Wolfgang Hoppenthaller
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Dr.med. Wolfgang Hoppenthaller * 12.2.1947 in Rosenheim, ist Arzt für Allgemeinmedizin und ärztlicher Standespolitiker.
Approbation: 1973
Weiterbildung auf den Gebieten: Innere Medizin, Anästhesie, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Augenheilkunde, Chirurgie, Phlebologie, Proktologie, Chirotherapie.
Facharztbezeichnung: Arzt für Allgemeinmedizin
Niedergelassen in : Siegenburg/Bayern
Niederlassung seit 1978, zuerst in Einzelpraxis, jetzt mit 2 Partnern
Inhaltsverzeichnis |
Berufspolitische Funktionen
- Seit 1987: Mitgl. der Vertreterversammlung der KVB
- Seit 1997: Vorsitzender des Bayer.Hausärzteverbandes
- Seit 2000: Mitgl. des geschäftsführ.Vorstandes des Deutschen HÄV
- Seit 1997: Mitgl. im Bundesvorstand des Deutschen HÄV
- Seit 2007: 1.stellv.Bundesvorsitzender des Deutschen HÄV
- Rücktritt von seinen Ämtern 23.12.2010
zur Vita:
- Hoppenthaller wuchs in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Wie viele andere seiner Generation erlebte er die Jahre des wirtschaftlichen Aufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg als Schlüsselkind. In dieser Zeit lernte er: Wer als Erster zuckt, hat verloren. Offensichtlich zieht sich diese Maxime durch sein ganzes Leben. Sein Vater, ein Postbeamter, und seine Mutter, die in Rosenheim eine Massagepraxis betrieb, wollten ihrem Sohn eine gute Ausbildung ermöglichen. Sie schickten ihn auf ein Internat, wo der Bub sich zur Kämpfernatur entwickelte. "In der Klosterschule von Scheyern gab es eine klare Hackordnung, da lernte man, sich durchzusetzen und nicht gleich nachzugeben", sagt Hoppenthaller. Diese Erfahrung habe ihm den Rücken gestärkt im Streit mit den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und bis vor kurzem auch im Kampf mit der CSU. (D. Mittler in der Süddeutschen Zeitung 16. Juli 2008)
Zitate
- "Für die KV spielt seit Jahren ein sogenanntes geistiges Faustrecht die wesentliche Rolle. Das heißt: eine Majorität majorisiert ganz energisch die Minderheit, und die Minderheit sind im wesentlichen die Hausärzte. Es wird gegen die Hausärzte Strukturpolitik betrieben, es wird gegen die Interessen der Hausärzte Honorarpolitik betrieben." Panorama vom 05. August 1999: Millionen für Ehrenämter - Ärztefunktionäre kassieren ab
- Dr. Wolfgang Hoppenthaller, Hausärzte-Chef aus Bayern, tritt ans Mikrophon. Seit 20 Jahren sei er jetzt dabei, sagt er. Und auch diesmal werde nach demselben Muster verfahren. "Die KV ruft zur Gemeinsamkeit auf, wenn es eng wird." Da mache er nicht mehr länger mit. Nachdem Hoppenthaller bei den KV-Wahlen in seiner Heimat leer ausgegangen ist, plädiert er hier dafür, eine Hausarzt-KV zu gründen. Ärzte Zeitung, 23.05.2006 Diese Diskussion paßt zwar zur Nostalgie des Ortes. Der Antagonismus zwischen Haus- und Fachärzten ist aber ein Thema, das die neue KBV-Führung eigentlich begraben will. "Sie sprechen von Zeiten, als ich nicht einmal wußte, was KV heißt", sagt Andreas Köhler sichtlich angesäuert. Er bekommt Unterstützung. Dr. Leonhard Hansen, KV-Chef in Nordrhein. "Wer sich nur um die Vergangenheit kümmert, hat die Zukunft schon verloren", sagt er, fast erstaunt, daß sein Satz so gut klingt: "Ich weiß nicht, ob das von mir ist", sagt Hansen. (KBV-Vertreterversammlung anläßlich des Deutschen Ärztetages in Magdeburg]
- Die Mitgliederversammlung am Bayerischen Hausärztetag in Würzburg am 07.07.2007 hat mit zwei Enthaltungen und ohne Gegenstimme folgenden Beschluss gefasst: „Die Mitgliederversammlung beauftragt den Vorstand, die Diskussion über den Ausstieg der Hausärzte Bayerns aus dem Kollektivvertragssystem so schnell wie möglich in die regionalen Hausarztkreise zu tragen. Gleichzeitig wird der Vorstand beauftragt, die organisatorischen Vorbereitungen zur Umsetzung des Ausstiegs aus dem Kollektivvertragssystem sofort zu treffen“. Vorausgegangen war eine intensive und sachliche Diskussion, in der deutlich wurde, dass wir Hausärzte aus nachfolgenden Gründen in diesem System keinerlei Chance haben:
- 1. Die Kassen diktieren uns die Bedingungen, zu denen wir unsere Leistungen zu erbringen haben und sehen keinerlei Veranlassung, mit dem BHÄV Verträge abzuschließen, die eine ordentliche Praxisführung unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ermöglichen. Wir Hausärzte erscheinen vor den Krankenkassen lediglich als Bittsteller.
