Prävention

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Inhaltsverzeichnis

Definition und Einteilung

Vorbeugung umfasst alle Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, um den Eintritt einer Krankheit zu verhindern oder zu verzögern bzw. die Folgen einer Krankheit zu mildern. Je nach Zeitpunkt der Maßnahme wird unterschieden in
  • Primärprävention (= Früherkennung) darunter werden alle Maßnahmen und Verhaltensweisen verstanden, die geeignet sind, eine Krankheit zu verhindern bzw. ihre Entstehung zu verlangsamen.
  • Sekundärprävention (= Gesundheitsförderung) kommt auch zum Zuge, wenn eine Krankheit bereits Symptome verursacht. Sie soll eine Verschlimmerung oder ein Wiederauftreten verhindern und der Chronifizierung entgegentreten.
  • Tertiärprävention (= Rückfallvermeidung) Wenn es bereits zu Behinderungen gekommen ist, soll sie das Ausmaß der Behinderung und den Umgang mit ihr günstig beeinflussen.


Aufklärungsplakat im Bahnhofsbereich
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Aufklärungsplakat im Bahnhofsbereich
Mit den Maßnahmen der Gesundheitsreform 2000 (Verpflichtung der Krankenkassen zur Förderung von Präventionsprojekten) sollte der Präventionsgedanke in Deutschland gestärkt werden.
Zu beachten ist dabei allerdings, dass jede Art von Prävention explizit im Sozialgesetzbuch geregelt werden muss. Denn nach Paragraph 12 SGB V werden nur "notwendige" Leistungen bezahlt. Prävention aber ist nicht "notwendig", sondern "vorbeugend", also eine Leistung, die vor Eintritt einer "Not" erbracht wird. Siehe hierzu auch WANZ

