1989

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Flagge der DDR
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Flagge der DDR

Inhaltsverzeichnis

Chronologie der Ereignisse 1989

Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil. (nach SPIEGEL)
das Gesundheitsreformgesetz sieht vor, die Krankenscheine durch einen maschinenlesbaren Ausweis zu ersetzen. Zur Technik des Ausweises steht nichts im Gesetz. Mittels der Karte werden die Abrechnungsinformationen über Behandlungen und Diagnosen, die in der Arztpraxis entstehen, eindeutig zugeordnet. Über Datenträger an die KV weitergeleitet und von dort, teilweise anonymisiert, an die Krankenkassen. Krankenkassen und Ärzteverbände einigten sich dafür 1989 zunächst auf eine Magnetstreifenkarte. Sie kann den im Gesetz vorgesehenen Versicherten-Datensatz aufnehmen und kostet weniger als halb so viel wie eine dumme Chipkarte. Wegen verbreiteter Proteste der Ärzte, denen schon damals die ganze Richtung nicht gefiel, mußte das Projekt 1990/92 eine Pause einlegen. In dieser Zeit gelang es der Chipkartenindustrie, die Chipkarte als Lösung durchzusetzen . Maßgebend waren damals die Krankenkassen, (in ihrem Auftrag das „Projektbüro Krankenversichertenkarte“ von Dr. Peter Debold) und die Siemens AG. Beide argumentierten, die Chipkarte sei, im Gegensatz zur Magnetstreifenkarte, erweiterbar. Man könnte neue Anwendungen während des Einsatzes laufend in die Karte aufnehmen wie Behandlungs- und Diagnosedaten, Arztbriefe und Rezepte, auch unterschiedliche Tarife der Versicherten, Zuzahlungsregelungen zum Beispiel, wie sie schon damals von liberalen Kritikern der Sozialversicherung gefordert wurden. Damit setzten die Krankenkassen und Siemens die Chipkarte durch. Wegen der Bedenken von Datenschützern wurde allerdings später die Nicht-Erweiterbarkeit technischer Komponenten in der Hardware der Karten und Lesegeräte vorgeschrieben, weil die Technologie nur so schnell durchsetzbar war. Man hätte jetzt genauso gut zur Magnetkarte zurückkehren und viele Millionen an Versicherungsbeiträgen sparen können.
Sozialistischer Bruderkuss - Berlin, East Side Gallery
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Sozialistischer Bruderkuss - Berlin, East Side Gallery
  • 19.01.1989 - Erich Honecker versichert, die Mauer werde in "50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben"
  • 06.02.1989 - Der 20jährige Schlosser Chris Gueffroy wird bei einem Fluchtversuch an den Grenzanlagen zu Westberlin erschossen, letzter Mauertoter
MfS-Protokoll Februar 1989
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MfS-Protokoll Februar 1989
  • 15. Februar 1989 - Sowjetischen Truppen ziehen zwischen dem 15. Mai 1988 und 15. Februar 1989 aus dem besetzten Afghanistan endgültig ab. Afghanistan hatte zwischen ein und anderthalb Millionen Tote zu beklagen, fünf Millionen Menschen waren wegen des Krieges aus dem Land geflohen. Auf sowjetischer Seite starben in den knapp zehn Jahren der Intervention seit Dezember 1979 etwa 15.000 Soldaten. Weitere Zehntausende wurden verwundet beziehungsweise gesundheitlich und psychisch für ihr Leben gezeichnet.
  • 13. März 1989 - Der „Spiegel“ druckt ein Interview, das für Furore sorgt. Auf sechs Seiten äußert sich ein im Westen kaum bekannter SED-Jurist zum "Recht im SED-Staat". Es ist Gregor Gysi, der die Verhältnisse im anderen Deutschland verteidigt. Er begründet, warum die DDR ihren Bürgern das Recht auf Ausreise verweigert und warum Verurteilte in politisch motivierten Prozessen nicht einmal ihr eigenes Urteil ausgehändigt bekommen.
"Spiegel"-Redakteur Ulrich Schwarz war einer seiner beiden damaligen Interviewpartner. Der studierte Theologe war zweimal, 1976/77 sowie 1985 bis 1990, DDR-Korrespondent des Hamburger Magazins.
Auf Gysi als Interviewpartner zu kommen war 1989 relativ naheliegend. Denn er vertrat ja eine ganze Menge Dissidenten. Zum Beispiel war er dabei, als Bärbel Bohley nach ihrer zeitweiligen Abschiebung in den Westen zurückkam in die DDR.
Gysi ist anders als der Anwalt Wolfgang Vogel nie aus der Deckung gekommen. Mit Vogel konnte man ganz offen reden. Er hat mir einmal, als ich ihn auf seine Kontakte zur Stasi ansprach, sinngemäß gesagt: "Was glauben Sie denn, mit wem ich jeden Tag zusammensitze? Wer fällt denn bei uns die Entscheidungen?" Das war eine Ebene, auf der man sich verständigen konnte. Gregor Gysi hätte das nie gemacht. Er hatte immer einen Schutzschild um sich, in jeder Hinsicht. Er hat zugleich nicht so getan, als sei er ein Hundertfünfzigprozentiger. Er blieb immer in Deckung.