- "Wir sind eine aussterbende Spezies" - Hausärzte fordern Honorarhoheit - 8000 Mediziner und Praxisangestellte bei Protestkundgebung in Nürnberg / Scharfe Kritik an der Union - Bei der größten Protestkundgebung von Hausärzten, die es jemals in Deutschland gab, haben am 9.5.2006 fast 8000 Mediziner und Praxismitarbeiterinnen aus ganz Bayern ein besseres Entgelt und einen eigenen kassenärztlichen Verband gefordert. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Wolfgang Hoppenthaller, attackierte in Nürnberg die Gesundheitspolitiker der Union. Der Bundesvorsitzende der Hausärztevereinigung, Rainer Kötzle, sagte, es sei kein Zufall, dass der Protest in Bayern stattfinde. Hier seien Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Allgemeinärzte besonders ausgeprägt. Die Kundgebung sei ein Signal an die Bundesregierung. (nach Süddeutscher Zeitung)
- Der Appell an die Politik, sich Sorgen und Nöte der Hausärzte anzuhören, richtete sich in erster Linie an die CSU. Ministerpräsident Stoiber habe einen „schriftlichen Hilferuf“ des Verbandes nicht einmal persönlich beantwortet, Gesundheitspolitiker der Union nähmen „selbstverständlichste Forderungen“ nicht zur Kenntnis, prangerte Hoppenthaller an. (aus den "Nürnberger Nachrichten" zur Protestkundgebung m 9.5.2006)
- Hoppenthaller: Wenn uns der Systemausstieg jetzt nicht gelingt, verlieren die Patienten ihre Hausärzte erst recht. SZ: Warum denn das? - Hoppenthaller: Weil wir aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen keinen Nachwuchs mehr bekommen. In den nächsten drei bis vier Jahren schließen bis zu 40 Prozent der hausärztlichen Praxen. Es ist auch an der Zeit, dass die Bürgerinnen und Bürger ihren Sozialpolitikern endlich auf die Finger schauen. ("Wut und Verdrossenheit" - Bayerns Hausärzte sollen in Nürnberg ihre Kassenzulassung niederlegen: Der Chef des Hausärzteverbandes Hoppenthaller über den Niedergang des Berufsstandes und den Widerstand dagegen. SZ am 24.1.2008)
- SZ: Liegt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes also letztlich damit richtig, dass die KVB längst nicht mehr die Interessen der Hausärzte vertritt? Axel Munte: Nein, wir teilen die Einschätzung des Hausärzteverbandes, dass die Honorarsituation unhaltbar ist und dass unter anderem deshalb in Bayern mittelfristig der hausärztliche Nachwuchs fehlen wird. Aber anderen Facharztgruppen - etwa den Basis-Augenärzten - geht es wesentlich schlechter. Ihre Vergütungen sind nur halb so hoch wie jene der Hausärzte, und dennoch drohen diese Kollegen nicht mit dem Systemausstieg. Die geplante kollektive Rückgabe der Kassenzulassung ist letztlich die Einzelaktion eines charismatischen Mannes, der alle anderen in seinen Bann zieht. Und dieser Mann heißt Wolfgang Hoppenthaller. (Interview: Dietrich Mittler - Quelle: Süddeutsche Zeitung - 26. Januar 2008)