Zitate

  • "Prävention heißt Verhaltensänderung", sagt Professor Froböse. 65 Prozent aller Erkrankungen seien durch den Lebensstil bedingt - mit Ernährung und Bewegung in den Hauptrollen. Durch gezielte Vorbeugung ließen sich nahezu alle Fälle von Alterszucker vermeiden, 27 Milliarden Euro jährlich könnten dadurch eingespart werden, mahnte diese Woche die Felix-Burda-Stiftung. Wie aber motiviert man den übergewichtigen, bewegungsfaulen Durchschnittsbürger zur Vorbeugung? "Auf keinen Fall mit erhobenem Zeigefinger", sagt Froböse. Aufklärung sei notwendig, doch die Maßnahmen müßten immer auch einen Zugewinn an Lebensqualität bieten, "sonst steigt man schnell wieder aus". Außerdem sollte die Gesundheitsförderung stärker als bisher zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt. Zum Beispiel in die Firma - oder ins Wirtshaus. (nach Artikel in WamS)
  • Eine moderne Gesundheitspolitik setzt auf den Vorrang der Prävention. Zahlreiche Studien belegen, dass durch systematische Präventionsprogramme die Entstehung chronischer Krankheiten verhindert oder hinauszögert und damit Behandlungskosten eingespart werden können. Prävention ist dabei eine Aufgabe, an der sich neben den unmittelbaren Akteuren des Gesundheitswesens auch öffentliche Institutionen auf Bundes-, Länder- und Gemeindeebene beteiligen müssen. Auch im Bereich der Prävention ist Qualitätssicherung auf der Basis einer systematischen Auswertung der Programme unverzichtbar. Prävention trägt dazu bei, auch sozial Benachteiligten gleiche Gesundheitschancen zu ermöglichen. (nach Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Gesprächskreis Arbeit und Soziales, „Mittel- und langfristige Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens“ am 05. Dezember 2001 in Berlin, Prof. Dr. Gerd Glaeske, Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach, Prof. Dr. Dr. hc. Bert Rürup, Prof. Dr. Jürgen Wasem)
  • Während in der öffentlichen Debatte kaum Zweifel am Sinn und Zweck der ganzen Programme erlaubt sind, betrachtet die internationale Wissenschaft das Screening mit wachsender Skepsis. Es geht dabei nicht um die Geldfrage, auch wenn sich eine Gesellschaft gelegentlich ohne jeden Zynismus fragen muss, wo das eingesetzte Geld im Gesundheitswesen am meisten hilft – und wo es vielleicht nur Nerven oder Wähler beruhigt. Es geht vielmehr um nüchterne Fragen:
Was bringen die Prozeduren wirklich medizinisch?
Und wo schaden die Untersuchungen womöglich gar?
Viele Forscher müssen enttäuscht feststellen, dass durch flächendeckende Früherkennungstests weit weniger Menschen gerettet werden können als allgemein erwartet. Zu diesem Ergebnis kommen Studien, für die Hunderttausende Menschen weltweit beobachtet wurden. (SPIEGEL 17/2009 Titel: Alarm und Fehlalarm)
  • „Die Patienten halten Früherkennung für sinnvoll, die Ärzte verdienen gut daran, da stören Sie nur, wenn Sie den Nutzen in Zweifel ziehen.“ Koubenec - leitet die Brustsprechstunde im Immanuel-Krankenhaus in Berlin - hält das Screening mittlerweile für einen richtigen Industriezweig, von dem viele Leute profitieren. „Die haben natürlich keine Interesse, dass immer mehr informierte Frauen nicht zum Screening gehen.“ (SPIEGEL 17/2009 Titel: Alarm und Fehlalarm)
Rena Tangens: Bei Herrn Schäuble haben wir uns vergangenes Jahr zurückgehalten, weil wir dachten, er ist schon oft genug wegen seinen Ideen in der Presse. Dieses Mal verbinden wir den Preis mit der Hoffnung, dass es das war und die Rente mit 67 auch für Herrn Schäuble gilt. Der Umbau unseres Rechtsstaates in einen präventiv-autoritären Staat ist sein großes Projekt, das verdient den Preis für das Lebenswerk. 17.10.2009 - Rena Tangens, Mitorganisatorin der Big-Brother-Awards, über das Lebenswerk von Preisträger Schäuble und die Tricks der Datendiebe.
  • Psychotherapeuten fordern Aufnahme ins Forum Prävention - Die Arbeitsgemeinschaft der Psychotherapeutenkammern fordert von der neuen Bundesregierung eine eigenständige Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Nur so könne Opfern von Gewaltanwendungen frühzeitig ein Behandlungsangebot zur Verfügung gestellt werden. Erfahrungen aus der Praxis belegten, dass Kinder und Jugendliche aus armen Familien mit Bildungsdefiziten besonders häufig Gewalterfahrung gemacht haben. Schließlich fordern die Kammern, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in das Deutsche Forum Prävention und Gesundheitsförderung berufen werden. Gerade mit Blick in die Zukunft sollten Politiker auf den Sachverstand aus der Klinischen Psychologie und Psychotherapie nicht verzichten, so die Arbeitsgemeinschaft. (Ärzte Zeitung, 7. November 2002)
Werner Bartens - in Talkshows häufiger Gast
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Werner Bartens - in Talkshows häufiger Gast
  • Krebs-Früherkennung - Wo bleibt die Fürsorge in der Vorsorge? Von Werner Bartens - Krebs-Früherkennung und ihre medizinischen Folgen können mehr schaden als nutzen. Und die Ängste der Patienten werden vernachlässigt. "So lange nicht 30 oder gar 300 von 1000 einen Nutzen haben, könnten der riesige Aufwand und die kleinen Effekte Anlass bieten, über den Sinn der Früherkennung nachzudenken." Man müsse aber den Schwenk von Organisationen wie der Krebshilfe anerkennen, die früher "Reklame betrieben" hätten mit dem Ziel, die Teilnahme zu steigern, und heute ausgewogen informieren, um die Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung zu erleichtern.
  • Der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Jürgen Windeler, stellt den Nutzen von Vorsorge-Untersuchungen in Frage. „Früherkennungsuntersuchungen haben in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Ihr Ansehen ist tatsächlich aber viel höher als das, was sie wirklich leisten“, sagte Windeler der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (21.1.2011).

Gesetzliches

  • Ulla Schmidt und SGB V: Die Gesundheitsministerin wollte bereits alle Leute bestrafen, die nicht an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Im Entwurf für die Gesundheitsreform 2007 hieß es, dass alle, „die an einer Krebsart erkranken, für die es eine Früherkennungsuntersuchung gibt und die diese Untersuchung nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben“, nicht nur ein Prozent ihres jährlichen Bruttoeinkommens zu den Arzneimitteln zuzahlen müssen, sondern zwei Prozent. Wer nicht zur Vorsorge geht, soll also auch noch finanziell büßen. Selbst das „British Medical Journal“ berichtete unter der Überschrift „Deutschland will Krebspatienten bestrafen, die nicht zum regelmäßigen Screening gehen“ über den Fall. Der Entwurf wurde trotz Protesten ins Sozialgesetzbuch V aufgenommen, wo er mittlerweile unter § 62 steht. (SPIEGEL 17/2009 Titel: Alarm und Fehlalarm)
  • SGB V § 62 Belastungsgrenze
(1) Versicherte haben während jedes Kalenderjahres nur Zuzahlungen bis zur Belastungsgrenze zu leisten; wird die Belastungsgrenze bereits innerhalb eines Kalenderjahres erreicht, hat die Krankenkasse eine Bescheinigung darüber zu erteilen, dass für den Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr zu leisten sind. Die Belastungsgrenze beträgt 2 vom Hundert der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt; für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden Krankheit in Dauerbehandlung sind, beträgt sie 1 vom Hundert der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Abweichend von Satz 2 beträgt die Belastungsgrenze 2 vom Hundert der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt
1. für nach dem 1. April 1972 geborene chronisch kranke Versicherte, die ab dem 1. Januar 2008 die in § 25 Abs. 1 genannten Gesundheitsuntersuchungen vor der Erkrankung nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben,
2. für nach dem 1. April 1987 geborene weibliche und nach dem 1. April 1962 geborene männliche chronisch kranke Versicherte, die an einer Krebsart erkranken, für die eine Früherkennungsuntersuchung nach § 25 Abs. 2 besteht, und die diese Untersuchung ab dem 1. Januar 2008 vor ihrer Erkrankung nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben.


