Patientenquittung

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Eine Patientenquittung soll die bei einer ärztlichen Behandlung erbrachten Leistungen dokumentieren.

Das GKV-Modernisierungsgesetz hat die bisherigen Informationsrechte der Versicherten gegenüber Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern erweitert. So müssen insbesondere Ärzte ihre Patienten auf deren Wunsch in einer Patientenquittung über alle zu Lasten der Krankenkasse erbrachten Leistungen und deren vorläufige Kosten unterrichten. Auch Krankenhäuser werden zur Information verpflichtet.

Wie läuft es praktisch?

  • Wahlweise kann sich der Patient vom behandelnden Arzt entweder direkt nach dem Arztbesuch eine so genannte Tagesquittung ausstellen lassen, oder er bekommt mit der Quartalsquittung alle Leistungen und Kosten in dem jeweiligen Quartal auf einen Blick. Wer sich für eine Quartalsquittung entscheidet, bezahlt dafür laut Gesundheitsministerium eine Aufwandsentschädigung in Höhe von einem Euro.
Die Leistungsaufstellung erfolgt auf der Grundlage des jeweils geltenden Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM). Damit können auf Grund der Budgetierung ärztlicher Leistungen im vom Gesetzgeber verlangten Zeitraum von vier Wochen in Kliniken [Quelle BMG] oder gar sofort nach der Behandlung beim Vertragsarzt in aller Regel gar keine korrekten Quittungen ausgestellt werden, die zutreffende Euro-Beträge enthalten.
In Deutschland werden die Leistungen, die der Arzt an einem Kassenpatienten erbracht hat, von diesem selbst erfasst und der für ihn zuständigen KV übermittelt. Von der KV werden die Abrechnungsdaten anonymisiert an die zuständigen Krankenkassen weitergeleitet. Der Patient erhält zwar auf Wunsch eine „Leistungs- und Kosteninformation“ (Patientenquittung); die Erfahrung zeigt, dass nur selten solche Quittungen tatsächlich verlangt werden. Zudem weiß der Arzt bei der Erbringung der Leistung noch gar nicht, welchen Wert die Punkte, die er dafür bekommt, in EURO haben werden; die Kontrolle der Abrechnungen ist somit praktisch nur über Stichproben und statistische Methoden mit einer nicht unerheblichen Zeitverzögerung möglich, da die Abrechnung des aktuellen Quartals durch die KV dem Arzt in der Regel erst sechs Monate später vorliegt und er Punktwerte in Eurobeträge umrechnen kann.
Eine laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) korrekte Patientenquittung ist [hier zu laden]. Eine alternative Patientenquittung bietet die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) unter www.patientenquittung.de an.


Elektronische Quittung durch Unterlagen bei der Kasse

  • „Die Versicherten können einen Code anfordern, mit dem sie sich auf einer gesicherten Website einloggen. Dort können sie die von ihnen gewünschten Datensätze anfordern, die ihnen dann von der AOK zugesandt werden“, so Litsch. Dazu gehören sowohl Arzneimittelkosten als auch Ausgaben für die ambulante ärztliche Behandlung und für die Behandlung im Krankenhaus. Was die Versicherten zu sehen bekommen, deckt sich jedoch nur theoretisch mit den tatsächlichen Ausgaben der Kasse.


Zitate

  • V.Kauder, CDU: Wir werden um eine Eigenbeteiligung, die auch eine gewisse Steuerung bedeutet, ja nicht herumkommen. Sie darf aber niemanden überfordern. Und wir können sie nur verlangen, wenn die Menschen auch wissen, welchen Wert die Leistung hat, die sie bekommen. Ob das dann über Patientenquittungen geht oder über eine Abrechnung von der Krankenkasse, darüber kann man sich sicher unterhalten. (in WamS)
  • Interesse an Arztkosten ist gering - Ergebnisse von Modellversuchen stellen den Erfolg von Patientenquittungen in Frage - Ein mit der Patientenquittung angestrebtes kostenbewusstes Verhalten des Patienten lässt sich nur mit Eigeninteresse des Patienten und damit mit Kostenbeteiligung erreichen", meint Fritz Beske, Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel. Dass die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen Sachleistungen bekommen und ihre Arztrechung nicht selbst bezahlen müssen, gilt unter Experten deshalb als Hauptursache für mangelndes Interesse an den Patientenquittungen. Die KV Hessen unternahm von 1985 bis 1994 ein über neun Jahre laufendes "Transparenzmodell". Zum Schluss hatten nur 0,0002 Prozent der Patienten die kassenärztliche Abrechnung nachgefragt. Sie mussten dabei eine Anforderungskarte an die KV Hessen schicken.
  • Beleg soll Ärzte-Image verbessern - Erste Patientenquittung ausgestellt / Einjähriges Modellprojekt - Zum Start eines Modellprojekts in Rheinland-Pfalz, bei dem den Patienten in etwa 100 Praxen die ärztlichen Behandlungsschritte bestätigt und die voraussichtlichen Kosten aufgelistet werden, sagte der Vorsitzende der KBV, Manfred Richter-Reichhelm, dies sei eine Offerte der Ärzteschaft, die "nichts zu verbergen" habe. Der KBV-Chef erklärte, durch die Quittung müssten betrügerische Ärzte immer damit rechnen, erwischt zu werden. Wenn der Modellversuch ein Erfolg werde, kündigte Richter-Reichhelm an, werde sich die KBV für eine bundesweite Einführung des Belegs einsetzen. Der Chef der AOK Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl, berichtete, in der einjährigen Versuchsphase werde die Patientenquittung noch unabhängig von der tatsächlichen Abrechnung ausgestellt. Bei einer bundesweiten Ausdehnung müssten aber die Quittungs- und Abrechnungsdaten miteinander verknüpft werden, damit die Ärzte nicht etwas anderes quittierten, als sie später abrechneten. Für das Modellprojekt stellten die Kassen rund 700 000 Euro zur Verfügung, die bundesweite Einführung des Belegs würde etwa 700 Millionen Euro jährlich kosten. (nach Artikel in Frankfurter Rundschau 3.4.2002)
  • Die Aktion Patientenquittung ist eine notwendige Vorbereitung, um zunächst einmal das Bild der Ärzte in den Medien geradezurücken. Dann erst können wir wirkungsvoll weitere Aktionen durchführen. Das wird nicht mit Streik beginnen, kann aber mit regionalen Budgetferien enden. Wir werden zunächst mit Hinweis auf die Arbeitsplatzgefährdung Aktionen mit unseren Helferinnen durchführen, z.B. einen Telefonstreik, eine bundesweite Urlaubswoche der Helferinnen und die Übernahme klassischer Helferinnentätigkeiten am Patienten durch die Ärzte. Die Patienten müssen spüren, was ihnen fehlt, wenn plötzlich die Helferinnen nicht mehr in der gewohnten Weise tätig sind. (nach GFB)
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