- »Die Kassen erzählen den Leuten sonstwas« Bayerische Hausärzte wollen ihre Vertretung verlassen. Für die Patienten soll sich angeblich nichts ändern. Gespräch mit W. Hoppenthaller
- "Wir kämpfen aber gegen ein perverses Unterdrückungssystem, in dem solche Mechanismen überhaupt angedacht werden können. Am 30.01.2008 werden 6000 bis 7.000 Hausärzte in die ARENA nach Nürnberg kommen, weil sie in diesem Zwangssystem nicht mehr weiter arbeiten wollen." (Brief an Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein - Staatskanzlei Franz-Josef-Strauß-Ring 1 München am 28.1.2008) "Nach 30-jähriger Unterdrückung durch die Sozialpolitiker und die Krankenkassen wollen wir Hausärzte in diesem perversen Zwangssystem nicht mehr weiter arbeiten. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lassen Sie mich abschließend Perikles zitieren: „Seid überzeugt, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber der Mut ist!“ Wir Hausärzte Bayerns müssen diesen Mut alleine schon deshalb aufbringen, damit der Bevölkerung Bayerns ihre Hausärzte auch in Zukunft erhalten bleiben."
- „Wenn Sie heute Ihre Zulassungsverzichtserklärung abgeben, dann ist es keine Rechtsdiskussion mehr – dann wird alles zu einer politischen Diskussion und die Politiker müssen sich endlich damit beschäftigen.“ Die Kollegen dürften nun nicht den Fehler machen, diese Großveranstaltung nur als „Veranstaltung für Seele und Gemüt“ zu sehen. „Das hier ist eine Veranstaltung für die Zukunft, und Sie haben auch die Verantwortung, die Zukunft mitzugestalten.“ Die Korbveranstaltung in Nürnberg sei zwar ein „Fest der Emotionen“ gewesen. „Noch reicht es aber nicht für den Ausstieg.“ Gleichzeitig würden die Kollegen von der KV Bayerns bedrängt und bedroht. Die Krankenkassen auf der anderen Seite argumentierten öffentlich mit falschen Zahlen zur Vergütung der Ärzte. Daher müsse nun auch in Baden-Württemberg gehandelt werden: „Machen Sie auch den Hausärzten in Bayern Mut und kämpfen auch Sie für den Erhalt der ambulanten Versorgung.“ (Über 8.000 Ärzte in der Stuttgarter Schleyer-Halle – "Die Politik reagiert nur auf harte Maßnahmen" 16.4.2008)
- Vortrag 07.06.2008 Olympiastadion: Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, liebe Patientinnen und Patienten, liebe Kolleginnen und Kollegen,
- wir sind heute hier, um Ihnen darzustellen, was derzeit mit und in unserem Gesundheitssystem geschieht. Ohne dass wir es merken sollten, verscherbeln unsere Sozialpolitiker unser Gesundheitssystem an Aktiengesellschaften. Bisher galt das Bismarckschen Prinzip „Jung für Alt und Gesund für Krank“. Wenn es nach dem Willen dieser Sozialpolitiker geht, heißt das künftige Geschäftsmotto: „Patient für Profit“. Das wollen wir nicht! Diese Zerstörung unseres solidarischen Gesundheitssystems dürfen wir nicht hinnehmen.
