafür soll es Zuschläge zum Fallwert geben
  • "Sie können Kapitalunternehmen als Einfallstor in die ambulante Versorgung dienen", sagte Andreas Köhler bei der Vorstellung des "MVZ-Surveys 2008" seiner Organisation in Berlin. Wenn dem Shareholder-Value verpflichtete MVZ die ärztliche Leitung durch einen hohen Kapitalanteil majorisierten, habe die Medizin den Kampf gegen die Ökonomie in solchen MVZ bereits verloren. Köhler forderte von der Politik daher erneut ein Verbot der MVZ-Trägerschaft durch Kapitalgesellschaften.
  • Ärzte greifen ein - Mit immer größerer Sorge beobachten die deutschen Ärzte das rasante Wachstum Medizinischer Versorgungszentren. Künftig wollen sie an dem Geschäft teilhaben. Deshalb gründen sie jetzt selbst welche. Patiomed ist nicht irgendeine Geschäftsidee. Dafür bürgen schon die Eigner. 49 Prozent der Aktien hält die Apotheker- und Ärztebank, 24 Prozent der Deutsche Ärzteverlag, zwei Prozent eine Züricher Beteiligungsgesellschaft. Durchgerechnet 25 Prozent hält die KVmed GmbH. Dahinter stehen die Äskulap-Stiftung, die von Chefs von Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) als Privatleuten finanziert wurde, sowie der Verband privatärztlicher Verrechnungsstellen und der Klinikkonzern Asklepios. Gewinne der KVmed sollen nur "der Förderung der vertragsärztlichen Versorgung dienen".
Klein-MVZ mit weniger als 4 Fachrichtungen und ohne angestellte Ärzte werden in diesem Vortrag nicht behandelt. Klassische Kooperationsformen, die auch schon vor der MVZ-Ära gut funktioniert haben, funktionieren gut als MVZ, so z.B. die Kooperation zwischen Operateur und Anästhesist. Weniger gut funktioniere die Neugründung einer Poliklinik, in der die Patienten alle Fachrichtungen aufsuchen sollen, denn die Patienten suchen sich ihre Ärzte nach anderen Kriterien aus und 80% der Patienten benötigen für ihr Leiden nur eine Fachrichtung. Medizinisch sinnvoll sei die Versorgung rund um ein Krankheitsbild, zahlenmäßig gebe es hier aber wenig Bedarf.
Wachstum und Umsatzrenditen sind in der Gesundheitswirtschaft ungewöhnlich hoch, dewegen stehen Investoren Schlange, die gern MVZ gründen würden. Abgesehen von den o.g. Strukturproblemen ist es aber ein Problem, dass angestellte Ärzte im allgemeinen weniger arbeiten als selbständige Ärzte (nach Statistiken der KV Berlin werden beispielsweise 1/3 weniger Fälle versorgt). Bei Groß-MVZ stellt sich zusätzlich das Problem, dass sie keine effektive Versorgung in der Fläche machen können. Die Zahlen der Apo-Bank verraten ebenso, dass etliche MVZ bedrohliche wirtschaftliche Probleme haben.