Eastside-Gallery BERLIN 2002
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Eastside-Gallery BERLIN 2002
  • 03.04.1989 - Der Schießbefehl an der Grenze wird ausgesetzt
solidarnosc-logo aus pl wikipedia
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solidarnosc-logo aus pl wikipedia
  • 17.04.1989 - Die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" wird wieder legalisiert
Eastside-Gallery BERLIN 2002
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  • 31. Mai 1989 - Die Sowjetunion sei "eine Großmacht im Abstieg", allerdings sei der charismatische Sowjetführer Michail Gorbatschow in der Lage, die westliche Öffentlichkeit gegen ihre Regierungen auszuspielen. Sein "Propaganda-Blitzkrieg" könne daher die "Spaltung der Allianz" herbeiführen. Die US-Regierung müsse mit "kühnen, neuen Ideen" die politisch-strategische Initiative zurückzugewinnen. Zu diesem Ende hatte Baker schon Anfang 1989 die deutsche Frage im Visier. Die biete eine "wirkliche Möglichkeit, Vorsprung zu gewinnen und alle Erwartungen zu übertreffen", heißt es in einem Papier vom 21. Februar 1989: "Dieses Thema kommt jetzt zurück." Fraglich war nur, "ob es Gorbatschow als erster aufgreift" - aber Baker beabsichtigte nicht, die Chance zu verpassen. Ende Mai 1989 besuchte Präsident Bush die Bundesrepublik. In der Rheingoldhalle in Mainz hielt der Führer der freien Welt eine vielbeachtete Rede, in der er Westdeutschland zum "Partner in Leadership" ausrief.
And here in Mainz, by the banks of the Rhine, it's often said that this heartland of mountain vineyards and villages embodies the very soul of Germany. So, Mainz provides a fitting forum for an American President to address the German people. Today I come to speak not just of our mutual defense but of our shared values. I come to speak not just of the matters of the mind but of the deeper aspirations of the heart.
  • 04.06.1989 - Blutbad auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" in Peking. Danach geistert das Wort bzw. die Möglichkeit einer "chinesischen Lösung" durch die DDR
Eastside-Gallery BERLIN 2002
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Eastside-Gallery BERLIN 2002
  • 08.06.1989 - Die Volkskammer bezeichnet das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens als "Niederschlagung einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz von Militär
  • 27.06.1989 - Als symbolischen Akt zerschneiden der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Kollege Alois Mock Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze. Die Grenzkontrollen bleiben. In der DDR löst das dennoch einen Urlauber- und Flüchtlingsstrom nach Ungarn aus
  • 08. August 1989 - Die Ständige Vertretung der BRD in Ost-BERLIN wird wegen Überfüllung geschlossen, weil sich rund 130 Ausreisewillige dort aufhalten
  • 13. August 1989 - Die BRD-Botschaft in Budapest wird geschlossen. Dort halten sich 180 DDR-Bürger auf
  • 16. August 1989 - Der KBV-Vorsitzende Prof. Dr. Siegfried Häußler stirbt überraschend - "In einer schwierigen Situation der deutschen Kassenärzte folgte Professor Häußler dem Drängen der Vorsitzenden der Länder-KV-en, diese Amtsperiode für 4 Jahre zu übernehmen - ohne wenn und aber." (Dr. Kohne, Vorsitzender der VV der KBV im Nachruf am 9.9.1989)
  • 19. August 1989 - Das Paneuropäische Picknick bei Sopron gilt vielen als Coup, der den Niedergang des Kommunismus symbolisiert.
  • 22.08.1989 - Die BRD-Botschaft in Prag wird geschlossen. Dort haben ca 140 DDR-Bürger Zuflucht gesucht
  • 24.08.1989 - In Budapest erhalten 108 DDR-Bürger in der deutschen Botschaft von der ungarischen Regierung als "einmalige humanitäre Aktion" die Ausreiseerlaubnis in den Westen
Heiner Geißler 2007
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Heiner Geißler 2007
  • 11. - 13. September 1989 - CDU-Bundesparteitag: CDU-Generalsekretär Heiner Geißler wollte zusammen mit anderen Kohl durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth ersetzen. Der "Putsch" misslang und so war es Geißler, der seinen Posten auf dem Bremer CDU-Parteitag verlor.
