Norbert Blüm

Aus ArztWiki

(Weitergeleitet von Norbert blüm)
Wechseln zu: Navigation, Suche
N.Blüm auf einem Parteitag 13.Juni 1988
vergrößern
N.Blüm auf einem Parteitag 13.Juni 1988

Norbert Sebastian Blüm (* 21. Juli 1935 in Rüsselsheim) ist ein deutscher Politiker (CDU).

Er war von 1982 bis 1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Beruf

Blüm absolvierte nach dem Besuch der Volksschule ab 1949 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei der Adam Opel AG und war in diesem Beruf bis 1957 tätig. Er besuchte dann das sogenannte Abendgymnasium und bestand 1961 das Abitur. In dieser Zeit war er 1. Stammesvorsitzender der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Rüsselsheim. Anschließend studierte er bis 1967 die Fächer Philosophie, Germanistik, Geschichte und, als ehemaliger Messdiener, ebenfalls Theologie (letzteres u.a. bei Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI.). Dabei wurde er sowohl von der Stiftung Mitbestimmung als auch der VW-Stiftung gefördert. 1967 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit Willenslehre und Soziallehre bei Ferdinand Tönnies. Von 1966 bis 1968 war er Redakteur bei der CDA-Monatszeitschrift Soziale Ordnung.

Familie

Norbert Blüm ist verheiratet mit Marita und hat einen Sohn und zwei Töchter. Sein Sohn Christian ist Mitglied der Kölschrock-Band Brings.

Partei

Seit 1950 ist er Mitglied der CDU. Hier engagierte er sich vor allem in den Sozialausschüssen der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), deren Hauptgeschäftsführer er von 1968 bis 1975 bzw. deren Bundesvorsitzender er von 1977 bis 1987 war. Von 1969 bis 2000 war er Mitglied im Bundesvorstand der CDU. Von 1987 bis 1999 war er Landesvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen. Von 1981 bis 1990 und erneut von 1992 bis 2000 war er zusätzlich stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU.

Abgeordneter

Von 1972 bis 1981 sowie von 1983 bis 2002 war Blüm Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier ist er von 1980 bis 1981 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 1981 bis 1982 ist er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Norbert Blüm war zuletzt (14. Wahlperiode 1998) über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen.

Öffentliche Ämter

Von 1981 bis 1982 ist er Senator für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund im Senat des Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker. Am 4. Oktober 1982 wird er von Bundeskanzler Helmut Kohl als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung in die Bundesregierung berufen. Er behält dieses Amt bis zum Regierungswechsel nach der Bundestagswahl 1998 und scheidet am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus. Er ist damit der einzige Bundesminister, der über die gesamte Kanzlerschaft von Helmut Kohl dem Kabinett angehört hat. Während seiner Laufbahn als Minister hat er sich insbesondere für den Ausbau des Sozialstaats eingesetzt und u.a. die Einführung der Pflegeversicherung betrieben.

Ehrungen

Nach der politischen Karriere

Nach einem von Blüm so empfundenen Kurswechsel in der CDU verlor Blüm dort an Einfluss, und wurde zunehmend als Herz-Jesu-Marxist belächelt, er fand seine Ansichten in der CDU nur noch in geringem Maß vertreten. In einem Interview der taz von 2005 antwortete er auf die Frage Sind Sie links mit Ich hoffe ja ([1]).

Norbert Blüm tritt regelmäßig bei Werbespots und Sendungen der volkstümlichen Unterhaltung (z.B. "Die Krone der Volksmusik") im Fernsehen auf. Seit 2000 ist er im Rateteam bei Was bin ich? auf Kabel 1. Außerdem schreibt er Kinderbücher (z.B. "Die Glücksmargerite", Bertelsmann Verlag, München, ISBN 3570122395).

Er besuchte mehrmals den Irak nach dem zweiten Golfkrieg. Seit 2002 engagiert er sich verstärkt für die Palästinenser in den besetzten Gebieten und unternahm aus diesem Grund mehrere Reisen, zusammen mit Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck, nach Palästina.

Im Jahr 2000 erhielt er den Münchhausen-Preis. Norbert Blüm ist Mitglied im Kuratorium der Junge Presse NRW e.V..