Klinikkonzerne

  • Wie wollen ein Komplettangebot aufbauen. Dafür werden wir unsere Akquisitionsstrategie konsequent auf den ambulanten Sektor ausdehnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Pföhler auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag. Der Klinikkonzern betreibt bundesweit nach eigenen Angaben bereits 17 MVZ mit 49 Kassenarztsitzen. Rhön-Klinikum setzt auf medizinische Versorgunsgzentren - Freitag, 25. April 2008
  • Dass die Rhön-Klinikum AG immer stärker in den ambulanten Sektor vordringt, belegen die Zahlen: Im Jahr 2007 wurden sechs MVZ und im ersten Quartal 2008 nochmals drei gegründet. Insgesamt verfügt der Konzern über 18 MVZ mit insgesamt 55 Kassenarztsitzen. "Der ambulante Markt ist in Bewegung. Unsere Wachstumschancen sind enorm", ist Pföhler überzeugt. Mit seinem Vorgehen fördert der Konzern den Trend zur Anstellung von Ärzten in einem MVZ, der aus aktuellen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ersichtlich wird: Demnach ist seit dem Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) am 1.1.2004 die Anzahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) stetig gestiegen.
  • Seitdem der Rhön-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Pföhler auf einer Aktionärsversammlung verkündet hat, dass sein Konzern verstärkt in die ambulante Versorgung investieren wolle, schrillen bei den Ärzten am Untermain die Alarmglocken. Sie fürchten, dass Rhön immer mehr Arztsitze aufkauft, um dann eine Art Wertschöpfungskette entstehen zu lassen. "Erst gehen die Patienten zum Arzt ins Rhön-MVZ, der überweist sie in die Rhön-Klinik, von da geht es in die Rhön-Reha und dann irgendwann wieder zum Rhön-Hausarzt", entwirft Morgenroth ein Schreckens-Szenario für niedergelassene Ärzte. "Die Vormachtstellung des Konzerns in einer Region wird dazu führen, dass die übrigen niedergelassenen Ärzte Patienten verlieren und ihre Praxen aufgeben müssen", ist Morgenroth sicher.

Krankenkassen - GKV

  • Christoph Straub lobte in seinem Vortrag auf der MCC-Konferenz 12.06.2008 „Strukturwandel im Gesundheitswesen“ auch die neuen „Atriomed“-MVZ, die in Zusammenarbeit mit der TK entstanden seien. Die optimale Ausrichtung der Terminvergaben, die verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte sowie zusätzliche Service-Angebote machten das Modell interessant. „Wir erleben da auch eine unglaubliche Akzeptanz der Versicherten.“
  • Geschäftsmodell MVZ in 33% im zweiten Quartal 2007 in Krankenhausträgerschaft. Diese konzentrieren sich laut KBV stärker in den neuen Bundesländern. Mit der Techniker Krankenkasse (TK) mischt neuerdings noch ein weiterer Akteur in der MVZ-Landschaft mit. Die TK spricht sogar stolz von einem MVZ der „neuen Generation“ - Kölner MVZ „Atriomed" – diese Marke hat die Kasse gemeinsam mit dem Träger, der Rehasan Gesundheitszentrum GmbH, entwickelt. Zur Eröffnung des neuen Zentrums in Köln konnte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt verpflichtet werden.
  • Im Kölner Zentrum seien bislang rund 7000 TK-Versicherte behandelt worden. Ein großer Teil der Patienten komme aus dem direkten Stadtgebiet, doch das Einzugsgebiet gehe inzwischen relativ weit über Köln hinaus. Die am stärksten frequentierten Fachärzte im Atrio-Med sind Orthopäden und Gynäkologen. Zur Evaluation, mit der die TK die Arbeit des MVZ begleitet, gehören auch Patientenbefragungen. Sie zeigen, dass für die Versicherten zusätzliche Service-Angebote von besonderer Bedeutung sind, sagte Hecke. "Gerade am Samstag wird das MVZ sehr gut frequentiert." Gleichzeitig schätzen die Patienten aber auch die interdisziplinäre Arbeit im Zentrum. "Die Patienten sind mit der Betreuung durch Ärzte sehr viel zufriedener als vorher mit der Behandlung in einer Einzelpraxis."
  • Dr. Andreas Hellmann vom Deutschen Facharztverband (DFV) und Vorsitzender des Berufsverbandes der Pneumologen (BdP), machte der Techniker Krankenkasse (TK) ein Angebot. Leistungen, die die TK mit der Eröffnung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Artriomed in München durchsetzen wolle – Termin innerhalb weniger Tage, kurze Wartezeit, elektronische Patientenakte, Abend- und Samstagsprechstunden – könnten die niedergelassenen Fachärzte ebenfalls auch ohne MVZ-Struktur anbieten. Beide, Hellmann und Bredl von der TK, wollen darüber in Gespräche eintreten.
Hintergrund ist die Abwehrhaltung der Fachärzte gegenüber von MVZs in den Händen von Kliniken, Kassen oder reinen Kapitalgebern. Auch wenn TK-Mann Bredl versicherte, das erste Atriomed MVZ bedeute keine geöffneten Schleusen für diese Versorgungsform, glauben wollten es ihm die Besucher des 14. Deutschen Fachärztetages 2009 nicht. Bestätigt wurden sie im Laufe des Samstagnachmittags durch Prof. Dr. Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Auch er erwarte in Ballungszentren wie München in mehreren Jahren eine Umkehr des Verhältnisses MVZ-freie Arztpraxis im Verhältnis 80:20 – dies laute heute genau umgekehrt noch 20:80. Die niedergelassenen Fachärzte sehen darin eine Stärkung der Anbietermacht der Kliniken, Kassen und freier Kapitalgeber.