  • 12.09.1989 - Die DDR-Regierung bezeichnet die ungarische Grenzöffnung als "organisierten Menschenhandel" - Gründungsaufruf von Demokratie Jetzt
  • 25.09.1989 - Etwa 5.000 Menschen protestieren in Leipzig für Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums
  • 30.09.1989 - Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet auf dem Balkon der BRD-Botschaft in Prag, daß alle DDR-Flüchtlinge ausreisen dürfen, die sich in den Botschaften in Prag und Warschau aufhalten
  • 01.10.1989 - Die ersten Sonderzüge aus Warschau und aus Prag mit ungefähr 6000 DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR. DDR-Bürger versuchen, auf die Züge aufzuspringen - "Oktoberflugblatt" des Neuen Forums - Vor der Botschaft in Prag versammeln sich erneut rund 7000 Menschen, obwohl die tschechoslowakische Polizei dies zu verhindern sucht
  • 02.10.1989 - In der Gethsemanekirche in Berlin beginnt eine Mahnwache für die politischen Gefangenen - Eine Demonstration von ca. 20.000 Menschen in Leipzig wird gewaltsam aufgelöst - In Berlin wird der Demokratische Aufbruch gegründet
Montags-DEMO Leipzig 1989
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Montags-DEMO Leipzig 1989
  • 07.10.1989 - Am 40. Jahrestag der Republik mahnt Gorbatschow bei seinem Besuch in Berlin die SED-Führung zu Reformen Demonstrationen in Berlin, Leipzig, Dresden, Plauen, Jena und Potsdam, viele Festnahmen und Misshandlungen durch die Volkspolizei und das MfS
Leipzig 9.10.1989
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Leipzig 9.10.1989
  • 09.10.1989 - 70.000 Demonstranten in Leipzig - Das Flugblatt: "Vier dringende Bitten" kursiert - Der Dresdner Dialog beginnt
Erich Honecker Portrait 1976
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Erich Honecker Portrait 1976
  • 18.10.1989 - Erich Honecker tritt von allen Ämtern zurück. Auch Günter Mittag verliert seine Ämter im Politbüro. Egon Krenz wird Generalsekretär der SED
  • 27.10.1989 - Der Staatsrat verkündet eine Amnestie für Flüchtlinge und Teilnehmer nichtgenehmigter Demonstrationen - Der Reiseverkehr in die Tschechoslowakei wird wieder zugelassen
Alexanderplatz-DEMO
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Alexanderplatz-DEMO
Marx und Engels waren dabei ...
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Marx und Engels waren dabei ...
  • 04.11.1989 - Alexanderplatz-Demonstration in Ost-Berlin gegen die bisherige SED-Politik, begleitet von hektischen Aktivitäten und Einflussnahmen des MfS; dies ist der letzte große Versuch des MfS zur Kanalisierung der Volksbewegung der Wende - er misslingt
Am 4.11. selbst erinnere ich mich sehr genau, daß auf dem Haus des Lehrers und auf dem Berolina-Haus auf dem Dach Sandsäcke aufgeschichtet waren wie für Maschinengewehrnester. Wir hatten da die Stadtwohnung gleich nebenan, das Wochenende vorher war da noch nichts, und am Sonntag waren die wieder weg. Ich habe bisher keinen getroffen, der die auch gesehen hat, aber ich schwöre, die waren da.
  • 06.11.1989 - An die Kreisdienststellen und BV des MfS ergeht der Befehl, brisantes dienstliches Material zu vernichten oder auszulagern - Die Presse veröffentlicht den Entwurf für ein neues Reisegesetz. Danach kann jeder Bürger der DDR für maximal 30 Tage pro Jahr ins Ausland reisen, sofern er dies beantragt und eine Genehmigung erhält
  • 07.11.1989 - Der Vorsitzende des Ministerrats, Willi Stoph, und die gesamte Regierung treten zurück
  • 08.11.1989 - Das Politbüro der SED tritt geschlossen zurück. Egon Krenz bleibt Generalsekretär der SED
Pressekonferenz 09.11.1989 mit G. Schabowski
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Pressekonferenz 09.11.1989 mit G. Schabowski
  • 09.11.1989 - Die "Mauer" in Deutschland öffnet sich! Sie trennte vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 innerhalb der Viersektorenstadt West- von Ost-Berlin und dem ganz Berlin umgebenden Gebiet der DDR. Sie war eines der markantesten Symbole für den Ost-West-Konflikt und die Teilung Deutschlands. - Legendäre Pressekonferenz des SED-Politbüromitglieds Günter Schabowski im Internationalen Pressezentrum am frühen Abend dieses Tages, als er die Regelungen für ein neues Reisegesetz ab sofort als gültig erklärt.
Marx-Engels-Forum Mai 2002
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Marx-Engels-Forum Mai 2002
Ruinen Palast der Republik 19. September 2008 bei Ärzte-DEMO
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Ruinen Palast der Republik 19. September 2008 bei Ärzte-DEMO
"Trabbi-Town" wurde Duderstadt am 11.11.1989 umbenannt
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"Trabbi-Town" wurde Duderstadt am 11.11.1989 umbenannt
  • 13.11.1989 - Der Präsident der Volkskammer, Horst Sindermann, tritt zurück. Sein Nachfolger wird Günther Maleuda von der DBD. Der amtierende Ministerrat wird abberufen, Willi Stoph und Erich Mielke versuchen, sich zu rechtfertigen; die Volkskammer wählt Hans Modrow zum neuen Ministerpräsidenten - Die Sperrzonen entlang den Grenzen werden aufgehoben
  • 17.11.1989 - Hans Modrow präsentiert die 28 Minister seines Kabinetts; später (nach der Wiedervereinigung 1990) stellt sich heraus, dass mindestens 12 davon Mitarbeiter des MfS waren
  • 18.11.1989 - Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wird formal aufgelöst, an seine Stelle tritt das Amt für Nationale Sicherheit mit dem neuen Leiter Wolfgang Schwanitz - Die Volkskammer setzt einen "Untersuchungsausschuß Amtsmißbrauch" ein
  • 23.11.1989 - Im Ostberliner Kino "International" wird der seit 1966 verbotene Film Spur der Steine von Frank Beyer gezeigt
SPIEGEL: Trotzdem: Sie waren sauer, dass Kohl im November 1989 seinen Zehn-Punkte-Plan ohne jede Absprache im Bundestag präsentierte.
