Punktwert

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Tag der Ärzte 18.1.2006 BERLIN
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Tag der Ärzte 18.1.2006 BERLIN

Ärzte erhalten für Kassenpatienten eine Vergütung in harten Euro, die durch eine Multiplikation ihrer erarbeiteten Gesamtpunktmenge im Abrechnungsquartal berechnet wird - also eine arztindividuell exakt ermittelte Größe durch Summenbildung über alle Leistungen im Quartal - mit einem flexiblen, also ständig wechselnden Punktwert - die schwankende Größe oder "floatender Punktwert" daher genannt. Er kann überhaupt erst Monate nach dem Erbringen der Leistung ermittelt werden, damit sie "vollständig" bezahlt wird und hängt von der Zugehörigkeit zu einer Fachgruppe ab. Zuvor bekommen die Vertragsärzte im aktuell laufenden Quartal eine Abschlagszahlung, die bei etwa 3/4 der angenommenen Gesamtleistung liegt, in 3 Monatsraten und damit keinen Bezug zum später ermittelten Punktwert hat. Die "exakte Schlussabrechnung" eines Quartals mit "Restzahlung" oder auch "Rückforderung" (wenn weniger Geld insgesamt zur Verfügung steht, zu viel von allen Ärzten geleistet wurde oder die Annahmen über die eigene Leistung zu "positiv" waren, z.B. Urlaubsabwesenheit nicht in Vorauszahlungen berücksichtigt) erfolgt ca. 4 Monate danach - also für das erste Quartal eines Jahres gegen Ende Juli. (differiert je nach KV-Bereich zeitlich etwas)


Inhaltsverzeichnis

Einheitlicher Bewertungsmaßstab EBM

  • Im Einheitlichen Bewertungsmaßstab EBM, nach dem die Bezahlung von Leistungen an Kassenpatienten erfolgt, werden Leistungen
- je nach Umfang,
- Aufwand,
- technischen Voraussetzungen,
- dafür notwendigen Qualifikationen oder Genehmigungen
- und den auf das Abrechnungsquartal bezogenen Besonderheiten z.B. Berechnung mit anderen Leistungen zusammen oder Häufigkeit der Leistung im Quartal,
Punkte zugeordnet, die durch die Punktanzahl eine gewisse Differenzierung ausdrücken und sich der im Geschäftsleben übliche Geldwert dafür erst durch Multiplikation mit dem "festen" Punktwert errechnet, der zumeist nur für ein Quartal Gültigkeit besitzt.
Punktwerte gibt es zuhauf, sie errechnen sich nach komplizierten Rechnungsvorschriften, die sich aus einer Zusammenschau verschiedenen Bestimmungen zum ärztlichen Honorar bzw. der Verteilung des Einzelhonorars im Kollektivvertrag erschließen können. Sie sind häufig auf mehr als 2 Stellen hinter dem Komma berechnet worden.


Erklärung nach Lexikon der AOK

Der Punktwert ist ein in Cent bemessener Wert, der für die Vergütungshöhe einer ärztlichen Leistung entscheidend ist: Indem dieser Wert mit den Punkten einer ärztlichen Leistung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes multipliziert wird, errechnet sich die tatsächliche Vergütungshöhe dieser Leistung.

Die Höhe des Punktwertes differiert je nach Vereinbarung der Parteien der Gesamtverträge:


  • Bei einer Pauschalvergütung ergibt sich der Punktwert nachträglich, indem die Gesamtvergütung durch die Punkte aller erbrachten Leistungen dividiert und dann je nach Leistungsmenge und unter Berücksichtigung des Honorarverteilungsmaßstabes auf die Ärzte verteilt wird.