Kontroversen um MVZ

  • Pinneberger Ärzte bangen um ihre Praxen - Die niedergelassenen Mediziner sehen in den Versorgungszentren eine staatlich subventionierte Konkurrenz. Der Expansionskurs der Regio-Kliniken gGmbH, die die Krankenhäuser im Kreis Pinneberg betreibt, stößt auf scharfe Kritik der niedergelassenen Ärzte. Insbesondere die geplanten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind den Haus- und Fachärzten ein Dorn im Auge. Sie halten das für Wettbewerbsverzerrung - und zwar mit Unterstützung der öffentlichen Hand, denn der Kreis bürgt für die Kredite der Kliniken. (25.1.2009)
  • Wahlkämpfer Söder nahm das Lob gerne entgegen und versprach dem BHÄV-Vorsitzenden, sich auch gegen das Vordringen der Kapitalgesellschaften einsetzen zu wollen. Er sehe es als große Herausforderung an, wenn täglich große, kapitalstarke Gesellschaften Arztsitze aufkauften, um die Versorgung zu übernehmen. „MVZ durch Medizinheuschrecken mit Fließbandmedizin, das wollen wir in Bayern nicht.“ Markus Söder kündigte an, dass die CSU deutliche Einschränkungen für Medizinische Versorgungszentren ins Gesetz schreiben werde. Seine Rede beendete er mit der von den Zuhörern geschätzten Parole: „Seehofer und Söder stehen zu den Hausärzten, stehen zu 73 b.“
  • Zwei Passagen im Koalitionsvertrag bewertete der DKG-Präsident als Klientelpolitik zulasten der Krankenhäuser und zugunsten der niedergelassenen Fachärzte, die es zu korrigieren gelte: erstens, dass die Mehrheit der Geschäftsanteile von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) künftig in ärztlicher Hand sein sollen, und zweitens, dass die neue Regierung das Verfahren, das die Zulassung von Krankenhäusern zur ambulanten Versorgung bei hoch spezialisierten Leistungen nach § 116b SGB kritisch überprüfen und gegebenenfalls präzisieren will. „Warum hat diese Bundesregierung Angst vor der ambulanten Leistungserbringung der Krankenhäuser?“ fragte Kösters.
Die Verzahnung stationärer und ambulanter Versorgung durch eine weitere Öffnung der Kliniken habe für die Patienten erhebliche Versorgungsvorteile. Es gehe um eine Versorgung aus einem Guss. Auch viele niedergelassene Ärzte suchten die Nähe und Mitwirkung des Krankenhauses bei der Gründung eines MVZ und sähen darin teilweise die einzige Chance, ihr Lebenswerk – ihre Praxis – halbwegs fair verwerten zu können.
  • MVZ erinnern an Polikliniken der ehemaligen DDR - Eigentlich erinnerten die MVZ an die Polikliniken der ehemaligen DDR, so Medizinsoziologe Professor Hans-Ulrich Deppe. Tatsächlich hatte sie die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) 2004 eingeführt, um ländliche Räume besser versorgen zu können. Doch sie können auch missbraucht werden, "um die Interessen der Aktionäre zu bedienen", postulierte Deppe. Genau das fürchten in der Initiative "Notruf 113" zusammengeschlossenen niedergelassenen Ärzte in Mittelhessen. Die Rhön Klinikum AG als Betreiber des privatisierten Uni-Klinikums Marburg und Gießen baue mehrere Versorgungszentren, so die Lesart der Versammelten, "um dem Unternehmen weitere Gewinne zu bringen" sowie Haus- und Fachärzte aus der Nachbarschaft zu ersetzen. "Ein Interessenkonflikt zwischen Klein- und Großkapital", ordnete Deppe die Situation ein. Doch wenn Rhön dahinter stehe, seien auch die in MVZ angestellten Ärzte diesem Interesse verpflichtet, so Dr. Nadja Rakowitz vom Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte. "Die MVZ sind das Einfallstor in die ambulante Versorgung", folgerte Rakowitz für sich in der emotionsgeladenen Debatte.
  • Widersprüchliche gesetzliche Vorgaben für die Medizinischen Versorgungs­zentren (MVZ), welche Ärzte in den Einrichtungen schlechter stellen, hat der Bundes­vereinigung ambulante spezialfachärztliche Versorgung kritisiert. Laut dem Verband können die MVZ-Ärzte deutlich weniger Leistungen abrechnen als ihre freiberuflich tätigen Kollegen. „Damit könnten MVZ, die der Gesetzgeber eigentlich fördern wollte, wirtschaftlich unattraktiv werden“, sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns und jetzige Verbandsvorsitzende Axel Munte.
Hintergrund ist, dass die KV angestellten Ärzten bei einer Vollzulassung eine Arbeitszeit von 520 Stunden pro Quartal zubilligt, das entspricht vierzig Stunden pro Woche. Haben diese Ärzte mehr Leistungen abgerechnet, als das KV-Zeitbudget zulässt, drohen im Rahmen der Abrechnungsprüfung Kürzungen.