- Dass Weggefährten zu Kontrahenten werden, zieht sich durch Hoppenthallers Leben wie ein Leitmotiv. Legendär ist der Fall des früheren Chefs Kassenärztliche Vereinigung, Lothar Wittek, mit dem sich Hoppenthaller nach eigener Aussage "lange Zeit gut verstand". Dann aber warf er ihm "Stasi-Methoden" vor und verhinderte im Januar 2001 Witteks Wiederwahl. Axel Munte wurde der neue Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Hoppenthaller sein Stellvertreter. Das Bündnis hielt nicht lange: Im Machtkampf mit Munte zog Hoppenthaller im Oktober 2004 den Kürzeren. Viele sehen darin eine Ursache für seinen Konfrontationskurs gegen die KV. (D. Mittler in der Süddeutschen Zeitung 16. Juli 2008)
- Am 18. September 2008 hatte inmitten eines Interviews mit der SZ plötzlich ihr Telefon geläutet - am anderen Ende der Leitung: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Es ging um nichts weniger als die Zukunft der Krankenhausfinanzierung. Nach dem Gespräch war Christa Stewens doch leicht fassungslos. Schmidt hatte ihr, wie Stewens nun bestätigte, ein - man muss es wohl so nennen - unmoralisches Angebot gemacht: Entweder Bayern akzeptiere das Finanzierungsmodell der Ulla Schmidt, welches in letzter Konsequenz darauf hinausläuft, dass sich der Freistaat aus der Krankenhausplanung verabschiedet und die Investitionskosten-Finanzierung für die Kliniken an die Kassen abtritt. Oder: Stewens bleibe stur. Dann aber sehe es schlecht für jenen Paragraphen im Sozialgesetzbuch aus, mit dem Bayerns Hausärzten künftig eine Art Verhandlungsmonopol mit den Kassen eingeräumt wird. Nur mit Hilfe dieses Paragraphen 73 b war es gelungen, Bayerns rebellischen Hausärzteverband vor der Wahl ruhigzustellen und die Kampagne gegen die CSU und die Staatsregierung einzustellen. (Süddeutsche Zeitung 13. Oktober 2008)
Hoppenthaller als Redner 13.9.2009 - Olympiastadion München
- Für Empörung sorgte der Gesetzgeber im Oktober 2008, als er beschloss, § 73 b zur hausarztzentrierten Versorgung im SGB V zu ändern. Zum einen verpflichtete er die Kassen, bis zum 30. Juni 2009 Hausarztverträge abzuschließen. Zum anderen schrieb er ihnen auch den Partner vor: Sie dürfen Verträge nur noch mit Gemeinschaften schließen, die mindestens die Hälfte der an der hausärztlichen Versorgung teilnehmenden Allgemeinärzte eines KV-Bezirks vertreten. Damit erhält der Hausärzteverband faktisch ein Verhandlungsmonopol. Das ist ein Erfolg, den sich der streitbare Bayer Hoppenthaller auf die Fahne schreiben kann (wobei ihm der bayerische Wahlkampf und drohende Stimmenverluste der CSU in die Hände spielten). Die KBV erwägt, die Regelung verfassungsrechtlich prüfen zu lassen.
- Im Dezember 2008 im Diskussionsforum Hippokranet: Wir haben den Ausstieg aus den Ihnen bekannten Gründen nicht geschafft. Dass deshalb Hohn und Spott kübelweise über mich geschüttet wurde, haben Sie vielleicht mitbekommen. Als Vorsitzender des BHÄV sehe ich es dennoch als meine Pflicht an, die Existenz der bayerischen Hausärzte zu sichern.
- Einsparungen im ambulanten Bereich: Wir sollen als Lotsen – ich kann das Wort nicht mehr hören, ich bin Arzt und kein Lotse – unnötige Facharztbesuche verhindern. Als ich mich 1978 niederließ, wurden die Quartalsscheine allmählich durch Scheckhefte ersetzt. Diesen Scheckheften folgte mit einigem Abstand die Chipkarte. Begleitet wurde diese schleichende Beendigung des damals herrschenden Primärarztsystems durch die lautstarke Forderung der Politiker nach der „Freien Arztwahl“. Seit dieser Zeit dürfen die Versicherten bis zum heutigen Tag mit ihrer ungedeckten Scheckkarte von unserem Versicherungssystem alles abverlangen, was sie für ihre Gesundung oder Gesunderhaltung für erforderlich halten – und dies mit kräftiger Unterstützung der Kassen im Konkurrenzkampf.