Gesetzliche Krankenversicherung

GKV

"Schwalbe" - Das Fahrzeug der Schwester Agnes und links oben die Werbung, welche Kosten wer übernimmt ...
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"Schwalbe" - Das Fahrzeug der Schwester Agnes und links oben die Werbung, welche Kosten wer übernimmt ...
  • Jeder Krankenversicherte über 35 Jahren hat seit dem 1. Juli 2008 ein Recht darauf, dass sein Haus- oder Hautarzt alle zwei Jahre die gesamte Körperoberfläche nach verdächtigen Veränderungen absucht. Auch für diese Prozedur gibt es keine randomisiert kontrollierte Studie, die den Nutzen nachweist. Beantragt wurde der Hautkrebstest von der KBV. Dann lief es wie immer: Der G-BA richtete einen Unterausschuss mit Experten ein, die den Nutzen prüften und eine Empfehlung abgaben. Um welche Experten es sich dabei handelt, wird nicht verraten. Im Fall des Hautkrebs-Screenings war einer der maßgeblichen Experten Professor Eckhard Breitbart, ein Hautarzt aus Buxtehude. Als der G-BA entschied, das Screening in den Katalog der Krankenkassen aufzunehmen, räumte er zwar ein, es fehle „ein eindeutiger Beleg“ dafür, dass die Untersuchung zu weniger Hautkrebstoten führe. Allerdings habe dem Gremium ein „Projektbericht“ aus Schleswig-Holstein vorgelegen, der einen Nutzen behaupte. Veröffentlicht ist dieser „Projektbericht“ bis heute nicht, die Fachwelt konnte die Ergebnisse bisher also nicht diskutieren. Dafür kennt man den Autor: Es ist der Experte Breitbart, Mitglied im Unterausschuss, der mit über die Einführung des Screenings entschieden hat.
  • Anspruch auf die Untersuchung haben alle 10,4 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, und zwar alle zwei Jahre. Mindestens 70 Prozent der Zielpopulation müssen regelmäßig an der Untersuchung teilnehmen, wenn die angestrebte Mortalitätssenkung realisiert werden soll. Von diesem Ziel ist man noch weit entfernt. Frühestens in zehn Jahren werde ein Effekt auf die Brustkrebsmortalität zu sehen sein. Bis dahin ist das flächendeckende Mammografie-Screening ein gewaltiges kostenträchtiges Investitionsprojekt.

KBV

  • Wir müssen die Information der Bevölkerung selbst in die Hand nehmen. Wir wollen versuchen, in einer professionell ausgearbeiteten Aufklärungskampagne über Hörfunk, Fernsehen und Presse der Bevölkerung das Thema Prävention nahezubringen. Der Check up ist dabei der Aufhänger. Wir wollen der Bevölkerung klar machen, daß präventive Maßnahmen gerade in bestimmten, genau definierten Bereichen ausgesprochen sinnvoll sind und auch für den Patienten Vorteile haben, und zwar immer dann, wenn man bereits in frühen Stadien durch Untersuchung und anschließende Beratung den Patienten auf andere Verhaltensweisen hinweisen und dazu motivieren kann.
Natürlich kostet so etwas Geld. Rund 2,8 Millionen DM sind für dieses Jahr zu veranschlagen. Das ist viel Geld. Andererseits ist das eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Eine so große Summe können wir natürlich nicht einfach aus dem Haushalt nehmen. Dafür brauchen wir eine breite Zustimmung. Die Ersten Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen haben bereits grundsätzlich zugestimmt. Wegen der besonderen Bedeutung möchten wir aber auch Ihr Votum einholen, das Votum dieser Vertreterversammlung, des höchsten Entscheidungsgremiums der deutschen Kassenärzteschaft. (KBV-Vorsitzender Dr. Oesingmann Mai 1991)
  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wollen die Zusammenarbeit von Ärzten beim Mammografie-Screening fördern. Dazu haben KBV und GKV verschiedene Maßnahmen beschlossen. So sollen die behandelnden Haus- oder Frauenärzte zum Beispiel die Möglichkeit haben, auch mittels Telefonschaltung an den multidisziplinären Fallkonferenzen teilzunehmen. „Auf diese Weise wollen wir den Ärzten den Austausch mit den Kollegen erleichtern, indem wir ihnen zusätzliche Wege ersparen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Köhler am 15.9.2010 in Berlin.
  • Mammografie-Screening, wie auch die gesetzliche Früherkennung sind keine ärztlichen Tätigkeiten. Es sind gesetzlich streng geregelte Handlungsabläufe, staatliche Massnahmen, die freiem ärztlichen Handeln keinen Spielraum lassen.
Zur Erinnerung: Wir haben universitär gelernt, kritische, suspekte Befunde, die eines Eingriffs bedürfen niemals postalisch mitzuteilen und tun das auch nicht, des forensischen Risikos und der Ethik halber. Eine Röntgenuntersuchung ohne persönlichen Kontakt/Inaugenscheinnahme/Untersuchung ist fehlerhaftes Vorgehen.
Der freie Arzt tut das nicht.
Der Staat darf das jedoch.
Daher lehne ich das Mammografiescreening als unärztlich ab und sage das auch meinen Patientinnen.
(Meinung eines Frauenarztes im Forum von facharzt.de)