Zitate

  • Sozialpolitik ist auch Ordnungspolitik - Ein Plädoyer für ein Mischsystem aus Leistung und Solidarität, Wettbewerb und gerechtem Ausgleich - Norbert Blüm nennt gute Gründe für Erhalt und Weiterentwicklung der Sozialversicherung als Ausdruck solidarischer subsidiärer Selbsthilfe. Sie verhindert, dass öffentliche Verteilungskonflikte sich auf den Staatshaushalt konzentrieren. Sozialversicherung dezentralisiert Sozialkonflikte. Deshalb muss eine Reform des Sozialstaats die Selbstverwaltung der Sozialversicherung erhöhen und die beitragsbezogenen Sozialsysteme stärken. (Artikel in Frankfurter Rundschau Oktober 2005)
  • Kopfpauschale und Einheitssteuer stehen im Widerspruch zu allen Vorstellungen über Gerechtigkeit - Am schmerzlichsten berührt mich, dass meine gute, alte CDU sich von dieser flatterhaften, neoliberalen Epidemie infizieren ließ. Kopfpauschale und Einheitssteuer widersprechen elementaren Gerechtigkeitsvorstellungen der christlichen Soziallehre. "Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln" ist der Kern des uralten Gerechtigkeitsgedankens. Das Gerechtigkeitsprinzip ist das Prinzip der Differenzierung - und nicht der Nivellierung. (Süddeutsche Zeitung Nr.223, 27.9.2005)
  • Ich würde mich nicht auf die Einnahmeseite konzentrieren, mich nicht vornehmlich damit beschäftigen, wie ich an das Geld der Versicherten komme. Das sind Nebenbeschäftigungen. Die wahre Mutprobe stellt sich auf der Ausgabenseite. Man muss bereit sein, sich mit mächtigen Lobbyisten anzulegen. Sorgt für echten Wettbewerb unter den Anbietern, schafft das Monopol der kassenärztlichen Vereinigungen ab, schafft Bandbreiten für Festpreise bei Medikamenten, sagt endlich, was und wie viel die solidarische Krankenversicherung künftig noch zahlen kann. (Süddeutsche Zeitung Nr.175, 31.7.2004)
  • Norbert Blüm, CDU, war von 1982 bis 1998 während der gesamten Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung - Über Norbert Blüm, dienstältester Minister der Kabinette Kohl und lange die Symbolfigur Kohlscher Sozialpolitik sagt Kohl nur noch: "Der Mann ist mir völlig egal." (nach Süddeutscher Zeitung 6.1.2004)
  • Die CDU beweist eine erstaunliche Reformbereitschaft und stärkt damit ihre Vorsitzende - Die Vorschläge der Herzog-Kommission sind selbst in ihrer abgemilderten Form der Abschied von der Sozialpolitik, für die Norbert Blüm einst stand. Vor den Sozialdemokraten hat sich die CDU daran gemacht, den Begriff der Solidarität in einer alternden Gesellschaft und den Bedingungen einer geographisch grenzenlos operierenden Wirtschaft zu definieren. (zum CDU-Parteitag in Leipzig Süddeutsche Zeitung 30.11.2003)
  • Angela Merkel möchte die Sozialsysteme so kräftig umpflügen, dass alle noch auf den Reichskanzler Bismarck zurückgehenden Konzepte nach und nach aus dem Programm der Partei verschwinden würden. Am Ende stünde, da haben Blüm und Geißler Recht, eine andere CDU - und, nach einem Machtwechsel, wohl auch ein anderes Land. In der Gesundheitspolitik will Stoiber eigene Vorschläge erst gar nicht vorlegen. "Wir haben ein bewährtes System", sagt er - unbeeindruckt vom Szenario der Kassen, sie könnten die Beiträge womöglich nicht, wie nach den jüngst beschlossenen Einschnitten geplant, absenken. (nach SPIEGELOkt. 2003)
  • „Es war ein großer Fehler, die Pflegeversicherung 1995 nach dem herkömmlichen Solidarprinzip zu installieren“, Volkswirt Bert Rürup „man hat ein überkommenes System aufgebaut, das absehbar nicht funktioniert.“ Dass die christlich-liberale Regierung 1995 auf das Solidarsystem statt auf private Vorsorge setzte, hatte einen simplen Grund. Sie wollte Soforthilfe für die damals alten Menschen und verdrängte darüber künftige Probleme. Die Heimbetreuung eines Pflegebedürftigen kostete schon seinerzeit bis zu 5000 Mark – was die meisten Renten bei weitem überstieg. Die Folge: Rund zwei Drittel der Heimbewohner waren auf Sozialhilfe angewiesen. Mit Beginn der Versicherung wurde der Buß- und Bettag zum Arbeitstag, um die Unternehmen zu entlasten. Dieses Opfer brachten allein die Arbeitnehmer. (nach ZEIT 14/2003)