- Und jetzt soll ich mich als HzV-Arzt – oder neusprech als „Lotse" – an die Anmeldung meiner Praxis stellen und die Patienten befragen, weshalb sie diese und jene Überweisung benötigen. Sehr geehrte Politiker, wie stellen sie sich das vor? Wir arbeiten in unserer Praxis in sieben Räumen und diese sind permanent belegt. Wir untersuchen, behandeln und beraten alle Patienten, die zu uns kommen wollen. Wer nicht zu uns kommen, sondern nur eine Überweisung will, kann hingehen, wohin er will.
- Wenn die Politik diesen kostenträchtigen Wanderzirkus der sogenannten mündigen Patienten beenden will, dann ist es deren Aufgabe, ihren Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, dass die Ressourcen endlich sind.
- Diese Umerziehung nach einer 30-jährigen grenzenlosen Pseudofreiheit ist eine gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft, der Politik und der Krankenkassen und keinesfalls die einiger weniger HzV-Ärzte.
- Zum Thema Einsparungen Prof. Fritz Beske:
- „Bislang wurden in aller Regel Ärzte, Krankenhäuser und die Krankenkassen für die finanziellen Probleme der GKV verantwortlich gemacht. Die Verantwortung der Politik ist nur wenigen Fachleuten bekannt. So haben nach heutigem Stand politische Entscheidungen die GKV zur Entlastung anderer Sozialsysteme und des Staates mit 45,5 Milliarden Euro pro Jahr belastet. Würden diese entfallen, könnte der Beitragssatz um 4,55 Beitragssatzpunkte, d. h. von 14,9 Prozent auf 10,35 Prozent gesenkt werden.“ Weiterhin sind nach Schätzungen von Experten jährlich 20 Milliarden Einsparungen durch Bürokratieabbau möglich.
- Schon einmal hatte Hoppenthaller seine Leute auf einen solchen "Systemausstieg" vorbereitet. Dazu kam es letztlich nicht, weil, wie er sagt, die Aussicht auf Besserung bestanden habe. "Jetzt aber verlieren die Hausärzte alles, wenn es nicht klappt.". Einige der lukrativen "Hausarztverträge", die Hoppenthaller für seine Leute mit den Krankenkassen ausgehandelt hat, sind von diesen Kassen schon fristlos gekündigt worden - als Reaktion auf die Drohung, die Kassenzulassung zurückzugeben. Die AOK Bayern war die erste, gestern folgten die Ersatzkassen. Am Montag wollen sich die Betriebskrankenkassen erklären.
- Ein Doktor auf dem Ego-Trip -- Wolfgang Hoppenthaller gilt bei seinen Kollegen als toller Hecht. Einer, der den verhassten Krankenkassen und der Politik mal so richtig zeigt, was Ärzte draufhaben: Dass sie sich nichts mehr gefallen lassen, dass sie sich von den arroganten Kassen nicht behandeln lassen wie Knechte. Dieser Hoppenthaller, Chef des Bayerischen Hausärzteverbands, hat für seine Kollegen unbestreitbare Erfolge erzielt - die durften mit den Kassen eigene, sehr lukrative Verträge abschließen. Hoppenthaller hatte 2008 den um sein Amt fürchtenden bayerischen Kurzzeit-Ministerpräsidenten Günther Beckstein unter Druck gesetzt. Seitdem schielen viele Ärzte neidvoll Richtung Bayern.
- Nun will Hoppenthaller nicht nur wie 2008 mehr Geld, er will ein ganz eigenes Recht für sich und seine Hausärzte. Die bayerischen Hausärzte wollen bereits am Mittwoch den Ausstieg aus dem Kassensystem beschließen und die Abrechnung mit den Patienten selbst organisieren. Dafür soll ihnen die Politik mal eben und ganz schnell ein Sonderrecht maßschneidern. Doch selbst die sonst so ärztefreundliche CSU sieht nun den Wendepunkt erreicht. Sie will sich nicht weiter vor einen Karren spannen lassen, dessen Lenker auf einem Ego-Trip ist.