KV-Sachsen

  • Im Leitbild: Die KV Sachsen befürwortet und unterstützt alle Maßnahmen, die der Prävention von Krankheiten und damit zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung des Freistaates Sachsen beitragen.

Geschichtliches

  • Otto Buurman, ab 1947 Leiter des Ministeriums für Arbeit, Aufbau und Gesundheit in Niedersachsen und von 1954 bis 1956 Abteilungsleiter Gesundheitswesen im Bundesministerium des Innern, fasste diesen Sachverhalt 1953 so zusammen: „Schließlich glauben wir auch, daß die landläufige Auffassung, Gesundheitspolitik sei ein Bestandteil der Sozialpolitik, mit dafür verantwortlich gemacht werden muß, daß die präventive Medizin in Deutschland nicht zum Zuge gekommen ist, daß aus diesem Grunde z.B. Fragen des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitssicherung einen viel zu geringen Einfluß auf die Sozialpolitik ausgeübt haben und daß der Einfluß der Sozialpolitik auf das gesellschaftliche Zusammenleben viel nachhaltiger und wirkungsvoller gewesen wäre, wenn man die Bedeutung der präventiven Medizin und damit gesundheitspolitische Forderungen klarer erkannt hätte.“ Dennoch wurde eine „Sozialisierung des Heilwesens“ entsprechend den Vorbildern aus der Weimarer Republik, wie sie in der DDR installiert werden sollte, abgelehnt. Erst in den 60er Jahren kristallisierten sich wieder die klassischen Bezugsgruppen für die Gesundheitsvorsorge – Kinder, Jugend und Frauen – heraus.
  • Soziologisch gesehen handelt es sich bei der Durchsetzung des Rauchverbots aber nicht nur um einen Feldzug gegen den Fortbestand produktivitätshemmender bürgerlicher Konventionen, sondern auch um einem Kampf der neuen Managerklasse gegen die Unterschichten. Ist doch das Rauchen längst zu einem Erkennungszeichen der tatsächlich oder potenziell sozial Schwachen geworden – derer, die in dieser Gesellschaft nichts mehr werden wollen oder können und daher den Kult der leistungssteigernden Gesundheitsoptimierung nicht mitmachen.
Tabakverbote: Über die Auslöschung der bürgerlichen Welt