Rice: Wir hatten keine Ahnung, dass der Plan kommen würde. - SPIEGEL: Nicht einmal Präsident Bush? Rice: Niemand wusste etwas. :: SPIEGEL: Wie haben Sie reagiert, als Sie von Kohls Plan erfuhren? Rice: Der Inhalt störte mich nicht besonders. Aber darüber, dass wir nicht informiert worden waren, waren wir nicht glücklich. SPIEGEL-GESPRÄCH: "Es ging um den Jackpot" - Die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice über Amerikas Kampf um die deutsche Einheit Heft 39/2010)
  • 01.12.1989 - Die Volkskammer streicht den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung
  • 02.12.1989 - Ein Bericht des Untersuchungsausschusses der Volkskammer legt Korruption in der SED-Spitze offen
An der Mauer Dezember 1989
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An der Mauer Dezember 1989
  • 03.12.1989 - 12. Tagung des ZK der SED. Rücktritt des Politbüros unter Egon Krenz und des gesamten ZK. Erich Honecker, Willi Stoph, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und weitere Spitzenfunktionäre werden aus der SED ausgeschlossen - Günter Mittag und Harry Tisch werden wegen Schädigung des Volkseigentums und der Volkswirtschaft verhaftet - Menschenketten entlang den Fernstraßen durch die DDR - Sperrung aller Konten von Organisationen, Betrieben, Institutionen und Bezirken durch das MdF
  • 04.12.1989 - Erst in Erfurt, dann auch in Leipzig und anderen Städten dringen Bürger in die Gebäude des Staatssicherheitsdienstes ein, um die Vernichtung von Akten zu verhindern
  • 06.12.1989 - Rücktritt von Egon Krenz als Vorsitzender des Staatsrates und des NVR, Manfred Gerlach wird Staatsoberhaupt - Der Devisenbeschaffer und Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel, Alexander Schalck-Golodkowski, stellt sich in Westberlin der Polizei. In der DDR besteht gegen ihn Haftbefehl wegen "Veruntreuung von Volkseigentum"
  • 07.12.1989 - Beginn des Runden Tischs in Berlin - Erich Mielke wird verhaftet
  • 11.12.1989 - Bei der Leipziger Montagsdemonstration wird erstmals die Wiedervereinigung gefordert
  • 13.12.1989 - Die Stadtverordentenversammlung von Berlin erkennt Erich Honecker die Ehrenbürgerrechte ab
  • 16.12.1989 - Die SED benennt sich bei der Vorsetzung des Sonderparteitags vom 8.12. in "Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus" (SED-PDS) um
  • 19.12.1989 - Bundeskanzler Helmut Kohl wird in Dresden bejubelt

Auch im Jahre 1989:

Unerwarteter Tod des KBV-Vorsitzenden Prof. Dr.med. Siegfried Häußler am 16.8.1989 - Seine Funktion übernimmt der Vize Dr. Ulrich Oesingmann - 1989 bis 1993 führt er dann als Vorsitzender die KBV. März 1993 - Dr.med. Winfried Schorre wird KBV-Vorsitzender

Zitate

  • Im Herbst 1989 befand sich daherder überwiegende Teil der ambulant tätigen Ärzte in einem Beschäftigungsverhältnis mit dem staatlichen oder betrieblichen Gesundheitswesen, arbeitete in Polikliniken, in Ambulatorien und im Betriebsgesundheitswesen. Daneben wurde ein Teil der ambulanten Behandlung durch in stationären Einrichtungen tätige Ärzte erbracht. Nur ein verschwindend geringer Teil war hingegen am Ende der DDR noch in freier Praxis als niedergelassener Arzt tätig: 1989 waren dies noch 341 der 20 570 ambulant tätigen Ärzte
  • 1989 verließen rund 10 000 Mitarbeiter des Gesundheits- und Sozialwesens, darunter circa 4 000 Ärzte und Zahnärzte und 4 000 Krankenschwestern, die DDR
  • Der Hartnäckigkeit und dem Geschick des damaligen Vorstandes der KBV unter Ulrich Oesingmann, Rainer Hess und der Rechtsabteilung der KBV ist es zu danken, dass im Einigungsvertrag der Satz verankert wurde: "Alleiniger Träger der ambulanten ärztlichen Versorgung ist der niedergelassene Arzt." Dies nur wenige Monate nach dem Fall der Mauer erreicht zu haben, gehört zu meinen stärksten und bewegendsten Erinnerungen.