Hausarzt-MVZ

  • Weil Medizinische Versorgungszentren und Ärztehäuser den Hausärzten in Einzel- und kleinen Gemeinschaftspraxen zunehmend zu schaffen machen, will der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) Gegengewichte schaffen. Geplant seien mehrere Prototypen großer Gemeinschaftspraxen, in denen sich zehn bis 20 bereits niedergelassene Hausärzte zusammenschließen und so die Versorgung das ganze Jahr über sicherstellen, erklärte BHÄV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Hoppenthaller. Mit solchen Modellen solle den von der Industrie, von Aktiengesellschaften und Kassen finanzierten MVZ in den größeren Städten Paroli geboten werden.

Skandale um MVZ

Früher Vorläufer in BERLIN ?

  • Ein MVZ wie andere? Nein, findet die Geschäftsführerin
So ganz wollen die jetzigen Praxisinhaber ihr Gesundheitszentrum aber nicht mit einem x-beliebigen MVZ verglichen haben. Sie verweisen darauf, dass es nach wie vor Sozial- und Konfliktberatungsangebote gibt, auch wenn diese das Diakonische Werk finanziert. Viele Einrichtungen wie die Cafeteria haben die Wirren der Zeit ebenfalls überstanden und werden als eigenständige Einrichtungen weitergeführt. Die Zusammenarbeit unter den Ärzten funktioniert, für Ausflüge und Feste reicht der Zusammenhalt allemal.
35 Jahre Gesundheitszentrum Gropiusstadt: Honorarpool und Mitbestimmung – und schnell Streit ums Geld (DÄB August 2011)