- Die Ärzte haben überzogen. Die AOK hat ihnen bereits den aktuellen Vertrag gekündigt, andere Kassen wollen folgen. Und ob die Ärzte wirklich kollektiv ihre Kassenzulassung zurückgeben, ist mehr als ungewiss. Wenn sie aus dem Kassensystem aussteigen, können sie nur noch Privatpatienten behandeln. Davon gibt es gerade acht Millionen in Deutschland, dagegen sind mehr als 70 Millionen gesetzlich versichert. Manchmal muss man nur kurz rechnen, um zu erkennen, auf was man sich einlässt. (rabe Quelle: Süddeutsche Zeitung 20. Dezember 2010, Seite 4)
- Doch Hoppenthaller wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht immer wieder aufraffen würde - zum Entsetzen seiner zahlreichen Gegner bei den Kassen, in der Gesundheitspolitik und auch in der KVB. Die meisten dieser Leute gestehen ihm als positive Eigenschaft allenfalls zu, dass er "ein charismatischer Demagoge" sei. Einer, der völlig unberechenbar sei. "Man kann sich seine Freunde nicht aussuchen", hatte Helmut Platzer, Chef der AOK Bayern, über ihn gesagt - zu Zeiten, als die Kasse und der Hausärzteverband noch in der Öffentlichkeit als eingeschworene Partner auftraten.
- Für Hoppenthaller ist die dramatische Lage in vielen Bereitschaftsdienst-Gruppen auf das bewusste Wegschauen von Ministerien und GKV-Assekuranzen zurückzuführen. Seine Rechnung: Wir haben seit zehn Jahren auf das Problem hingewiesen. Passiert ist nichts. An sich hat der Staat auch dafür den Sicherstellungsauftrag, den er subsidiär an die KV vergibt. Wenn der Staat dafür sorgt, dass uns „die Ärzte ausgehen“ (Hoppenthaller nannte hier die Änderung des § 73b SGB V), ist das nicht unser Problem.
Reden
Grundsätzliches zum Gesundheitssystem in Deutschland
- Die Kassenärztlichen Vereinigungen: Funktionen, Dysfunktionen – und Zukunftsszenarien aus hausärztlicher Sicht Berlin 08.11.2010
- Heute findet der Machtkampf mit den Kassen, mit einem unsäglichen Unterdrückungssystem statt, das bis ins Feinste ausgearbeitet ist. Rede in NÜRNBERG 22.12.2010
Rücktritt von seinen Ämtern 23.12.2010
- Rücktritt von allen politischen Ämtern - Persönliche Erklärung von Dr. Hoppenthaller - München, den 23.12.2010
- Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach genauer Analyse der nun eingetretenen politischen Situation trete ich von allen politischen Ämtern zurück.
- Ich bin weiterhin der Meinung, dass der Hausärzteschaft Bayerns nur noch die Systemdiskussion blieb, nachdem ihr entgegen den Zusagen der Bayerischen Staatsregierung vom Gesetzgeber wieder ihr Tarifrecht entzogen wurde, die AOK Bayern schon während der Diskussion zu dieser Gesetzesänderung angekündigt hatte, den Hausarztvertrag massiv zu boykottieren und das Ende des Vertrages für das Jahr 2011 angekündigt hatte. Nach der Ablehnung unseres Vertragsverlängerungsangebotes seitens der AOK Bayern, in dem wir unser Honorar sogar um 10% reduziert hatten, wurde die endgültige Entscheidung getroffen, diese Abstimmung herbeizuführen.
- Die heftigen Drohungen seitens der Kassen und der Bayerischen Staatsregierung hat viele Kollegen davon abgehalten, diesen entscheidenden Schritt aus dem Kollektivvertragssystem heraus mitzugehen. Dass sich jedoch nahezu jeder zweite bayerische Hausarzt zu diesem Schritt entschlossen hat, sollte die Kassen und die Politik bezüglich der Situation der hausärztlichen Versorgung in Bayern nachdenklich machen.