Studienergebnisse

  • Mammografie-Screening - eine Eröffnungsbilanz mit vielen blinden Flecken - Knapp fünf Jahre nach Start des größten Präventionsprogramms in Deutschland liegen erste Daten vor. Doch ob der Kampf gegen Brustkrebs mit einem flächendeckenden Screening effektiv und effizient ist, lässt sich nicht sagen. Eine Wirkung auf die Mortalität ist erst in ferner Zukunft zu erwarten, über die Kosten schweigen sich die Autoren der Evaluation aus.
  • Das Resultat ist ernüchternd: "Es gibt keine Muster", konstatiert Barzilai, 54. "Die üblichen Empfehlungen für ein gesundes Leben - nicht rauchen, nicht trinken, viel Sport, ausgewogene Ernährung, kein Übergewicht -, die gelten für uns Durchschnittsmenschen", so der Forscher, "aber nicht für sie. Hundertjährige sind eine Klasse für sich." Er holt Tabellen aus einer Schublade, rückt seine Brille zurecht und liest vor: "Mit 70 Jahren waren 37 Prozent unserer Probanden nach eigener Aussage übergewichtig, 8 Prozent fettleibig. 37 Prozent waren Raucher, im Schnitt 31 Jahre lang. 44 Prozent sagen, sie hätten sich in Maßen bewegt. 20 Prozent haben null Sport getrieben."
  • Fast zwei Drittel aller Frauen, die im Alter von 40 Jahren mit einem jährlichen Mammo­graphie-Screening beginnen, müssen in den ersten zehn Jahren mit einem falsch­positiven Befund rechnen. Bei 7 Prozent kommt es irgend­wann zu einer unnötigen Biopsie. Dies geht aus einer prospektiven Kohorten­studie in den Annals of Internal Medicine (2011; 155: 481-492) hervor.
  • Nach dem ersten Modell kommt es laut Kalager bei 18 bis 25 Prozent zu einer Überdiagnose, nach dem zweiten Modell beträgt die Rate 15 bis 20 Prozent. Sollte der ungünstige Fall von 25 Prozent zutreffen, dann kämen auf 2.500 Frauen, die regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, 6 bis 10 Frauen, die den Strapazen einer Therapie mit Operation, Strahlen- und möglicherweise auch Chemotherapie ausgesetzt würden, ohne dass sie einen Nutzen daraus ziehen. Auf der anderen Seite würde aber 1 von 2.500 Frauen durch das Mammographie-Screening das Leben gerettet.
  • Der regelmäßige Check-up beim Hausarzt bringt offenbar weniger als erhofft wie es dänische Forscher des Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen bei einer Auswertung von 14 Studien mit insgesamt mehr als 182.000 Menschen fanden. Es starben genauso viele Teilnehmer, die regelmäßig die kostenlosen Vorsorgeuntersuchung wahrnahmen, wie Studienteilnehmer ohne Check-up.
Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen, Krankschreibungen und Facharztüberweisungen sei in beiden Gruppen gleich, berichten Lasse Krogsbøll und seine Kollegen.
  • Das Hautkrebsscreening feiert bald Geburtstag. Es wird demnächst fünf Jahre alt. (2013) Es ist verdächtig still geworden! Diese auffällige Ruhe war Grund genug, um einmal beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nachzufragen, wie es denn um die Evaluation des gesetzlichen Hautkrebsscreenings steht. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Der G-BA teilte Mitte Juni 2013 mit, dass Zwischenergebnisse über das gesetzliche Hautkrebsscreening nicht vorliegen. Das Screening werde zunächst in der bestehenden Form weiterlaufen.
Die Peinlichkeiten um das gesetzliche Hautkrebsscreening (gHKS) nehmen kein Ende: Die Einführung erfolgte ohne ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Die gewählte Untersuchungsmethode, die „visuelle Ganzkörperinspektion“, gilt als mittelalterlich. Das Design der Evaluation wird als stümperhaft bewertet. Die erhobenen Daten sind weitgehend unbrauchbar. Die Ausschreibung der Evaluation erfolgte verzögert. Die Milliarden-Ausgaben der Krankenkassen warten auf ihre Rechtfertigung. Und der G-BA steht mit leeren Händen da.