Atriomed - TK

  • Was ist passiert? Die KV überprüft regelmäßig die Abrechnungen der Kassenärzte und hat bei Atriomed Unregelmäßigkeiten festgestellt. „Es handelt sich um eine ganz besonders schwere Verfehlung“, sagt KV-Vorstandsmitglied Burkhard Bratzke, ohne genauer ins Detail gehen zu wollen. Aber offenbar wurde in der Torstraße, wo 16 Fachärzte aus verschiedenen Gebieten praktiziert haben, mit falschen Arztnummern abgerechnet. Das bedeutet: Dort könnten Ärzte praktiziert haben, die keine Zulassung haben.
Ärztehaus in Prenzlauer Berg - Ärzte unter Betrugsverdacht - 5.12.2009
  • Hintergrund der Vorwürfe sind die Vergütungsvereinbarungen, die zwischen Kankenkasse und Privatfirma getroffen wurden. In dem Vertrag, der dem änd vorliegt, ist von einer Pauschale in Höhe von 1.071.150 Euro die Rede, die pro MVZ und Jahr von der TK gezahlt werden – zusätzlich zur Vergütung für die erbrachten medizinischen Leistungen. Darüber, wofür diese Gelder gezahlt werden, klärt der Vertrag auf: So werde damit beispielsweise die „Koordination der Zusammenarbeit mit allen Leistungserbringern“, die „Entwicklung und Arbeit mit Behandlungspfaden“ oder die „erweiterten Öffnungs- bzw. Präsenzzeiten“ honoriert, betonen die Vertragspartner. Auch das interne Qualitätsmanagement und besondere "Serviceelemente für TK-Versicherte" würden damit abgegolten. Alles Luftnummern – oder werden die Versichertengelder sinnvoll und rechtlich sauber eingesetzt?
  • Bezugspunkt der rechtlichen Bedenken ist die Rechtsform in der die Techniker Krankenkasse auftritt. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie kann sich daher als Stelle, die öffentliche Aufgaben wahrnimmt, nicht auf die in Art. 2 GG garantierte Privatautonomie berufen. Ihr fehlt das Recht der Privaten, Verträge im Rahmen der zivilrechtlichen Ordnung frei zu schließen. Sie unterliegt hingegen einem grundsätzlichen Gesetzesvorbehalt. Dieser besagt, dass sich die Krankenkassen nur rechtlich binden können, wenn sie der Gesetzgeber dazu vorher ermächtigt hat. Legt man diesen Maßstab beim vorliegenden Vertrag zu Grunde hat der Techniker Krankenkasse die gesetzlichen Grundlagen der Integrierten Versorgung nach §§ 140 ff SGB V völlig missachtet .
Zwar hat der Gesetzgeber hat mit § 140 a SGB V den Krankenkassen und den Leistungserbringern der gesetzlichen Krankenversicherung die Möglichkeit eröffnet, Verträge zur Integrierten Versorgung abzuschließen. Auf diese Norm berufen sich die Vertragsparteien auch bei dem vorliegenden Vertrag. Ob sich die TK bei Abschluss des Vertrages daran gehalten hat, ist strittig.
  • Techniker Krankenkasse kündigt Verträge mit dem MVZ-Betreiber HCM / Vier Standorte deutschlandweit - Überraschende Wende für die Atrio-Med-Zentren: Die Techniker Krankenkasse (TK) zieht sich als Kooperationspartner zurück. Der Vertrag mit dem Betreiber HCM wurde nach TK-Angaben mit sofortiger Wirkung gekündigt. Mit der kommentarlosen Kündigung öffnet die TK Spekulationen Tür und Tor. Die Hamburger TK-Zentrale gab auch auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" keine Begründung für die Kündigung. Bestätigt wurde nur, dass auch die Integrationsverträge mit den einzelnen Atrio-Med-Standorten in Hamburg, Köln, Berlin und Leipzig gekündigt wurden, und zwar zum 30. September 2010. Die eingeschriebenen Versicherten sind darüber bereits informiert.
  • "Atriomed" war in Hamburg vor zwei Jahren eröffnet worden. Integrierte Versorgung -so lautete das Konzepte. Alle Fachrichtungen Tür an Tür - das sollte die medizinische Versorgung verbessern. Gelockt wurden die TK-Versicherten mit allerlei Goodies: Arzttermine binnen fünf Tagen. Cappuccino, TV und Internet im Wartezimmer. Doch von Anfang an hagelte es Kritik: So kaufte "Atriomed" Kassensitze auf - so dass es in ohnehin versorgungsschwachen Stadtteilen noch weniger Ärzte gab. Dann ermittelte die Berliner Staatsanwaltschaft wegen Falschabrechnung. Schließlich wurde der TK vorgeworfen, das Geld der Versicherten zu verschwenden, denn es kam heraus, dass jede Atriomed-Filiale jährlich mit einer Million Euro subventioniert wurde
  • Zulassungsentzug für ehemaliges MVZ Atriomed Berlin endgültig beschlossen - Durch das heutige Urteil (21.3.2012) des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel ist die kassenärztliche Zulassung für das ,Medizinische Versorgungszentrum Am Rosa-Luxemburg-Platz GmbH‘ – ehemals Atriomed – Geschichte.