Was beeinflusst den Punktwert? - Erklärung durch KBV

Punktwerte und wie sie beeinflusst werden: (Dia in einem Vortrag Dr. Andreas Köhler VV der KV-RLP am 17.1.2009:
  • Realität Ausgangspunktwert 3,36 Cent
1. Tatsächlicher EBM-Effekt ca. 8,3% Ø PW 3,41 Cent
2. Rückstellungen für neue Ärzte, Praxisbesonderheiten,Härtefallregelung und Fehlschätzungen Ø PW 3,28 Cent
3. Rückstellungen für Überschreitungsleistungen Ø PW 3,18 Cent
4. Rückstellungen für Mengenanstieg, qualitätsgebundene und freie Leistungen Ø PW 3,13 Cent
5. Vergütung der nicht RLV-Arztgruppen sowie der freien Leistungen mit 3,5 Cent RLV-PW 3,01 Cent
somit errechnen sich (3,07 Cent HÄ) bzw. (2,95 Cent FÄ) RLV-Problematik aus Sicht der KV RLP
  • Wie sie vielleicht zu beeinflussen sind ...
Die Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen in den neuen Bundesländern sehen die wirtschaftliche Existenz der niedergelassenen Ärzte in akuter Gefahr. Infolge exzessiv gestiegener Kosten sei eine Kassenarztpraxis mit dem noch geltenden Punktwert von 6,1 Pfennigen nicht mehr zu finanzieren.
In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordert die Arbeitsgemeinschaft der Kassenärztlichen Vereinigungen der neuen Bundesländer deshalb eine rückwirkende Erhöhung des Punktwertes auf mindestens 6,5 Pfennige zum 1. April 1991 . Zum 1. Juli 1991 müsse eine weitere Anhebung auf dann mindestens 7 Pfennige folgen.
Sorgen bereiteten Professor Häußler weniger die Korrekturen, die bei einem solchen Reformwerk unvermeidlich seien, als die Entwicklung der Punktwerte. „Wir dürfen . . . auf keinen Fall zulassen, daß den vielen Kollegen, die den neuen EBM sachgemäß anwenden, Schaden dadurch entsteht, daß andere durch ungerechtfertigte Ausweitung ihrer Leistungsanforderungen einen Punktwertverfall herbeiführen."
Häußler forderte die Kassenärztlichen Vereinigungen auf, ungerechtfertigte Leistungsausweitungen keinesfalls zu dulden. Andernfalls bliebe nur das Mittel „einer restriktiven Honorarverteilung mit allen sich daraus ergebenden unliebsamen Folgen". Die Rückkehr zur Einzelleistungsvergütung würde aufs Spiel gesetzt.

Grundsätzliche Betrachtungen zum Sicherstellungsauftrag im Jahre 2012

  • Wenn es nicht mehr möglich ist, feste Preise für alle erbrachten Leistungen zu bekommen, dann müssen wir künftig feste Mengen mit den Krankenkassen vereinbaren. Im ersten Schritt geht es um die Psychotherapie, im zweiten Schritt aber auch um die haus- und fachärztlichen Grundleistungen.
Interview mit Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Sicherstellung - Freiheit oder Fessel?

Zitate

Rundschreiben zu Punktwerten der Abrechnung im Jahre 1987 in Süd-Württemberg - damals noch Pfennige keine Cent!
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Rundschreiben zu Punktwerten der Abrechnung im Jahre 1987 in Süd-Württemberg - damals noch Pfennige keine Cent!
  • Das Bundesgesundheitsministerium erwartet im Jahr 2009 eine spürbare Honorarverbesserung für Vertragsärzte. So wertet BMG-Abteilungsleiter Franz Knieps das Ausmaß des Punktzahlanstiegs von etwa zehn Prozent - mit unterschiedlicher Verteilung auf die Arztgruppen - als "positive Botschaft". Auf das höhere Punktzahlvolumen hatte sich der Erweiterte Bewertungsausschuss vergangene Woche geeinigt. (nach Ärztezeitung 26.10.2007)
(Anmerkung: Das Punktzahlvolumen ändert nichts an der Gesamtvergütung, die mit befreiender Wirkung an die KV-en erfolgt.)
  • 2,7 Milliarden Euro mehr für die ambulante Versorgung - Freitag, 29. August 2008 - Der bundeseinheitliche Orientierungspunktwert wurde mit 3,5085 Cent festgelegt.
  • Nachdem sich die Sparmaßnahmen des GKV-Finanzierungsgesetzes zulasten der ambulanten und stationären Versorgung im Jahr 2011 angesichts der aktuellen Rekordüberschüsse der GKV im zweistelligen Milliardenbereich als unbegründet erwiesen haben, wird die Bundesregierung an ihr eigenes Versprechen erinnert, dass diese Sparmaßnahmen kein Dauerzustand sein sollen. Bevor Kassenbeiträge gesenkt werden, muss die angemessene Finanzierung der gesundheitlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Grundlage des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) von 2005 ein betriebswirtschaftlich kalkulierter Punktwert von 5,11 Cent war. Die aktuelle Vergütung im niedergelassenen Bereich liegt in der Regel weit darunter, was zu einer chronischen Unterfinanzierung mit vielen Folgeproblemen führt.
Aus einem Antrag beim 115. DÄT in Nürnberg, Mai 2012
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