Meinungen

  • Ein anderes Konzept - In der Diskussion über die Möglichkeiten von Prävention gibt es Vorstellungen, die jeden Realitätsbezug vermissen lassen bis hin zu der Feststellung, dass durch Prävention die Finanzsituation der Gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft gesichert werden kann.Dies findet sich auch im Entwurf des Präventionsgesetzes. (Pressemitteilung zur Pressekonferenz des IGSF am 19. April 2005 in Berlin)
  • Vorsorge hat absolut nichts im Leistungskatalog einer Krankenkasse zu suchen. Auch die WANZ-Kriterien des SGB V verbieten die Erbringung von Vorsorge-Leistungen zu Lasten der GKV. Weder ist eine Vorsorge notwendig noch ist sie wirtschaftlich (das Märchen, dass Vorsorgen Geld einsparen ist ein Märchen). Insofern sind alle "vorsorglich" beim Arzt erbrachten Untersuchungen Privatsache und selbstverständlich auch nicht aus Steuermitteln zu bezahlen (welchen Grund sollte es dafür geben?). Von Vorsorge profitieren Individuen, nicht der Staat. Mit der gleichen "Logik" könnte (müsste) man dann auch staatlich subventionierte Urlaubsreisen nach Mallorca fordern, denn auch diese dienen dem persönlichen Wohlbefinden und der Erhaltung der Gesundheit. (P. Jeckstat im Forum von facharzt.de)
  • Die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag setzt sich für standardmäßige Screenings auf Alkoholsucht bei der Anamnese in Hausarztpraxen und Kliniken ein. In einem Antrag an den nordrhein-westfälischen Landtag fordern die Liberalen von der Landesregierung, mehr Maßnahmen für die Prävention und Früherkennung der Alkoholkrankheit zu ergreifen. Die neue rot-grüne Landesregierung soll sich unter anderem für eine Verbesserung der suchtmedizinischen Qualifikation für Allgemeinmediziner und Internisten einsetzen. (Ärzte Zeitung, 20.08.2010)
Pro Jahr seien in den Kliniken des Landes 75 500 Behandlungen infolge von Alkoholkonsum erfolgt, heißt es in dem Antrag der FDP-Fraktion. Damit lägen die alkoholbedingten Erkrankungen nur knapp hinter der Behandlung wegen Herzinsuffizienz, der mit 75 900 Fällen der Spitzenplatz im bevölkerungsreichsten Bundesland zukommt.
  • Die Krebsfrüherkennung ist teuer und erfüllt nicht ihre Aufgaben.
Die Nutzen-Schaden-Bilanz für Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung ist, sofern sie überhaupt durch randomisierte kontrollierte Studien belegt wurde, zwiespältig. Zudem ist keine der vorhandenen Screeningstudien groß genug, um nachzuweisen, dass die Gesamtmortalität für einzelne Tumorentitäten durch Reihenuntersuchungen abnimmt. Die derzeit verfügbaren Daten zeigen aber, dass Überdiagnosen und daraus resultierende Überbehandlungen mindestens zehnmal häufiger sind als verhinderte Todesfälle. So kann Früherkennung aus einem Gesunden einen chronischen Patienten machen.
Dass die Screeninguntersuchungen durch die gesetzlichen Krankenkassen höchst unterschiedlich gehandhabt werden, lässt weniger auf gewissenhafte Evidenzprüfung denn auf mehr oder minder erfolgreiche Lobbyarbeit schließen.
Onkologie in Deutschland: Wurden Chancen vertan? - Dtsch Arztebl 2012; 109(7): A-316 / B-274 / C-270 - Weißbach, Lothar
  • Schnell, gesund und öko: Kopenhagen baut seine Radwege aus - Mehr als zehn Kilometer auf dem Fahrrad ins Büro? Was in deutschen Städten meist noch einer Zumutung gleicht, ist in Kopenhagen Fahrspaß pur. Die Stadt baut exzellente Schnellstraßen für Radfahrer, um Krankheiten vorzubeugen - und Gesundheitskosten zu senken.

Deutsche Akademie für Präventiv-Medizin e.V.

* Hinführen von Kindern und Jugendlichen zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil
* Erhaltung der beruflichen Leistungsfähigkeit im mittleren und höheren Alter beziehungsweise die Verbesserung derselben und
* Zugewinn an gesunden Lebensjahren mit hoher Lebensqualität im Alter.
Präventivmediziner sollten keinen „Jugendwahn“ pflegen im Sinne einer falsch verstandenen „Anti-Aging“-Medizin. Die Lebenserwartung oder Lebensverlängerung wird im Vergleich zur Lebensqualität im Alter noch zu hoch bewertet. Es ist auch notwendig, das Bewusstsein zu schärfen für die „Endlichkeit des Lebens“, für Sinnfragen und für die Fallstricke des „medizinischen Machbarkeitswahns“.


Damit Ihnen nichts fehlt ...