OK in Berlin ?

  • Uwe Kraffel glaubt, dass auch in den anderen Medizinischen Versorgungszentren der Stadt, die an eine Klinik angeschlossen sind, unsauber abgerechnet wird. Er könne sich nicht vorstellen, dass es sich um einen Einzelfall handelte, das Problem sei vielmehr strukturell: "Die Assistenzärzte aus der Klinik werden in den Versorgungszentren eingesetzt. Doch während ihre Tätigkeit im Krankenhaus legal ist, dürfen im ambulanten Bereich nur Fachärzte die Patienten untersuchen." Auch andere Behandlungszentren von Kliniken müssten sich darauf einstellen, dass sie früher oder später unter die Lupe genommen werden. "Wenn die Polizei auch Razzien in anderen Zentren vorgenommen hätte, hätte es über 600 Durchsuchungen gegeben. Dann hätte es in Berlin so ausgesehen wie am 1. Mai."
  • Nach einem Bericht des „Berliner Kurier“ verpflichten sich die DRK-Kliniken auch, ihre Medizinischen Versorgungszentren in Köpenick, Mitte und Westend bis 31. März 2011 zu schließen. Dafür verzichte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) darauf, den Medizinischen Versorgungszentren mit rund 50 angestellten Ärzten die Zulassungen zu entziehen, schreibt das Blatt in seiner Donnerstagausgabe (2.12.2010). Den DRK-Kliniken wird vor allem vorgeworfen, in den ambulanten medizinischen Versorgungszentren des DRK mit Hilfe kassenärztlicher Zulassungen betrogen zu haben. Sie sollen Kassenärzte nur zum Schein angestellt und über diese Zulassung Leistungen abgerechnet haben. Zudem sollen Assistenzärzte Behandlungen vorgenommen haben, für die sie nicht qualifiziert waren, die aber als Facharztbehandlungen falsch abgerechnet wurden. Die KV Berlin hatte nach einer Razzia Ende September 2010 davon gesprochen, den ambulanten Versorgungszentren der DRK-Kliniken die Zulassung absprechen zu lassen. In diesem Fall hätten die kompletten Arzthonorare, die derKV in Rechnung gestellt wurden, zurückgezahlt werden müssen. Bei der KV war von Erstattungen in Höhe von bis zu 25 Millionen Euro die Rede gewesen.
  • Wenn Weiterbildungsassistenten nur im Krankenhaus angestellt sind und nicht auch im Klinik-MVZ als Assistent eines weiterbildungsberechtigten Facharztes, dürfen sie im MVZ nicht tätig werden. MVZ gehören zur vertragsärztlichen Versorgung, und dort ist Facharztstandard gefordert. Weil sie das nicht beachtet haben, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin Strafanzeige gegen die MVZ von Helios und DRK gestellt