- Um künftigen Verhandlungen mit der Bayerischen Staatsregierung und mit den Krankenkassen nicht im Wege zu stehen, habe ich mich dazu entschlossen, alle politischen Ämter niederzulegen. Gleichzeitig haben ich und meine Vorstandskollegen aufgrund der aktuellen Entwicklung entschieden, den Korb zu schließen. Ich danke den 2.801 Kolleginnen und Kollegen, die ihre Verzichtserklärung abgeben hatten, für ihren Mut und ihre Courage. Ihre Verzichtserklärungen werden umgehend vernichtet.
- Mit den besten Wünschen für Ihre Zukunft!
- Ihr Wolfgang Hoppenthaller
- Die gescheiterte Rebellion gegen das System sei eine „Niederlage für die hausärztliche Versorgung“, sagte er. „Unter diesen Bedingungen werden sich keine jungen Ärzte mehr niederlassen, ältere werden frühzeitig in Rente gehen - und einige werden ins Ausland abwandern.“
- Ich (Werner Baumgärtner) habe es schon gestern abend in der ARENA befürchtet, dass er zurücktreten wird! Für mich war die Veranstaltung ein Erfolg, denn trotz massiver Drohungen der Politik und Kassen waren fast 7000 Ärztinnen und Ärzte in der Arena. Die Stimmung war gut und kämpferisch, aber schon das erste Ergebnis, gezeigt auf der Leinwand, nämlich der per Post eingesandten Erklärungen war so niedrig, dass viele Erwartungen im Saal gedämpft wurden.
- Es war wohl auch so, dass viele Kolleginnen und Kollegen tatsächlich abwarteten, ob die 60% zusammenkommen, um sich dann noch anzuschließen.
- Alle Verantwortlichen und alle Redner haben gestern Ihr Bestes gegeben, viele Ängste konnten leider nicht abgebaut werden. Dennoch fand ich das Ergebnis so gut, dass ich die Körbe offen gelassen hätte. Ich war auch froh, dass W. Hoppenthaller von seinen Getreuen in diese Richtung überzeugt wurde und das noch verkündete.
Reaktionen auf Nürnberg 22.12.2010
- Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder hatte am 23.12.2010 Mühe, seine Genugtuung über das Scheitern des Hausärzte-Aufstandes nicht zu deutlich zur Schau zu tragen. 'Gestern war ein guter Tag für die Patienten im Freistaat - und ein schlechter Tag für Wolfgang Hoppenthaller, den Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes', sagte der Minister einen Tag nach der Versammlung in der Nürnberger Arena, in der Bayerns Hausärzte sich mehrheitlich gegen einen kollektive Rückgabe ihrer Kassenzulassungen entschieden hatten. Das sei ein klarer Sieg der Vernunft, ein klarer Sieg des Rechtes. Das müsse Konsequenzen im Hausärzteverband nach sich ziehen, forderte Söder - nicht wissend, dass Hoppenthaller zur gleichen Zeit bereits einen Brief an seine Kollegen formulierte, in dem er seinen Rücktritt 'von allen politischen Ämtern' formulierte.
- In Zwischenrufen aus dem Saal war Söder in der Nürnberger Arena wiederholt als Lügner bezeichnet und mit üblen Schimpfwörtern belegt worden - weil er, wie Hoppenthaller ihm in seiner Rede vorgeworfen hatte, wortbrüchig geworden sei.
- (Süddeutsche Zeitung - Nr.298, Freitag, den 24. Dezember 2010)
- Im Landtag löste Hoppenthallers Rücktritt kein Mitleid aus. 'Ein Halleluja Bayerns Hausärzten, die einen Tag vor Weihnachten ihren Ober-Egomanen los sind', erklärte Kathrin Sonnenholzner, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die FDP sprach von einer Chance für einen Neuanfang. Die Freien Wähler warnten allerdings vor unüberlegtem Triumphgeschrei: 'Wenn derzeit knapp 3000 von 7000 bayerischen Hausärzten dazu bereit wären, ihre Kassenzulassung zurückzugeben, dann zeigt das die Endzeitstimmung in dieser Berufsgruppe. Da müssten schon längst alle Alarmleuchten bei den Politikern blinken', sagte Hubert Aiwanger, der Vorsitzende der Freien Wähler und warnte vor einer Entwicklung in Bayerns Gesundheitswesen, die sich niemand wünschen könne. An deren Ende stehe eine 'börsennotierte Gesundheitsindustrie mit dem Patienten als Renditeobjekt und dem Arzt als notwendiges Übel und Kostenfaktor'.