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Medizinische Prävention

Getreu dem Motto „Damit Ihnen nichts fehlt“ haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) fünf Jahre lang ein Zeichen gegen die Präventionsmüdigkeit der deutschen Bürger gesetzt.
Mit einem magentafarbenen Bus sind KBV und KVen jährlich drei Monate lang durch ganz Deutschland gefahren und eine Vielzahl von Interessenten über die Wichtigkeit von Impfschutz, Bewegung, guter Ernährung und Stressabbau informiert.
  • Statement von Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender des Vorstands der KBV, anlässlich der Pressekonferenz am 10. Mai 2006 in Berlin: Sehr geehrte Damen und Herren, wieder einmal ist es soweit: die mittlerweile schon zur Tradition gewordene Informationstour des magentafarbenen KV-Mobils durch knapp 40 Städte und 13 Bundesländer beginnt. Ganz im Zeichen der Prävention klären wir dieses Jahr vom 12. Mai bis 16. September über Herz-Kreislaufprobleme auf.
Herzinfarkt und Schlaganfall zählen nach wie vor in Deutschland zu den größten Gefahren: ihnen vorzubeugen, ist Ziel der Rundreise. Wir wollen die Bevölkerung in kleinen und großen Städten, auf Marktplätzen und anderen zentralen Orten erreichen. Und zwar ganz persönlich, nicht anonym über Spots oder Anzeigen!
  • Allgemeine Vorbemerkung: Der BVKJ begrüßt den Willen der Bundesregierung, die Kinderfrüherkennungsuntersuchungen von den geplanten Sparmaßnahmen auszunehmen. Wir haben aber kein Verständnis dafür, dass im Rahmen dieser Änderungen des SGB V nicht auch die seit Jahren dringend erforderliche Änderung des § 26 SGB V gleichzeitig erfolgt. Die gesetzlichen Kinderfrüherkennungsuntersuchungen entsprechen nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Prävention, weil sie nur die sekundäre Prävention beinhalten, die wichtige primäre Prävention aber völlig außer Acht lassen.
Der BVKJ hat bereits seit 5 Jahren mehrfach allen Fraktionen im Deutschen Bundestag und auch dem BMG seinen Vorschlag zur Neuformulierung des § 26 SGB V unterbreitet und wiederholt diesen Vorschlag im Zusammenhang mit den Änderungen im SGB V erneut, weil Kinder einfach keine Zeit haben:
„Versicherte Kinder und Jugendliche haben bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres Anspruch auf ärztliche Untersuchungen zur primären Prävention und Früherkennung von Störungen der psychischen und physischen Gesundheit, die ihre Entwicklung in nicht geringfügigem Maße gefährden…“
aus STELLUNGNAHME DES BERUFSVERBANDS DER KINDER- UND JUGENDÄRZTE (BVKJ e.V.) ZUM ENTWURF EINES GESETZES ZUR NACHHALTIGEN UND SOZIAL AUSGEWOGENEN FINANZIERUNG DER GESETZLICHEN KRANKENVERSICHERUNG (GKV-Finanzierungsgesetz – GKV-FinG)
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Juristische Prävention

  • Dass der Prozess überhaupt stattfindet, ist der Intervention des Generalstaatsanwalts Klaus Pflieger zu verdanken. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafbefehl erlassen und damit dem Angeklagten eine öffentlichkeitswirksame Hauptverhandlung ersparen wollen. Doch Pflieger war der Überzeugung, bei dem Verfahren gehe es auch um eine "Generalprävention" und mithin um Abschreckung. Er forderte Anklageerhebung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.


Einzelmeinungen

  • Viele ärztliche vorsorgliche Maßnahmen haben zweifellos einen hohen Wert, aber dieser Wert ist in erster Linie ein individueller, und nur sehr selten dürfte sich ein gesellschaftlicher Benefit nachweisen oder messen lassen.
Eine Krankenversicherung, egal ob privat oder staatlich organisiert, dient dazu, das Individuum vor unbilligen Härten, verursacht durch unverschuldete Krankheit zu bewahren. Wenn sich in Zeiten des Überflusses ("Wirtschaftswunder") mit dem eingesammelten Geld auch noch andere Wohltaten und Annehmlichkeiten finanzieren lassen, so ist das erfreulich.
Wenn jedoch, wie zur Zeit, die Wohltaten und Annehmlichkeiten zunehmend mit den eigentlichen medizinischen Leistungen, also der Behandlung von Krankheiten, konkurrieren und gar in perverser (hier ist der Begriff durchaus angebracht) Weise der Krankenbehandlung im "Vornewegabzug" das Geld entziehen, dann läuft etwas gründlich verkehrt.
25 Euro "extrabudgetär" für eine Krebsvorsorgeuntersuchung, 60 Euro fix für das Mammographie-Screening, aber 20 nur Euro pauschal für die dreimonatige (ambulante) Behandlung und Betreuung einer an Brustkrebs erkrankten Frau, hier steht das System eindeutig auf dem Kopf und nicht mehr auf den Füßen. (von einem Gynäkologen)
  • Denn egal ob es sich um Bahnhöfe, Atomkraftwerke, Finanzmärkte oder ganze Währungsverbunde handelt: Die Option eines »Stresstests« scheint immer erst nach der Krise auf, nach der Katastrophe; die vermeintliche Prophylaxe ist in Wahrheit Therapie. Und steht das inflationär gebrauchte Wort daher nicht stellvertretend für ein Zeitalter, das in der Soziologie den Namen »Vorsorgegesellschaft« trägt? Kommende Wirklichkeit soll durch möglichst genaue Prognosen bewältigt werden, doch gleichzeitig jagt man dem Desaster unaufhörlich hinterher. Gerade in diesen Tagen hat es sich wieder jäh erwiesen, dass dem Unwägbaren der Wirklichkeit nie restlos beizukommen ist. Die Börsen implodieren, die britischen Großstädte brennen, und keine noch so akribische Vorsorge konnte diese Ereignisse verhindern. Zweifellos wird jemand in Kürze einen »Stresstest« für gefährdete Metropolen anregen.
Wozu der Stresstest? - Ein Begriff, den bis vor Kurzem nur Kardiologen benutzten, hat Hochkonjunktur. Das sagt viel über unsere krisengeplagte Zeit.
  • So lange die Burda-Stiftung im Nationalen Krebsplan (Handlungsfeld 1) mitwirkt und Liz Mohn sich für die imperative Krebsbekämpfung durch Krebsfrüherkennung einsetzt, ist es schwer, gegen die bestehende Früherkennungshysterie anzukommen, da sie zum Wachstum der Gesundheitsindustrie beiträgt. Es gibt auch unter den Ärzten Gewinner, z. B. die Pathologen. Noch nie wurde so viel benignes (Naevi der Haut, Darmpolypen) oder semimalignes (Prostata-Biopsie Gleason 6 = mäßig differenziert) Gewebe untersucht und mit Zweit- und Drittbefunden versehen (und liquidiert).