  • Datenschutzrechtliche Überlegungen zum Referentenentwurf GRG Norbert Blüm 1988! (von Dr. Ruth Leuze, Landesbeauftragte für den Datenschutz Baden-Württemberg zum damaligen Zeitpunkt)
Zum verstärkten Einsatz der automatisierten Datenverarbeitung:
Damit wird in Zukunft ein sehr sensibler Lebensbereich nahezu lückenlos aufgezeichnet und für die einzelne Krankenkasse verfügbar gemacht. Das Leistungskonto des Versicherten erlaubt es, ein vollständiges Gesundheitsprofil zu entwickeln. Einen solch schwerwiegenden Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht darf der Gesetzgeber nur zulassen, wenn dies im überwiegenden Allgemeininteresse geboten ist und er dabei den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet. Bis jetzt gibt es keinen zuverlässigen empirischen Nachweis, dass ein umfassendes Leistungskonto notwendig und geeignet ist, den Kostenanstieg zu bremsen!

Subversives aus der DDR

  • So wurde selbst der bittere Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze mit schwarzem Humor bedacht: "Wer reitet so spät durch Nacht und Rüben? Das ist der Erich, der will nach drüben. Er erreicht die Mauer mit Müh’ und Not - Scheiß Schießbefehl, jetzt ist er tot."
  • Geldgeil: Was ist der Unterschied zwischen Hitler und Honecker? Hitler war scharf auf die Ostmark, Honecker ist scharf auf die Westmark.
  • Ein DDR-Bürger läuft an der Berliner Mauer entlang und wird von einem Grenzpolizisten angerufen: "Halt! Können Sie sich ausweisen?" Antwort: "Kann man das jetzt schon selbst?"

20 Jahre danach 2009

  • Wie war die Situation im DDR-Gesundheitswesen 1989/90 - Kleditzsch: Die Krise war natürlich auch im Gesundheitswesen vorhanden. Die Flucht der Schwestern, die Flucht der Ärzte waren extrem zu spüren. Es gingen ja binnen Kurzem mehr als 4000 Ärzte in den Westen. Betont werden muss aber auch, dass die vorhandenen Fachkräfte sich so engagierten, dass die Patienten kaum darunter litten. Das, was wir an Kraft und Möglichkeit hatten, wurde den Patienten gegeben. (Interview mit Dr. phil. Norbert Blüm und Prof. Dr. med. Jürgen Kleditzsch: „Für Reformen braucht man Zeit, und die hatten wir damals nicht“(CDU-Ost), geboren am 26. Januar 1944, seit 1974 Leiter der Abteilung Physiotherapie an der Dresdener Klinik für Orthopädie. Von April bis zum 2. Oktober 1990 Minister für Gesundheitswesen der DDR. Heute ist er niedergelassener Facharzt für Orthopädie in Neu-Ulm.)
Gysi-Erklärung 2011
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Gysi-Erklärung 2011
  • Diese Hierarchien waren im November 1989 weitgehend in Sprach- und Ratlosigkeit erstarrt. Als Matthias-Joachim Blochwitz am Tag nach der Maueröffnung ins Studio kam, hatte er eine Idee, aber keinen Auftrag und erst Recht keine Genehmigung. Sein Produktionschef seufzte „Ich kann Ihnen das nicht verbieten“ und rückte das Equipment heraus, eine Arri-35-mm-Kamera, gute West-Technik.
Blochwitz besaß auch keine Mauerspezialpässe oder Verabredungen, sondern fuhr schnurstracks zum heikelsten Punkt von allem, dem Kontrollpunkt am Brandenburger Tor. Er klingelte. „Was wollen Sie?“ – „Ich möchte mit Ihren Leuten reden.“ Die Tür wurde zugeschlagen. Fünf Minuten später öffnete sie sich wieder. „Was wollen Sie wirklich? – Ich will mit Ihren Leuten reden.“ – „Kommen Sie mal rein.“ Die Unterhaltungen mit den frisch vor den Kopf Geschlagenen sind das einzigartig Frappierende an diesem Film. Sein Mikrofon stößt mitten in einen Denkprozess. „Worin siehst du deine Verantwortung als Grenzsoldat?“ – „Tja“ (gefolgt von einem Schulterzucken). Das ist die Leere nach dem Zerfall der Parolen. „Welchen Sinn macht dein Dienst noch?“ – „Viele von drüben versuchen, die Mauer zu beschädigen.“ Hübsch hilflos, erfreulich harmlos. „Was bleibt nach 21 Jahren Grenzdienst?“ – Ich musste auch erkennen, dass ich missbraucht wurde. Missbraucht zur Sicherung der Macht von Einzelnen.“
Habsburg Douglas: Es war ein wahnsinnig heißer Sommertag. Als wir von einer Pressekonferenz zum Picknick gingen, war ich sehr erstaunt, dass fast keine Ungarn da waren. Dafür aber eine große Masse von Menschen aus der DDR um uns herum. Es war ein richtiger Pulk, der immer schneller zur Grenze hindrängte. Am Straßenrand blieb eine riesige Trabbi-Schlange zurück. Die Leute nahmen nur mit, was sie tragen konnten.