Sozialgerichtliches zum MVZ

  • Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) kann praktisch beliebig viele Nebenfilialen eröffnen – weder die Beschränkungen des Vertragsarztrechtes noch des Berufsrechtes greifen dabei. Das entschied das sächsische Landessozialgericht in einem nun bekannt gewordenen Urteil (Aktenzeichen: L 1 KA 8/09). In dem verhandelten Fall hatte die Kassenärztliche Vereinigung die Genehmigung einer vierten und fünften Nebenbetriebsstätte für ein MVZ verweigert. Sie berief sich dabei auf die ärztliche Berufsordnung, nach der ein Arzt zusätzlich zum Praxissitz nur an zwei weiteren Orten ärztlich tätig werden darf. Das sächsische Landessozialgericht hat nun jedoch klargestellt, dass die ärztliche Berufsordnung nur für Ärzte, nicht aber für MVZ gilt.
  • Landessozialgericht Berlin-Brandenburg: Gerade bei größeren MVZ mit zahlreichen Ärzten und einer Vielzahl von nicht-ärztlichen Mitarbeitern stiegen die Risiken einer leichtfertig verursachten Falschabrechnung „fast exponentiell“ an. Das Gericht nennt in diesem Zusammenhang Fehler oder Pannen bei den Arztnummern, die Veränderung von Systemdaten oder unzureichend überwachte Testläufe. Auch die Gefahr, elementare vertragsärztliche Pflichten zu verletzen, steige. An diesem Punkt nennt der Senat die „Behandlung gesetzlich Versicherter schon vor Anstellungsgenehmigung“ oder „die Vertretung innerhalb des MVZ durch einen beliebigen Arzt ohne Vertretungsanzeige gegenüber der KV“.
Da die MVZ in der derzeitigen Form erst ab 2004 möglich seien, sei dieses juristische Feld noch relativ neu, was auch die Betreiber zu „überdehnter Rechtsanwendung“ verleiten könne. Konkret unterstreicht das Gericht, dass sich kein MVZ-Betreiber aus der juristischen Verantwortung nehmen und nur auf die angestellten Ärzte oder den ärztlichen Leiter verweisen könne. (Az.: L 7 KA 169/09 B ER)