Parteiliches

  • Bisher setze das System zu wenig auf Prävention, so Grünen-Politiker und Arzt Harald Terpe. Gerade Prävention könnte in Anbetracht des demografischen Wandels den Menschen die Möglichkeit bieten, gesünder zu altern. "Künftig wird es mehr chronisch kranke Menschen geben", so Terpe. Diese Entwicklung erfordere von Ärzten und anderen Gesundheitsberufen mehr Teamwork.
  • Mit einer Präventions- und Rehabilitationsoffensive kann Pflegebedürftigkeit vorgebeugt werden. Die Einlösung des Rechtsanspruchs auf geriatrische Rehabilitation, gerade in mobiler und ambulanter Form, wollen wir verwirklichen. Dies muss bereits in der Pflegeberatung Leitgedanken sein und in das Fallmanagement einfließen. Wir wollen Präventionsleistungen wie Ernährungsberatung, Bewegungs- und Kontaktförderung, Sturz- und Dekubitusprophylaxe für ältere oder pflegebedürftige Menschen stärken. Die haus-, fach- und zahnärztliche Versorgung und die Prävention müssen in den stationären Pflegeeinrichtungen weiter verbessert werden. ( Leitantrag beim SPD-Parteitag Dezember 2011)
Angesichts der Alterung der Gesellschaft und des großen Erkenntnisfortschritts in den Gesundheitswissenschaften nimmt Vorbeugemedizin einen immer größeren Stellenwert ein. Eine gute Prävention kann helfen, die soziale Sicherung nachhaltiger zu finanzieren durch Vermeidung von Krankheits- und Pflegekosten – die gilt besonders für chronische Erkrankungen. Vor allem steigert ein neues präventives Verständnis im Gesundheitssystem die Lebensqualität insgesamt: Die präventive Neuausrichtung des Gesundheitssystems ist daher die praktische Ausformung unseres Vorsorgenden Sozialstaats.
Prävention hat immer zwei Seiten: Einerseits sie gesundheitsfördernde Veränderung des Lebensumfelds, z.B. im Wohnumfeld, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Insofern ist gesundheitliche Prävention eine zentrale Aufgabe der Gesellschaft insgesamt. Prävention ist aber andererseits auch vom Verhalten einzelner und damit von Bildung und gesellschaftlichen Leitbildern abhängig. Die SPD weiß jedoch um die Begrenztheit der Wirkung von verhaltenssteuernden Sanktionen. Vielmehr wollen wir mehr Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten und gesundheitsfördernde Leitbilder in der Gesellschaft fördern.
Wir wollen nationale Präventionsziele definieren, an denen sich die Strategien und Aktivitäten der unterschiedlichsten Akteure ausrichten können. Hierbei müssen alle Politikbereiche sowie alle staatlichen Ebenen einbezogen werden.

Links

  • Mediziner wollen mit aufwendigen Screenings Darm-, Brust- und Prostatakrebs früh erkennen und Todesfälle vermeiden. Doch nach Meinung von Experten ist der Nutzen gering. Im Interview erklärt die Forscherin Ingrid Mühlhauser, warum Vorsorge den Menschen einen Schutz vorgaukelt, den es nicht gibt.
  • Vorsorge dich nicht - lebe! - Diät-Debatten, Wellness als Volkssport, teure Check-up-Kliniken, Pillen gegen alles: Kein Wunder, dass uns so viel Gesundheit krank macht. - Von Werner Bartens -
Den bundesweiten Sonderpreis ohne Altersbegrenzung sicherte sich Werner Bartens für sein Feature „Vorsorge dich nicht – lebe!“, geschrieben für die Süddeutsche Zeitung. (Zum siebten Mal hat die AOK Bayern im Frühjahr 2010 den mit insgesamt 25.500 Euro dotierten Dr. Georg Schreiber-Medienpreis in Kooperation mit den Nachwuchsjournalisten in Bayern e. V. (NJB) und mit Unterstützung der Deutschen Journalistenschule München e. V. (DJS) verliehen.
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