  • Auch zwanzig Jahre danach wird immer noch darüber gestritten, ob im Herbst 1989 in der DDR eine Revolution stattgefunden hat. Das ist natürlich eine Frage der Definition. Wenn man unter einer Revolution das von der Bevölkerung erzwungene Ende einer Herrschaft mitsamt ihrer Legitimation versteht, dann war es eine. Wenn bei einer Revolution außerdem noch Blut fließen muss, war es keine. Blut fließt aber nur dann, wenn eine Revolution in einen Bürgerkrieg übergeht. Und gewaltlos waren die Demonstranten, nicht die Sicherheitskräfte. Die haben bis zum 9. Oktober brutal geknüppelt und Schlimmeres war vorbereitet.
Andere sagen: Das war keine Revolution, sondern eine Implosion, die wir Gorbatschow verdanken. Gorbatschow verdanken wir günstige Umstände. Revolutionen gelingen immer unter günstigen Umständen, andernfalls sind es gescheiterte Revolutionen, wie der 17. Juni 1953. Und das Demonstrieren hat Gorbatschow den Ostdeutschen nicht abnehmen können. Wieder andere sagen: Das Resultat einer Revolution müsse eine neue, noch nie dagewesene Ordnung sein. Im Herbst 1989 sind aber die sozialistischen Länder zur westlichen Tradition, Rechtsstaat, parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft übergegangen. Aber warum denn? Weil etwas angeblich ganz Neues, noch nie Dagewesenes, der "Sozialismus", schließlich sehr alt aussah und nun auch öffentlich abgelehnt wurde.
  • Handeln statt beten - 20 Jahre nach den legendären Montagsdemonstrationen von Leipzig streiten sich prominente Kirchenleute und weniger bekannte ehemalige Bürgerrechtsaktivisten um die Deutungshoheit über die damaligen Ereignisse. Wer hat wirklich die friedliche Revolution in der DDR eingeleitet? (nach SPIEGEL 43/2009)
Montagnachmittag im August 1988 in der Leipziger Nikolaikirche ein Schlüsselereignis. An jenem Tag hatte Superintendent Friedrich Magirius am Ende der Andacht erklärt, dass die Basisgruppen, die seit Jahren montags für volle Kirchenbänke gesorgt hatten, nicht mehr an der Gestaltung des Friedensgebets mitwirken dürften.
Empört stürmten die jungen Männer und Frauen zum Altar, um eine Protesterklärung gegen die Zensur der Kirche zu verlesen, doch ihnen wurde das Mikrofon abgestellt. Jochen Läßig vom "Arbeitskreis Gerechtigkeit" versuchte dennoch, vom Altar aus weiterzusprechen. Superintendent Magirius gab daraufhin dem Organisten auf der Empore ein Zeichen, und schon erstickte Orgelmusik den Protest gegen die Kirche. Ein junger Mann hechtete über die Kirchenbänke, kletterte die Balustrade hoch und zog den Stromstecker der Orgel. Pfarrer Führer sprang auf einen Stuhl, um die Leipziger Basisgruppen, darunter viele Theologiestudenten, kurzerhand aus seiner Kirche zu werfen. Die antworteten mit Pfiffen und Protestrufen. "Das sind keine Leute von uns", rief Führer in den Kirchenraum.
Seiters: Es gab im westlichen Ausland gegenüber dem Gedanken der Wiedervereinigung Ängste und Sorgen. Ein wiedervereinigtes Deutschland, so glaubten manche Europäer, könnte möglicherweise die Koordinaten seiner Politik verändern. Kohl hat später in seinen Erinnerungen geschrieben, er habe noch nie einen europäischen Gipfel in so eisiger Atmosphäre erlebt wie den am 9. Dezember 1989 in Straßburg, 14 Tage nach seinem Zehn-Punkte-Plan.
  • Es war eine der letzten Pressekonferenzen, die Ulla Schmidt (SPD), Bundesgesundheitsministerin seit 2001, gestern in Berlin gab. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Gesundheit in Ost- und Westdeutschland seit dem Fall der Mauer entwickelt hat. Dazu gibt es sehr viel zu berichten, Ermutigendes und weniger Ermutigendes. Im Gesamtbild jedoch überwiegt ganz klar das Positive. Buchtipp: Robert Koch-Institut (Hrsg.): 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland entwickelt, Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, RKI, Berlin 2009. Der Bericht ist kostenlos erhältlich beim Robert-Koch-Institut, GBE, General-Pape-Straße 62, 12101 Berlin; www.rki.de/gbe
Bereits zum fünften Mal darf ich Ihnen diesen Wunsch an einem Silvesterabend übermitteln. Doch heute ist für mich kein Silvesterabend wie jeder andere. Denn der heutige Abend weckt bei mir unmittelbare Erinnerungen, und zwar an Silvester vor genau 20 Jahren. Das habe ich gemeinsam mit meinem Mann in Hamburg gefeiert.