Statistisches

  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung erhebt quartalsweise jeweils bundesweit Daten über die Entwicklung bei den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Nunmehr liegen die Daten für das 1. Quartal 2008 vor. Insgesamt existierten am 31.03.2008 in Deutschland 1.023 Medizinische Versorgungszentren mit insgesamt 4.445 Ärzten, von denen 3.274 angestellt sind. In Trägerschaft von Vertragsärzten befinden sich 57,8 Prozent dieser Medizinischen Versorgungszentren.
Die meisten Medizinischen Versorgungszentren gibt es in Bayern (222), Berlin (114) und Niedersachsen (94). In Schleswig-Holstein hatten wir zum damaligen Zeitpunkt 39 Medizinische Versorgungszentren.
Die am häufigsten vertretenen Fachrichtungen sind die Hausärzte und die Internisten, gefolgt von Chirurgen und Laborärzten. Als Rechtsform wurde für 467 Medizinische Versorgungszentren die GmbH gewählt und durchschnittlich sind vier Ärzte in einem MVZ tätig. (nach NORDLICHT 08/2008)
  • Zu Beginn des dritten Quartals 2008 waren 5183 Ärzte in MVZ tätig, davon inzwischen mehr als drei Viertel (76 Prozent) im Angestelltenverhältnis. Immer häufiger entscheiden sich MVZ, nur mit angestellten Ärzten oder mit angestellten und Vertragsärzten zu arbeiten. Die Zahl der MVZ, in denen ausschließlich Vertragsärzte tätig sind, stagnierte zuletzt. Mehr als die Hälfte der insgesamt 1152 MVZ werden von Vertragsärzten getragen (54,6 Prozent). Ein gutes Drittel ist in der Trägerschaft von Krankenhäusern (37,2 Prozent). Erneut gab es 64 Neugründungen. Das entspricht ungefähr dem bisherigen Durchschnitt. Kaum geändert hat sich die durchschnittliche Größe der MVZ mit 4,5 Ärzten pro Einrichtung. Hausärzte und Internisten sind am häufigsten vertreten.
  • Immer mehr Ärzte arbeiten in Medizinischen Versorgungszentren. Das geht aus einer Veröffentlichung der Bundesregierung hervor, die zu einer entsprechenden Anfrage der SPD-Fraktion Stellung genommen hat. Demnach arbeiteten Ende 2009 3.434 Ärzte in einem medizinischen Versorgungszentrum in Vertragsarztträgerschaft, wovon 2.126 als angestellte Ärzte und 1.303 als Vertragsärzte tätig waren. Damit hat sich die Zahl gegenüber 2004 mehr als verdoppelt. „MVZ sind sowohl für Ärzte als auch für Krankenhäuser und sonstige Träger eine attraktive Form der Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung“, heißt es in der Stellungnahme. Insbesondere für jüngere Ärzte, die familiär eingebunden seien oder das wirtschaftliche Risiko einer Praxisübernahme scheuten, stellten sie eine reizvolle Berufsperspektive dar.
  • Laut Dr. Bernhard Gibis, Leiter des Dezernats 4 (Verträge und Verordnungsmanagement) bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind 31.12.2011) gerademal 8.610 von rund 150.000 Ärzten in den 1.654 MVZ beschäftigt, so dass der Entwicklung kein „durchbrechender Modellcharakter“ zu bescheinigen sei. Entgegen der ursprünglichen Erwartung seitens der Politik würden MVZ bisher kaum zur Sicherstellung auf dem flachen Land beitragen. Laut KBV-Analyse befänden sich die meisten MVZ in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern. 80 Prozent hätten sich in einem 2-Kilometerradius einer Klinik angesiedelt. Bezeichnenderweise wachse der Anteil dort weiter. Hausärzte seien unterrepräsentiert, während sich zahlreiche Spezialisten mit hohen Investitionskosten in teure Apparatemedizin wie Mikrobiologen oder Strahlentherapeuten dort zusammengefunden hätten. In absoluten Zahlen seien 505 von 767 Laborärzten in MVZ organisiert.
Anzahl der Zulassungen MVZ: 1.730 (Stand 2. Quartal 2011 nach KBV)
Gesamtzahl der im MVZ tätigen Ärzte: 9.434
Vertragsärzte: 1.320
Ärzte in Anstellungsverhältnis: 8.114
MVZ-Größe: Ø 5,5 Ärzte
  • Nach Angaben von Andreas Köhler KBV Juni 2013 beim Innovationskongress der Deutschen Hochschulmedizin gebe es derzeit 18 000 angestellte Ärzte im Bereich der niedergelassenen Ärzte. Noch vor wenigen Jahren seien es noch unter Tausend gewesen.

Links

Diverse

  • Die Probleme von MVZ mit der KV fangen dabei vielfach bereits vor oder während der Gründung an. Befragt nach den Schwierigkeiten in der Gründungsphase, gaben – bei der Möglichkeit von Mehrfachnennungen – jeweils zwei Fünftel der antwortenden MVZ Probleme mit dem Zulassungsausschuss und/oder Schwierigkeiten wegen Verzögerungstaktiken der KVen an. Auch Abrechnungsprobleme mit der KV wurden von 30 Prozent der Zentren als Schwierigkeit genannt. (Medizinische Versorgungszentren: Nicht alle Erwartungen bestätigt - Dtsch Arztebl 2008)

Radio-Feature


Berichte

  • Otto gründete das erste privat betriebene medizinische Versorgungszentrum. Er nannte es Polikum und eröffnete es in einem ehemaligen Krankenhausgebäude. Heute ist der alte Klinkerbau mit Glas ausgebaut. Wartebereiche und Behandlungsräume sind in einheitlichen Orangetönen gehalten, die Praxen auf fünf Stockwerken verteilt. Mittlerweile ist das Polikum eine Kette mit vier Gesundheitszentren und rund hundert angestellten Ärzten. In der Filiale Charlottenburg arbeitet Dilek Raddatz, die Ärztin, die so gern joggt.


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