- Nachdem die AOK ihren Vertrag mit den Hausärzten gekündigt hat, steht nach Ansicht der Medizinger im Landkreis Dachau die Zukunft vieler Praxen auf dem Spiel. Mit gravierenden Folgen für Patienten. Die Diagnose ist eindeutig: Dachaus Hausärzte befinden sich zum Jahreswechsel in einem depressiven Zustand. Allerdings nicht wegen psychosomatischer oder psychologischer Ursachen, sondern wegen handfester politischer Fakten und Niederlagen zum Jahresende in Bayern. Andreas Schneider aus Erdweg, Mitglied im Vorstand des ärztlichen Kreisverbands, fürchtet um die Existenz der Hausarztpraxen auch im Landkreis. Schwerer Schlag für Hausärzte Andreas Schneider aus Erdweg, Mitglied im Vorstand des ärztlichen Kreisverbands, fürchtet um die Existenz der Hausarztpraxen auch im Landkreis.
- Die Scherben müssen zusammengekehrt werden (N24 -Meldung) - Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) hat nun die undankbare Aufgabe, die Scherben zusammenzukehren und die Ärzte wieder mit den zutiefst empörten Kassen an einen Verhandlungstisch zu bringen. Für Nichtmediziner sind die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Ärzteschaft nur schwer zu verstehen. Vordergründig geht es ums Geld. Hoppenthaller und der Hausärzteverband rebellierten, weil die Bundesregierung im Sommer die in den vergangenen Jahren erstrittenen Verbesserungen bei den Honoraren für die Hausärzte faktisch wieder einkassierte.
- Das Verhalten Hoppenthallers kritisierten Markus Söder und Stamm beim Hausärzte-Hearing im Landtag 14.1.2011 scharf: "Nürnberg war ein Fehler", sagte der Gesundheitsminister.
- Der amtierende Hausärztechef, Wolfgang Krombholz, forderte die Kassenvertreter auf, zum aufgekündigten Vertrag zurückzukehren. Im Gegenzug wolle er das System zumindest in naher Zukunft nicht mehr grundsätzlich in Frage stellen. AOK-Chef Helmut Platzer lehnte das ab. Ob die Kasse sich mit der Vertragskündigung rechtlich korrekt verhalten hat, wird derzeit gerichtlich geklärt.
- Im Rückblick: War der Versuch, aus dem Kassensystem auszusteigen, ein schwerer Fehler? (Interview in Merkur-online Ende November 2011)
- WH: Im Rückblick ist eigentlich alles falsch, das nicht gelingt. Die Staatsregierung hat damals den Druck auf die Hausärzte massiv erhöht, so dass zum Schluss bei den meisten Medizinern die Existenzangst überwog.
- Haben Sie dies unterschätzt?
- Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Staatsregierung eigens Anzeigen schaltet, um den Hausärzten Angst zu machen.
KVB - Neuwahlen Januar 2011
- Wolfgang Hoppenthaller galt nach der gescheiterten Hausarzt-Revolte als erledigt, nun führen zwei Vertraute die Kassenärztliche Vereinigung.
- Entwicklungen beim BHÄV in Bayern im Herbst 2011 - Wird das Quorum für eine außerordentliche Mitgliederversammlung erreicht?
Austritt BHÄV Dezember 2011
- Mit Bedauern hat der Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) die persönliche Entscheidung von Wolfgang Hoppenthaller zur Kenntnis genommen, seinen Ehrenvorsitz zurückzugeben und die Mitgliedschaft im Verband zu kündigen. So regierte der BHÄV auf den Austritt Hoppenthallers, den dieser am 14.12.2011 in einem Brief erklärt hatte. Dass dem ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes weitere Mitglieder folgen könnten, fürchte der BHÄV aber nicht, erklärte ein Sprecher gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.
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