Denn wenige Wochen zuvor, am 9. November, war die Berliner Mauer gefallen. Ohne den Mauerfall hätten mein Mann und ich den 31. Dezember 1989 niemals gemeinsam in Hamburg mit meinen westdeutschen Verwandten verbringen können. Ohne den Mauerfall wäre mein Leben wie das aller DDR-Bürger völlig anders verlaufen.
Mein erstes Silvester in Freiheit nach 35 Jahren meines Lebens in der DDR – es war einmalig. Es war wunderbar. Schon wenige Monate später, am 3. Oktober 1990, war unser Land in Freiheit wieder vereint. Daran denke ich heute Abend.
Dr. Helmut Kohl
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Dr. Helmut Kohl
  • Zum 80.ten Geburtstag Helmut Kohl 31.3.2010: Insgesamt war Kohl bis 1989 der unbeliebteste Kanzler in der bundesdeutschen Geschichte. Seine Popularitätswerte lagen durchweg unter denen seiner eigenen Partei; über einen Kanzlerbonus verfügte Kohl in den ersten sieben Jahren seiner Regierungszeit nicht.
Aber es war gleich, dass er kein brillanter Redner war, kein großer Denker, kein glamouröser Schauspieler der Macht. Kohl hatte seine Partei. Was vielen, wohl klügeren Konkurrenten fehlte, das hatte er sich zielstrebig geschaffen: eine treue Prätorianergarde von Parteileuten, die ihm die Stange hielten, wenn die Gewitter der Medienkritik sich wieder einmal über das Kanzleramt entluden. Auch hier menschelte es, wenngleich es weniger harmlos zuging, als es die gemütliche Pose der Kanzlerrunden mit Riesling aus Wachenheim, Schweinebraten auf Toast und Bergen von Bratkartoffeln nahelegten.
Helmut Kohl wird 80 - Der Machtmenschler- Eine Analyse von Franz Walter
"Die Deutschen sind auf sehr unsympathische Weise Weltmeister im Jammern." (ohne exakte Zeitangabe, aber als Spruch von Helmut Kohl überliefert)
  • Das neueste deutsche Malheur fing damit an, dass die Revolution von 1989 keine war. Die Gegner des Westens und der Demokratie, die SED-Ober-, Mittel- und Unter-Chefs, die Staatssicherheits-Berijas und ihre willigen Helfer landeten, bis auf lächerlich wenige Ausnahmen, nicht vor Richtern und in Gefängnissen. Stattdessen saßen sie mit Schäubles grauen Aktentaschenmännern, den wahren Gestaltern der deutschen Einigung, an runden Tischen, und einer von ihnen, der unsaubere Herr Modrow, blieb bis 1990 Ministerpräsident der DDR. Ein anderer wurde Landesvater von Brandenburg und später einer von Schröders Ministern. So kamen das Gift, die Lüge, die Heuchelei und die Linkspartei in die deutsche Politik, und wer sagt, man muss die Sache pragmatisch sehen, ist nicht pragmatisch genug. Denn Menschen, die Einfluss haben, hinterlassen Spuren – in Akten, in Gesetzentwürfen, in den Köpfen und Handlungen anderer Menschen. Die Ossifizierung des Westens - Deutsche deprimierende Republik ... der Schriftsteller Maxim Biller in seiner Polemik gegen die moralische und wirtschaftliche „Ossifizierung“ Deutschlands.
Der Einzelne, der in Deutschland nie besonders viel zählte, aber in der coolen BRD noch am meisten, was die zu jenem einmaligen deutschen Staat in der langen Geschichte der deutschen Staaten machte, zählt fast nichts mehr. Gut gehen soll es nur noch der Gemeinschaft, die in der DDR Kollektiv hieß, diesem grauen, amorphen Konstrukt, das von der Obrigkeit besonders einfach gesteuert werden kann. Wer er selbst ist und bleiben will, wer in einer Partei, einem Verlag, einer Bank eine eigene Idee entwickeln und verfolgen will, wer nicht jeden Tag mit den Kollegen zum Mittagessen geht, wer in seinen Leitartikeln grundsätzlich die Welt der anderen in Frage stellt, wer nicht für das Sparen von Energie, für Urlaub in Thailand und für die deutsche Fußball-, Handball- und Eishockeymannschaft ist, gehört nicht dazu, der steht außerhalb, der wird nicht angehört, der bekommt Depressionen oder Fernweh.
  • Die Wiedervereinigung hatte ihren Preis. Aus bisher geheim gehaltenen Protokollen geht nach SPIEGEL-Informationen hervor: Erst die Bereitschaft der Kohl-Bundesregierung, ihren Widerstand gegen die Einführung des Euro aufzugeben, ebnete den Weg zur Einheit.