  • "Wir werden wieder zum Fürsorgestaat zurückkehren", fürchtet Blüm, zu einem Staat, der mit harter Hand verteilt und "der ständig schnüffelt, ob man arm ist oder reich". Manche - er nennt sie eine heimliche Koalition von Verstaatlichern und Privatversicherern - fordern, der Staat solle sich nur um die Armen kümmern, alles Übrige müsse dem einzelnen Bürger überlassen sein. "Es gibt aber ein paar Sachen, die sind fast ewig", sagt Blüm. "Die Jungen für die Alten, die Starken für die Schwachen, das Leben auf Gegenseitigkeit nach dem Kantschen Imperativ." Eine Bürgerversicherung könnte er sich als Zukunftsmodell vorstellen, auch wenn sie das demographische Problem nicht löse. Und man müsse den Sozialstaat in den richtigen Proportionen halten, ihn einschränken, Grenzen ziehen, ohne dabei die Gerechtigkeit aus den Augen zu verlieren. Die Menschen wüssten vielleicht nicht, was Gerechtigkeit sei, "aber was ungerecht ist, dafür haben sie auch ohne Studium der Philosophie ein feines Gespür". Wäre er noch einmal 15 Jahre alt, dann würde er wieder in die CDU eintreten, obwohl das C dort mittlerweile etwas verwaschen sei. "Bei aller Unvollkommenheit halte ich die christliche Soziallehre für die Berufungsinstanz, die immer noch brauchbar ist. Auf was soll ich mich berufen, wenn ich zur SPD gehe?" (Süddeutsche Zeitung 30. Mai 2009 "Sozialer als der Sozialismus" von Heidrun Graupner)
  • Wir standen damals auch unter einem starken finanziellen Druck – und da muss ich den Ärzten, mit denen ich ja auch gelegentlich Streit hatte, ein Kompliment machen. Sie haben die Notwendigkeit, mit einem Honorarabschlag von 55 Prozent zu beginnen, eingesehen und mitgemacht. In der Stunde, in der Solidarität gefragt war, haben sie sich ohne Zögern zu Abstrichen bereit erklärt. (Interview mit Dr. phil. Norbert Blüm und Prof. Dr. med. Jürgen Kleditzsch: „Für Reformen braucht man Zeit, und die hatten wir damals nicht“(CDU-Ost), geboren am 26. Januar 1944, seit 1974 Leiter der Abteilung Physiotherapie an der Dresdener Klinik für Orthopädie. Von April bis zum 2. Oktober 1990 Minister für Gesundheitswesen der DDR. Heute ist er niedergelassener Facharzt für Orthopädie in Neu-Ulm.)
  • Blüm: Das macht die FDP, seitdem es sie gibt, auch zu meiner aktiven Zeit. Trotzdem haben wir zwischen 1982 und 1998 eine relativ vernünftige Sozialpolitik gemacht. Darum: Zu einer schwarz-gelben Koalition gehört eine CDU, die sich nicht als FDP in anderem Gewand versteht. Zur Tradition der CDU gehört die christliche Soziallehre - wenn die CDU das vergessen sollte, ist sie ganz schnell weg vom Fenster. Auch ein großer Wahlsieg schützt nicht davor, etwas Essentielles zu verspielen. In Europa gibt es christlich-demokratische Parteien, die fast über Nacht verschwunden sind.
  • Wenn die CDU heute wieder eine sozialere Partei ist als vor sieben Jahren, dann ist das auch der Unverdrossenheit von Leuten wie Heiner Geißler und Norbert Blüm zu verdanken. Blüm, der einst CDU-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen war, kann sich heute schier närrisch darüber freuen, dass seine CDU in Karl-Josef Laumann wieder einen Sozialpolitiker von Schrot, Korn und Einfluss hat. Und Blüm kann sich mächtig darüber erregen, wenn sein Satz "Die Rente ist sicher" verlacht wird. Hat er nicht alles getan, um die Rente sicher zu machen? Hat er nicht den Demographiefaktor eingeführt, den aber die rot-grüne Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder sofort wieder abgeschafft, aber dann vier Jahre später als "Nachhaltigkeitsfaktor" kleinlaut wieder eingeführt hat?
  • Am Dienstag 4.10.2011 ist es genau 29 Jahre her, dass Norbert Blüm als Bundesarbeitsminister in die Regierung von Kanzler Helmut Kohl (CDU) berufen wurde. Die ganzen 16 Jahre der Kohl-Regentschaft blieb Blüm als Arbeitsminister auch für die Renten verantwortlich – und so lange wiederholte er sein Mantra "die Rente ist sicher."

Weblinks


Der Text auf dieser Seite basiert (zum großen Teil) auf dem Artikel Norbert Blüm aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die Inhalte stehen unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist beim Originalartikel abrufbar. Link-Text

Persönliche Werkzeuge