Quartal
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Ein Zeitraum von 3 Monaten, der ein Jahr in 4 Abschnitte unterteilt, die im System der gesetzlichen Krankenversicherung den Rhythmus der Quartalsabrechnung vorgeben und im EBM die Systematik der abrechnungsrelevanten Leistungsbeschreibung.
Auch ein Zeitraum der Kontrolle auf Wirtschaftlichkeit und Begründung für Regressforderungen.
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Beispiele
- Ziele der EBM-Reform - Leistungsbeschreibung: Ordinationskomplex einmal im Quartal
- Der Ordinations- oder Konsiliarkomplex kann nur von den in der Präambel der entsprechenden arztgruppenspezifischen oder arztgruppenübergreifenden Kapitel genannten Leistungserbringern beim ersten persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal berechnet werden. Er ist nur einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig (kurativ-ambulant) und umfasst die in Anhang 1 aufgeführten Leistungen. Bei einer ambulanten und stationären (belegärztlichen) Behandlung in demselben Quartal ist der Ordinationskomplex zweimal berechnungsfähig (jeweils kurativ-ambulant und kurativ-stationär).
Zitate
- Aufgrund der nur nach Alter und nicht nach Betreuungsaufwand differenzierten Pauschalen wird der „gesunde Kranke“ betriebswirtschaftlich attraktiv, nicht aber der Multimorbide. Beispielsweise unterscheidet sich die angedachte Pauschale eines Demenzpatienten mit insulinpflichtigem Diabetes, pAVK, Hypertonus und COPD, bei dem regelmäßig Hausbesuche durchgeführt werden, nicht von der eines gleichaltrigen gut eingestellten Typ-II-Diabetikers, der nur zweimal pro Quartal die Praxis aufsucht. Selbst der angedachte Chronikerzuschlag würde beide Patienten gleichermaßen betreffen. Ausgangspunkt der Überlegungen war eine Musterpraxis mit 800 Behandlungsfällen im Quartal mit einer statistisch normal verteilten Morbidität. (Leserbrief zu: EBM-Reform: Gewinner und Verlierer 2007)
- Bei den Hausarztverträgen in Bayern werden allerdings die Hausbesuche zusätzlich bezahlt.
- Dem einzelnen Kassenarzt sei pro Quartal eine Auszahlungsquote von beispielsweise 76,5 Prozent mitgeteilt worden. Für Hans Joachim Sewering steht außer Frage: „Die Gesamtvergütung ist begrenzt und wird es auch bleiben.“ Die finanziellen Nöte der Kassen, denen durch die Arbeitslosigkeit Millionen von Beitragszahlern fehlten, ließen gar nichts anderes zu. Deshalb sei es „ein Schwindel ohnegleichen“, wenn die Politik den Eindruck erwecke, die Kassenärzte bekämen künftig alle Leistungen bezahlt.
- Eine Situation, die inzwischen viele Patienten und Patientinnen so oder so ähnlich erleben, fand der Gesundheitsforscher Bernhard Braun. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung befragte er 3000 Bürger und Bürgerinnen.
- Braun: Zwischen 30 und 40 % haben uns angegeben, dass Ärzte in der Behandlung beginnen, über Gesundheitspolitik und ihre kritische Einstellung zu reden. Und 60 % geben an, dass in letzter Zeit immer häufiger über Geld und ihre finanzielle Situation geredet wurde, d.h. es gibt keine prinzipielle Kommunikationsunfähigkeit von den Ärzten – aber sie kommunizieren über etwas, was in der Behandlungssituation nichts zu suchen hat und die Patienten verunsichert, weil sie merken, irgendetwas ist zwischen diesen Arzt und mir noch am Mitwirken, nämlich dessen ökonomische Interessen.
- Sprecherin: Teure Medikamente zum Beispiel gegen Osteoporose werden zum Ende des Quartals nicht mehr verschrieben, weil der Internist sein Arzneimittelbudget ausgeschöpft hat. Ein Radiologe macht auffällig oft am Ende des Quartals Ferien: Schließlich sei er nicht bereit, kostenlos zu arbeiten. Oder der Orthopäde empfiehlt statt der Krankengymnastik, die bei den letzten Rückenbeschwerden so gut half, diesmal ein Muskelaufbautraining in seinem eigenen Sportstudio. Andere Versicherte müssen plötzlich für Untersuchungen, die jahrelang selbstverständlich gemacht wurden, cash am Tresen bezahlen. Viele Patienten und Patientinnen sind inzwischen verunsichert. Sie wissen nicht mehr, was ihnen von der Gesetzlichen Krankenkasse zusteht und was nicht. (SÜDWESTRUNDFUNK - SWR2 Wissen - Manuskriptdienst - Im Dschungel des Gesundheitssystems - Autorin: Eva Schindele Redaktion: Detlef Clas - Sendung: 28. April 2003)
Probleme
- System des vollen Wartezimmers - Kassenärzte werden nicht für Zuwendung und Zeitaufwand bezahlt, sondern für Patienten pro Quartal. Da diese Pauschalen gering ausfallen, muss die Behandlung schnell gehen. Eingehende und mitunter heilsame Gespräche mit den Patienten sind schlicht unwirtschaftlich. Mit durchschnittlich acht Minuten ist die Behandlungszeit pro Arztbesuch in Deutschland kürzer als in allen anderen europäischen Ländern. Der Teufelskreis aus hastigen Diagnosen, schlechtem Befinden und häufigen Arztbesuchen wird ohne eine Reform des ärztlichen Honorarsystems nicht zu durchbrechen sein. Das Rezept lautet: mehr Zeit und Zuwendung, weniger Arzneien und Apparatemedizin.
Ausland
Frankreich
- Ich habe, als HNO-Arzt, 15 Jahre in Frankreich, parallel zu meiner Deutschen Praxis gearbeitet. Der Patient ist daran gewöhnt sofort, nach jedem Kontakt, zu bezahlen und zwar bar oder mit Scheck. Er weiss auch, dass er einen Selbstbehalt hat, den er sich wiederum privat versichern kann ( kostet allerdings 55-90 €/ Monat). Alle sind zufrieden, der Arzt und auch der Patient.
- Die Motivation von seiten des Arztes ist enorm hoch, man fährt zufrieden und nicht frustriert nach Hause. Ich kann einfach nicht einsehen, dass der Deutsche Patient dazu nicht in der Lage sein soll oder sogar übefordert wäre. Das ist eine Anmaßung der Politik und asozial wäre eine Kostenerstattung auch nicht, denn auch in Frankreich sind Sicherungen in das System eingebaut, die Härtefälle berücksichtigen. Quartale gibt es übrigens nicht. bei jedem Facharztbesuch ist ein Honorar von wenigstens 28,-€ bar zu bezahlen. Wenn der Patient nicht bezahlen kann, weil arm, kann die Honorarrechnung direkt bei der Caisse de maladie eingereicht werden und das Geld ist nach spätestens 3 Wochen ohne jeden Abzug auf dem Konto.