Medizin-Sozialpolitische Splitter 1989

  • Siegfried Häussler gehört zur alten Garde der ärztlichen Berufspolitiker. Der Landarzt aus Altbach bei Esslingen, der 1942 als Soldat sein medizinisches Staatsexamen bestand, anschließend in einem Reservelazarett sowie auf einem Hauptverbandsplatz Dienst tat und bereits 1945 eine eigene Kassenpraxis eröffnete, hat entscheidenden Anteil an der Neubelebung des 1900 als Kampfverband gegen die Krankenkassen gegründeten, 1936 aufgelösten "Hartmannbundes". Von 1953 bis 1959 war er steilvertretender, von 1959 bis 1963 Erster Vorsitzender dieser mitgliederstärksten ärztlichen Berufsorganisation, die bereits auf ihrer konstituierenden Hauptversammlung im August 1949 eine "Beschränkung der Zahl der Medizinstudenten" forderte und die "Überzahl jungapprobierter Ärzte" anprangerte. Häusslers standespolitische Intentionen galten vor allem der Aufwertung des "praktischen Arztes" gegenüber der zunehmenden Zahl ärztlicher Fachspezialisten. 1966 erhielt er einen Lehrauftrag für "Allgemeinmedizin", habilitierte sich an der Universität Ulm und wurde 1974 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Mit auf sein Drängen beschloß der Deutsche Ärztetag 1968 eine neue "Weiterbildungsordnung". die erstmals die Fachbezeichnung "Arzt für Allgemeinmedizin" einführte.
1. Frühseparation von den Eltern vor dem ersten Lebensjahr mit täglich (zu) langen Trennungszeiten;
2. unzureichende Beziehungsangebote in den öffentlichen Erziehungseinrichtungen wegen zu großer Kindergruppen und Vernachlässigung der Beziehungspflege;
3. Mangelnde Wahrnehmung oder Respektierung basaler Bedürfnisse nach Halt, Verstehen, Kreativität und individueller Zuwendung;
4. Infantilisierte Eltern, die sich (deshalb) von kindlichen Bedürfnissen bedroht fühlen und zu projektiven Tendenzen neigen;
5. strukturelle Gewalt der Institutionen durch eine rigide Lenkungspädagogik, die weitestgehend auf den Dialog verzichtet.
Selbstverständlich enthält eine solche Überschau Vergröberungen und kann nur die allgemeinen Tendenzen wiedergeben. Natürlich gab es unter den Eltern und all denen, die in ihrem Beruf mit der Pflege, Erziehung und Behandlung von Kindern zu tun hatten, Menschen, die einen Schutzraum für individuelle Entwicklung einrichteten, sich gegen den mainstream stellten, nicht selten verbunden mit Angriffen oder Verzicht auf materielle und berufliche Sicherheiten. Wenn dieser Beitrag besonders die Schwierigkeiten des Heranwachsens beleuchtete, so geschah das nicht, um die DDR als ein Jammertal darzustellen, in dem weder gelacht, geliebt noch gedacht werden durfte, sondern in der Hoffnung, dass wir diese Erfahrungen verwenden, um genauer auf das zu schauen, was wir heute zu verantworten haben.
  • Er - Hans Wolf Muschallik, der Vorsitzende (1969 - 1985) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der 1945 als Kriegsheimkehrer gemeinsam mit vielen anderen seine berufliche Existenz neu aufbauen mußte, empfand bereits die noch relativ zurückhaltende Gesetzgebung des Gesundheitsreformgesetzes (1989 - Minister Blüm*)) als so bedrückend, daß er in einer seiner letzten Veröffentlichungen 1989 feststellte:
Heutzutage ist viel eher eine Stunde Null als 1945 das ist meine Bewertung der Entwicklung der ambulanten Medizin vom Zusammenbruch bis zum Jahre 1989. Ob es uns lieb ist oder nicht: die Medizin der industriellen Hochleistungsgesellschaft wird von der ambulanten Versorgung bis zum Krankenhausbetrieb und der Versicherungsstruktur Wandlungen erzwingen, die mit Korrekturen am altbewährten System nicht zu erreichen wären. Das Zeitalter der Mikroelektronik wird der patriarchalischen Einzelpraxis weitgehend die Basis entziehen. Ein Neuanfang im System der medizinischen Versorgung wird unvermeidlich werden. Hoffen und wünschen kann ich nur, daß sich dann, wie 1945, Persönlichkeiten finden, die Mut, Energie und Visionen haben, um dieser Neuordnung jene menschliche Grundlage zu bewahren, ohne die ärztliche Tätigkeit für mich nicht denkbar ist."
*) 1989 Gesundheitsreformgesetz "GRG" - unter Norbert Blüm (CDU) (u. a. "Negativliste für Medikamente(Festbeträge, bei höheren Preisen muss der Patient die Differenz übernehmen), höhere Rezeptgebühr für Arzneimittel ein. Bei nicht preisgebundenen Präparaten betrug der Aufschlag 1,50 Euro. Die Klinik-Zuzahlung wurde verdoppelt. Einführung der Zuzahlung im zahnärztlichen Bereich)
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